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  • Portugal: Schifffahrtsmuseum Ílhavo & Schiffsmuseum Santo André

    Von Brenda Beachbum Ahoi, Meeresfreund und Landratte! Auf zu neuen Ufern – ab ins Museum! Hattest du jemals das dringende Bedürfnis verspürt, dem Alltagstrott zu entfliehen, ohne gleich in ein U-Boot zu steigen und mit den Tiefseeanglern kuscheln zu müssen? Dann mal Leinen los und volle Kraft voraus nach Portugal! Genauer gesagt, nach Ílhavo, einem charmanten Fleckchen Erde im Norden Portugals, Bezirk Aveiro. Dort wartet nämlich ein Abenteuer, das so aufregend ist wie der Fund eines ganzen Piratenschatzes – nur ohne die lästige Seekrankheit und mit deutlich mehr Wissensvermittlung: Das Schifffahrtsmuseum von Ílhavo (MMI) und sein Museumsschiff Santo André! Und Santo André kann unter freiem Himmel und auf der Ria bestaunt werden. Ja, du hast richtig gelesen, ein Schifffahrtsmuseum. Klingt erstmal so prickelnd wie Tang im Salat? Falsch gedacht! Dieses Museum ist kein verstaubter Goldschatz alter Schiffspläne, bei denen man schneller einschläft als beim Anblick einer Seegurke. Es ist ein lebendiger Ort, der uns zeigt, dass das Meer nicht nur ein großer, blauer Mülleimer ist, sondern eine Bühne für unglaubliche Geschichten, harte Arbeit und jede Menge Abenteuer. Die Geschichte des Museums selbst ist schon fast so abenteuerlich wie die eines alten Seebären. Gegründet wurde das Museum am 8. August 1937. Ja, ihr habt richtig gehört, 1937! Das ist länger als so manche Ehe in Hollywood hält. Und das Ganze begann mit einer Gruppe von Museumsliebhabern – quasi die „Avengers“ der maritimen Geschichte von Ílhavo. Die hatten eine Vision, einen Ort der Erinnerung zu schaffen, und zwar für die Menschen von Ílhavo. Zuerst war das Museum eher regional und ethnografisch ausgerichtet, was so viel heißt wie: „Hier sind Dinge, die wir in Ílhavo cool finden!“. Aber wie das so ist mit dem Meer und den Gezeiten, alles verändert sich. Im Jahr 2001 bekam das Museum ein fulminantes Makeover. Es zog in ein brandneues, schickes Gebäude um, entworfen von den Architekten ARX Portugal. Modern, stilvoll, quasi das „Hausboot“ unter den Museen. Und als wäre das nicht genug, bekam das Museum im selben Jahr auch noch sein eigenes Museumsschiff: die Santo André, ein ehemaliger Kabeljau-Trawler, der unter freiem Himmel prangt und zum Bestaunen einlädt. Das Museum wuchs und gedieh, wie eine Alge im warmen Wasser. Im Jahr 2012 wurde die Forschungs- und Unternehmenseinheit CIEMar-Ílhavo gegründet. Es ist eine Untereinheit des Schifffahrtsmuseums. Mithilfe seiner Stärken führt es einen wissenschaftlich-kulturellen Forschungsauftrag aus, um das museale und redaktionelle Projekt des Museums zu bereichern und zu erneuern. Und als ob das Museum nicht schon genug Attraktionen hatte, wurde 2013 ein Kabeljau-Aquarium eröffnet! Ja, ein Aquarium, das sich dem Kabeljau gewidmet hat! Wer hätte gedacht, dass dieser Fisch mal zum Star einer eigenen Unterwasser-WG wird? Und als ob der Kabeljau nicht schon genug religiöse Verehrung erfahren hatte (Stichwort: Fischstäbchen), wurde 2021 auch noch ein Zentrum für maritime Religiosität eröffnet. Hier wird das spirituelle Erbe rund ums Meer zusammengetragen. Denn wer auf See unterwegs ist, der weiß: Manchmal hilft nur noch Beten (oder ein sehr, sehr guter Kapitän). Heute ist das Schifffahrtsmuseum von Ílhavo ein einzigartiges maritimes Gesamtkunstwerk. Es bewahrt Erinnerungen an die maritime Kultur und Erinnerungen an die harte Arbeit auf See der Portugiesen auf. Museum, Aquarium, Forschungseinheit, Zentrum für maritime Religiosität und das Museumsschiff Santo André – das alles zusammen ist das MMI. Ein Ort für alle, die das Meer lieben und verstehen wollen.  Das Museum ist ein Denkmal für die enge Verbindung zwischen Ílhavo und dem Meer, und der Ria de Aveiro, einer flachen Küstenlagune von beeindruckender Schönheit, welche für ihre Biodiversität und Kanäle bekannt ist. Sie dehnt sich auf etwa 45 Kilometern aus und stellt ein sehr wichtiges Feuchtgebiet dar. Abbildung 1 Der Kabeljaufang in den fernen Gewässern Neufundlands und Grönlands, die geschäftlichen Aktivitäten in der Ria und die „Diaspora“ der Menschen aus Ílhavo entlang der portugiesischen Küste – das sind die wichtigsten Themen des Museums. Jedes Thema hat seine eigene Dauerausstellung, in der Besucher auf Spurensuche in der jüngeren Vergangenheit gehen können. Vergiss Indiana Jones, hier bist du auf den Spuren echter Seefahrer! Das Schifffahrtsmuseum von Ílhavo verfügt über fünf Dauerausstellungen, jede einzelne dem Thema Schifffahrt gewidmet und voller einzigartiger Sammlungen, die zum maritimen Erbe gehören. Im Untergeschoss, quasi der „Kajüte“ des Museums, finden sich zwei besonders spannende Ausstellungen: Der Raum „Faina/Kapitän Francisco Marques“ widmet sich dem Kabeljaufang mit Ruderbooten. Ja, Ruderboote! In Zeiten von Mega-Containerschiffen kaum vorstellbar, oder? Und der Raum „Ria“ zeigt die agromaritimen Aktivitäten in der Ria de Aveiro. Agromaritim? Das ist, wenn Landwirtschaft und Meer Hand in Hand arbeiten – quasi Bauern und Fischer in trauter Eintracht. Der Kabeljaufang, das war vielleicht das letzte große Abenteuer der Portugiesen auf See. Um dieses Abenteuer zu erleben oder wieder aufleben zu lassen, muss man den Raum „Faina Maior“ im Schifffahrtsmuseum von Ílhavo besuchen. Diese Hauptausstellung des Museums zeigt den Kabeljaufang mit der Langleine, wie er im 19. und 20. Jahrhundert von portugiesischen Männern und Schiffen betrieben wurde. Eine faszinierende und fast schon sagenumwobene Geschichte voller Drama und Heldentum. Die Ausstellung ist ein Denkmal für die Kabeljaufischerei mit Langstreckenschiffen – ob reine Segelboote, Segelboote mit Hilfsmotoren oder Motorschiffe.  Sie spricht alle Sinne an und ist sowohl Erinnerung als auch Hommage an all die Gemeinschaften, die Männer für die „große Fischerei“ stellten. Im Jahr 2002 wurde die Ausstellung Kapitän Francisco Marques gewidmet, dem letzten Kapitän des Loggers Creoula und von 1999 bis 2001 Direktor des Schifffahrtsmuseums von Ílhavo. Die Ausstellung kombiniert echte Ausstellungsstücke mit modernen Medien und anderen pädagogischen Hilfsmitteln. Die Atmosphäre ist mythisch und fesselnd, perfekt für eine kleine „Seereise“ – ob auf einem Segelboot oder in einem Dory, einem kleinen, wackeligen Ein-Mann-Boot. Das Herzstück des Raumes ist eine wunderschöne Kabeljau-Jacht, gebaut von ehemaligen Schiffsbauern aus Holz. Ein lebensgroßes Modell eines typischen Schiffes aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Man kann sogar an Bord gehen und die „Hardware“ dieser beeindruckenden Schiffe anfassen. Im linken Flügel des Raumes sind die Unterdeckräume des Schiffes dargestellt. Der rechte Flügel des Raumes erzählt die Geschichte einer Reise: Von der Vorbereitung und Abfahrt des Schiffes, über die harte Arbeit in den Dorys, bis zur lang ersehnten Rückkehr. Das RIA Zimmer  DU betretest einen brillant gestalteten Raum, der sich so luftig und hell anfühlt wie ein perfekter Sommertag an der Küste. Stell dir vor: Du gehst hinein und BÄM! Da stehst du Auge in Auge mit elf – ja, du hast richtig gelesen, ELF – lebensgroßen Booten. Das sind keine gewöhnlichen Boote (zum Glück, denn Seekrankheit in einem Museum ist einfach nur peinlich). Das sind die echten Schiffe, die einst auf den Wellen der Ria (Ria = Lagune) tanzten, und in deren Planken jeweils eine Geschichte eingraviert ist. Stell es dir wie ein maritimes Familientreffen vor, bei dem Boote aller Formen und Größen zusammenkommen, um ihre seefahrerische Prahlerei zur Schau zu stellen. Hier siehst du ein „Moliceiro“ und die „Mercantel“ (oder „Saleiro“), die Großväter der Flotte, groß und mächtig, ganz klar die Geschichtenerzähler der Truppe. Aber warte, da gibt es noch mehr! Zwischen diesen Giganten sind die kleineren, pikanteren Cousins eingequetscht: das „Erveira-Boot Canelas“ (einprägsamer Name, oder?), die „Fischer- und Freizeit-Schrotflinten“ (okay, vielleicht nicht so einprägsam), die „Chincha“, die „Matola“ und die „Patacha“. Und für einen Hauch sportlicher Eleganz zeigt sich ein Segelboot der „Vouga“-Klasse – anscheinend ist es das Supermodel der Bootswelt der Ria de Aveiro. Dies sind nicht einfach nur hübsche Boote, die ziellos auf dem Wasser treiben (weil sie ja in einem Museum sind und nicht auf dem Wasser treiben können). Jedes von ihnen ist ein Zeugnis einer vergangenen Ära, eine schwimmende Enzyklopädie wirtschaftlicher Aktivitäten. Anscheinend wussten die Leute hier, wie man die einheimischen Fische anbaggert und sie mit Stil an Land zieht! Und vergessen wir nicht den Schiffbau selbst, denn irgendjemand musste diese nautischen Meisterwerke ja erschaffen, oder?  Muschel & Seetangzimmer Im oberen Atrium des Museums, ist das Licht getaucht wie in einer Art Muschelhimmel, und du erblickst das Heiligtum der Wissenschaft: die Malakologie- und Algotheca-Sammlung. Ich weiß, was du jetzt denkst: „Malaco-was-jetzt?“ Keine Angst. Malakologie ist, um es einfach auszudrücken, die äußerst ernsthafte Lehre von Weichtieren – denken wir an Schnecken, Muscheln und all diese tollen Tierchen mit Schalen.  Und die Algotheca-Sammlung?  Die Algotheca ist Américo Teles‘ persönliche Ode an die Algen. Ja, Algen! Anscheinend war dieser Kerl, der ebenso Gründer des Museums ist, völlig hingerissen von der Schönheit der Algen (wer hätte gedacht, dass Algen schön sein können?). Ab Ende der 1940er Jahre begann er, diese Meerespflanzen zu sammeln, vorzubereiten und zu konservieren. Jedes Exemplar wird sorgfältig analysiert, nach Familie, Gattung und Art identifiziert und mit Details zu Herkunft, Datum und dem Namen des Sammlers und Identifizierers katalogisiert. Es ist sozusagen eine botanische Biografie der Algen. Américos Liebe zu Algen war so groß, dass er sogar Exemplare an andere Museen und an Jacques Cousteau selbst verschenkte! 1979 erhielt Cousteau einige Algen-Souvenirs, die heute im Ozeanographischen Museum von Monaco ausgestellt sind. Das ist wirklich Algen-Jetset!  Ausstellung: Zimmer der Meere  Diese Ausstellung ist im Grunde ein Liebesbrief – ein leicht feuchter, nach Seetang riechender Liebesbrief – an die portugiesische Berufung zur Seefahrt. Sie tauchen tief (Wortspiel beabsichtigt!) in die epische Saga der Ílhavos-Leute ein, dieser legendären Küstenwanderer. Anscheinend waren diese Leute so etwas wie der ursprüngliche Meeresfrüchte-Lieferservice, der die Küste rauf und runter lief und sich dort niederließ, wo die Fische anbissen. Das ist Hingabe an ihr Abendessen! Und jetzt kommt's: Ihre Fähigkeiten im Fischen und im Schiffbau waren nicht nur gut – sie sind „historisch dokumentiert“. Wir sprechen von ernsthaften, verstaubten Beweisen. Tatsächlich ist es so tief verwurzelt, dass es laut lokalen und regionalen Ethnologen „mythische Ausmaße“ annimmt. Mythische Fischer? Klingt nach unseren Helden! Vergiss Herkules, gib mir einen Kerl, der mit einem Kabeljau ringen kann! Jetzt reden wir über Schiffe, denn in Portugal sind Schiffe nicht einfach nur Boote, sie sind praktisch Nationaldenkmäler auf Pontons. In der Sala dos Mares steht das Schiff im Mittelpunkt, wie ein Superstar aus Seemannsgarn. Ausgestellt werden alle möglichen Modellschiffe, von denen, die im Zeitalter der Entdeckungen mutig dorthin fuhren, wo noch kein Portugiese zuvor gewesen war (denk an Karavellen, nicht an Kreuzfahrtschiffe!), bis zu den robusten Bottichen, die in eisigen Gewässern auf der Suche nach Kabeljau kämpften.  Aber die wahren Helden der Heimmannschaft? Die Küstenfischerboote! Du kannst Modelle dieser traditionellen Schönheiten bestaunen. Und falls, du an Geographie interessiert bist (oder dich nicht orientieren kannst), gibt es eine Karte der portugiesischen Küste, auf der man genau sehen kann, wo sich dieser maritime Wahnsinn abgespielt hat. Und für den technisch versierten Freibeuter gibt es sogar eine digitale Infotafel. Denn selbst erfahrene Seebären wissen heutzutage einen guten Touchscreen zu schätzen. Wenn du dich weiter in diese Schatzkammer maritimer Wunder wagst, stößt du im rechten Flügel des Raumes auf ein Heiligtum des nautischen Know-hows! Hier werden die Köpfe hinter den Muskeln gefeiert, die Fischer und Seeleute, die nicht nur Glück hatten, sondern auch schlau waren! Von der Antike bis heute ist dies eine Schauvorstellung von Navigationsinstrumenten und -techniken. Wir sprechen von Jahrhunderten gebündelter Weisheit, einem herrlichen Mashup aus Wissenschaft und „Ich schwöre, ich habe einen Stern gesehen, der wie ein Fisch aussah“-Erlebnis. Von der altmodischen Sternenbeobachtungsnavigation bis zu den elektronischen Geräten ist alles da. Es ist, als würde man sagen: „Seht her, wir sind nicht einfach ziellos umhergetrieben, wir wussten tatsächlich (größtenteils), wohin wir fuhren!“ Kunstraum Das Meer war und bleibt eine Quelle der Inspiration. Und da es in Portugal nicht nur um harte Arbeit und historische Heldentaten geht, erinnern sie sich auch an die sanftere Seite des Meeres: Inspiration! Die Ausstellung erinnert uns sanft daran, dass das Meer seit Jahrhunderten wie eine riesige, blaue, wässrige Muse für Künstler aller Art ist. Anscheinend hat jede erdenkliche Art künstlerischen Ausdrucks ihre Zehen oder Pinsel in den Inspirationspool des Ozeans getaucht. Denken wir an dramatische romantische Maler, die versuchten, das Meer in einem Wutanfall einzufangen – alles stürmisch und angespannt. Dann kamen die Naturalisten, die die Dinge etwas beruhigten und das Meer in seinem „charmanten und bukolischen Charakter“ malten.  Im Grunde wurde das Meer in der Kunstwelt vom launischen Teenager zum entspannten Yogalehrer! Und langsam begannen hinterhältige Menschen, sich in diese Meereslandschaften einzuschleichen. Es ging nicht mehr nur um Wellen, plötzlich ging es um die Leute, die mit diesen Wellen rangen (vermutlich um Sardinen). Boote, Netze, salzige Gesichter, das geschäftige Treiben in Fischerdörfern – diese wurden zu den Rockstars der portugiesischen naturalistischen Kunst und Skulptur. Es ging ihnen um das „Meer der Arbeit“ und darum, den Sweet Spot zwischen Mensch und Natur zu finden. Betrachtet es als künstlerische Instagram-Filter für das echte Leben, die das „Gleichgewicht zwischen natürlicher Schönheit und der Einfachheit des Lebens“ einfangen. Klingt idyllisch, oder? Besonders im Vergleich zum echten Fischen. Schneller Vorlauf zum „Sommermeer“, denn selbst hart arbeitende, das Meer liebende Nationen brauchen Urlaub! Plötzlich diente das Meer nicht mehr nur dazu, das Abendessen zu fangen; es wurde zur Therapie, Freizeitgestaltung und für Postkarten verwendet! Maler begannen, erstklassige Strandplätze auf „schönen Postkarten“ zu verewigen. Denn nichts sagt mehr „Wäre schön, wenn du hier wärst“ als ein Bild von jemand anderem, der sich entspannt, oder? Während die Spätnaturalisten auf sanfte Farben und traditionelle Stimmungen setzten (man denke an alte Strandposter), entschieden sich die Modernisten des frühen 20. Jahrhunderts, die Dinge aufzurütteln. Kräftige Farben, „disruptives Denken“ (in künstlerischer Hinsicht, wahrscheinlich nicht als tatsächlicher Verstoß gegen das Seerecht) und BÄM! Die Meereskunst wurde energisch, lebendig und unbestreitbar „mit einem Hauch von Kühnheit und Vielfalt“. Im Grunde wurde das Meer einem modernen Makeover unterzogen und seine ruhige Strickjacke gegen einen bunten Neoprenanzug eingetauscht. Schiffsmuseum Santo André Von der Fischfabrik zum schwimmenden Museum: Der epische Glanz der Santo André. Stell dir folgendes vor: Du bist ein Boot, richtig? Und nicht nur irgendein Boot, sondern ein Museumsboot. Klingt toll, nicht wahr? Nun, die Santo André hat nicht angefangen, um Champagner zu schlürfen und mit Touristen zu verkehren. Oh nein. Dieses Schiff war ein Arbeiterschiff. Betrachtet es als das maritime Äquivalent eines Arbeiterkomikers – bodenständig, ein bisschen rau, aber mit einer Geschichte zu erzählen. Abbildung 2 Diese große alte Dame, ein „Seitentrawler“ (oder wie die coolen Kids im Schiffsbau sie anscheinend nannten, ein „Klassiker“ – weil „Seitentrawler“ einfach nicht extravagant genug war), wurde im Jahr 1948 in Holland vom Stapel gelassen. Sie wurde für die Aveiro Fishing Company gebaut und sollte die Beyoncé unter den Fischereifahrzeugen werden. Wir sprechen hier von einem hochmodernen Schiff (für 1948, wohlgemerkt!), das stolze 71,4 Meter lang ist und einen Fischraum hat, der so groß ist, dass er ZWANZIGTAUSEND Doppelzentner Fisch aufnehmen kann! Falls du mit den „altmodischen Fischmaßen“ nicht vertraut bist: Das ist im Grunde ein Berg Kabeljau. Genug Kabeljau, um eine kleine Armee zu ernähren … oder zumindest eine sehr große Familie für sehr lange Zeit. Ihre Mission? Kabeljau mit diesen ausgefallenen „Schleppnetztechniken“ aufzusaugen – stellt euch einen riesigen Unterwasserstaubsauger vor, aber für Fische. Und jetzt spulen wir vor in die nicht mehr so coolen 1980er Jahre. Plötzlich wird jeder ganz wählerisch, wo er fischen will. „Ausländische Gewässer? Non! Nein! Não!“ Das Angelfest war offiziell vorbei. Das bedeutete, dass die portugiesische Fischereiflotte schneller schrumpfen musste als eure Jeans nach dem Thanksgiving-Dinner. Viele Schiffe? Sagen wir einfach, sie gingen auf den großen Schrottplatz im Himmel (oder, wahrscheinlicher, wurden zu etwas weniger Glamourösem eingeschmolzen, wie vielleicht Büroklammern). Auch die arme Santo André sah einer fischfreien Zukunft entgegen. Der 21. August 1997 – notiere ihn im Kalender, denn für unsere salzige Heldin war es fast vorbei. Der Abriss stand bevor. Aber haltet euch fest, denn hier bekommt die Geschichte eine Wendung, die einer Telenovela würdig wäre! Irgendjemand hatte irgendwo eine brillante Idee! „Moment mal!“, riefen sie (wahrscheinlich mit dramatischer Umklammerung eines Fischernetzes). „Santo André ist nicht nur irgendeine alte Rostlaube! Sie ist eine Legende! Wir können nicht zulassen, dass sie zu ... Schrott wird!“ Und so entstand ein heroisches Duo: Herr António do Lago Cerqueira, der Schiffseigner (wahrscheinlich ein Mann, der leicht nach Meer und Abenteuer roch) und die stets vernünftige Gemeinde von Ílhavo. Gemeinsam, wie Batman und Robin, aber mit mehr maritimen Kenntnissen, schmiedeten sie einen Plan! "Lasst uns ein Museum daraus machen!", riefen sie! (Wahrscheinlich gingen Konfettikanonen los. Vielleicht.) Und so wurde der Traum eines jeden wahr, der sich jemals auf hoher See auf die Jagd nach Kabeljau gemacht hat (und dabei wahrscheinlich gegen die eine oder andere Monsterwelle gekämpft hat). Santo André war gerettet! Sie würde nicht als recycelte Getränkedose enden. Stattdessen würde sie ein fantastisches Makeover und eine brandneue Karriere bekommen! Unsere ehemalige Fischfabrik hat also ein ganz neues Leben bekommen. Sie hängt in Ílhavo herum, zeigt ihren, ähm, Vintage- Charme und bringt Jugendlichen (und neugierigen Erwachsenen) alles über die wilde und verrückte Welt des Kabeljaufischens bei. Betrachtet es als „Kabeljaufischen 101“, unterrichtet von einem Professor, der es tatsächlich erlebt hat. Sie ist da, um uns an all die tapferen Seeleute zu erinnern, die ein halbes Jahrhundert auf dem Meer verbrachten, gegen die Elemente kämpften und mit Netzen voller glitschiger, schleimiger Fische rangen. Das Schiff ist nicht nur ein Museumsschiff, sie ist ein Zeugnis einer vergangenen Ära und der Beweis, dass selbst alte Seebären neue Tricks lernen können! Mein tiefer Einblick in dieses Schifffahrtsmuseum und das Museumsschiff war alles andere als langweilig. Es ist ein Ort, an dem Boote Charakter haben, Muscheln Hintergrundgeschichten und sogar Seetang seinen großen Auftritt hat. Wenn du dich jemals nach einer Dosis salziger Geschichte und skurriler Meeresbiologie sehnst, setze die Segel nach Ílhavo. Vielleicht verliebst du dich Hals über Kopf in die unerwarteten Wunder des Meeres – so wie Américo Teles es mit seinen geliebten Algen tat. Und wer weiß, vielleicht siehst du dann Muscheln sogar in einem ganz neuen Licht … vielleicht als potenzielle Kastagnetten? Galerie (Klicken zum Vergrößern) Bis zum nächsten Mal, und halte deinen Kompass auf die faszinierenden Grenzen unserer Ozeane ausgerichtet! Hier erfährst du mehr: Website Schifffahrtsmuseum Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben! Bildquellen: Abbildung 1: Vitor Oliveira from Torres Vedras, PORTUGAL, CC BY-SA 2.0 , via Wikimedia Commons Abbildung 2: Vitor Oliveira from Torres Vedras, PORTUGAL, CC BY-SA 2.0 , via Wikimedia Commons

  • Portugal: 11 Millionen für die Auffüllung der Strände

    Erzählt von Gary Gullson 11 Millionen Euro zum Schutz der Wellen und Sonnenuntergänge an der Costa da Caparica In einer Entscheidung, die Surfer, Sonnenanbeter und Sandburgenbauer mit Sicherheit erfreuen wird, hat die portugiesische Regierung am 26. Februar 2025 eine Investition von 11 Millionen Euro zum Schutz der atemberaubenden Strände der Costa da Caparica bei Lissabon genehmigt. Dieser 26 Kilometer lange Küstenabschnitt im Bezirk Setúbal ist bekannt für seine atemberaubenden Landschaften, die starken Wellen des Atlantiks und die bunten Drachen der Kitesurfer, die den Himmel füllen. Es ist ein Paradies für Wassersportler, Fischer und alle, die einen unvergesslichen Urlaub verbringen möchten. António Leitão Amaro, Minister des Präsidialamtes, bezeichnete diese Entscheidung als sehr wichtig, um die Sicherheit von Menschen und deren Eigentum zu sichern. Die Strände in der Gemeinde Almada sind sehr beliebt. Mit dieser Investition will die Regierung sicherstellen, dass die Strände sicher, erhalten und für alle zugänglich bleiben. Aber es geht nicht nur um Sicherheit – es geht auch darum, die natürliche Schönheit der Costa da Caparica zu bewahren. Im Januar 2025 kündigte die Regierung einen Plan an, 13,9 Millionen Euro aus dem Kohäsions-/Nachhaltigkeitsfonds 2030 zu investieren, um 12 Projekte zu unterstützen, die sich auf Küstenschutz und -verteidigung konzentrieren. Diese Projekte werden Spitzentechnologie mit naturbasierten Lösungen kombinieren, um die Anpassung an den Klimawandel, ein nachhaltiges Küstenmanagement und die Erhaltung dieses einzigartigen Küstenökosystems zu fördern. Eine der wichtigsten Initiativen ist die künstliche Auffüllung des Sandes an den Stränden von Costa da Caparica und S. João da Caparica. Diese Strategie zielt darauf ab, die Widerstandsfähigkeit der Küste im Großraum Lissabon zu stärken, die Wasserzirkulation in der Lagune von Albufeira zu verbessern, natürliche Systeme wiederherzustellen und Risiken in Gebieten wie Praia da Califórnia und Portinho da Arrábida zu minimieren. Umweltministerin Maria da Graça Carvalho würdigte die Bedeutung dieses Vorhabens und erklärte, dass die Wiederaufforstung der Strände von Caparica für den Erhalt dieses Naturerbes von entscheidender Bedeutung sei. Sie betonte, dass die Instandhaltung der Strände ein fortlaufender Prozess sei, der ständige Pflege und Aufmerksamkeit erfordere. Die Entscheidung, in den Schutz der Strände der Costa da Caparica zu investieren, stieß bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen auf breite Zustimmung und Begeisterung. Denn wer möchte nicht den Fortbestand atemberaubender Sonnenuntergänge, kräftiger Wellen und endloser Sandstrände sichern? Wenn du also deinen nächsten Urlaub planst, solltest du vielleicht einmal die Costa da Caparica besuchen. Mit seinen wunderschönen Landschaften, seiner lebendigen Gemeinschaft und einer Regierung, die sich für den Erhalt seiner Strände einsetzt, ist es das perfekte Reiseziel für alle, die Sonne, Brandung und Sand genießen möchten. Und da 11 Millionen Euro in seinen Schutz investiert werden, kannst du sicher sein, dass dieses Küstenjuwel vielleicht auch noch für kommende Generationen erhalten bleibt. Bleib sauber und bau die Sandburg wieder ab, damit keiner stolpert. Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!

  • Nazaré: Vom Mittagsschlaf zum Wellen-Wipeout-Wunderland

    Von Kevin Klepto Einst war Nazaré ein ganz normales, charmantes portugiesisches Fischerdorf. Malerische Kopfsteinpflasterstraßen, der Duft gegrillter Sardinen in der Luft und vielleicht der eine oder andere Tourist, der Fotos von bunten Booten schoss. Und dann: BÄM! Um 2010 beschloss Nazaré, eine riesige Wellenparty zu veranstalten, und die verrücktesten Draufgänger der Welt antworteten mit „JA!“. Heute ist diese kleine Ecke der Silberküste ein Treffpunkt für Adrenalinjunkies, Wissenschaftler, die sich am Kopf kratzen, und Touristen, die wahrscheinlich mehr Zeit mit Ferngläsern am Strand verbringen als mit Schwimmen. Aber was in Poseidons Namen macht Nazaré zur perfekten Bühne für diese Wassergiganten? Und noch wichtiger: Sind diese Surfer völlig verrückt, wenn sie überhaupt daran denken, sie zu reiten? Tauchen wir ein in die Tiefen des Wassers und finden es heraus! 1. Die Geologie des Terrors (… nur ein Scherz, es ist nur ein Canyon, aber ein wirklich großer) 1.1 Europas größter und tiefster Graben (unter dem Meer) Vergiss den Grand Canyon, Kumpel. Unter den Wellen vor Nazaré lauert der Nazaré-Canyon, ein 230 Kilometer langer Unterwasserschlund, der satte 5.000 Meter tief abfällt! Das ist tiefer als eine durchschnittliche existenzielle Krise nach einem Montagmorgen! Dieser geologische Gigant ist keine neue Entwicklung; er lagert dort unten, seit tektonische Verschiebungen vor etwa 60 Millionen Jahren alles durcheinander gebracht haben. Von wegen Urzeit! Auf die Größe kommt es an (besonders bei Canyons):  Dieser Unterwasser-Grand-Canyon-Nachbau ist tatsächlich länger und fast doppelt so tief wie sein landgestützter Cousin. Stell dir das Echo dort unten vor! Kein Wunder, dass die Fische immer so leise sind. Abbildung 1 Wellenverstärker der Extraklasse:  Und jetzt kommt der Clou: Dieser Canyon ist nicht nur zur Schau. In Form eines riesigen Trichters fängt er die ankommende Dünung ein wie eine gierige Möwe, die es auf deine Chips abgesehen hat. Anschließend leitet er die gesamte Wellenenergie zum relativ flachen Kontinentalschelf (nur 50 - 100 Meter tief). Stell dir das wie einen natürlichen Wellenverstärker vor, der jede durchschnittliche Meereswelle in ein tosendes, wolkenkratzergroßes Monster verwandelt. Eine Studie des portugiesischen Hydrographischen Instituts aus dem Jahr 2021 erklärt das Ganze wissenschaftlich, sie wissen also, dass es echt ist und nicht nur ein liebloses Seemannsmärchen. 1.2 Der perfekte Sturm (im wahrsten Sinne des Wortes) Die Monsterwellen von Nazaré sind nicht bloß ein geologischer Zufall; sie sind das Ergebnis eines perfekten Sturmcocktails aus ozeanografischen Zutaten: Nordatlantische Wut: Stell dir grimmige Winterstürme vor, die sich im Nordatlantik zusammenbrauen (Oktober bis März). Diese bösen Jungs erzeugen Wellen mit Wellenlängen, die länger sind, als dein Arbeitsweg wahrscheinlich stressig ist (über 20 Sekunden!). Das sind keine sanften Wellen; sie sind das Äquivalent eines Güterzugs auf dem Weg zum Ufer. Canyon, das Soundsystem:  Erinnerst du dich an den Canyon? Er ist nicht nur ein Graben; er gleicht einem riesigen Unterwasser-Megaphon. Anstatt die Wellenenergie wie ein Flüstern im weiten Ozean zu zerstreuen, bündelt der Canyon sie wie einen Laserstrahl aus Wellenkraft, der direkt auf Nazaré gerichtet ist. Cliffhanger am Kontinentalschelf:  Stell dir einen plötzlichen, dramatischen Abhang vor. Das ist der Kontinentalschelf bei Nazaré, der im Handumdrehen von 5.000 Metern auf mickrige 50 Meter abfällt. Dieser abrupte Tiefenwechsel zwingt die Wellen, sich hoch aufzutürmen – richtig hoch. Es ist, als ob eine Welle plötzlich merkt, dass sie zu einem wichtigen Meeting muss und einen großen Auftritt hinlegen muss. Die Monsterwellen-Mathematik: Hier wird es wirklich unfassbar. Eine winzige 3-Meter-Welle im offenen Atlantik kann sich in ein 25 bis 30 Meter hohes Ungetüm verwandeln, wenn sie Nazaré erreicht. Das ist, als würde sich deine Hauskatze plötzlich in einen Säbelzahntiger verwandeln, der bereit ist, sich auf ahnungslose Surfer zu stürzen. 2. Monsterwellenphysik: Vom Lehrbuch zum Totalausfall 2.1 Die Quadratur des Kreises – oder wie Wellenberge zerbröckeln Die Wellen von Nazaré sind nicht nur groß, sie sind auch wahre Diven. Sie brechen in einem seltenen „A-Frame“-Muster und bilden perfekt symmetrische Dreiecke, die sowohl links als auch rechts brechen. Es ist wie eine Welle, die kurz vor ihrer Explosion einen perfekten Spagat macht. Diese raffinierte Wellengeometrie entsteht durch den extrem komplizierten Tanz zwischen der Hauptdünung und der reflektierten Rückströmung. Im Grunde zeigt der Ozean hier seine komplexen Fähigkeiten im Wellenjonglieren. Wellenstatistiken, die dich zum Schwitzen bringen: Speed ​​Demon Waves:  Diese Wasserriesen können beim Zusammenbruch Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h erreichen. Das ist schneller, als wenn man nach ein paar zu vielen Pastel de Natas bergab radelt! Knochenbrechender Druck:  Die Kraft dieser Wellen? Über 100 Tonnen pro Quadratmeter. Das ist genug Druck, um deine Knochen zu Pulver zu verarbeiten. Plötzlich erscheint dir der Bürostuhl viel ungefährlicher, oder? 2.2 Die Flut kommt, die Wellen gehen hoch! Es stellt sich heraus, dass selbst Monsterwellen ihre Lieblingszeit haben. Die größten Wellen rollen bei Flut herein. Warum? Weil der höhere Wasserstand im Canyon eine maximale Energiekonzentration ermöglicht. Der Strand Praia do Norte dient dann als perfekte, wenn auch furchterregende Bühne für dieses Wasserspektakel und wird zu einem natürlichen Amphitheater für das Wellenchaos. Historische Wellenhysterie:  Erinnerst du dich noch an den Sturm „Herwart“, der am 8. November 2017 ausbrach? Er entfesselte Wellen von atemberaubenden 24,38 Metern, offiziell dokumentiert von der WSL (World Surf League). Das ist im Grunde ein Wolkenkratzer aus Wasser, der auf ahnungslose Surfer einstürzt. 3. Die Nazaré Big Wave Challenge: Extremsport mit einer Prise Existenzangst 3.1 Ein Wettbewerb, der aus purer Kühnheit geboren wurde Seit 2016 ist Nazaré jährlich Gastgeber des offiziellen Big Wave World Cups. Wem ist dieses Spektakel menschlicher Kühnheit (und möglicherweise Wahnsinns) zu verdanken? Niemand anderem als Garrett McNamara. 2011 stach der amerikanische Surfpionier den Ozeanbären mit einem Stock an und ritt eine 23,77 Meter hohe Welle. Damit stellte er den ersten Rekord auf (bestätigt vom Guinness-Weltrekord-Team, denn so etwas gibt es offenbar tatsächlich). Abbildung 2 Wave Warrior Roster:  Rund 30 handverlesene Athleten, darunter Surflegenden wie Kai Lenny (USA) und Maya Gabeira (Brasilien), versammeln sich, um das Schicksal herauszufordern. Gabeira surfte 2020 nicht nur die „größte Welle, die je von einer Frau gesurft wurde“ (lässige 22,4 m!), sondern bewies auch, dass Frauen genauso stark (oder sogar noch härter!) sein können wie die Jungs. 3.2 Technik und Training: Weil Gehirne (und Jetskis) wichtig sind Schlepptaktik:  Vergiss das Paddeln. Diese Wellen sind so gewaltig, dass Paddeln ungefähr so ​​effektiv ist wie Schreien gegen einen Hurrikan. Surfer werden mit Jetskis in diese flüssigen Berge gezogen, denn Adrenalin und das Dröhnen eines Jetski-Motors sind offenbar die einzige Möglichkeit, einer Welle von der Größe eines kleinen Wohnblocks zu trotzen. Sicherheit… so ungefähr:  Jeder Surfer hat zwei Jetski-Teams zur Rettung in Bereitschaft. Denn eine 30-Meter-Welle ist bekanntlich schon ein kleines Risiko. Trotz dieser Maßnahmen kann es schneller bergab gehen als ein heruntergefallenes Surfbrett. 2015 hatte der britische Surfer Andrew Cotton ein kleines „Missgeschick“ und überlebte mit 15 gebrochenen Wirbeln. Ein echtes Souvenir! Wellenvorhersage-Assistenten: Tools wie „Magicseaweed“ nutzen ausgefallene Satellitendaten, um Wellenereignisse bis zu 72 Stunden im Voraus vorherzusagen. Surfer stürzen sich also nicht einfach blind in den Abgrund; ihre Chancen sind etwas besser, als wenn sie Pfeile auf eine Karte werfen und auf das Beste hoffen. Monster Wave-Statistiken: Warnung – Kann Herzklopfen verursachen: Verletzungs-Bingo:  Unglaubliche 40 % der Surfer erleiden pro Saison Knochenbrüche oder Gehirnerschütterungen. Das ist praktisch ein Übergangsritus! Taschengeld-Territorium (Nicht!):  Ein einziger Trainingstag mit Helikopterunterstützung kann bis zu 10.000 Euro kosten. Das erklärt wohl, warum die meisten von uns nur mit sicherem Abstand und einem Bier vom Strand aus zuschauen. 4. Rekorde und Legenden: Wer zähmt die Titanen? 4.1 Sebastian Steudtner: Der Wellenflüsterer von Nazaré Poseidon, mach Platz! Der neue König ist da! Der deutsche Surfer Sebastian Steudtner stellte am 29. Oktober 2020 mit einer kolossalen 26,21 Meter hohen Welle den aktuellen Weltrekord auf, der von der WSL bestätigt wurde. Wie gelang ihm dieses Kunststück? Nazarés Überholspur: Er nutzt die „Nazaré-Schnellbahn“ – eine starke Strömung, die Surfer direkt in den Sweet Spot der Welle katapultiert. Es ist im Grunde die Überholspur zum Wellenreiter-Ruhm (oder zur potenziellen Katastrophe). High-Tech-Surfboards:  Vergiss das alte Longboard deines Vaters. Steudtners maßgefertigte Carbon-Boards sind drei Meter lang und mit speziellem Grip für Kontrolle bei 80 km/h ausgestattet. Denn wer mit einem flüssigen Wolkenkratzer tanzt, braucht so viel Grip wie möglich. 4.2 Maya Gabeira vs. die Gender-Wellen-Barriere Maya Gabeiras Geschichte ist eine Geschichte von purer Courage und Entschlossenheit (mit einem Hauch von „Vielleicht ist sie ein bisschen verrückt, aber im guten Sinne“). Nachdem sie 2009 in Nazaré fast ertrunken wäre, würden die meisten Menschen diesem Ort wahrscheinlich für immer abschwören. Aber nicht Maya! 2020 kehrte sie zurück, bezwang die größte Welle, die je von einer Frau gesurft wurde, UND schnappte sich den „WSL Biggest Wave Award“. Ihr Comeback ist ein starkes Symbol für die wachsende Stärke der Frauen im Big-Wave-Surfen. Macht Platz, Jungs, die Mädels sind hier, um Wellen zu schlagen – im wahrsten Sinne des Wortes! 5. Die dunkle Seite der Welle: Risiken und … Plastik? 5.1 Beinahe-Unfälle und Unterwasser-Epen Beim Big-Wave-Surfen geht es nicht nur um Sonnenschein und Regenbogen (oder genauer gesagt um salzige Gischt und Nahtoderfahrungen). 2013: Carlos Burles Unterwasserurlaub:  Der brasilianische Surfer Carlos Burle verbrachte nach einem Sturz 20 schreckliche Minuten unter Wasser. Nur dank einer Sauerstoffflasche überlebte er. Was für ein ungewolltes Tiefseeabenteuer! 2022: Bianca Valentis Hai-Angst:  Die südafrikanische Surferin Bianca Valenti hatte während einer Session eine Begegnung mit einem Weißen Hai. Plötzlich scheint ihr ein Sturz fast besser als ein breites Grinsen. 5.2 Tourismus-Tsunami vs. Nachhaltigkeits-Seekrankheit Nazarés Ruhm als Wellenreitort hat seinen Preis. Die Einwohnerzahl ist von 10.000 im Jahr 2010 auf über 40.000 in der Hochsaison explodiert. Das bedeutet eine Menge zusätzlicher Flip-Flops und Sonnencreme. Umweltverschmutzung:  Der Plastikmüll in der Bucht hat um unglaubliche 60 % zugenommen (laut der lokalen Regierung im Jahr 2023). Monsterwellen scheinen nicht die einzigen Monster zu sein, mit denen Nazaré zu kämpfen hat. Mietwut: Die Mietpreise sind um 300 % in die Höhe geschossen und haben die Einheimischen verdrängt. Die Fischer, einst das Herz von Nazaré, fühlen sich jetzt weniger wie Seebären, sondern eher wie … nun ja, du kannst es dir vorstellen. Wellenrettende Krieger: Die NGO „Save The Wave Coalition“ griff mutig ein und sammelte 2023 2 Millionen Euro, um den Canyon zu säubern. Denn auch Monsterwellen verdienen ein sauberes Zuhause! 6. Wissenschaft trifft Surfen: Forschung in den Goldenen Vierzigern (Meterwellen, um genau zu sein) 6.1 Sensor-Superhelden und Simulations-Spielereien Das Europäische Meeresbeobachtungs- und Datennetzwerk (EMODnet) ist ein echter Experte in Sachen Wellen. Es hat Drucksensoren auf dem Meeresboden platziert, um die Wellenkräfte zu messen. Diese Daten fließen dann in 3D-Modelle ein und helfen Surfern, die optimalen Surfspots zu finden. Das Ganze ist Hightech und beinhaltet wahrscheinlich viele komplizierte Gleichungen, die man am besten den Experten überlässt (es sei denn, man hat Spaß an nächtlichen Mathe-Albträumen). 6.2 Klimawandel: Wellenverstärker auf Steroiden? Studien der Universität Lissabon prognostizieren bis 2050 einen Anstieg der Wellenhöhe in Nazaré um 20 % aufgrund stärkerer Stürme durch den Klimawandel. Paradoxerweise könnte dies den Surftourismus sogar noch weiter ankurbeln. Obwohl der Klimawandel also generell schlechte Nachrichten sind, könnte er in Nazaré noch größere Monsterwellen bedeuten. Ein Lichtblick? (Vielleicht eher ein wässriger, grauer.) 7. Die Zukunft: Ruhm, Überruhm und vielleicht ein bisschen VR-Ruhm? 7.1 Infrastruktur im Anmarsch! Surf-Olympiade 2032?  Portugal bewirbt sich um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2032, mit Nazaré als Hauptaustragungsort des Surfens. Stell dir die Eröffnungszeremonie vor … ein Surfer, der mit der olympischen Fackel in einer riesigen Welle schwimmt! Museum der Monsterwellen:  Für 2026 ist ein 50 Millionen Euro teures „Wellenmuseum“ geplant, das die Geologie und Kulturgeschichte des Canyons präsentiert. Endlich ein Ort, an dem man mehr über die Wissenschaft hinter diesem Wahnsinn erfahren kann, vielleicht sogar mit einem Wellensimulator, um einen winzigen Bruchteil der Realität zu erleben. 7.2 Ethisches Wellen-Wrangling? Chaos bei der Massenkontrolle:  Kritiker fordern eine Begrenzung auf 50 Surfer pro Tag, um das Ökosystem zu schützen. Denn auch Wellen können durch zu viel Aufmerksamkeit gestresst werden. Virtuelle Wipeouts:  Start-ups wie „WavePool VR“ entwickeln holografische Trainingssimulatoren, um das Risiko realer Wipeouts zu reduzieren. Bald könntest du den Nervenkitzel (und die leichte Übelkeit) des Big-Wave-Surfens bequem von deinem Wohnzimmer aus erleben. Nazaré: Eine Welle der Schlussfolgerung Nazaré ist weit mehr als nur ein Surfspot; es ist ein Wasserlabor der Extreme, in dem Mensch und Natur ständig im Kampf ums Überleben stehen. Während die Wellen immer größer werden, steht die Gemeinde vor der gewaltigen Herausforderung, Ruhm und Verantwortung in Einklang zu bringen. Eines ist sicher: Die Monsterwellen von Nazaré werden weiterhin Legenden schreiben, ein furchterregender, aufregender und wellenbrechender Moment nach dem anderen. Bleib dran, Meeresliebhaber, denn das Wasserdrama fängt gerade erst an! Und hier wie üblich die Quallen, … äh Quellen. Du verstehst schon. Quellen: World Surf League (WSL, 2023). Big Wave Tour Rekorddaten. Guinness World Records (2020). Largest Wave Surfed. Portugiesisches Hydrographisches Institut (2021). Geologie des Nazaré-Canyons. Universität Lissabon (2023). Klimawandel und Wellendynamik. Save The Wave Coalition (2023). Umweltbericht Nazaré. Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben! Bildquellen: Abbildung 1: Rúdisicyon, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons Abbildung 2: Luis Ascenso from Lisbon, Portugal, CC BY 2.0 , via Wikimedia Commons

  • Der Schildkrötenflüsterer, dem wirklich zugeflüstert wurde: Erinnerung an Jairo Mora Sandoval, Costa Ricas (bisher) unbesungenen Helden

    Abbildung 1 Von Gary Gullson Mal ehrlich: Was kommt dir bei dem Gedanken an einen Biologen als erstes in den Sinn? Wahrscheinlich ein grauhaariger, khakifarbener Abenteurer, der mit Alligatoren ringt, oder? Dann lerne Jairo Mora Sandoval kennen. Okay, kein Ringen mit Alligatoren (soweit wir wissen), aber dieser Biologe und Kämpfer für die Tierwelt aus Costa Rica war ein harter Kerl der anderen Art – einer, der Schildkröteneier-Wilderern die Stirn bot, nur bewaffnet mit seiner Leidenschaft für Flossenfreunde. Und tragischerweise wurde diese Leidenschaft zu seinem letzten Kampf. Geboren wurde Jairo am 22. März 1987 in der Provinz Limón in Costa Rica – einem Ort, der ständig nach exotischen Früchten wie Mangos, Bananen, Ananas und Wassermelonen und Abenteuern duftet. Jairos Lebensgeschichte liest sich wie ein tropisches Märchen. Er wuchs in Gandoca auf, einer bezaubernd abgeschiedenen karibischen Bauerngemeinde inmitten eines Naturschutzgebiets. Stell dir vor, du wächst in einem tropischen Garten wie in einer Naturdokumentation auf. Kein Wunder, dass er so geworden ist, wie er war. Und nun zur ersten Begegnung mit den Schildkröten. Vergiss Welpen und Kätzchen! Jairos Leben änderte sich im zarten Alter von acht Jahren. Ein Schulausflug! Seine Klasse beteiligte sich an der Freilassung von Meeresschildkrötenbabys am Strand von Gandoca. Der Lauf (wie in Zeitlupe) der winzigen Schildkröten, die in Richtung des weiten Ozeans wackeln, war zu sehen. Für Jairo war das nicht nur niedlich – es war ein Moment der Liebe auf den ersten Blick, in dem er sich sagte: „Ich werde euch für immer beschützen.“ Er sah die kleinen Kerlchen auf ein Meer voller Gefahren zuhuschen, und – BÄM – der Naturschützer war geboren. Romeo und Julia, jetzt hieß es Jairo und die Meeresschildkröten. Costa Rica, das Öko-Paradies, von dem alle schwärmen? Tja, auch das Paradies hat seine Schattenseiten. Meeresschildkröten stehen dort seit 1966 unter Naturschutz, was auf dem Papier großartig klingt. Doch die Realität, wie Jairo herausfand, war eher „Wildwest“. Schildkröteneier gelten als begehrtes Gut und sollen angeblich ein Aphrodisiakum sein. Diese vermeintlich wirksamen Eier landen auf dem Schwarzmarkt, verbunden mit Drogenhandel und organisierter Kriminalität. Plötzlich geht es beim Schildkrötenschutz weniger um kuschelige Tiere, sondern mehr darum, Kugeln auszuweichen. Costa Ricas ökologischer Ruf eilt ihm voraus. Land der Naturschönheiten, Mekka des Ökotourismus – alle kennen das. Eines der faszinierendsten Naturschauspiele in Costa Rica ist das Schlüpfen der Schildkröten. Jedes Jahr, im Zeitraum von Mai bis Oktober, kommen etwa 150.000 Schildkröten an die Ostküste des Landes, um ihre Eier in den Sand zu legen. Nach ungefähr zwei Monaten schlüpfen die Jungtiere und machen sich auf den Weg ins Meer. Tausende Menschen strömen jährlich genau dorthin, um dieses Schildkrötenspektakel live zu erleben.   Und Costa Ricas Schildkröten? Sie sind die Stars der Reptilienwelt, darunter die Lederschildkröte, ein sanfter Riese, der bis zu 1,80 Meter lang und bis zu 400 Kilogramm schwer werden kann. Diese Tiere sind nicht nur beeindruckend anzusehen; sie sind lebenswichtig für das Ökosystem des Ozeans und halten die Quallenpopulationen in Schach. Stell dir Quallen ohne Lederschildkröten vor – es wäre wie ein All-you-can-eat-Quallenbuffet im Meer. Das will niemand. Costa Rica hat Gesetze. Das Gesetz zur Population von Meeresschildkröten aus dem Jahr 2002 besagt, dass „das Töten, Jagen, Fangen, Enthaupten oder Stören von Meeresschildkröten“ zu drei Jahren Urlaub in einem alles andere als tropischen Gefängnis führt. Und doch sammeln die Einheimischen immer noch Eier, um sie selbst zu vernaschen oder an Bars zu verkaufen – sie wirken (angeblich) als Aphrodisiakum. Auf dem Schwarzmarkt ist ein Ei einen Dollar wert. Einen Dollar! Für etwas, das einen angeblich … na ja, du weißt schon. Diese Eier werden oft an Drogendealer verkauft oder direkt gegen Drogen eingetauscht. Und die Wilderer? Die sammeln nicht nur Panzer. Sie sind oft bewaffnet mit Messern und Sturmgewehren. In der verarmten Region Limón gibt es Gerüchte, dass die Polizei entweder mit den Bösewichten unter einer Decke steckt oder sich einfach nicht mit ihnen anlegt. Die Wilderei von Schildkröten gilt als eine der Hauptursachen für den weltweiten Rückgang der Meeresschildkrötenpopulationen. Und obwohl es kein neues Problem ist, bemerkten Naturschützer einen deutlichen Anstieg in Costa Rica, insbesondere weil Drogenbanden darin einen lukrativen Nebenerwerb sahen.  Es ist so, als würden wir mit Drogen dealen UND Schildkröteneier wildern. Multitasking! Jairo Doch nun zurück zu Jairo dem Kreuzritter Costa Ricas. Nachtpatrouillen am Strand von Gandoca, morgendliche Beobachtungen, das Verlegen von Eiern an sichere Stellen – er war quasi Batman, nur mit Schildkröten statt Fledermäusen und Stränden statt den Dächern von Gotham. Er engagierte sich ehrenamtlich für eine lokale Schildkrötenschutzorganisation und verbreitete die Liebe zu Schildkröten an den Stränden von Gandoca, Cahuita, Pacuare, Ostional, Playa Grande, der Halbinsel Osa und Moín. Das sind eine Menge Strände. Der Mann war engagiert. Moín, ein 18 Kilometer langer Küstenabschnitt am Atlantik, ist das Zentrum der Schildkröten-Nistplätze. Karettschildkröten, Lederschildkröten und viele andere Tiere feiern dort ihre Eierablage. Hunderte weibliche Schildkröten kehren jährlich nach Moín zurück, wie eine schuppige, langsame Heimkehr, um ihre Eier dort abzulegen, wo sie selbst geboren wurden. Jairo träumte davon, die kleinen Jungtiere, die er freigelassen hatte, als mächtige erwachsene Schildkröten zurückkehren zu sehen. Was für eine aufgeschobene Befriedigung.   Die costaricanische Naturschutzorganisation CRWS veranstaltete regelmäßig Strandspaziergänge entlang des Moín, um Schildkröteneier zu sammeln und sie vor den Eierräubern in Sicherheit zu bringen. 2011 stellte WIDECAST (Wider Caribbean Sea Turtle Conservation Network), eine internationale Schildkrötenschutzorganisation, Jairo ein, um seine Bemühungen zu unterstützen. Jairo lernte schnell, dass Moín gefährlich war. Eierwilderei war weit verbreitet und die Gegend war ein Treffpunkt für Drogenhändler und andere nicht gerade pikante Gestalten. Jairo lebte für die Schildkröten. Nächtelang patrouillierte er an Stränden und beschützte Nistplätze – der Typ war im Grunde nachtaktiv, angetrieben von seiner Liebe zu Schildkröten und vielleicht einer Menge Kaffee. Er arbeitete für Paradero Eco-Tour und unterstützte WIDECAST. Schildkröte. Mensch. Maschine. 2012 wagte CRWS einen mutigen Schritt: Sie stellten zehn ehemalige Wilderer ein, um Jairo und andere bei der Überwachung zu unterstützen. Vielleicht nach dem Motto „Freunde nah beieinander, Feinde noch näher“? Die Polizei beteiligte sich sogar an Strandpatrouillen, um die Sicherheit aller an diesem gefährlichen Ort zu gewährleisten. Doch wie vorherzusehen war, versiegte die Unterstützung der Polizei und damit auch das Patrouillenprogramm. Trotz der Gefahren hielten Vanessa Lizano vom CRWS und Jairo, angetrieben von purer Hartnäckigkeit, die Strandpatrouillen aufrecht. Nach Drohungen gegen Jairo, Vanessa und ihre Familien zog sich Vanessa klugerweise zurück und zog in die Sicherheit von San José. Jairo jedoch ließ sich nicht beirren. Er hielt weiterhin Ausschau nach Schildkröten, doch aus Sicherheitsgründen nur noch tagsüber. Schildkröten-Heldentum am Tag – es ist zwar weniger dramatisch, aber auf jeden Fall sicherer. Dann, am 31. Mai 2013, nahmen die Dinge eine schreckliche Wendung. Jairo machte sich mit acht Freunden und Freiwilligen auf den Weg zum Strand von Moín. Sie blieben im Auto, während er patrouillierte. Auf dem Rückweg versperrte ein heruntergefallener Ast die Straße. Ein klassisches Horrorfilm-Klischee, oder? Es stellte sich heraus, dass es ein absichtlich gelegter Hinterhalt war. Kaum war Jairo ausgestiegen, wurde er von maskierten Männern angegriffen, die im Wald gelauert und auf ihre schildkrötenliebende Beute gewartet hatten. Die Frauen der Gruppe wurden verschleppt, ausgeraubt und – ein wirklich abscheuliches Detail – sexuell missbraucht. Jairo jedoch wurde zurück zum Strand von Moín gezerrt und brutal ermordet. Seine Leiche wurde am nächsten Morgen im Sand gefunden. Er war erst 26 Jahre alt. Sein Leben, das er dem Schutz kleiner Schildkröten gewidmet hatte, wurde viel zu früh ausgelöscht durch die Hässlichkeit der Welt, die er zu verbessern versuchte. Abbildung 2 Jairo wurde über Nacht zum Helden, zum Symbol des Umwelt-Märtyrertums in Costa Rica. Der Prozess um seinen Mord begann im Oktober 2014. Sieben Männer wurden angeklagt. 2015 wurden sie alle freigesprochen, sagen wir mal, aufgrund von „Ermittlungsunregelmäßigkeiten“. Die Wege der Gerechtigkeit im Paradies gehen offenbar seltsame Wege. Doch im Januar 2016 begann ein neuer Prozess, und am 29. März 2016 wurden vier der sieben Männer schließlich für schuldig befunden und zu 90 Jahren Haft verurteilt. Neunzig Jahre! Da haben sie wohl noch genug Zeit, über ihre Fehler nachzudenken … und vielleicht im Gefängnis zu lernen, wie man Rollkragenpullover strickt? Nach Jairos Tod stellte die Organisation, für die er arbeitete, verständlicherweise ihre Strandpatrouillen in Costa Rica ein. Sein Tod löste Forderungen nach einer Umweltreform im Land aus. Jairo Mora Sandoval, der Schildkrötenflüsterer, der auf tragische Weise zum Schweigen gebracht wurde, ist mit seinem Tod letztlich lauter, als viele es in ihrem Leben schaffen. Er zeigte der Welt, dass selbst im Paradies Helden gebraucht werden – und manchmal zahlen Helden den höchsten Preis für ihre Leidenschaft. Also, wenn du das nächste Mal einen malerischen Strand in Costa Rica siehst, denke an Jairo und verzichte vielleicht, nur vielleicht, auf das fragwürdige Schildkröteneier-Omelett. Für Jairo und für den Schutz der Schildkröten. Ahoi und bis bald. Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben! Bildquellen: Abbildung 1: Photo taken by Christine Figgener, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons Abbildung 2: Photo taken by WIDECAST, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons

  • Was wäre, wenn wir den Walfang mit radikalen Methoden auslöschen? Ein Gedankenexperiment mit revolutionärem Potenzial

    Von Patricia Plunder Kapitel 1: Die aktuelle Lage – Walfang im 21. Jahrhundert – Oder: Manche lernen's einfach nie. Okay, mein Freund, es ist 2025 (ungefähr, wenn du das liest), und wir haben fliegende Autos (fast), Roboter, die Staubsaugen (meistens), und das Internet, wo Katzenvideos regieren. Aber rate mal, was immer noch passiert? Richtig! Walfang! Als ob wir nicht schon genug Probleme hätten, nein, wir müssen auch noch diese majestätischen Meeressäuger piesacken. Die Internationale Walfangkommission (IWC), klingt wichtig, oder? Hat 1986 (ja, 1986! Denk an Schulterpolster und Dauerwellen!) den kommerziellen Walfang verboten. Das sollte es doch gewesen sein, oder? Friede, Freude, Eierkuchen und Wale, die fröhlich durch die Ozeane pflügen. Falsch gedacht! Denn, Trommelwirbel ... da gibt es drei Nationen, die dieses Verbot so elegant umgehen, als würden sie dem Stau auf der Autobahn einfach auf dem Standstreifen entkommen. Diese Nationen sind: Japan:  Ah, Japan. Land der Kirschblüten, Sumo-Ringer und ... wissenschaftlicher Walfang? Ja, richtig gelesen. Zwischen 2005 und 2019 haben sie unter diesem fadenscheinigen Deckmantel mal eben über 12.000 Wale ins Jenseits befördert. Wissenschaft! Klar doch. Bis sie dann 2019 sagten: „Ach, wisst ihr was? Wissenschaft ist uns jetzt auch egal“, und aus der IWC austraten, um den kommerziellen Walfang offiziell wieder anzukurbeln. Frei nach dem Motto: „Wenn's keiner sieht, ist es Wissenschaft!“ (War nur ein Scherz, liebe japanischen Wissenschaftler, falls ihr das lest ... oder auch nicht). Norwegen:  Norwegen, das Land der Fjorde, Wikinger und ... ignoranten Walfänger? Diese Jungs pfeifen seit 1993 auf das Verbot und haben mehr als 14.000 Zwergwale harpunisch traktiert. Ihr Argument? Ein "umstrittener Einspruch" gegen das Moratorium. Klingt wie die Ausrede eines Kindes, das den letzten Keks gegessen hat: „Aber ich hatte Einspruch dagegen, dass er da rumlag!“ Funktioniert nicht in der Keksdose, und auch nicht bei Walen, Norwegen! Island:  Island, die Insel aus Feuer und Eis, und ... exportiertem Walfleisch, das keiner will? Island hat 2019 den Finnwal-Fang wieder aufgenommen und exportiert das Zeug nach Japan, obwohl die Nachfrage so gering ist wie die Wahrscheinlichkeit, einen Parkplatz in der Innenstadt zu finden. Die armen Wale werden also gejagt, nur damit ihr Fleisch im Kühlregal verstaubt. Das ist so traurig, es ist schon wieder fast komisch. Und jetzt kommt der Clou: WIRTSCHAFT! Diese ganze Walfang-Nummer ist nicht nur moralisch so fragwürdig wie ein Fisch-Taco am Imbiss um die Ecke, sondern auch ökonomisch totaler Humbug. Der globale Walfleischmarkt? Generiert lächerliche 50 Millionen US-Dollar im Jahr. Das ist weniger als der Jahresumsatz von manchem hippen Burgerladen in Berlin! Und jetzt halte dich fest: Waltourismus – also Leute, die Kohle dafür ausgeben, lebende Wale anzuschauen, macht bereits 2,5 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Milliarden! In Ländern wie Neuseeland oder Kanada klingelt die Kasse, weil Wale dort fröhlich planschen und Touristen zum Staunen bringen. Rechnen wir mal kurz: Ein lebender Wal ist bis zu 2 Millionen US-Dollar wert – durch Ökotourismus und die ganzen ökologischen Heldentaten, die Wale so vollbringen (dazu später mehr!). Tot? Bringen sie nicht mal 10.000 US-Dollar ein. Das ist so, als würde man ein Einhorn fangen, es zu Wurst verarbeiten und sich dann wundern, warum keiner mehr an Magie glaubt. Kurz gesagt: Lebende Wale = Goldesel. Tote Wale = Verlustgeschäft mit schlechtem Gewissen. Kapitel 2: Revolutionäre Methoden – Vom Hacktivismus bis zur künstlichen Bioökonomie – Oder: Wie wir die Wale mit Hightech und Tiefgang retten. Okay, wir sind uns einig: Walfang ist doof. Aber wie stoppen wir diesen Wahnsinn? Ganz einfach (naja, nicht ganz einfach, aber klingt besser): Wir müssen Walfang wirtschaftlich ruinös, technisch unmöglich und kulturell geächtet machen. Klingt nach einem Plan? Gut, denn hier kommen fünf (ja, fünf!) radikale, aber durchaus plausible Ansätze, die so revolutionär sind, dass selbst Che Guevara neidisch wäre. 2.1 Versicherungsboykott: Die Finanzierung austrocknen – Oder: Keine Knete für Harpunen! Jedes Walfangschiff braucht Versicherungen. Logisch, oder? Sonst geht das Ding unter, und wer zahlt dann den Schlamassel? Genau, die Versicherung. Und hier kommt die clevere Idee: NGOs wie Sea Shepherd (die Piraten unter den Umweltschützern, im positiven Sinne!) haben schon 2018 Druck auf globale Versicherer wie Lloyd’s of London ausgeübt. Ziel: Keine Policen mehr für Walfänger! Und was passierte? Trommelwirbel! 2021 zogen sich drei große Versicherungskonzerne aus dem Geschäft zurück, nachdem Aktivisten ihre Beteiligung an der Tötung von 1.200 Zwergwalen öffentlich gemacht hatten. Öffentlicher Pranger funktioniert also doch! Ein koordinierter Boykott? Könnte die ganze Walfang-Branche lahmlegen wie ein Lahmarsch nach einem Marathon. Denn ohne Versicherungsschutz sinkt die Risikobereitschaft von Reedereien dramatisch – als ob man ohne Fallschirm aus dem Flugzeug springen soll. Ein Präzedenzfall aus der Kohleindustrie zeigt: Solche Kampagnen können 70 % der Finanzierungen blockieren. 70 %! Das ist mehr als genug, um den Walfängern die Luft zum Atmen zu nehmen (im übertragenen Sinne, Wale atmen ja Luft, aber du weißt, was ich meine). 2.2 Militärressourcen umwidmen: Küstenwachen als Walpatrouillen – Oder: Kriegsschiffe für Wale, Frieden für alle! Statt Kriegsschiffe gegen imaginäre Bedrohungen einzusetzen (wer braucht schon Kriegsschiffe gegen Einhörner?), könnten Marinen ihre Hightech-Ausrüstung nutzen, um Wale zu schützen. Australien hat 2020 erstmals Marinedrohnen vom Typ „Bluebottle“ in der Antarktis eingesetzt, um illegale Fischer zu überwachen. Diese Drohnen sind der Hammer: Infrarotsensoren, KI-gestützte Bilderkennung – Walfangschiffe werden in Echtzeit identifiziert und können an internationale Gerichte gemeldet werden. Bäm! Erwischt! Und die US-Navy? Die haben U-Boot-Erkennungssysteme, die so sensibel sind, dass sie sogar Harpunenschüsse orten können! Harpunenschüsse! Das ist wie ein akustischer Fingerabdruck für Tierquälerei. Diese Technologie könnte im Rahmen von Klimaabkommen kostenlos an Küstenstaaten weitergegeben werden. Stell dir vor: Küstenwachen, die Wale beschützen, statt blöd rumzustehen. Das wäre mal eine sinnvolle Verwendung von Steuergeldern! 2.3 KI-Shaming-Kampagnen: Der digitale Pranger – Oder: Peinlichkeits-Alarm für Walfang-Fans! Künstliche Intelligenz (KI) ist nicht nur gut für Katzenvideos, sondern auch, um fiese Typen bloßzustellen. Stell dir vor: Ein japanischer Politiker, der sich öffentlich für Walfleisch einsetzt, sieht plötzlich Deepfake-Videos, in denen er emotional eine Walschule rettet – verbreitet über TikTok und Twitter. Das Internet vergisst nie, und KI macht es noch peinlicher! Start-ups wie HUMAN nutzen KI schon, um personalisierte Shaming-Botschaften an Konsumenten zu senden. In Norwegen testete die NGO NOAH 2022 eine Kampagne, bei der Walfleischkäufer per Gesichtserkennung identifiziert und mit Bildern blutiger Kadaver konfrontiert wurden. Ergebnis? Die Verkaufszahlen sanken um 40 %. 40 %! Das ist so, als ob die Leute plötzlich gemerkt hätten, dass Walfleisch nicht so cool ist wie ein Selfie mit einem lebenden Wal. Digitale Schande kann Wunder wirken! 2.4 Whistleblower-Prämienprogramme: Verrat lohnt sich – Oder: Petzen für den Planeten! Die US-Umweltbehörde EPA bietet schon bis zu 250.000 US-Dollar für Hinweise auf Umweltverbrechen. Warum nicht ein globaler Fonds, der aus Strafgeldern und Spenden gespeist wird, um ähnliche Anreize für Crewmitglieder von Walfängern zu schaffen? Millionen für Whistleblower! Das klingt doch nach einem Deal, oder? 2019 deckte ein anonymer Ingenieur aus Island auf, dass sein Schiff illegale Mengen an Finnwalen gefangen hatte. Die Enthüllung führte zur vorläufigen Schließung der isländischen Walfangflotte. Ein anonymer Held! Mit Prämien in Millionenhöhe ließen sich systematisch Insider anwerben, so wie bei der Aufdeckung von Steuerparadiesen durch die Panama Papers. Geld stinkt nicht, aber Walfleisch vielleicht bald schon, wenn wir das durchziehen! 2.5 Biotechnologie gegen den Walfleischmarkt – Oder: Labor-Walfleisch für alle! (… oder vielleicht doch nicht.) Start-ups wie Finless Foods arbeiten an kultiviertem Thunfisch aus Zellkulturen. Künstlicher Fisch aus dem Labor! Klingt erstmal komisch, ist aber die Zukunft. Übertragen auf Walfleisch könnte ein künstlich hergestelltes Produkt den Markt unterwandern. Japanische Labore experimentieren bereits mit In-vitro-Fleisch – ein Ansatz, der von NGOs finanziert werden könnte, um traditionelles Walfleisch preislich und ethisch zu unterbieten. Wer will schon echtes Walfleisch, wenn es Labor-Walfleisch gibt, das nicht nach Schuldgefühl schmeckt? Okay, vielleicht ist Labor-Walfleisch nicht der Renner, aber es ist eine Idee! 2.6 Die „Whale Pump“ als Klima-Allianz – Oder: Wale sind die neuen Klimakämpfer! Und jetzt kommt der Hammer! Wusstest du, dass Wale gigantische Mengen CO2 binden? Ein großer Wal speichert bis zu 33 Tonnen Kohlenstoff in seinem Körper. Und ihr nährstoffreicher Kot (ja, Wal-Kacke!) stimuliert Phytoplankton, das weitere 40 % des globalen CO2 absorbiert. Wal-Kacke rettet die Welt! Wer hätte das gedacht? Laut einer Studie im Fachjournal Nature (wissenschaftlich, also muss es stimmen!) könnten wiederhergestellte Walpopulationen jährlich 1,7 Milliarden Tonnen CO2 zusätzlich aufnehmen. Das Äquivalent von 70 Millionen Autos! 70 Millionen! Wale sind also nicht nur süß und intelligent, sondern auch noch Klimakämpfer im XXL-Format. Eine globale Kampagne, die den Klimanutzen der Wale in den Fokus rückt, könnte den Druck auf Walfangnationen erhöhen, ähnlich wie das Pariser Abkommen die Energiewende vorantrieb. Wale retten das Klima, und wir retten die Wale! Das ist doch mal ein Deal, oder? Kapitel 3: Die Welt nach dem Walfang – Ökologische und ökonomische Dominoeffekte – Oder: Wenn Wale regieren (… das Meer). Okay, stellen wir uns mal eine Welt ohne Walfang vor. Eine Utopie? Vielleicht. Aber eine verdammt coole Utopie! Ein Ende des Walfangs würde marine Ökosysteme regenerieren und globale Wirtschaftskreisläufe verändern. Dominoeffekte im positiven Sinne! 3.1 Die Rückkehr der Riesen: Biodiversität boomt – Oder: Mehr Wale, mehr Party im Ozean! Buckelwale in der Antarktis fressen bis zu 1,5 Tonnen Krill pro Tag und verteilen durch ihre Ausscheidungen Eisen, das Phytoplanktonwachstum ankurbelt. Kreislauf des Lebens, Baby! In Gebieten mit steigenden Walpopulationen, wie vor Alaska, verzeichnete man bereits 30 % mehr Fischbestände. Warum? Weil junge Fische im Schutz der Walschulen aufwachsen können. Wale als Babysitter für Fischkinder! Wer hätte das gedacht? Ein globaler Stopp des Walfangs könnte bis 2050 die Zahl der Blauwale von heute 10.000 auf historische 350.000 erhöhen. 350.000 Blauwale! Das wäre so, als ob die Straßen von New York plötzlich voller Einhörner wären (okay, vielleicht übertreibe ich ein bisschen, aber es wäre trotzdem verdammt cool!). Eine Zahl, die vor dem industriellen Walfang realistisch war. Lasst uns die Ozeane wieder mit Giganten füllen! 3.2 Klima-Kipppunkt: Wale als CO2-Senker – Oder: Wale gegen den Klimawandel – It's a Whale-Win-Situation! Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ist ein Wal über seine Lebenszeit 2 Millionen US-Dollar wert – allein durch seine Rolle im Kohlenstoffkreislauf. Der IWF, Kumpel! Die sind normalerweise nicht für ihre Wal-Liebe bekannt, aber wenn sogar die das sagen … Eine Verdopplung der globalen Walpopulation würde der Atmosphäre jährlich 1,6 Gigatonnen CO2 entziehen, was den Emissionen von ganz Südamerika entspricht. Südamerika! Wale sind die Lungen der Meere und die Klimaanlage für den Planeten. Für Länder wie Island, die derzeit Wale töten, könnte ein „Wal-Kohlenstoffmarkt“ lukrativer sein als der Walfang. Klingt doch nach einem besseren Geschäftsmodell, oder? Statt Wale zu harpunieren, CO2-Zertifikate verkaufen, weil man Wale hat! Win-Win! 3.3 Ökotourismus: Wirtschaftswachstum durch lebende Wale – Oder: Whale Watching statt Wal-Schlachtung! In Húsavík, Island, generiert Whale Watching 90 % der lokalen Einnahmen. 90 %! Da lacht die Kasse! Ähnlich prosperieren Regionen in Mexiko (Grauwale) und Australien (Buckelwale). Eine Studie der Universität British Columbia prognostiziert, dass ein globaler Walfangstopp den Ökotourismus auf 5 Milliarden US-Dollar pro Jahr anheben könnte. 5 Milliarden! Einhundertmal mehr als der aktuelle Walfleischmarkt. Einhundertmal! Das ist nicht nur mehr Geld, sondern auch viel mehr Spaß und weniger schlechtes Karma. Kapitel 4: Die Hindernisse – Warum es noch nicht geschehen ist – Oder: Die üblichen Verdächtigen … Trotz der offensichtlichen Vorteile – Wale retten Klima, Biodiversität und Wirtschaft, und sind verdammt nochmal cool! – blockieren drei Faktoren den Wandel. Die üblichen Verdächtigen halt. 4.1 Politische Machtspiele – Oder: Sturer Bock statt Wale im Blick! Japan nutzt den Walfang als Symbol nationaler Souveränität. Als das Land 2019 die IWC verließ, erklärte Premierminister Shinzo Abe: „Wale sind Teil unserer Kultur.“ Kultur! Immer diese Kultur-Ausrede, wenn man was Dummes macht. Dahinter stecken aber Subventionen: Die japanische Regierung pumpt jährlich 5 Milliarden Yen (38 Millionen Euro) in eine sterbende Industrie, um Arbeitsplätze in ländlichen Regionen zu erhalten. Arbeitsplätze in einer Industrie, die keinen Sinn macht, keinen Gewinn bringt und Wale umbringt. Das ist so, als würde man in Brieftauben investieren, weil man Angst vor dem Internet hat. 4.2 Technologische Gegenwehr – Oder: Walfänger rüsten auf! Es wird persönlich! Norwegische Walfangunternehmen rüsten bereits auf: 2023 installierte die Firma Myklebust Hval Anti-Drohnen-Systeme an ihren Schiffen, um Aktivisten abzuwehren. Anti-Drohnen-Systeme! Als ob Sea Shepherd-Drohnen die größte Bedrohung wären. Gleichzeitig entwickeln Länder wie Island „smarte Harpunen“, die per GPS gezielt Jungwale treffen – eine Technik, die schwer nachzuweisen ist. Smarte Harpunen für dumme Entscheidungen. 4.3 Kulturelle Trägheit – Oder: Tradition ist nicht alles … besonders wenn sie blöd ist. In abgelegenen Gemeinden Islands oder der Färöer-Inseln ist Walfang Teil der Identität. Kampagnen scheitern hier oft an mangelnder Empathie für „städtische Öko-Aktivisten“. Verständlich, irgendwie. Aber Tradition sollte kein Freibrief für Unsinn sein. Ein Ansatzpunkt könnte die Zusammenarbeit mit lokalen Künstlern sein, die alternative Narrative schaffen – etwa Wale als „Beschützer der Fischer“ statt als Beute. Wale als Helden, nicht als Hamburger! Das klingt doch nach einer Story, die man erzählen sollte, oder? Fazit: So, lieber Leser, das war unser Tauchgang in die Tiefen des Walfang-Problems. Es ist kompliziert, aber nicht hoffnungslos. Mit radikalen Ideen, etwas Humor und viel Engagement können wir es schaffen, den Walfang endgültig ins Museum zu verbannen – neben die Schulterpolster und Dauerwellen. Denn die Zukunft gehört den lebenden Walen, den gesunden Ozeanen und uns, die wir das alles genießen dürfen. Bleib salty, mein Lieber! Und wenn du Bock hast und mir nicht glaubst, hier die Quellen: International Whaling Commission (IWC), Report on Whale Killing Methods, 2023. Chami, R. et al., Nature Climate Change, „Nature’s Solution to Climate Change“, 2019. World Wildlife Fund (WWF), The Economic Value of Whale Tourism, 2022. International Monetary Fund (IMF), Financing the Survival of Whales, 2021. EPA Whistleblower Program, Case Studies on Environmental Crime, 2023. Bitte bedenke, dass dieser Artikel zwar rein fiktiv ist und nur hypothetische Annahmen darstellt, aber dennoch reale Tatsachen beinhalten und/oder von solchen inspiriert sein kann. Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!

  • Hai-Schock! Verwandeln unsere Internetkabel den Ozean in einen riesigen, unsichtbaren WLAN-Router des Untergangs?!

    Von Doris Divebomber Einführung: Die Tiefsee-Spaghetti, die deine Katzenvideos verbinden Okay, stell dir vor: Du liegst mit dem Handy in der Hand am Strand und scrollst durch witzige Katzenvideos (weil, Prioritäten). Hast du dir schon mal überlegt, wie diese katzenartigen Missgeschicke wie von Zauberhand auf deinem Bildschirm erscheinen? Na, schnall dich an, Butterblume, denn das alles ist einem riesigen Unterwasser-Spaghettimonster zu verdanken! Wir sprechen von über 500 Unterseekabeln, die sich über den Meeresboden schlängeln und Kontinente wie eine globale, digitale Schneiderin zusammennähen. Das sind nicht die Telefonkabel deiner Großmutter, Kumpel. Wir sprechen hier von Hightech-Drähten, oft dünner als dein Gartenschlauch (es sei denn, du hast einen richtig dicken Schlauch), über die satte 99 % der internationalen Kommunikation abgewickelt werden. Das umfasst alles, von deinem hektischen Online-Shoppingtouren bis hin zu Emoji-Kämpfen zwischen Staatsoberhäuptern (nehmen wir an). Aber hier ist das Verdächtige: Während wir fleißig Serien schauen und Überweisungen tätigen, summen diese Kabel leise vor sich hin und senden elektromagnetische Felder (EMF) aus. Und die große Frage, mit der wir uns bei The Ocean Tribune (natürlich zwischen Delfin-Dokumentationen) beschäftigen, lautet: Machen diese unsichtbaren Schwingungen unseren Meeresfreunden, insbesondere den Haien und anderen elektrisierend empfindlichen Lebewesen, zu schaffen? Tauchen wir ein! Haie: Die ursprünglichen Elektriker der Natur (die nicht um ein Kabel-Upgrade gebeten haben) Haie. Diese schlanken, zahnbewehrten Legenden der Tiefe. Sie durchstreifen die Ozeane seit über 400 Millionen Jahren – was, seien wir ehrlich, länger ist als das Internet per DFÜ-Verbindung. Und eine ihrer Geheimwaffen? Ihr elektrischer Sinn. Vergiss Superkräfte, diese Kerle haben Supersinne. Abbildung 1 Sie sind mit diesen erstaunlichen Dingen namens Lorenzinische Ampullen ausgestattet. Klingt nach hochwertiger italienischer Pasta, oder? Nein! Das sind winzige Poren um ihre Schnauzen, die im Grunde biologische EMF-Detektoren sind. Diese Poren können Spannungsänderungen von nur 5 Nanovolt pro Zentimeter wahrnehmen. Zum Vergleich: Das ist, als würde man einen einzigen Tropfen Parfüm in einem olympischen Schwimmbecken riechen … das mit Zitronensaft gefüllt ist. Okay, vielleicht nicht so dramatisch, aber du verstehst, was ich meine – es ist empfindlich. Sie verwenden diesen elektrischen sechsten Sinn, um im Sand vergrabene Snacks zu finden, mithilfe des Magnetfelds der Erde zu navigieren (das GPS der Natur, lange vor Waze) und allgemein um die coolen, gelassenen Spitzenprädatoren zu sein, die sie sind. Doch was passiert, wenn wir mit unserem unersättlichen Verlangen nach Katzenvideos im Internet eine Menge künstlich erzeugter EMF in die Mischung werfen? Verwandeln wir den Ozean versehentlich in einen riesigen, verwirrenden Hai-Ray? Forscher der Universität von Hawaii haben dies bereits 2022 mutig (und wahrscheinlich vorsichtig) untersucht. Sie verfolgten Tigerhaie in der Nähe von Hochspannungskabeln. Es stellte sich heraus, dass die Haie zunächst nur „Oh, was ist das?“ dachten und neugierig um die Kabel kreisten. Aber dann, BÄM! Sobald sie auf ein Magnetfeld von 100 Mikrotesla trafen, machten sie schneller eine abrupte Kehrtwende, als man „Weißer Hai“ sagen kann. Und weißt du was? Dieses 100-Mikrotesla-Niveau ist niedriger als das, was viele Tiefseekabel ausstoßen. Die unsichtbare EMF-Bedrohung: Wie stark ist dieses Unterwasser-WLAN-Signal überhaupt? Wie „elektromagnetisch“ sind diese Unterseekabel? Nun, es hängt von der Art des Kabels ab: Glasfaserkabel:  Das sind die entspannten, unauffälligen Kabel. Sie nutzen Licht zur Datenübertragung, daher sind ihre elektromagnetischen Felder extrem schwach – mit weniger als 1 Mikrotesla praktisch unsichtbar. Betrachte es als umweltfreundliche und energiesparende Alternative. Hochspannungs-Gleichstrom-Kabel (HGÜ):  Halte dich fest! Diese Kabel sind das Schwermetall unter den Unterwasserkabeln. Sie können in ihrer unmittelbaren Umgebung bis zu 500 Mikrotesla abgeben. Das ist 10.000 Mal stärker als das natürliche Magnetfeld der Erde (das bei gemütlichen 0,05 Mikrotesla liegt). Stell dir vor, dein GPS spielt verrückt, weil dein Nachbar einen riesigen Magneten in seinem Garten gebaut hat! Laut dem etwas dramatisch benannten International Cable Protection Committee (ICPC) tummeln sich satte 97 % dieser Tiefsee-Spaghetti in Küstengebieten. Und rate mal, wer Küstengebiete noch liebt? Genau, Haie, Rochen und andere elektrisch begabte Meeresbewohner. Nehmen wir zum Beispiel das Ostafrikanische Unterseekabelsystem. Es verläuft quasi direkt durch die Jagdgründe des gefährdeten Weißen Hais vor der Küste Südafrikas. Unglaublich! Welleneffekte: Wenn Internetkabel kaputtgehen, zahlt das Meeresleben den Preis Okay, Kabel könnten etwas … vibrieren. Aber ist das den Fischen wirklich wichtig? Spoiler-Alarm: Wahrscheinlich ja. Hier ist der wässrige Dominoeffekt: Verhaltensbedingte Hirnfurze:  Die klugen Köpfe des Monterey Bay Aquarium Research Institute (MBARI) führten einige Experimente mit Blauhaien durch. Sie beschossen sie mit künstlichen Magnetfeldern (wir gehen davon aus, dass bei dieser wissenschaftlichen Untersuchung kein Hai zu Schaden kam!). Und weißt du was? Die Haie schwammen in völlig unterschiedliche Richtungen, als die elektromagnetischen Felder einsetzten. In freier Wildbahn könnte das bedeuten, dass sie sich auf ihrer Wanderung verirren, Dinnerpartys verpassen (Haifutter ist eine ernste Angelegenheit) oder allgemein verwirrt sind, wie wenn man nach einem Konzert versucht, sein Auto auf einem riesigen Parkplatz zu finden. Stressiges Meeresleben: Rochen, die im Grunde die etwas flacheren Cousins ​​der Haie sind und ebenfalls über ein starkes Elektrosmog-Gefühl verfügen, sind ebenfalls nicht begeistert. Eine Studie der Universität von Miami (wo Wissenschaft und Sonnenschein aufeinandertreffen!) aus dem Jahr 2023 ergab, dass Rochen, die ständigen elektromagnetischen Feldern ausgesetzt waren, höhere Cortisolwerte aufwiesen – das ist unser Stresshormon. Stell dir vor, du lebst neben einer ständig lauten Baustelle – unter Wasser, und die besteht aus unsichtbaren elektromagnetischen Feldern. Nicht gerade Zen. Love Life Lockdown: Dornhaie in der Nordsee wurden dabei beobachtet, wie sie Laichplätze in der Nähe von Kabeln schräg beäugten. Sie sagen damit im Grunde: „Nein, nicht in meinem Garten, Herr EMF-Kabel!“ Das ist eine große Sache, denn 30 % der weltweiten Kabeltrassen verlaufen mitten durch Meeresschutzgebiete. (Quelle: ICES Journal of Marine Science, 2021). Es ist, als würde man eine Autobahn durch eine Entbindungsstation bauen. Nicht ideal für Babyhaie. Mehr als nur Biss: Es ist nicht nur eine Sache der Haie Halte deine Seepferdchen im Zaum, nicht nur unsere Haifreunde leiden unter EMF-Blues. Das gesamte marine Ökosystem steht möglicherweise unter einem gewissen … Elektrifizierungsdruck. Whales Gone Walkabout: Buckelwale nutzen das Erdmagnetfeld ebenfalls als Navigationssystem! Ein Bericht des Ocean Cleanup Project (ja, diese tollen Leute, die Plastik wegräumen!) aus dem Jahr 2023 warnt davor, dass Tiefseekabel die Wanderrouten der Wale stören könnten. Stell dir vor, du versuchst, deinem Navigationssystem zu folgen, und es fordert dich ständig auf, links abzubiegen … gegen eine Mauer. Frustrierend, oder? Stell dir das jetzt im Maßstab eines Wals vor. Plankton-Party-Panik:  Selbst winzige Planktonlarven wie Seeigelbabys und Muscheln nutzen schwache Magnetfelder zur Orientierung. Laborexperimente haben gezeigt, dass künstliche elektromagnetische Felder ihre Schwimmrichtung durcheinanderbringen können. Diese winzigen Lebewesen bilden die Basis der Nahrungskette! Verwirrtes Plankton verwirrt alles andere, wie ein Fischrestaurant, dem … nun ja, alles ausgeht. Tiefsee-Raves (unbeabsichtigt): Tief in 3.000 Metern Tiefe, wo es immer Mitternacht ist und das einzige Licht von biolumineszierenden Tintenfischen (und jetzt offenbar auch von Kabeln!) kommt, könnten diese Kabel die einzige Quelle für … nun ja, irgendetwas Auffälliges sein. Forscher des GEOMAR Helmholtz-Zentrums entdeckten 2022 Bakterien, die Kabel besiedelten. Bakterienpartys klingen zwar lustig, können aber tatsächlich die empfindlichen Ökosysteme der Tiefsee verändern. Es ist, als würde man die ganze Nachbarschaft in seine winzige Wohnung einladen – zunächst gemütlich, dann etwas problematisch. Lösungen in Sicht! Können wir Internet haben und gleichzeitig (nachhaltig) essen? Nicht verzweifeln, Meeresliebhaber! Die Branche beginnt, über Lösungen nachzudenken (wahrscheinlich zwischen der Einführung neuer Streaming-Dienste). EMF-Tarnung:  Das Unternehmen Subsea Environmental Services testet Kabelmäntel aus ferromagnetischem Material. Man kann sie sich als EMF-blockierende Unterwäsche für Kabel vorstellen! Diese Mäntel können die EMF-Emissionen um bis zu 80 % reduzieren. Nicht schlecht! Haifreundliche Kabelautobahnen:  In Kalifornien wurden neue Routen des Pacific Light Cable Network umgeleitet, um bekannte Treffpunkte des Weißen Hais zu meiden. Dies geschah auf Druck von NGOs wie Oceana. Es ist wie Stadtplanung, nur für Haie und Kabel. „Entschuldigen Sie, Mr. Cable, hier beginnt die Hai-Fresszone. Bitte umleiten.“ KI-Meeres-EMF-Polizei: Es gibt Ideen, Sensoren zu nutzen, um EMF in Echtzeit zu messen. Bei zu starken Vibrationen werden dann Warnmeldungen an die Schifffahrtsbehörden gesendet. Stell dir solche Projekte als Hightech-Meeres-Rettungsschwimmer für EMF vor. „Achtung! Die EMF-Werte in den Kabeln überschreiten die Komfortgrenzen für Haie! Bitte passen Sie Ihren Datenfluss an!“ Kritiker wie die Deep Sea Conservation Coalition weisen jedoch auf ein kleines … Versäumnis hin. Nur 12 % der Kabelprojekte werden einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) unterzogen. Das ist, als würde man einen Wolkenkratzer bauen, ohne zu prüfen, ob dort gefährdete Taubenarten leben. Internationale Gewässer können sich in Sachen Regulierung wie ein wilder Westen anfühlen. Zahlen, die dich dazu bringen sollten, deinen Algen-Smoothie zu verschütten Abbildung 2 Bereit für einige umwerfende Statistiken? 1,3 Millionen Kilometer beträgt die Gesamtlänge aller Unterseekabel. Das reicht, um die Erde 32 Mal zu umrunden! Denk das nächste Mal daran, wenn dein Netflix-Stream puffert. Es umrundet buchstäblich den Globus. Der Datenverkehr über diese Kabel wird bis 2030 voraussichtlich um 300 % zunehmen. Das bedeutet … mehr Kabel! Kabel-Palooza! Wir werden einen größeren Ozean brauchen. (Oder, du weißt schon, ein besseres EMF-Management). (Quelle: TeleGeography Report, 2023). Nur fünf Länder (darunter Deutschland und Neuseeland, ein Hoch auf die verantwortungsbewussten Nationen!) haben gesetzlich verbindliche EMF-Grenzwerte für Meeresgebiete. Fünf! Und wie viele Länder haben Küsten? Das ist so, als ob es in deiner Straße nur fünf Häuser mit Rauchmeldern gäbe. Ziemlich beunruhigend, oder? Fazit: Navigieren im Spannungsfeld zwischen Technologie und Ökologie Die Unterwasserkabel-Saga wirft ein Schlaglicht auf ein klassisches Anthropozän-Problem: Unser unersättlicher digitaler Appetit kollidiert mit dem empfindlichen Gleichgewicht der Meeresökosysteme. Die Branche könnte achselzuckend sagen: „Hey, keine Art ist direkt aufgrund von EMF ausgestorben!“ Das wäre etwa so, als würde man sagen: „Na ja, niemand ist sofort an diesem leicht radioaktiven Käsesandwich gestorben!“ Biologen hingegen warnen vor den schleichenden Auswirkungen: Verhaltensänderungen, Stress, Fortpflanzungsstörungen und wer weiß, was noch. Die Lösung? Ein Cocktail aus strengeren Vorschriften, transparenten Umweltverträglichkeitsprüfungen und dem tatsächlichen Zuhören der indigenen Gemeinschaften. Ihr traditionelles Wissen wird oft wie Fischreste von gestern über Bord geworfen, obwohl sie wahrscheinlich einige gute Ideen haben. Wie die Māori in Neuseeland so weise sagen: „Der Ozean ist kein Kabel, sondern ein lebendiges Wesen.“ Tief, oder? Denk also beim nächsten Videostreaming oder Emoji-Versand an das Unterwasser-Spaghettimonster und seine möglichen Auswirkungen auf unsere Flossenfreunde. Vielleicht können wir ja auch unser Internet und einen gesunden Ozean haben. Dazu braucht es etwas Innovation, etwas Regulierung und vielleicht auch etwas weniger Doomscrolling. Nur so ein Gedanke von deiner freundlichen Ocean Tribune! Quellen mal wieder für die ganz harten: University of Hawaii, Marine Biology (2022) Internationales Kabelschutzkomitee (ICPC), Umweltrichtlinien (2021) Monterey Bay Aquarium Research Institute (MBARI), Bericht zum Verhalten von Haien (2023) TeleGeography, Globaler Kabelverkehrsbericht (2023) Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben! Bildquellen: Abbildung 1: Albert kok, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons Abbildung 2: Submarine Cable Map/TeleGeography

  • Was wäre, wenn der Golfstrom plötzlich einschliefe – und Europa zur Arktis würde?

    Von Kevin Klepto Ah, das Meer! Diese riesige, blaue Fläche, die uns mit Fisch und Urlaubsfotos versorgt. Aber das Meer ist mehr als nur ein riesiger Pool für Tintenfische und Influencer. Es hat auch sowas wie ... das Klima im Griff. Und da wird's plötzlich weniger lustig, aber keine Sorge, wir von The Ocean Tribune bringen euch das Thema auf humorvolle Weise näher – versprochen! Einleitung: Europas unsichtbare Heizung – made by Mother Nature (aber bald vielleicht nicht mehr) Europa, das sind wir: Pizza essend, Bier trinkend, im Sommer über Hitze jammernd und im Winter über Kälte. Aber mal ehrlich, eigentlich haben wir es doch ganz kuschelig hier, oder? Das verdanken wir einem unsichtbaren Mitbewohner, den wir alle kennen sollten: dem Golfstrom. Dieser Typ ist wie die heimliche Zentralheizung Europas, nur in Gigantisch und Ozeanisch. Er schleppt warmes Wasser aus der Karibik hier hoch, als würde er uns eine riesige, warme Badewanne liefern. Wissenschaftler, die notorischen Spaßverderber, warnen aber schon seit Ewigkeiten, dass diese Heizung ins Stocken geraten könnte. Und was dann? Nun, dann verwandelt sich Europa in eine begehbare Tiefkühltruhe. Klingt dramatisch? Ist es auch! Wir von The Ocean Tribune haben uns mal schlau gemacht und präsentieren dir die knallharten Fakten – natürlich wie immer mit einem Augenzwinkern (aber die Lage ist ernster als ein Fischreiher auf Speed-Dating, versprochen!). Der Golfstrom: Ein Schlüsselspieler im Klima-Orchester (und der Dirigent ist leicht überfordert) Der Golfstrom, das ist nicht nur so ein bisschen Wasser, das da rumschwimmt. Nein, er ist Teil eines super komplizierten Systems, das klingt wie ein Zungenbrecher für Meeresforscher: Atlantische Meridionale Umwälzzirkulation (AMOC). Merk dir das, damit kannst du beim nächsten WG-Abend angeben! Dieses System ist wie ein gigantisches Förderband im Ozean. Warmes, salziges Wasser chillt in der Karibik, macht sich dann auf den Weg nach Norden, kommt an Europa vorbei, kühlt ab (wahrscheinlich, weil es unsere nörgelnden Kommentare über das Wetter hört), wird schwerer, sinkt ab und fährt als kalter Strom wieder in den Süden. Ein bisschen wie ein Rentner auf Kreuzfahrt, nur im Wasser und ohne Buffet (naja, vielleicht mit, wer weiß, was da unten so kreucht und fleucht). Diese irre Wassermenge transportiert pro Jahr rund 1,5 Petawatt Energie. Petawatt, das klingt nach einer neuen Katzenrasse, ist aber tatsächlich die Leistung von EINER MILLION moderner Atomkraftwerke! Wahnsinn, oder? Und das alles, damit wir Westeuropäer es im Schnitt 10°C wärmer haben, als es unserer geografischen Lage zusteht. Ohne den Golfstrom wäre London auf dem gleichen Breitengrad wie die Hudson Bay in Kanada. Und wer schon mal im kanadischen Winter war, weiß: Da frieren dir die Lachfalten ein. Wintertemperaturen? Regelmäßig unter -20°C. Da wird selbst der härteste Hipster zum Frostbeulen-Fan. Alarmzeichen: Der Golfstrom macht schlapp – und wir mit ihm bald auch? Jetzt kommt der unangenehme Teil, mein Freund. Unser Golfstrom, der coole Typ, der uns immer die Heizung hochgedreht hat, ist ein bisschen ... müde geworden. Seit den 1950ern hat die AMOC laut Studien schon 15 - 20% an Stabilität eingebüßt. Das ist so, als würde dein Lieblingsradiator plötzlich anfangen zu husten und komische Geräusche zu machen. Satellitendaten und Messungen im Ozean zeigen: Die Strömung ist so langsam wie seit über 1.000 Jahren nicht mehr. Tausend Jahre! Das ist länger her als der letzte ESC-Sieg für Deutschland (kleiner Seitenhieb musste sein). Der Hauptschuldige ist, wie so oft, der Klimawandel. Das schmelzende Grönlandeis (ja, schon wieder dieses Eis!) setzt jährlich etwa 300 Milliarden Tonnen Süßwasser frei. Das ist so viel, dass man damit den Bodensee ... äh ... keine Ahnung, wie oft füllen könnte, aber es ist VIEL! Dieses Süßwasser verdünnt das salzige Meerwasser im Nordatlantik. Und was passiert? Richtig, das schwere, salzige Wasser sinkt nicht mehr so gut ab. Das ist, als wenn man versucht, in einem Pool voller Limonade unterzugehen – funktioniert auch nicht so richtig. Ein Teufelskreis entsteht (und Teufelskreise sind nie gut, außer vielleicht in Goethes Faust, aber das ist eine andere Geschichte). Je wärmer die Arktis wird, desto mehr Eis schmilzt, desto schwächer wird die AMOC. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), quasi das Klima-Orakel Deutschlands, warnt, dass die Strömung schon ab 2030 einen Kipppunkt erreichen könnte. Kipppunkt? Das klingt nach Dominosteinen, die umfallen, und am Ende steht Europa im Eis. Ab 2030! Das ist quasi übermorgen! Zeit, sich schon mal warme Socken zu stricken und den Glühwein-Vorrat aufzustocken? Das Szenario: Europa im Kälteschock – Willkommen in Sibirien, äh, London! Okay, was passiert nun, wenn die AMOC wirklich die Grätsche macht? Der Klimawandel in Zeitlupe, aber mit einem fetten, ironischen Twist. Während die globale Erwärmung weitergeht (ja, die Erde wird wärmer, aber Europa halt nicht), stürzt Europa in eine regionale Eiszeit. Das ist so paradox, dass es schon wieder lustig ist, wenn es nicht so beängstigend wäre. Klimamodelle des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), quasi die Boyband der Klimawissenschaft, prognostizieren für Nordwesteuropa einen Temperatursturz von 3 - 5°C binnen weniger Jahrzehnte. In Küstengebieten, wo es eh schon immer windig und ungemütlich ist, sogar bis zu 10°C! Winter werden länger, extremer und schneereicher. Wir reden hier von Sibirien-Vibes, Kumpel! London, die Stadt der roten Telefonzellen und des Fish and Chips, könnte Temperaturen von -15°C erleben. Gleichzeitig schwitzen die Tropen unter noch schlimmeren Hitzewellen. Die Erde spielt verrückt und Europa bekommt die Kälte-Quittung. Landwirtschaft im freien Fall – Bye-bye, Wein und Käse, hallo, gefrorene Kartoffeln? Die Folgen für die Nahrungsmittelproduktion? Katastrophal! Vergiss deine Avocado-Toast-Obsession, bald gibt es Eis-Toast! Getreide wie Weizen oder Mais, die jetzt in Frankreich und Deutschland wachsen, würden in den südlichen Mittelmeerraum umziehen – quasi die Klima-Migranten unter den Pflanzen. Aber selbst dort könnte Dürre die Ernten killen. Eine Studie der Universität Exeter (klingt britisch, muss also seriös sein) sagt, dass die Ernteverluste in Europa bis zu 50% betragen könnten. Fünfzig Prozent! Das ist mehr als die Hälfte! Das bedeutet: Preisexplosionen und Hungersnöte. Und wer Hunger hat, wird bekanntlich schlecht gelaunt. Also, liebe Eis-Liebhaber, es wird nicht nur kalt, sondern auch grimmig! Auch die Fischbestände sagen "Ciao!". Kaltwasserarten wie Kabeljau machen sich auf in den Norden, während Arten wie der atlantische Lachs (der ja bekanntlich ein Feinschmecker ist) wegen gestörter Laichrouten einfach verschwinden. Weniger Fischstäbchen für alle! Eine Tragödie für die Tiefkühlpizza-Industrie! Wirtschaftliche und soziale Verwüstung – Geld friert auch nicht besser als Wasser Die Energiekosten würden explodieren. Heizen wird zum Luxusgut für Superreiche. Stromverbrauch im Winter? Geht durch die Decke! Die Infrastruktur, von Straßen bis zu Stromnetzen, ist nicht für arktische Bedingungen gebaut. Schneechaos deluxe jeden Winter! Und die Wirtschaft? Eine Analyse der OECD (die Organisation für reiche Länder, die jetzt auch Angst haben müssen) sagt, dass die wirtschaftlichen Schäden in der EU bis zu 4 Billionen Euro pro Jahr betragen könnten. VIER BILLIONEN! Das ist mehr Geld, als Jeff Bezos auf seinem Bankkonto hat (fast). Dazu kommt Massenmigration von Nord- nach Südeuropa. Klimafüchtlinge, die vor der Kälte fliehen. Und politische Konflikte um Ressourcen. Denn wer will schon mit dem Nachbarn um den letzten Heizpilz im Baumarkt kämpfen? Globale Dominoeffekte: Von Monsun-Chaos bis zur Artenkrise – Wenn Europa niest, hat die Welt Schnupfen Ein AMOC-Kollaps ist keine regionale Angelegenheit. Das ist ein globaler Domino-Day, bei dem alle Steine umfallen. Verschiebung der Tropen: Der Äquatoriale Tiefseegürtel, der Regen in die Sahelzone und nach Indien bringt (quasi der Lebenssaft dieser Regionen), könnte nach Süden wandern. Dürren in Afrika und Überschwemmungen in Südamerika wären die Folge. Das ist, als würde jemand den Hahn zudrehen, wo es eh schon trocken ist, und ihn aufdrehen, wo es eh schon schwimmt. Klima-Chaos deluxe! Anstieg des Meeresspiegels:  Wenn der Golfstrom versiegt, staut sich Wasser an der US-Ostküste. Das Massachusetts Institute of Technology (MIT), die Crème de la Crème der Technik-Unis, prognostiziert einen zusätzlichen Anstieg von 20 - 30 cm. Das klingt erstmal nicht viel, aber für Städte wie New York oder Miami, die eh schon tiefer liegen als der Kontostand der meisten Studenten, ist das eine Katastrophe. Ciao, Strandpromenaden! Hallo, Venedig 2.0 (aber ohne Gondeln, dafür mit Eis). Kippen weiterer Systeme:  Ein geschwächter Golfstrom könnte die Schmelze der Antarktis beschleunigen oder den Amazonas-Regenwald destabilisieren, sagen Modelle des Woods Hole Oceanographic Institute (noch ein fancy Name für Meeresforschung). Die Erde ist wie ein Kartenhaus, und wir reißen gerade begeistert Karten raus. Gegenmaßnahmen: Können wir den Golfstrom reanimieren? – Operation am offenen Herzen der Erde Die einzige Lösung, um diesen ganzen Wahnsinn zu stoppen? Radikale Reduktion der Treibhausgasemissionen. Klingt langweilig, ist aber so. Techno-Spielereien wie das Einpumpen von Salz in den Ozean ("Ocean Engineering", klingt nach James Bond-Bösewicht-Plan) gelten als riskant und unausgereift. Wer weiß, was dann passiert? Vielleicht mutierte Salzwasser-Monster? Lieber nicht. Wichtig ist der Schutz natürlicher CO2-Senken wie Meeresalgenwälder. Algen sind die Hippies des Meeres, die CO2 chillig aufsaugen und nebenbei auch noch die Biodiversität stärken. Zwei Fliegen, eine Klappe! Die Vereinten Nationen (die Welt-WG der Nationen) fordern, die Erderwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, um die AMOC zu stabilisieren. Aber selbst dann bleibt ein Restrisiko. Es ist wie bei einer alten Heizung: Man kann sie reparieren, aber irgendwann gibt sie vielleicht trotzdem den Geist auf. Fazit: Ein Weckruf für die maritime Zukunft – Ahoi, Landratte, es wird ernst! Der Golfstrom ist kein abstraktes Wissenschaftsding, sondern ein lebenswichtiges System, das unsere Zivilisation prägt. Sein möglicher Kollaps zeigt, wie fragil selbst scheinbar unerschütterliche Naturkräfte sein können. Für Europa wäre ein Versiegen der Strömung eine existenzielle Krise. Aber – und das ist das Positive – es ist noch vermeidbar! Klimaschutz, Schutz der Ozeane und globale Zusammenarbeit sind keine netten Extras, sondern Überlebensfragen. Wir müssen handeln, und zwar jetzt! Wie ein Kapitän sein Schiff durch einen Sturm steuert, müssen wir den Kurs korrigieren – bevor das Steuer versagt und wir alle im Eiswasser baden gehen. Also, Butterblume, lass uns nicht nur über das Meer reden, sondern auch was für es tun! Denn wer will schon im arktischen Europa Pommes mit Eis essen müssen? Quellen, Quellen, Quellen: IPCC (2021): Sonderbericht zum Ozean und der Kryosphäre. Rahmstorf, S. et al. (2015): Nature: „Exceptional twentieth-century slowdown in Atlantic Ocean overturning circulation“. Caesar, L. (2021): PNAS: „Current Atlantic Meridional Overturning Circulation weakest in last millennium“. OECD (2023): Wirtschaftliche Folgen von Klima-Kipppunkten. United Nations Environment Programme (2022): Emissions Gap Report. Bitte bedenke, dass dieser Artikel zwar rein fiktiv ist und nur hypothetische Annahmen darstellt, aber dennoch reale Tatsachen beinhalten und/oder von solchen inspiriert sein kann. Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!

  • Von Zürcher Schnitzel bis zu zypriotischen Muscheln (Cyprus Diving Centre): 21 Fragen an einen Schweizer Taucher, der (buchstäblich!) Wellen macht

    Von Brenda Beachbum Daniel Kistler, Chef des Cyprus Diving Centre, ein 35-jähriger Zürcher, hat seine Fonduegabeln gegen Flossen eingetauscht. Er und seine Partnerin packten ihr Leben zusammen und zogen 2018 nach Zypern, wo sie jetzt eine Tauchschule betreiben. Er zeigt Touristen nicht nur schöne Fische; ihm liegt Qualität, Sicherheit und die Rettung des Mittelmeers am Herzen, und das bei jedem Tauchgang. Er bietet sogar einen PADI Advanced Open Water Diver-Kurs an, bei dem du dich im Wracktauchen und in der Unterwasserfotografie versuchen kannst. Außerdem hat er einen speziellen Kurs entwickelt, mit dem du ein „Meeresschildkrötenexperte im Mittelmeer“ werden kannst, auch wenn du nicht tauchst! Was also bringt einen Schweizer dazu, die Alpen für die Ägäis zu verlassen? Ich habe Daniel gefragt. Also schnall dich an und mach dich bereit, in Daniels Gedankenwelt einzutauchen! Welches ist dein Lieblingstier / Krafttier und warum? Da gibt es sehr viele. Hier in unseren Gewässern auf jeden Fall die Meeresschildkröte. Weil es ein wirklich wunderschönes Tier ist, sehr elegant, oft unterschätzt wird und leider auch mehr Aufmerksamkeit benötigt für den Schutz. Weltweit sind es auf jeden Fall alle Arten von Haien, aufgrund der Vorurteile. Doch unter Wasser sind sie so elegant und schön anzusehen. Welches ist dein Lieblingszitat(e) an das du häufig denkst oder danach lebst? Das Leben ist zu kurz, nimm dir Zeit für Meer. Welches Buch/Bücher sollte man unbedingt gelesen haben und warum? Ich lese hauptsächlich nur Theorie-Bücher zum Thema Tauchen. Dein schönster und schlimmster Moment deiner Aktivität / beruflichen Laufbahn? Schönster Moment: Spontaner Besuch von zwei Bryde Whales in Koh Tao bei einem PADI Advanced Kurs mit Schülern (PADI = Professional Association of Diving Instructors). Schlimmster Moment: Als wir auf Zypern in 30 Metern Tiefe eine tote Grüne Meeresschildkröte fanden, die sich in einer Angelschnur verfangen hatte. Welchen Rat würdest du unserer jetzigen jungen Generation für den Einstieg in ihr zukünftiges Leben geben? Welchen Rat sollten sie ignorieren? Geht raus, genießt die Natur und wertschätzt sie auf eine vernünftige Art und Weise. Aber hört auf mit dem Extremismus. Dieser wirkt nur abschreckend. Was tust du hauptsächlich in deinem Beruf und mit welchen Herausforderungen hast du zu tun? Was treibt dich am meisten an? Ich kümmere mich in erster Linie um die Führung der Tauchschule und unserer PADI Pro Programme, zusammen mit Tamara. Im Tourismus und speziell auch in der Tauchbranche hat man immer wieder mit unterschiedlichen Herausforderungen zu kämpfen. Zum einen sind wir ein Saison-Betrieb und müssen daher für jede Saison neue Mitarbeiter finden. Zudem haben wir natürlich auch mit der Inflation und den Umwelteinflüssen zu kämpfen. Jedoch ist es dann mehr als Lohn genug, wenn man wieder neue Taucher ausgebildet hat, welche voller Freude über die wunderschöne Unterwasserwelt berichten und dadurch auch automatisch ein Sprachrohr für den Meeresschutz werden. Mal im Ernst: Was war der Auslöser für die Idee, nach Zypern zu ziehen und eine Tauchschule zu eröffnen? War es eine besonders starke Flasche Ouzo? Gute Frage! 😄 Nein, es war tatsächlich so, dass ich schon als kleines Kind mit meiner Mutter hier oft Urlaub gemacht habe. Dadurch habe ich auch auf Zypern tauchen gelernt und damals schon gesagt, irgendwann lebe ich hier. Als ich dann Tamara kennengelernt habe, und wir gemeinsam reisen waren, haben wir beschlossen, in Thailand den PADI Divemaster Kurs zu machen. Gleichzeitig hat mich ein Freund auf Zypern gefragt, ob wir nicht mal eine Saison bei ihm arbeiten möchten. So hat es sich dann ergeben und wir sind geblieben. Erst 2 Jahre als Angestellte und dann im Jahr 2020 eine eigene Tauchschule übernommen. Ihr legt großen Wert auf Qualität und Sicherheit. Was ist dein „Schweizer Käse“-Ansatz, um sicherzustellen, dass Taucher ein sicheres und unvergessliches Erlebnis haben? (Abgesehen davon, dass ihr den Fischen kein Käsefondue gebt). Das ist uns sehr wichtig und wir haben es auch von Anfang an stark verfolgt. Was uns auszeichnet ist auf jeden Fall, dass wir ein sehr familiäres und lockeres Verhältnis pflegen. Wir gehen auch gerne mal mit den Kunden was essen (Kein Käsefondue - Hier greifen wir auf lokale Spezialitäten zurück 😎. Wir haben aber auch immer nur kleine Gruppen (maximal 4 Personen auf einen Guide) und jede Gruppe ist individuell mit dem Guide und dem Fahrzeug unterwegs. Wir halten uns an alle Standards und achten natürlich auch sehr darauf, dass wir die Unterwasserwelt schützen. (Klicken zum Vergrößern) Es wurde ein Anstieg der Schildkrötensichtungen festgestellt. Ist das eine gute Nachricht oder gibt es tiefer liegende Probleme? Was ist wirklich los? Ja, seit hier auf Zypern mit dem Schutz der Nester begonnen wurde, kann man nun sehen, dass es mehr junge Meeresschildkröten gibt. Gerade während der Corona Zeit konnte man immer mehr Meeresschildkröten sehen. Nun wurde das aber leider den Meeresschildkröten zum Verhängnis. Sie werden oft von Booten angefüttert, was dazu führt, dass die Meeresschildkröten vermehrt an der Wasseroberfläche schwimmen und mit Wasserfahrzeugen kollidieren. Dies ist eigentlich verboten auf Zypern, aber an der Durchsetzung des Gesetzes hapert es noch stark. Ist dies ein Zeichen für ein gesundes Ökosystem oder zieht es die Schildkröten nur näher an die Küste, weil sie ihren traditionellen Lebensraum verlieren? Das Ökosystem im Mittelmeer ist ohnehin eines der gefährdetsten der Welt. Jedoch ist es ihr natürliches Verhalten, in ihren Teenager-Jahren näher an die Küste zu kommen, wo sie sich von Seegras ernähren (Grüne Meeresschildkröten). Aber gerade an der Küste verlieren sie immer mehr Lebensraum. Du hast eine tote Schildkröte gefunden, die sich in Angelschnüren verfangen hatte. Kannst du bitte den Moment beschreiben, als du sie gefunden hast? Was ging dir durch den Kopf? Das war unglaublich traurig. Erst konnten wir es wirklich nicht fassen. Es war gerade eine sehr große, männliche Meeresschildkröte. Als wir sie losgeschnitten hatten, und dieser Anblick, als sie leblos an die Wasseroberfläche trieb, hat uns allen die Tränen in die Augen getrieben. Aber wir haben auch ziemlich rasch gesagt, diese Schildkröte ist nicht umsonst gestorben. Welche häufigen Missverständnisse bestehen hinsichtlich Meeresschildkröten? Viele wissen nicht, dass Meeresschildkröten zum Atmen an die Wasseroberfläche müssen. Daher verstehen sie auch nicht, dass es sehr schädlich ist für die Meeresschildkröten, wenn man sie am auftauchen hindert. Welche konkreten Schritte können Touristen unternehmen, um ihre Auswirkungen auf die Meeresumwelt Zyperns und anderswo zu minimieren? Verzichten auf Fütterungen von Meereslebewesen und auch diese Anbieter nicht unterstützen. Keine Wassersportkraftfahrzeuge fahren, oder falls doch, dann nur mit viel Rücksicht und langsam. Beim Tauchen oder Schnorcheln nichts anfassen. Aber gerade auch im Mittelmeer, vielleicht mal etwas mehr im Mittelmeer tauchen gehen als ans andere Ende der Welt zu reisen. Denn Meeresschutzgebiete werden oft nur dort eröffnet, wo der Tauchtourismus dem Staat auch Geld bringt. Hast du bereits positive Veränderungen im Verhalten der Touristen gegenüber Meeresschildkröten beobachtet, seit ihr mit euren Aufklärungsbemühungen begonnen habt? Ja, auf jeden Fall. Wir haben aber allgemein oft Kunden, die uns hauptsächlich "auswählen", weil wir hier viel Rücksicht nehmen. Auch weltweit bilden immer mehr Tauchprofis, egal von welcher Organisation, ihre Schüler dazu aus, nachhaltig zu tauchen. Was ist das Wichtigste, was Touristen über den verantwortungsvollen Umgang mit Meeresschildkröten wissen sollten? Abstand halten und den Anblick genießen! Aber nicht füttern! Zypern ist für das Wrack der Zenobia berühmt. Was macht es so besonders? Die Zenobia ist eine riesige RoRo-Fähre* mit mehreren LKW's, die im Jahr 1980 gesunken ist. Ihre Größe von ca. 172 Metern Länge ist faszinierend. Man kann noch immer Eierschalen, Trinkflaschen und auch Pferdeknochen finden. Menschen sind zum Glück keine zu Schaden gekommen. Zusätzlich haben wir hier extrem tolle Tauchbedingungen und die Zenobia liegt in einer perfekten Tiefe von 18 Metern bis 42 Metern. *(RoRo-Schiffe (von englisch Roll on Roll off) sind Schiffe, die bewegliche Güter im RoRo-Verfahren transportieren.) Können interessierte Menschen auf Anfrage zu dir kommen und euch bei eurem Projekt Xenios freiwillig unterstützen? Ja, das ist möglich. Wir haben auch einen eigenen Kurs über Meeresschildkröten im Mittelmeer. Bei uns kann jeder mithelfen und uns unterstützen. Das Projekt wächst immer mehr. Welche sind die größten Herausforderungen bei deinen Bemühungen zum Artenschutz? Bürokratie? Fehlende Finanzierung? Sonnenanbeter, die die Schildkröten absichtlich mit Jungfischen füttern? Alles zusammen! Das mangelnde Interesse der Regierung und die große Bürokratie. Aber auch der "Kampf" gegen eingeflossene Gewohnheiten und natürlich der Preiskampf. (Klicken zum Vergrößern) Was sind deine langfristigen Ziele für Xenios? Wir hoffen, dass wir mit unserer Datenbank nachvollziehen können, wie es den Meeresschildkröten auf Zypern geht, wie ihre Routen sind und wo sie sich am meisten aufhalten. Dadurch kann man Schutzzonen einführen und mit Fakten aufzeigen, was ihnen schadet und was nicht. Wenn du einen Zauberstab schwingen und eine Sache an der Interaktion der Menschen mit dem Ozean ändern könntest, was wäre das? Die extremen Industriefischereien sofort beenden und nur noch nachhaltiges Fischen durch kleine Fischer gestatten. Das hilft den einzelnen Menschen sowie dem Meer. Und zum Schluss: Welchen Rat würdest du jemandem geben, der davon träumt, dem Alltag zu entfliehen und seiner Leidenschaft nachzugehen, selbst wenn das bedeutet, um die halbe Welt zu ziehen? Machen und probieren! Keine Angst haben. Viele träumen davon, am Meer zu leben, sich für das Meer einzusetzen und Tauchlehrer zu werden, nur wenige machen es, weil sie Angst haben. In der heutigen Zeit haben wir so viele Möglichkeiten. Zunächst sollte man sich aber Zu Hause eine gute Grundlage schaffen, falls es doch nicht aufgeht, dass man zurückgehen kann. Dazu zählt für mich vor allem eine Ausbildung und erste Arbeitserfahrung. Wir bieten bei uns aber auch kostenlose Beratungen an, für Menschen, die noch nicht genau wissen, wie sie es angehen sollen. Danke! Dank Daniels Antworten, können wir seine fesselnde Geschichte, seine Leidenschaft für den Meeresschutz und die faszinierende Welt, die er auf Zypern geschaffen hat, besser verstehen. Es ist eine Geschichte, die sicherlich andere dazu inspirieren wird, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen – im wahrsten Sinne des Wortes – und die Welt zu verändern. Wenn du also das nächste Mal einen Urlaub planst, könntest du den Cocktail mit dem Schirmchen gegen einen Tauchgang mit Daniel eintauschen. Erfahre dabei mehr über die Wunder der Unterwasserwelt, helfe beim Schutz dieser süßen Meeresschildkröten und schnappe dir vielleicht sogar ein oder zwei Geisternetze. Denn was ist befriedigender als eine sommerliche Bräune und ein reines Gewissen? Neugierig auf mehr? Website Cyprus Diving Centre: https://www.cyprus-divingcentre.com/ Instagram Cyprus Diving Centre: https://www.instagram.com/cyprusdivingcenter/ Instagram Daniel Kistler: https://www.instagram.com/padi_instructor_kid/ Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!

  • Deep Dive Serie: Lautlose Gefahr: Wie Lärm unsere Ozeane krank macht (Teil 1)

    Von Doris Divebomber Okay, liebe Landratte und angehender Meeresversteher! Setz die Ohrenschützer auf – oder besser gesagt, nehm sie ab und spitz die Lauscher, denn wir tauchen heute ab. Tief hinab. In eine Welt, die wir gerne für still und friedlich halten, die aber in Wahrheit immer mehr zu einer ohrenbetäubenden Dauerbeschallung verkommt. Willkommen zum ersten Teil unserer April-Deep-Dive-Serie für alle Tribune PRO-Abonnenten. Und ja, wir wissen, was du jetzt denkst: "Lärm? Im Ozean? Ich hör' doch höchstens mal 'ne Welle plätschern oder 'ne aufdringliche Möwe schreien!" (Letztere sind übrigens Kollegen von uns, also ein bisschen Respekt, bitte!) Aber genau das ist das Tückische: Der Lärm, um den es hier geht, ist für uns an der Oberfläche meist unsichtbar und unhörbar. Eine Gefahr, die sich unter dem blauen Teppich verbirgt, während wir oben Selfies mit Sonnenuntergang machen. Eine Gefahr, die wir kollektiv unterschätzen, ignorieren oder schlicht nicht auf dem Schirm haben. Und genau deshalb sind wir hier, deine unerschrockene Möwen-Crew von der Ocean Tribune, um mal ordentlich Klartext zu reden und ein bisschen Krawall gegen diese Ignoranz anzuzetteln. Teil 1: Die unterschätzte Bedrohung – Was zum Teufel ist Unterwasserlärm überhaupt? Fangen wir mal ganz vorne an, bei den Basics, damit auch du Süßwassermatrose an Bord kommst. Was ist Schall? Physik-Grundkurs, aufgepasst: Schall sind Druckwellen, die sich durch ein Medium bewegen – Luft, Wasser, fester Boden, Omas Käsekuchen, you name it. Wenn wir reden, schreien oder (im Falle einiger Zeitgenossen) einfach nur atmen, versetzen wir Luftmoleküle in Schwingungen, die sich wellenförmig ausbreiten und irgendwann auf dein Trommelfell treffen. Bumm, Geräusch. Im Wasser läuft das Spiel aber nach leicht anderen Regeln. Wasser ist viel dichter als Luft. Etwa 800 Mal dichter, um genau zu sein. Das hat Konsequenzen: Schallwellen reisen unter Wasser rund viereinhalb Mal schneller als an Land. Stell dir vor, du rufst deinem Kumpel am anderen Ende eines Fußballfeldes etwas zu – an Land kommt der Ruf vielleicht etwas müde an. Unter Wasser wäre es, als stündest du direkt neben ihm und brüllst ihm ins Ohr (okay, leichte Übertreibung, aber du verstehst das Prinzip). Außerdem verliert Schall unter Wasser über große Distanzen viel weniger Energie, besonders bei niedrigen Frequenzen. Ein tiefer Ton kann sich unter Wasser über Hunderte, ja Tausende von Kilometern ausbreiten. Das ist kein Bug, das ist ein Feature! Zumindest war es das mal, in der natürlichen Welt. Schallausbreitung in der Luft und im Wasser Denn für unzählige Meeresbewohner ist Schall nicht nur irgendein Sinneseindruck – er ist der Sinn schlechthin. In den oft trüben oder stockfinsteren Tiefen der Ozeane, wo Sichtweiten gegen Null tendieren, ist das Gehör das wichtigste Werkzeug zum Überleben. Wale und Delfine nutzen komplexe Gesänge und Klicklaute zur Kommunikation über riesige Distanzen, zur Navigation (Echolot lässt grüßen, die Natur konnte das schon viel früher) und zur Jagd. Fische lauschen auf die Geräusche von Riffen, um ihren Weg zu finden, oder auf die verräterischen Schwimmbewegungen von Raubfischen (oder Beute). Selbst winzige Krebstierlarven orientieren sich an den Geräuschen gesunder Korallenriffe, um ihr zukünftiges Zuhause zu finden. Der Ozean ist von Natur aus kein stiller Ort – er ist erfüllt von einem komplexen Konzert aus Wellenrauschen, Regenprasseln, den Gesängen der Wale, dem Knistern von Krabben, dem Grunzen von Fischen und dem Grollen unterseeischer Vulkane oder Erdbeben. Ein natürlicher Soundscape, an den sich das Meeresleben über Jahrmillionen perfekt angepasst hat. Geräusche von Delfinen Verschiedene Walgesänge Und jetzt kommen wir. Der Mensch. Homo Sapiens Insipiens. Mit unseren Schiffen, unseren Sonaren, unseren Ölbohrplattformen, unseren Windparks, unseren seismischen Untersuchungen und unserem ganzen anderen industriellen Gerümpel. Wir haben diesen natürlichen Soundscape genommen und ihn mit einer Lärmkaskade überflutet, die in ihrer Intensität und Allgegenwart historisch beispiellos ist. Von Sound zu Noise: Wann wird Geräusch zum Problem? Nicht jedes menschengemachte Geräusch ist automatisch Lärm. Aber Lärm ist per Definition unerwünschter, störender oder schädlicher Schall. Und genau das ist es, was wir in die Ozeane pumpen. Stell dir vor, du versuchst, dich in einer überfüllten Kneipe bei laufender Jukebox, gleichzeitigem Fußballspiel auf drei Bildschirmen und dem Gebrüll von hundert Betrunkenen mit jemandem am anderen Ende des Tisches zu unterhalten. Unmöglich, oder? Eure Stimmen gehen unter, ihr versteht nur Wortfetzen, seid gestresst und wollt eigentlich nur noch fliehen. Genau das passiert unter Wasser, nur in viel größerem Maßstab und mit potenziell tödlichen Folgen. Der Lärm, den wir verursachen, überlagert, maskiert und zerstört die natürlichen Kommunikationswege und die akustische Wahrnehmung der Meeresbewohner. Warum aber "unterschätzt"? Das Gift, das wir nicht sehen (und kaum hören) Okay, Lärm ist blöd, verstanden. Aber warum ist das eine unterschätzte Bedrohung? Müssten wir das nicht längst auf dem Zettel haben, neben Plastikmüll, Überfischung und Klimawandel? Tja, da gibt es mehrere Gründe, warum der Unterwasserlärm so ein Schattendasein fristet: Die Unsichtbarkeit:  Das Offensichtlichste zuerst. Lärm ist nicht greifbar. Man kann keine Fotos von ihm machen wie von einem ölverschmierten Vogel oder einer Schildkröte, die sich in einem Fischernetz verheddert hat. Man kann ihn nicht am Strand aufsammeln wie Plastikflaschen. Er ist da, aber eben unter der Oberfläche. Aus den Augen, aus dem Sinn – ein menschliches Grundproblem, das hier voll zuschlägt. Wir sehen das glitzernde Meer und denken "alles paletti". Was darunter akustisch abgeht, entzieht sich unserer direkten Wahrnehmung. Was unter der Oberfläche liegt, bleibt oft verborgen. Die Komplexität:  Unterwasserlärm ist kein einzelnes, klar definierbares Problem wie etwa eine bestimmte Chemikalie. Es ist ein Cocktail aus verschiedensten Quellen, Frequenzen und Lautstärken, die je nach Ort, Zeit und Tiefe variieren. Ein Schiffspropeller erzeugt einen anderen Lärm als ein Militärsonar oder die Rammschläge beim Bau einer Offshore-Windkraftanlage. Unterschiedliche Frequenzen wirken sich auf unterschiedliche Arten aus. Das macht es schwierig, das Problem umfassend zu erfassen, zu messen und vor allem zu regulieren. Es ist einfacher, einen Schadstoff zu verbieten, als den "Lärm" an sich zu reglementieren. Mangelndes öffentliches Bewusstsein und mediale Aufmerksamkeit:  Hand aufs Herz: Wann hast du das letzte Mal einen großen Bericht über Unterwasserlärm in den Abendnachrichten gesehen? Eben. Während (völlig zu Recht!) viel über die sichtbaren Umweltkatastrophen berichtet wird, bleibt der Lärm oft ein Nischenthema für Wissenschaftler und einige wenige NGOs. Es fehlen die dramatischen Bilder, die Emotionen wecken und politischen Druck erzeugen. Die "Story" ist schwerer zu erzählen. Wir von der Tribune versuchen das hiermit zu ändern, aber es ist ein zähes Ringen gegen die lauteren (im medialen Sinne) Themen. Die schleichende Veränderung (Shifting Baseline Syndrome):  Wir haben schlicht vergessen, wie ein "gesunder", natürlicher Ozean klingt. Der Lärmpegel in vielen Meeresregionen hat sich seit Beginn der Industrialisierung dramatisch erhöht. Studien deuten darauf hin, dass der Hintergrundlärm im unteren Frequenzbereich (wo viele große Meeressäuger kommunizieren) sich alle zehn Jahre etwa verdoppelt hat – das entspricht einer Zunahme um etwa 3 Dezibel pro Dekade über viele Jahrzehnte hinweg! Forscher schätzen, dass der globale menschengemachte Unterwasserlärmpegel seit prä-industriellen Zeiten um das Zehn- bis Hundertfache angestiegen ist (das sind 10 - 20 dB mehr). Das Problem: Wir haben kaum Referenzwerte von damals. Die heutige Lärmkulisse ist für uns zur neuen Normalität geworden. Wir messen den Zustand der Ozeane an einem bereits degradierten Ausgangspunkt. Wir wissen gar nicht mehr, was wir verloren haben. Verzögerte und schwer nachweisbare Auswirkungen:  Anders als bei einer akuten Ölverschmutzung, bei der Tiere direkt sterben, sind die Folgen von Lärm oft subtiler und langfristiger. Chronischer Stress, veränderte Verhaltensmuster, verminderter Fortpflanzungserfolg, Vertreibung aus wichtigen Lebensräumen – all das ist schwer zu quantifizieren und eindeutig auf den Lärm zurückzuführen. Es gibt zwar immer mehr Beweise (dazu mehr in Teil 3), aber der direkte Kausalzusammenhang ist oft schwerer zu belegen als bei anderen Umweltproblemen. Das macht es für Skeptiker und Wirtschaftslobbys leicht, das Problem kleinzureden. Ein paar Zahlen, um das Grauen greifbar zu machen Lass uns mal kurz versuchen, das Ausmaß zu verdeutlichen. Schallintensität wird in Dezibel (dB) gemessen. Wichtig: Die Dezibel-Skala ist logarithmisch, nicht linear. Das heißt, eine Erhöhung um 10 dB entspricht einer Verzehnfachung der Schallintensität! Eine Erhöhung um 20 dB bedeutet eine Verhundertfachung. Und ganz wichtig: Dezibel unter Wasser sind nicht direkt mit Dezibel in der Luft vergleichbar, weil Wasser und Luft unterschiedliche Referenzdrücke und Impedanzen haben. Ein Geräusch von 170 dB re μPa (die Einheit für Unterwasserschall) ist nicht dasselbe wie 170 dB re 20 μPa (die Einheit für Luftschall). Grob gesagt, muss man von einem Unterwasser-dB-Wert etwa 62 abziehen, um einen vergleichbaren Luft-dB-Wert zu erhalten (bezogen auf die Intensität). Aber auch dann ist der Vergleich schwierig, weil die Auswirkungen auf Organismen unterschiedlich sind. Nur mal als Hausnummern, um die Relationen zu verstehen (alle Angaben in Unterwasser-dB re 1 μPa): Natürliches Hintergrundrauschen in einem ruhigen Ozean: ca. 20 - 50 dB Regen auf die Meeresoberfläche: ca. 60 - 85 dB Kleines Motorboot: ca. 150 - 160 dB in unmittelbarer Nähe Großes Containerschiff (Hauptquelle des permanenten Lärms): ca. 180 - 190 dB (vor allem tiefe Frequenzen, die sich weit ausbreiten) Militärisches Mittelfrequenz-Sonar: Kann Spitzen von 235 dB und mehr erreichen! Seismische Airguns (zur Suche nach Öl und Gas): Pulsierende Explosionen alle paar Sekunden, oft über 250 dB nahe der Quelle. Das sind mit die lautesten Geräusche, die der Mensch überhaupt erzeugt. Lautstärke unterschiedlicher Lärmquellen Stell dir vor, die natürliche Geräuschkulisse ist ein leises Gespräch im Wald (ca. 30 - 40 dB Luftschall). Ein großes Schiff ist dann wie ein Presslufthammer direkt neben deinem Ohr (ca. 110 - 120 dB Luftschall). Und eine Airgun? Das ist weit jenseits von dem, was unsere Ohren (oder die der Meerestiere) verkraften können, vergleichbar mit dem Start eines Raketentriebwerks aus nächster Nähe. Nur eben unter Wasser, und die Schallwellen dringen tief in den Ozeankörper ein. Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) hat anerkannt, dass Unterwasserlärm durch Schiffe ein wachsendes Problem ist. Schätzungen gehen davon aus, dass die kommerzielle Schifffahrt für den Großteil des permanenten, niederfrequenten Lärms im Ozean verantwortlich ist, und der weltweite Schiffsverkehr nimmt weiter zu. Allein die Anzahl der Schiffe auf den Weltmeeren hat sich in den letzten Jahrzehnten vervielfacht. Mehr Schiffe, größere Schiffe, oft schnellere Schiffe = mehr Lärm. Eine einfache, aber fatale Gleichung. Ein Vorgeschmack auf das Kommende: Warum das alles so fatal ist Wir haben jetzt geklärt, was Unterwasserlärm ist und warum er so sträflich unterschätzt wird. Aber warum genau ist er so gefährlich für die Meeresbewohner? Das ist das Thema für die nächsten Teile unserer Serie, aber lass uns hier schon mal einen kleinen Teaser geben: Es geht um Kommunikationsmaskierung : Wenn der Buckelwal-Bulle singt, um ein Weibchen anzulocken, sein Ruf aber im Dröhnen der Schiffsmotoren untergeht. Es geht um physiologischen Stress : Wenn der konstante Lärmpegel die Tiere genauso stresst wie uns der Baustellenlärm vor dem Fenster – mit Folgen für Immunsystem, Stoffwechsel und Herzfrequenz. Es geht um Verhaltensänderungen : Wenn Delfine ihre Jagdgebiete verlassen, weil seismische Tests sie vertreiben, oder wenn Fische nicht mehr die Laichgründe finden. Es geht um physische Schäden : Wenn extrem laute Schallereignisse wie Sonar-Impulse oder Explosionen das Gehör von Meeressäugern dauerhaft schädigen, zu Strandungen führen oder sogar innere Verletzungen verursachen können. Der Lärm raubt den Tieren ihren wichtigsten Sinn, er macht sie krank, er vertreibt sie und er kann sie im schlimmsten Fall töten. Es ist eine unsichtbare Verschmutzung, die aber sehr reale und verheerende Konsequenzen hat. Fazit für Teil 1: Augen (und Ohren!) auf! So, das war der erste Aufschlag, der erste Tauchgang in die lärmende Tiefe. Wir hoffen, wir konnten dir ein Gefühl dafür geben, dass Unterwasserlärm weit mehr ist als nur ein bisschen Hintergrundgeräusch. Er ist eine ernste, globale und vor allem stark unterschätzte Bedrohung für die Gesundheit unserer Ozeane und ihrer Bewohner. Eine Bedrohung, die wir selbst verursachen und die wir dringend angehen müssen. Wir haben die Grundlagen gelegt, die Physik (vereinfacht) erklärt und die Gründe beleuchtet, warum dieses Problem so oft unter dem Radar fliegt. Wir haben gesehen, dass der Ozean von Natur aus eine Klanglandschaft ist, die für das Überleben essenziell ist, und dass wir diese Landschaft mit unserer menschengemachten Kakophonie zerstören. Aber keine Sorge, wir lassen dich jetzt nicht mit diesem mulmigen Gefühl allein zurück. Das war erst der Anfang unseres Krawalls gegen die Ignoranz. Im nächsten Teil unserer Deep Dive Serie nehmen wir die Hauptquellen des Krachs  genauer unter die Lupe: Von den allgegenwärtigen Schiffsschrauben über die ohrenbetäubenden Sonare bis hin zu den explosiven Methoden der Öl- und Gasindustrie. Sei bereit für eine detaillierte Lärmquellenanalyse – natürlich wie immer im unverwechselbaren Klartext-Stil der Möwen-Crew. Bis dahin: Hör mal genauer hin, wenn du das nächste Mal am Meer bist. Auch wenn du den Lärm unter der Oberfläche nicht direkt hörst – er ist da. Und er wird lauter. Es ist Zeit, dass wir ihm unsere Aufmerksamkeit schenken. Bleib dran, bleib kritisch und vor allem: Bleib neugierig! Hier geht's zu den anderen Teilen: Teil 2: Schifffahrt, Sonar & Co. – Die Hauptquellen des Krachs Teil 3: Gestresste Wale, verwirrte Fische – Auswirkungen auf Meeresbewohner Teil 4: Wege zur Stille – Lösungsansätze & politische Forderungen Quellen: Discovery of Sound in the Sea (DOSITS), University of Rhode Island OceanCare (Organisation & Website) NRDC (Natural Resources Defense Council) (Organisation & Website) Wissenschaftliche Studien zum Lärmanstieg (z.B. Andrew et al., 2002; McDonald et al., 2006) Daniel Pauly (Konzept: Shifting Baseline Syndrome) NOAA Fisheries (US-Behörde, Ressourcen zu Unterwasserschall) IMO (International Maritime Organization) (Richtlinien zu Schifffahrtslärm) Allgemeine Akustik-Fachliteratur (Definition von Lärm) Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!

  • Deep Dive Serie: Lautlose Gefahr: Wie Lärm unsere Ozeane krank macht (Teil 4)

    Von Doris Divebomber Okay, du tapfere Seele, die es bis hierher geschafft hat! Du hast dich durch die Grundlagen des Unterwasserlärms gequält (Teil 1), die Hauptverdächtigen identifiziert (Teil 2) und die schockierenden Auswirkungen auf Wal, Fisch und sogar Plankton verdaut (Teil 3). Puh. Man könnte meinen, nach all dem Elend bleibt nur noch, die Schwimmflügel einzurollen und kollektiv den Kopf in den Sand (oder besser: Schlick) zu stecken. Aber halt! Nicht so schnell, du Landratte! Wir, die unermüdliche Möwen-Crew der Ocean Tribune, sind nicht dafür bekannt, uns mit schlechten Nachrichten zufriedenzugeben. Unser Motto lautet schließlich "Krawall gegen die Ignoranz", und Krawall bedeutet auch, nach vorne zu schauen und zu fragen: Was zum Klabautermann können wir dagegen tun?! Denn – und das ist die vielleicht beste Nachricht dieser ganzen Serie – Lärm ist nicht wie Plastik, das Jahrhunderte im Meer bleibt, oder wie CO2, dessen Auswirkungen uns noch Generationen verfolgen werden. Wenn die Lärmquelle verstummt, ist der Lärm weg. Zack. Aus. Stille (oder zumindest: leiser). Das Problem ist also technisch lösbar! Die Frage ist nur: Haben wir den Mumm, die Intelligenz und den Willen dazu? Also, krempel die Ärmel hoch, spitz die Ohren für die guten Töne und tauch mit uns ein in den letzten Teil unserer Deep Dive Serie: Teil 4: Wege zur Stille – Lösungsansätze & politische Forderungen gegen den Lärm Nachdem wir die Lärmverursacher entlarvt haben, ist es nur fair, ihnen jetzt auch mal zu sagen, wie sie gefälligst leiser werden können. Wir gehen die Hauptverdächtigen nochmal durch, diesmal mit dem Fokus auf Lösungen: 1. Die Schifffahrt: Flüsternde Riesen und gemütliche Kähne Der Schiffsverkehr, dieser omnipräsente Brummteppich, ist mengenmäßig der größte Brocken. Aber genau hier gibt es auch die vielversprechendsten Ansätze: Design ist alles (vor allem beim Propeller):  Erinnerst du dich an die Kavitation, das Blasen-Kollabieren am Propeller, als Hauptlärmquelle? Dagegen kann man etwas tun! Modernere, hydrodynamisch optimierte Propellerdesigns können die Kavitation und damit den Lärm deutlich reduzieren. Das ist keine Raketenwissenschaft, die Technologien gibt es. Es geht darum, sie zum Standard zu machen, nicht nur bei Neubauten, sondern auch bei Nachrüstungen (Retrofitting). Auch die Form des Schiffsrumpfes spielt eine Rolle. Ein gut designter Rumpf gleitet effizienter durchs Wasser und macht weniger Lärm. Propellerdesign gegen Kavitation Runter vom Gas! (Langsamfahrt ist das neue Schnell):  Das ist vielleicht der einfachste und effektivste Hebel: Schiffe langsamer fahren lassen. Eine Reduzierung der Geschwindigkeit um nur 10 - 20 % kann den Unterwasserlärm eines Schiffes erheblich senken – oft um die Hälfte oder mehr (ca. 3 - 6 dB Reduktion, je nach Schiffstyp und Ausgangsgeschwindigkeit). Und das Beste daran? Langsamer fahren spart auch massiv Treibstoff und reduziert damit die CO2-Emissionen! Eine absolute Win-Win-Situation für Klima und Meeresbewohner. Warum machen das nicht alle längst? Weil Zeit auf See Geld kostet und die Logistikketten auf "just in time" getrimmt sind. Hier braucht es klare Anreize und Regeln. Sauberkeit zahlt sich aus (akustisch):  Ein verschmutzter Rumpf (Bewuchs durch Algen, Seepocken etc.) und ein rauer Propeller erhöhen den Widerstand im Wasser und damit den Lärm (und den Spritverbrauch). Regelmäßige Reinigung und Politur sind also nicht nur gut für die Effizienz, sondern auch für die Ohren der Wale. Kluge Routenplanung:  Schiffe müssen nicht unbedingt durch die Kinderstube der Wale oder die Haupt-Fressplätze von Delfinen pflügen. Durch eine bessere Routenplanung, die bekannte sensible Gebiete und Zeiten (z.B. Wanderrouten, Paarungszeiten, Kalbungsgebiete) meidet oder zumindest die Geschwindigkeit dort reduziert, kann man viel erreichen. Das erfordert aber gute Daten und internationale Koordination. Der Druck muss steigen (politisch und wirtschaftlich):  Freiwillige Richtlinien der IMO gibt es zwar schon seit 2014, aber sie sind eben nur das: freiwillig. Wir brauchen verbindliche internationale Regeln! Denkbar sind technische Vorschriften für leisere Schiffe (ähnlich wie Abgasnormen), Geschwindigkeitsbegrenzungen in bestimmten Gebieten oder generell, sowie ökonomische Anreize: niedrigere Hafengebühren für leisere Schiffe, ein "Quiet Ship"-Label, das Reedereien nutzen können, um sich positiv abzuheben. Hier müssen Regierungen und Hafenbehörden endlich handeln. 2. Sonar: Von der akustischen Keule zum Flüstermodus? Beim Militärsonar wird's knifflig, denn hier geht es um nationale Sicherheit (sagen die Militärs). Aber auch hier gibt es Spielraum: Augen auf bei der Übungsplanung:  Der wichtigste Punkt ist die Vermeidung. Marineübungen mit Hochleistungssonar dürfen nicht in bekannten wichtigen Lebensräumen von lärmempfindlichen Arten (insbesondere Schnabelwale!) oder während kritischer Zeiten (Paarung, Kalbung) stattfinden. Es braucht verbindliche "Sonar-freie Zonen" und Zeitfenster. Leiser treten, wenn möglich:  Muss das Sonar immer mit voller Pulle laufen? Oft gibt es die Möglichkeit, die Sendeleistung zu reduzieren, wenn die taktische Situation es erlaubt. Alternative Technologien:  Gibt es Alternativen zur U-Boot-Jagd mit ohrenbetäubendem Krach? Die Forschung an passiven Sonarsystemen (die nur lauschen) und vielleicht sogar an nicht-akustischen Ortungsmethoden sollte intensiviert werden. Ob das realistisch ist, steht auf einem anderen Blatt, aber die Frage muss gestellt werden. Mehr Transparenz und Monitoring:  Militärische Geheimhaltung darf kein Deckmantel für Umweltzerstörung sein. Es braucht mehr Transparenz über geplante Übungen und ein unabhängiges Monitoring der Auswirkungen auf die Meeresumwelt, inklusive sofortiger Stopps bei Anzeichen von Schäden (z.B. nahende Wale). Abbildung 1: Forscher analysieren akustische Daten von Hydrophonen Ziviles Sonar: Mit Augenmaß:  Auch bei Echoloten und Fischfindern gilt: niedrigste notwendige Sendeleistung verwenden, Einsatz in sensiblen Gebieten minimieren. 3. Seismische Untersuchungen: Schluss mit der Knallerei! Die Suche nach Öl und Gas mit Airguns ist akustische Folter für die Ozeane. Hier sind die Forderungen klar: Der beste Lärm ist kein Lärm: Ausstieg aus Fossilen!  Die radikalste und nachhaltigste Lösung ist natürlich, gar nicht erst nach neuem Öl und Gas im Meer zu suchen. Der Übergang zu erneuerbaren Energien muss beschleunigt werden, dann erübrigen sich diese brutalen Erkundungsmethoden von selbst. Jede neue Lizenz für seismische Tests ist ein weiterer Sargnagel für die Meere und das Klima. Umstieg auf leisere Alternativen:  Es gibt sie! Die Marine Vibroseis -Technologie zum Beispiel. Statt einer plötzlichen Explosion nutzt sie kontrollierte, länger andauernde Vibrationen, um den Untergrund zu erkunden. Diese Methode ist deutlich leiser (vor allem fehlen die extremen Schalldruckspitzen der Airguns) und hat nach bisherigen Erkenntnissen wesentlich geringere Auswirkungen auf Meereslebewesen. Warum wird sie nicht längst flächendeckend eingesetzt? Weil die Industrie zögert (Kosten, etablierte Verfahren) und der politische Wille fehlt, den Umstieg vorzuschreiben. Das muss sich ändern! Wenn schon Airguns (was wir ablehnen!), dann mit maximaler Vorsicht:  Solange diese Technologie noch eingesetzt wird, braucht es extrem strenge Auflagen: Verbot in Schutzgebieten und bekannten kritischen Habitaten. Zeitliche Beschränkungen (z.B. nicht während der Fortpflanzungs- oder Wanderungszeiten). Obligatorische "Soft Starts": Langsames Hochfahren der Lautstärke, um Tieren die Chance zur Flucht zu geben. Umfassendes Monitoring durch unabhängige Beobachter (visuell und akustisch) und sofortiger Stopp der Aktivität, wenn Meeressäuger oder andere gefährdete Arten in der Nähe gesichtet werden. Einsatz der leisesten verfügbaren Airgun-Konfiguration. 4. Bau & Betrieb von Offshore-Anlagen: Die leise Baustelle Der Ausbau der Offshore-Windenergie ist wichtig fürs Klima, aber er darf nicht auf Kosten der Meeresbewohner gehen. Hier muss Lärmschutz von Anfang an mitgedacht werden: Schluss mit dem lauten Hämmern:  Das extrem laute Rammen (Pile Driving) von Fundamenten muss durch leisere Alternativen ersetzt werden, wo immer es technisch möglich ist. Dazu gehören: Blasenschleier: Ringe aus perforierten Schläuchen werden um die Rammstelle gelegt und Luft wird hindurchgepumpt. Der entstehende Vorhang aus Luftblasen dämpft den Schall erheblich (bis zu 15 - 20 dB Reduktion möglich). Diese Technik ist erprobt und sollte Standard sein. Blasenvorhang gegen Lärm bei Offshorearbeiten Hydro-Schalldämpfer: Große Manschetten oder Hüllen um den Rammhammer, die den Schall im Wasser reduzieren. Alternative Fundamenttypen: Schraubfundamente, Schwergewichtsfundamente oder Suction Buckets (die sich durch Unterdruck im Boden festsaugen) kommen oft ohne oder mit deutlich weniger Rammenergie aus. Vibrationsrammen: Pfähle werden durch Vibration in den Boden gebracht, was meist leiser ist als das Schlagen mit dem Hammer. Gute Planung ist halb gewonnen:  Bei der Standortwahl für Windparks müssen ökologisch sensible Gebiete und Zeiten (Laich-, Brut-, Wanderzeiten) berücksichtigt und gemieden werden. Kumulative Effekte (mehrere Baustellen gleichzeitig in einer Region) müssen bewertet werden. Verbindliche Lärmschutzgrenzwerte:  In einigen Ländern (wie Deutschland) gibt es bereits gesetzliche Grenzwerte für den Lärm bei Offshore-Rammarbeiten. Diese müssen international übernommen, streng kontrolliert und bei Bedarf verschärft werden. Übergreifende Strategien: Das große Ganze im Blick Neben den spezifischen Lösungen für die Hauptquellen brauchen wir einen ganzheitlichen Ansatz: Wir müssen wissen, was los ist (Monitoring & Kartierung):  Wir brauchen dringend mehr und bessere Daten über die Lärmpegel in den Ozeanen. Wo ist es wann wie laut? Langfristige Messstationen, standardisierte Messmethoden und die Erstellung von Lärmkarten (ähnlich wie bei Luftverschmutzung) sind essenziell, um Problemzonen zu identifizieren und den Erfolg von Maßnahmen zu überprüfen. Abbildung 2: Haupt Schifffahrtsrouten global Klare Ansagen (Grenzwerte & Ziele):  Wir brauchen rechtlich verbindliche Grenzwerte für Unterwasserlärm – sowohl für den permanenten Hintergrundlärm als auch für laute Einzelereignisse. Die EU hat mit der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) einen Schritt in diese Richtung gemacht, indem sie "guten Umweltzustand" auch für Unterwasserlärm fordert. Das muss aber mit konkreten, messbaren Zielen und harten Grenzwerten untermauert werden – und zwar global! Ordnung im Raum (Marine Raumordnung):  Lärm muss ein fester Bestandteil der marinen Raumordnung werden. Das bedeutet: Ausweisung von akustischen Schutzgebieten ("Quiet Zones"), lärmsensible Routenführung für Schiffe, strategische Platzierung von lärmintensiven Aktivitäten weg von sensiblen Bereichen. Alle in einem Boot (Internationale Zusammenarbeit):  Schallwellen machen nicht an Ländergrenzen halt. Deshalb sind internationale Abkommen und koordiniertes Handeln (z.B. über die IMO, regionale Meeresschutzabkommen wie OSPAR oder HELCOM, UN-Organisationen) unerlässlich. Hirnschmalz gefragt (Forschung & Innovation):  Wir brauchen mehr Forschung, um die Auswirkungen von Lärm noch besser zu verstehen (insbesondere auf Fische und Wirbellose) und um noch leisere Technologien zu entwickeln und zur Marktreife zu bringen. Mach Lärm für die Stille! (Öffentlichkeit & Druck):  Und hier kommst du ins Spiel! Und wir von der Tribune. Wir müssen das Bewusstsein für dieses unsichtbare Problem schärfen. Informiere dich, sprich darüber, teile Artikel wie diesen. Unterstütze Umweltorganisationen, die sich für leisere Meere einsetzen. Frage bei Reedereien, Reiseveranstaltern und Politikern nach, was sie gegen Unterwasserlärm tun. Mach Druck! Nur wenn das Thema auf der öffentlichen und politischen Agenda steht, wird sich etwas bewegen. Fazit für Teil 4 (und die ganze Serie): Es ist laut, aber nicht hoffnungslos! So, das war unser Deep Dive in die lärmende Unterwasserwelt. Wir haben gesehen, dass der Mensch die Ozeane nicht nur mit Plastik und Chemie, sondern auch mit einer ohrenbetäubenden Kakophonie verschmutzt. Wir haben die Täter identifiziert und die tragischen Folgen für die Meeresbewohner beleuchtet. Aber wir haben auch gesehen: Es gibt Lösungen! Technische Innovationen, klügere Planung, operative Änderungen und vor allem der politische Wille können die Ozeane wieder leiser machen. Es liegt an uns allen – Politik, Industrie, Wissenschaft und jeder einzelne Bürger –, diesen Willen aufzubringen und zu handeln. Die Technologie für leisere Schiffe existiert. Alternativen zu seismischen Airguns sind verfügbar. Methoden zur Lärmminderung beim Bau sind bekannt. Was fehlt, ist oft der Druck, sie konsequent einzusetzen und verbindlich vorzuschreiben. Lass uns also nicht länger weg- oder überhören, was unter der blauen Oberfläche passiert. Lass uns den "Krawall gegen die Ignoranz" in einen "Krawall für die Stille" verwandeln. Fordern wir leisere Technologien, strengere Regeln und mehr Respekt für die akustische Integrität der Ozeane. Denn ein leiserer Ozean ist ein gesünderer Ozean – für die Wale, die Fische, das Plankton und letztendlich auch für uns. Die Möwen-Crew meldet sich ab für diesen Deep Dive. Bleib laut im Protest, aber leise im Handeln, wo es der Umwelt dient! Hier geht's zu den anderen Teilen: Teil 1:   Die unterschätzte Bedrohung – Was zum Teufel ist Unterwasserlärm überhaupt? Teil 2:   Schifffahrt, Sonar & Co. – Die Hauptquellen des Krachs Teil 3:   Gestresste Wale, verwirrte Fische – Auswirkungen auf Meeresbewohner Quellen: IMO (International Maritime Organization):  Richtlinien zur Reduzierung von Unterwasserlärm durch Schiffe (MEPC.1/Circ.833) & laufende Arbeiten im MEPC-Komitee. EU Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL):  Beschreibt "guten Umweltzustand" für Unterwasserlärm (Descriptor 11). OSPAR und HELCOM:  Regionale Meeresschutzübereinkommen, die sich mit Unterwasserlärm befassen. Technische Lösungen für Schiffe:  Veröffentlichungen von Werften, Propellerherstellern, Forschungsinstituten (z.B. zum optimierten Propellerdesign, Rumpfformen). Betriebliche Maßnahmen:  Studien zu den Lärm- und Emissionsvorteilen von Langsamfahrt (Slow Steaming). Lärmminderungstechniken Offshore-Bau:  Berichte von Umweltbehörden (z.B. Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie - BSH in Deutschland), Umweltgutachten, Studien zu Blasenschleiern, Hydro-Schalldämpfern. Alternative seismische Technologien:  Veröffentlichungen zu Marine Vibroseis. Nationale Gesetzgebung:  Beispiele wie die deutschen Vorschriften zum Lärmschutz beim Offshore-Rammen. NGOs und Umweltorganisationen:  OceanCare, NRDC, IFAW, WWF, NABU (Meeresschutz) – Kampagnen und Berichte zu Lösungsansätzen und politischen Forderungen. Wissenschaftliche Fachartikel und Berichte:  Studien zu den Vorteilen von Lärmreduktion, marine Raumordnung und akustischen Schutzgebieten. DOSITS, NOAA Fisheries:  Informationen und Ressourcen zu Lösungsansätzen. Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben! Bildquellen: Abbildung 1: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48583320 Abbildung 2: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Shipping_routes_red_black.png

  • Deep Dive Serie: Lautlose Gefahr: Wie Lärm unsere Ozeane krank macht (Teil 2)

    Fregatte Von Doris Divebomber Ahoi, du Lärm-sensibilisierter PRO-Leser und willkommen zurück an Deck der Ocean Tribune! Oder sollten wir sagen: Willkommen zurück im Maschinenraum des Grauens? Denn nachdem wir in Teil 1 unserer Deep Dive Serie "Lautlose Gefahr: Wie Lärm unsere Ozeane krank macht"  geklärt haben, was dieser unsichtbare Krach unter Wasser eigentlich ist und warum er so kriminell unterschätzt wird, zoomen wir heute mal ran. Wir wollen wissen: Wer sind die Hauptverdächtigen? Wer sind die akustischen Umweltverschmutzer, die unsere Ozeane in eine ohrenbetäubende Disco verwandeln, in der kein Wal mehr den nächsten Blues hören kann? Schnall dich an, denn wir präsentieren dir die Top-Hits der maritimen Lärmbelästigung. Das wird kein gemütlicher Törn, eher eine Fahrt durch die akustische Hölle. Aber hey, wir sind ja hier, um Krawall gegen die Ignoranz zu machen, also: Lautstärke auf (metaphorisch, bitte!) und los geht’s mit ... Teil 2: Schifffahrt, Sonar & Co. – Die Hauptquellen des Krachs (Lärm) Erinnerst du dich an die nette Kneipen-Analogie aus Teil 1? Der konstante Lärmpegel, der jede vernünftige Unterhaltung unmöglich macht? Tja, die größten Beitragszahler zu diesem Grundrauschen, diesem permanenten akustischen Smog in den Weltmeeren, sind ohne Zweifel unsere schwimmenden Stahlkolosse. 1. Die Schifffahrt: Das allgegenwärtige Brummen des globalen Handels (und Vergnügens) Stell dir vor, die Ozeane sind die Autobahnen unseres Planeten. Und auf diesen Autobahnen herrscht reger Verkehr. Sehr reger Verkehr. Rund um die Uhr. Über 90% des Welthandels werden über den Seeweg abgewickelt. Das bedeutet Zehntausende von riesigen Containerschiffen, Tankern, Frachtern, Fähren und Kreuzfahrtschiffen, die permanent kreuz und quer über die Meere pflügen. Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) schätzt die globale Handelsflotte auf weit über 50.000 Schiffe (Stand 2021, Tendenz steigend), und da sind die unzähligen kleineren Kutter, Fischerboote und Freizeitjachten noch gar nicht mitgezählt. Icon of the Seas Und was machen all diese Schiffe? Sie machen Lärm. Und zwar nicht zu knapp. Die Hauptlärmquelle bei den meisten großen Schiffen ist der Propeller . Genauer gesagt, ein Phänomen namens Kavitation . Wenn sich der Propeller dreht, entstehen an den Blattspitzen Bereiche mit sehr niedrigem Druck. Dort beginnt das Wasser quasi zu "kochen", es bilden sich winzige Dampfblasen. Sobald diese Blasen in Bereiche mit höherem Druck gelangen (also quasi sofort), kollabieren sie explosionsartig. Das erzeugt ein lautes, breitbandiges Geräusch – ein permanentes Rauschen, Brummen und Dröhnen. Je schneller der Propeller dreht und je größer er ist, desto mehr Kavitation und desto mehr Lärm. Kavitation Hinzu kommt der Lärm der Maschinen  an Bord (Motoren, Generatoren, Pumpen), der sich durch den Schiffsrumpf ins Wasser überträgt, sowie das Geräusch des Wassers , das am Rumpf entlangströmt. Das Fatale daran: Der Lärm von großen Schiffen liegt hauptsächlich im niederfrequenten Bereich  (typischerweise unter 1000 Hertz, oft sogar unter 100 Hz). Und wie wir in Teil 1 gelernt haben, breiten sich gerade diese tiefen Töne unter Wasser extrem weit aus. Ein einziges großes Containerschiff kann einen Lärmpegel von 180 - 190 dB (re 1 μPa @ 1m) erzeugen. Das ist lauter als ein startendes Düsenflugzeug, wenn man daneben stehen würde (wobei der Vergleich wegen der unterschiedlichen Medien hinkt, aber die Intensität ist enorm). Dieser tieffrequente Schall kann hunderte, sogar tausende Kilometer weit durch den Ozean reisen und trägt maßgeblich zur Erhöhung des globalen Hintergrundlärmpegels bei. Genau dieser Hintergrundlärm ist es, der sich laut wissenschaftlichen Schätzungen seit den 1950er Jahren in vielen Gebieten etwa alle zehn Jahre verdoppelt hat (ein Anstieg um ca. 3 Dezibel pro Dekade). Das bedeutet, dass die "Kommunikationsreichweite" für viele Meerestiere, insbesondere für Großwale, die ebenfalls im niederfrequenten Bereich kommunizieren, dramatisch geschrumpft ist. Stell dir vor, du könntest dich nur noch mit Leuten im selben Raum unterhalten, anstatt wie früher quer durch die ganze Stadt zu rufen. Das ist die Realität für viele Wale heute. Die Schifffahrt ist also der Hauptverursacher des chronischen Lärmstresses  in den Ozeanen. Ein permanentes Grundrauschen, das die natürliche Klanglandschaft überdeckt und die akustische Wahrnehmung von Meereslebewesen massiv beeinträchtigt. Und der Trend zeigt leider nach oben: mehr Schiffe, größere Schiffe, teils schnellere Schiffe (obwohl es Bemühungen zur Effizienzsteigerung gibt, die auch die Geschwindigkeit reduzieren können – ein kleiner Hoffnungsschimmer, dazu mehr in Teil 4). Auch die Erschließung neuer Schifffahrtsrouten, zum Beispiel in der Arktis durch das schmelzende Eis, bringt den Lärm in bisher relativ stille Regionen. 2. Sonar: Die akustische Keule für Militär und Forschung Wenn die Schifffahrt das ständige Hintergrundbrummen ist, dann ist Sonar der plötzliche, ohrenbetäubende Schrei. Sonar (SOund Navigation And Ranging) ist eine Technik, die Schallwellen aussendet und deren Echos empfängt, um Objekte unter Wasser zu orten, den Meeresboden zu kartieren oder zu kommunizieren. Man unterscheidet zwischen passivem Sonar  (das nur lauscht) und aktivem Sonar  (das selbst Schall aussendet). Und genau dieses aktive Sonar ist das Problem. Die Hauptnutzer von leistungsstarkem aktivem Sonar sind die Marinen  weltweit. Vor allem zwei Typen sind berüchtigt: Mittelfrequenz-Aktivsonar (MFAS):  Wird typischerweise im Frequenzbereich von 1 bis 10 Kilohertz eingesetzt, hauptsächlich zur U-Boot-Jagd und zur Ortung von Minen. Diese Sonare können extrem laut sein, mit Quellpegeln von über 235 Dezibel  (re 1 μPa @ 1m). Das sind Schallintensitäten, die weit über der Schmerzgrenze liegen (wenn es denn eine für uns unter Wasser gäbe) und nachweislich schwere Auswirkungen auf Meeressäuger haben. Niederfrequenz-Aktivsonar (LFAS):  Arbeitet im Bereich unter 1 Kilohertz und wird verwendet, um U-Boote über sehr große Entfernungen (hunderte von Kilometern) aufzuspüren. Die Schallpegel sind ähnlich exorbitant hoch, und die tiefen Frequenzen breiten sich noch weiter aus als die von MFAS. Schematischer Vergleich der Reichweite von MFAS und LFAS Der Einsatz dieser Sonarsysteme, oft während militärischer Übungen, wurde wiederholt mit Massenstrandungen von Walen und Delfinen in Verbindung gebracht, insbesondere von tief tauchenden Schnabelwalen. Berühmte Beispiele sind die Strandungen auf den Bahamas (2000), den Kanarischen Inseln (mehrfach, u.a. 2002), in Griechenland und an anderen Orten. Die intensiven Schallwellen scheinen die Tiere in Panik zu versetzen, was zu Verhaltensänderungen führt, die die Taucherkrankheit (Dekompressionskrankheit) auslösen können, oder sie verursachen direkte physische Schäden am Gehör oder anderen Organen. Die genauen Mechanismen werden noch erforscht, aber der Zusammenhang gilt als gesichert. Das Problem: Militärische Aktivitäten unterliegen oft der Geheimhaltung, und Informationen über den genauen Zeitpunkt und Ort von Sonar-Einsätzen sind schwer zu bekommen, was die Forschung und Regulierung erschwert. Aber nicht nur das Militär nutzt aktives Sonar. Auch in der zivilen Schifffahrt  (Echolote zur Tiefenmessung, Fischfinder), in der Fischerei  (zur Ortung von Fischschwärmen) und in der Meeresforschung  (zur Kartierung des Meeresbodens oder zur Untersuchung von Wasserschichten) kommt es zum Einsatz. Diese Systeme sind in der Regel weniger leistungsstark als militärische Sonare, tragen aber in ihrer Summe ebenfalls zur Lärmbelastung bei, insbesondere in küstennahen Gebieten oder auf Forschungsrouten. 3. Seismische Untersuchungen: Die Suche nach Öl und Gas mit akustischem Dauerbeschuss Wenn du dachtest, Militärsonar sei laut, dann halte dich fest. Für die Suche nach Öl- und Gasvorkommen unter dem Meeresboden setzt die Industrie eine Methode ein, die an Brutalität kaum zu überbieten ist: seismische Airguns . Stell dir ein Schiff vor, das ein ganzes Netzwerk von riesigen "Luftkanonen" (Airguns) hinter sich herzieht. Diese Kanonen feuern alle 10 bis 15 Sekunden gebündelte Druckluft ins Wasser. Diese Explosion erzeugt eine extrem laute Schallwelle – oft über 250 Dezibel  (re 1 μPa @ 1m) nahe der Quelle –, die tief in den Meeresboden eindringt. Die von den verschiedenen Gesteinsschichten reflektierten Schallwellen werden dann von langen Mikrofonkabeln (Streamern), die ebenfalls hinter dem Schiff hergeschleppt werden, aufgefangen. Aus diesen Echos können Geologen dann auf die Struktur des Untergrunds schließen und potenzielle Lagerstätten identifizieren. Das Problem: Diese Schall-"Explosionen" sind mit die lautesten Geräusche, die der Mensch überhaupt im Meer erzeugt. Und sie finden nicht nur einmal statt, sondern alle paar Sekunden, 24 Stunden am Tag, oft über Wochen oder Monate hinweg, während das Schiff systematisch riesige Meeresgebiete abfährt. Der Lärm ist so intensiv, dass er nicht nur in der direkten Umgebung verheerend wirkt, sondern auch noch Hunderte und Tausende von Kilometern entfernt deutlich hörbar ist und den Hintergrundlärmpegel massiv erhöht. Seismic Airgun Die Auswirkungen auf Meereslebewesen sind dramatisch und weitreichend. Von der Störung der Kommunikation und des Verhaltens von Walen und Delfinen (die oft über Hunderte von Kilometern aus den beschallten Gebieten fliehen) über nachgewiesene Schäden am Gehör von Fischen bis hin zu massiven Sterberaten bei Zooplankton (winzige Organismen an der Basis der Nahrungskette), wie neuere Studien zeigen. Wenn das Zooplankton in einem Umkreis von über einem Kilometer um die Airgun herum abstirbt, hat das potenziell katastrophale Folgen für das gesamte Ökosystem. Seismische Untersuchungen sind ein Paradebeispiel für eine extrem invasive und lärmintensive Aktivität, die für einen einzigen Zweck – die fossile Brennstoffgewinnung – riesige Meeresbereiche akustisch verwüstet. 4. Bau und Betrieb von Offshore-Anlagen: Die Unterwasser-Baustelle Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien (gut!) und der fortschreitenden Erschließung maritimer Ressourcen (weniger gut?) kommt eine weitere wachsende Lärmquelle hinzu: der Bau und Betrieb von Anlagen im Meer. Offshore-Windparks:  Der Bau von Windrädern im Meer erfordert oft das Einbringen riesiger Fundamente in den Meeresboden. Die gängigste Methode ist das Rammen (Pile Driving) . Dabei werden massive Stahlpfähle mit hydraulischen Hämmern in den Grund geschlagen. Jeder einzelne Schlag erzeugt einen extrem lauten Impulsschall, der sich weit unter Wasser ausbreitet und für Meerestiere in der Nähe gefährlich bis tödlich sein kann. Zwar gibt es inzwischen Auflagen und Techniken zur Lärmminderung (z.B. Blasenschleier), aber der Bau bleibt eine erhebliche akustische Belastung. Auch der Betrieb der Windräder erzeugt übrigens Unterwasserlärm, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau. Pile driving für Offshore Öl- und Gasplattformen:  Der Bau, Betrieb und auch der Rückbau von Bohrinseln und Förderplattformen ist mit Lärm verbunden – von den Bohrgeräuschen selbst über Versorgungsschiffe bis hin zu Unterwasserarbeiten. Andere Bauaktivitäten:  Dazu zählen das Verlegen von Pipelines und Unterseekabeln, der Bau von Brücken, Tunneln und Hafenanlagen sowie Baggerarbeiten zur Vertiefung von Fahrrinnen. All diese Aktivitäten bringen Maschinen, Schiffe und oft auch impulsive Geräusche (wie beim Rammen oder bei Sprengungen) ins marine Ökosystem. Gerade der Ausbau der Offshore-Windenergie stellt uns vor ein Dilemma: Wir brauchen erneuerbare Energien, um den Klimawandel (eine weitere massive Bedrohung für die Ozeane) zu bekämpfen, aber der Bau dieser Anlagen verursacht Lärm, der die Meeresumwelt schädigt. Hier sind intelligente Lösungen und strenge Regulierungen gefragt (mehr dazu in Teil 4). 5. Der Rest vom Lärmfest: Kleinboote, Pingers und Explosionen Neben den "Big Four" gibt es noch eine Reihe weiterer Lärmquellen, die lokal oder zeitweise eine Rolle spielen: Kleinere Schiffe und Boote:  Tausende von Fischerbooten, Freizeitbooten, Jetskis etc. verursachen zwar einzeln weniger Lärm als ein Supertanker, aber in ihrer Summe können sie gerade in küstennahen Gewässern, Buchten und Flussmündungen, die oft wichtige Lebensräume für Jungfische oder Meeressäuger sind, zu einer erheblichen Lärmbelästigung führen. Ihr Lärm liegt oft auch in höheren Frequenzbereichen, die z.B. für Delfine relevant sind. Akustische Vergrämungsgeräte (Acoustic Deterrent Devices - ADDs oder "Pingers"):  Das ist die Ironie schlechthin. Diese Geräte werden in der Fischerei oder Aquakultur eingesetzt, um Meeressäuger (wie Robben oder Schweinswale) von Netzen oder Zuchtanlagen fernzuhalten, indem sie unangenehme Töne aussenden. Sie sollen also eigentlich schützen, tragen aber selbst zur Lärmverschmutzung bei und können die Tiere aus wichtigen Nahrungsgründen vertreiben oder ihr Verhalten stören. Unterwassersprengungen:  Werden z.B. beim Rückbau von Anlagen, bei Hafenbauarbeiten oder bei militärischen Übungen (Minenräumung) eingesetzt. Die Auswirkungen sind, wie man sich vorstellen kann, extrem und oft tödlich für Tiere in der Nähe. Fazit für Teil 2: Ein ohrenbetäubender Cocktail Puh, das war ein Ritt durch die Lärmquellen-Hitliste. Wir haben gesehen: Es ist ein bunter, aber leider sehr lauter Cocktail, den wir unseren Ozeanen da zumuten. Die Schifffahrt  sorgt für das chronische, globale Hintergrunddröhnen, das die Kommunikation erschwert. Militärisches Sonar  schlägt mit brutaler Intensität zu und kann direkt zu Strandungen führen. Seismische Untersuchungen  beschallen riesige Gebiete über Wochen mit explosiven Lautstärken und schädigen das gesamte Nahrungsnetz. Bauaktivitäten , insbesondere das Rammen für Windparks, fügen dem Lärm-Mix laute Impulsgeräusche hinzu. Und unzählige kleinere Quellen  tragen lokal und kumulativ zur Belastung bei. Das Schlimmste daran: Diese Lärmquellen existieren nicht isoliert. Oft überlagern sie sich, verstärken sich gegenseitig und setzen die Meeresbewohner einem permanenten, vielfältigen akustischen Stress aus. Jetzt, da wir die Täter identifiziert haben, brennt natürlich die Frage: Was genau richtet dieser ganze Krach denn nun bei Walen, Fischen, Robben und sogar bei den kleinsten Meeresorganismen an? Welche konkreten Auswirkungen hat der Lärm auf ihr Verhalten, ihre Gesundheit, ihr Überleben? Genau das werden wir im dritten Teil  unserer Deep Dive Serie beleuchten: "Gestresste Wale, verwirrte Fische – Auswirkungen auf Meeresbewohner" . Sei gespannt auf eine Reise in die gestörte Wahrnehmungswelt der Ozeanbewohner. Es wird nicht weniger beunruhigend, aber verdammt wichtig. Bleib uns gewogen und halte die Ohren steif (oder schütz sie lieber)! Hier geht's zu den anderen Teilen: Teil 1:   Die unterschätzte Bedrohung – Was zum Teufel ist Unterwasserlärm überhaupt? Teil 3:   Gestresste Wale, verwirrte Fische – Auswirkungen auf Meeresbewohner Teil 4:   Wege zur Stille – Lösungsansätze & politische Forderungen Quellen: IMO (International Maritime Organization) (Richtlinien & Berichte zu Schifffahrtslärm) Ross, D. (1976) - "Mechanics of Underwater Noise" (Standardwerk Schiffslärm) Oceana (Organisation & Website, Fokus Schifffahrtslärm) Wissenschaftliche Studien zu Sonar-Auswirkungen (z.B. Frantzis, 1998; Jepson et al., 2003) International Whaling Commission (IWC) (Berichte zu Lärmauswirkungen auf Wale) NOAA (US-Behörde, Forschung & Regulierung Sonar) NRDC / IFAW / OceanCare (Berichte zu Sonar-Vorfällen) Richardson et al. (1995) - "Marine mammals and noise" (Standardwerk, u.a. Airguns) Gordon et al. (2003) - Review zu Effekten seismischer Surveys McCauley et al. (2017) - Studie zu Airgun-Auswirkungen auf Zooplankton Greenpeace / WWF (Kampagnen & Berichte zu Seismik) OSPAR Commission (Richtlinien zu Lärm, inkl. Rammarbeiten) Deutsche Regularien (BMUV/BSH) (Beispiel für Lärmgrenzwerte Offshore-Bau) Wissenschaftliche Studien zu Rammlärm-Auswirkungen (z.B. Brandt et al., 2011) DOSITS (Discovery of Sound in the Sea) (Infos zu diversen Lärmquellen) Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!

  • Kanonen statt Kiemennetze: Wenn die Marine auf Fisch-Piraten-Jagd geht!

    Von Doris Divebomber Okay mein Freund von The Ocean Tribune! Halt dich am Schreibtisch fest, nimm deine Kaffeetasse und setz die (imaginäre) Augenklappe auf, denn wir stechen heute in See zu einem Thema, das weniger nach sanfter Brise und Möwengeschrei klingt, sondern eher nach Enterhaken, Verfolgungsjagden und dem unerwarteten Auftritt schwer bewaffneter Fregatten im Kampf um … Fischstäbchen? Naja, fast. Es geht um den knallharten Kampf gegen die Fisch-Mafia auf hoher See! Illegale, nicht gemeldete und unregulierte Fischerei – IUU-Fischerei für Eingeweihte, oder wie wir es gerne nennen: der größte organisierte Fischklau seit Erfindung des Netzes – ist eine der absolut fiesesten Plagen, die unsere blauen Ozeane heimsuchen. Das ist kein kleines Scharmützel unter Anglern, sondern ein globales Verbrechen mit verheerenden Folgen. Es stiehlt Millionen von Küstenbewohnern ihre Lebensgrundlage, radiert ganze Fischpopulationen aus, als wären sie ein Tippfehler in der Evolution, und destabilisiert ganze Regionen schneller, als man "Aye, Aye, Captain!" sagen kann. Während engagierte Umweltschutzorganisationen sich seit Ewigkeiten die Lungen aus dem Leib schreien und mit immer dramatischeren Bildern warnen (manchmal fragt man sich, ob sie bald auf Walgesang-Sirenen umsteigen), rückt eine eher unerwartete Truppe ins Rampenlicht: die Marinen und Küstenwachen dieser Welt. Ja, genau die, die normalerweise mit U-Booten, Flugzeugträgern und ernsten Gesichtern assoziiert werden. Plötzlich sind sie nicht mehr nur die Wächter der Seewege und nationalen Interessen, sondern auch die letzte, oft verzweifelte Verteidigungslinie gegen eine Schattenindustrie, die mit ihren illegalen Fangmethoden Milliarden scheffelt und dabei die Meeresumwelt wie einen ausgebeuteten Goldrausch-Claim hinterlässt. Dieser Artikel taucht kopfüber in die raue See der militarisierten Fischereikontrolle ein. Wir beleuchten, wie in den reichen, aber geplünderten Gewässern Westafrikas, in den komplexen Inselwelten Südostasiens und anderswo auf dem Globus der Kampf gegen die Fisch-Piraten mit Kanonenbooten, Drohnen und Satelliten geführt wird. Wir fragen uns, warum diese teuren Einsätze oft so frustrierend erfolglos bleiben, als würde man versuchen, einen Aal mit bloßen Händen zu fangen – und wir feiern auch die Momente, in denen die "Guten" tatsächlich mal einen dicken, illegalen Fisch an Land ziehen. Schnall dich an, das wird eine wilde Fahrt! Illegale Fischerei: Ein globales Desaster ruft nach … Zerstörern und Korvetten? Reden wir Tacheles, oder besser: reden wir Tonnen. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), quasi die oberste Buchhaltungsstelle für alles, was im Meer schwimmt und gegessen wird, schätzt, dass jährlich bis zu 26 Millionen Tonnen  Fisch auf das Konto dieser IUU-Halunken gehen. Um das mal greifbar zu machen: Das ist mehr als das Gewicht aller Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen – nur eben in Fisch! Und dieser gigantische Fischberg hat einen Marktwert von irgendwo zwischen 10 und satten 23,5 Milliarden US-Dollar . Das ist mehr als das jährliche Budget vieler kleinerer Staaten! Mit diesem Geld könnte man vermutlich jedem Seepferdchen ein kleines goldenes Krönchen kaufen. Die Auswirkungen dieses Raubzugs sind brutal. Besonders hart trifft es Regionen wie Westafrika. Dort pflügen riesige, industrielle Trawlerflotten aus der EU und Asien durch die einst fischreichen Gewässer, als gäbe es einen Preis für den schnellsten ökologischen Kollaps. Das Ergebnis: Über 50 %  der dortigen Fischbestände sind bereits überfischt oder zusammengebrochen. Das bedeutet nicht nur leere Teller für Millionen von Menschen, die vom Fischfang leben, sondern auch einen massiven wirtschaftlichen Schaden für die Küstenstaaten. Ihnen entgehen jährlich Milliarden an Lizenzgebühren und Steuereinnahmen, die sie dringend für Schulen, Krankenhäuser oder eben für eine bessere Küstenwache bräuchten. Ein Teufelskreis. Aber wer soll diese Geisterflotten, diese modernen Kaperfahrer stoppen? Hier liegt der Haken (Wortspiel beabsichtigt). Viele der am stärksten betroffenen Nationen haben schlicht nicht die Mittel. Ihre Küstenwachen bestehen manchmal nur aus einer Handvoll altersschwacher Boote, die kaum seetüchtig sind, und von moderner Satellitentechnologie zur Aufspürung illegaler Trawler können sie oft nur träumen. Es ist, als wollte man mit einem Fernglas und einem Paddelboot gegen eine Armada von Hightech-Dieben antreten. Und genau hier springen die Marinen ein. Manchmal tun sie es aus nationalem Sicherheitsinteresse – denn wo illegale Fischerei blüht, sind oft auch Drogenhandel, Waffenschmuggel und Piraterie nicht weit. Manchmal agieren sie aber auch im Auftrag oder mit finanzieller und technischer Unterstützung internationaler Partner (wie der EU oder den USA), die entweder ein schlechtes Gewissen plagt oder die strategische Stabilität in der Region sichern wollen. Es ist eine seltsame Mischung aus Geopolitik, Umweltschutz und der simplen Notwendigkeit, irgendwie Ordnung ins maritime Chaos zu bringen. Westafrika: Ground Zero im "Krieg um die Sardine" Die Gewässer vor Westafrika gehören zu den biologisch produktivsten Zonen der Welt – ein echtes Paradies für Meeresleben. Doch genau dieser Reichtum macht sie zum Eldorado für IUU-Fischerei. Die Environmental Justice Foundation (EJF), eine NGO, die sich unermüdlich gegen Umweltverbrechen stemmt, schätzt den jährlichen Schaden durch ausländische Raubfischer in der Region auf unfassbare 2,3 Milliarden US-Dollar . Länder wie Ghana, Senegal oder Liberia sehen sich mit der bitteren Realität konfrontiert, dass ihnen bis zu 37 %  ihrer potenziellen legalen Fänge durch die illegalen Netze der Konkurrenz entgehen. Das ist, als würde ein Bauer zusehen müssen, wie Diebe mehr als ein Drittel seiner Ernte vom Feld klauen, bevor er sie selbst einbringen kann. Die ghanaische Marine beispielsweise führt seit Jahren einen zermürbenden Kampf gegen ein besonders perfides System namens "Saiko". Dabei handelt es sich meist um riesige ausländische Trawler (häufig aus China), die illegal in den küstennahen Zonen fischen, die eigentlich den lokalen Kleinfischern vorbehalten sein sollten. Ihren illegalen Fang – oft wertvolle Arten, die für den Export bestimmt sind – übergeben sie dann heimlich auf hoher See an noch größere Kühlschiffe, sogenannte "Reefer". Diese verschiffen die Ware dann direkt nach Europa oder Asien, ohne jemals einen ghanaischen Hafen anzulaufen. Schiffsklasse: Reefer So werden Kontrollen umgangen, Fangmengen verschleiert und lokale Märkte umgangen. Ein Bericht aus dem Jahr 2019 malte ein düsteres Bild: Allein in Ghana waren durch diese Praktiken und andere Formen der IUU-Fischerei bereits 90 %  der Bestände an kleinen pelagischen Fischen (Sardinen, Sardinellen, Makrelen – die Grundlage der lokalen Ernährung) dezimiert worden. Ein ökologisches und soziales Desaster. Mittlerweile setzt die ghanaische Marine auf moderne Technologie, nutzt Drohnen zur Luftaufklärung und Radarsysteme, um verdächtige Schiffe auch bei Nacht oder schlechtem Wetter zu verfolgen. Finanziert wird dies teilweise durch die EU, die seit 2016 über 50 Millionen Euro  in Projekte zur Verbesserung der maritimen Sicherheit in Westafrika investiert hat – eine Art High-Tech-Aufrüstung im Namen des Fischschutzes. Doch trotz dieser Bemühungen bleiben die Herausforderungen gewaltig. Ein Vorfall im Frühjahr 2022 in Liberia illustriert dies eindrücklich: Die dortige Küstenwache, oft unterbesetzt und unterfinanziert, aber hochmotiviert, konnte einen großen chinesischen Trawler stellen, der mit verbotenen, feinmaschigen Schleppnetzen in einem offiziellen Meeresschutzgebiet operierte. Das Schiff hatte nicht nur illegales Fanggerät an Bord, sondern führte auch gefälschte Lizenzen mit und hatte sein automatisches Identifikationssystem (AIS), das eigentlich zur Ortung dient, manipuliert. Ein Offizier der liberianischen Küstenwache erklärte frustriert (sinngemäß): „Diese Kapitäne sind absolute Profis im Täuschen und Tricksen. Sie kennen jeden Kniff. Sie löschen ihre elektronischen Fangtagebücher, wechseln die Flagge ihres Schiffes auf See wie andere Leute die Socken oder versuchen, unsere Beamten mit Bargeld zu bestechen.“ Es ist ein ständiges Wettrüsten der Methoden, ein zähes Katz-und-Maus-Spiel auf dem riesigen Spielfeld des Atlantiks, bei dem die "Mäuse" oft über erstaunliche Ressourcen und kriminelle Energie verfügen. Südostasien: Ein toxischer Cocktail aus Fischdiebstahl, Menschenhandel und Geopolitik In den komplexen Inselwelten und vielbefahrenen Meeresstraßen Südostasiens nimmt der Kampf gegen IUU-Fischerei noch düsterere Züge an. Hier vermischen sich die illegalen Fangaktivitäten oft nahtlos mit organisierter Kriminalität, Korruption und entsetzlichen Menschenrechtsverletzungen. Die thailändische Marine beispielsweise stieß 2021 auf schockierende Zustände an Bord einiger illegaler Trawler: Die Besatzungen bestanden häufig aus Männern und Jungen aus ärmeren Nachbarländern wie Myanmar oder Kambodscha, die unter falschen Versprechungen an Bord gelockt, ihrer Pässe beraubt und dann unter sklavereiähnlichen Bedingungen zur Arbeit gezwungen wurden. Lange Arbeitszeiten, kaum Lohn, Gewalt und Missbrauch sind an der Tagesordnung. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) schätzt, dass über 17.000 Menschen  in der Fischereiindustrie der Region von solcher Zwangsarbeit betroffen sind. Hier geht es längst nicht mehr "nur" um den Schutz von Fischbeständen, sondern um die Bekämpfung moderner Sklaverei auf See. Indonesien, ein riesiger Archipelstaat mit einer immensen Küstenlinie, hat seit 2014 einen besonders drastischen und medienwirksamen Weg eingeschlagen. Die Regierung unter der Führung der resoluten damaligen Fischereiministerin Susi Pudjiastuti ließ über 380  beschlagnahmte ausländische Trawler – meist aus Vietnam, China, Malaysia oder den Philippinen – öffentlichkeitswirksam sprengen und versenken. Ein feuriges Spektakel, das international für Aufsehen sorgte und eine klare Botschaft senden sollte: "Legt euch nicht mit uns an!". Offiziellen Angaben des indonesischen Ministeriums für maritime Angelegenheiten und Fischerei zufolge führte diese "Shock and Awe"-Taktik tatsächlich zu einem dramatischen Rückgang der IUU-Fänge um rund 90 % . Doch die Methode ist umstritten. Kritiker und Umweltschützer warnen vor den langfristigen ökologischen Folgen dieser Praxis. „Jedes versenkte Schiff wird zu einem potenziellen Giftmülldepot am Meeresgrund“, erklärt Ahmad Supriyadi von der indonesischen Umweltorganisation Walhi. „Auslaufendes Öl, giftige Farben, Asbest aus der Isolierung und über die Jahre zerfallendes Mikroplastik können die marinen Ökosysteme nachhaltig schädigen.“ Eine brachiale Lösung mit potenziell hohen ökologischen Kollateralschäden. Auch in Südostasien spielt technologische Aufrüstung eine immer größere Rolle. Die philippinische Küstenwache beispielsweise nutzt seit 2020 das von den USA bereitgestellte Überwachungssystem "SeaVision". Dieses System integriert Satellitendaten, AIS-Signale und andere Informationsquellen, um ein umfassendes Lagebild der Schifffahrt zu erstellen und verdächtige Aktivitäten schnell zu identifizieren. Doch gerade im strategisch wichtigen und politisch hochsensiblen Südchinesischen Meer wird deutlich, wie schnell der Kampf gegen illegale Fischerei zum Spielball geopolitischer Interessenkonflikte werden kann. China beispielsweise setzt seine massive Marine und Küstenwache zwar auch zur Bekämpfung der von ihm so bezeichneten „Fischereipiraten“ ein, nutzt diese Präsenz aber gleichzeitig zur Durchsetzung seiner umstrittenen territorialen Ansprüche gegenüber Nachbarstaaten wie den Philippinen oder Vietnam. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen legitimer Rechtsdurchsetzung, Umweltschutz und knallharter Machtpolitik auf bedenkliche Weise. Militärische Einsätze: Zwischen High-Tech-Hoffnung und ernüchternder Realität KRI John Lie 358 - Schiffsklasse: Korvette Trotz all der Investitionen in moderne Patrouillenboote, Überwachungsflugzeuge, Drohnen, Satellitentechnologie und internationaler Kooperationsabkommen bleiben die IUU-Netzwerke oft frustrierend schwer zu fassen. Sie scheinen immer einen Schritt voraus zu sein, passen ihre Taktiken an und nutzen jede Schwachstelle im System aus. Woran scheitert es so oft? Korruption – Der unsichtbare Feind:  Es ist ein trauriges, aber weit verbreitetes Phänomen. In vielen Ländern, wie beispielsweise Nigeria oder Guinea-Bissau, erhalten illegale Trawler regelrechte "Persilscheine" von korrupten Beamten oder einflussreichen lokalen Politikern. Ein Umschlag mit Bargeld (5.000 bis 50.000 US-Dollar pro Schiff sind laut Berichten der Global Initiative Against Transnational Organized Crime keine Seltenheit) reicht oft aus, um eine Lizenz zu fälschen, eine Inspektion zu "vergessen" oder eine bevorstehende Patrouille zu verraten. Gegen diese Form der Sabotage von innen sind selbst die modernsten Kriegsschiffe machtlos. Juristische Labyrinthe und Schlupflöcher:  Selbst wenn es einer Marine oder Küstenwache gelingt, einen illegalen Trawler auf frischer Tat zu ertappen und aufzubringen, ist der Kampf noch lange nicht gewonnen. Viele Küstenstaaten verfügen über veraltete oder unzureichende Fischereigesetze, die eine effektive Strafverfolgung, insbesondere von ausländischen Schiffen und deren Besatzungen, erschweren. Beweise sind schwer zu sichern, die Zuständigkeiten unklar, die Gerichte überlastet oder ebenfalls anfällig für Korruption. Das Ergebnis: Schätzungen zufolge enden über 70 %  der aufgebrachten Fälle ohne Verurteilung oder mit nur geringfügigen Geldstrafen, die für die Betreiber der Trawler kaum mehr als Betriebskosten darstellen. Ein frustrierendes "Catch and Release"-Spiel für die Strafverfolgungsbehörden. Chronischer Mangel an Ressourcen:  Das vielleicht größte Hindernis ist oft der schlichte Mangel an Mitteln. Die senegalesische Marine, um ein Beispiel zu nennen, muss mit nur fünf größeren Patrouillenbooten  eine Küstenlinie von 531 Kilometern  überwachen – ein Gebiet, in dem sich oft Hunderte von Fischereifahrzeugen gleichzeitig aufhalten, darunter viele potenzielle illegale Akteure. Das ist, als wollte man mit einem einzelnen Streifenwagen eine ganze Großstadt kontrollieren. Es fehlt an Schiffen, an Treibstoff, an gut ausgebildetem Personal, an Wartungskapazitäten – kurz gesagt: an allem. Doch trotz all dieser Widrigkeiten gibt es sie, die Erfolgsgeschichten, die Hoffnung machen. In Liberia hat die bemerkenswerte Partnerschaft zwischen der nationalen Küstenwache und der oft als "Öko-Piraten" verschrienen, aber hoch effektiven NGO Sea Shepherd im Rahmen der „Operation Sola Stella“ eindrucksvolle Ergebnisse erzielt. Zwischen 2020 und 2023 konnten gemeinsam 12 große illegale Fischtrawler  identifiziert, verfolgt und festgesetzt werden. Durch den kombinierten Einsatz von Sea Shepherds Schiffen, Aufklärungsdrohnen mit Wärmebildkameras und Nachtsichttechnologie konnten die Aufgriffsraten signifikant gesteigert werden – um 60 % . Dies zeigt, dass innovative Kooperationsmodelle und der Einsatz moderner Technologie einen echten Unterschied machen können. Die ungewöhnliche Romanze: Umweltschützer im Schulterschluss mit Uniformierten Diese Beispiele führen uns zu einer der faszinierendsten und vielleicht auch widersprüchlichsten Entwicklungen im Meeresschutz: die immer engere Zusammenarbeit zwischen Umweltschutzorganisationen und staatlichen Militär- und Sicherheitskräften. Organisationen wie OceanMind oder Global Fishing Watch agieren heute wie Hightech-Detekteien für die Ozeane. Sie nutzen öffentlich zugängliche und kommerzielle Satellitendaten (wie AIS, Radar und optische Bilder), kombinieren diese mit ausgeklügelten Algorithmen und künstlicher Intelligenz, um ein globales Bild der Fischereiaktivitäten zu zeichnen. Sie können "dunkle Schiffe" identifizieren – also solche, die ihr AIS-Ortungssystem absichtlich abschalten, um illegalen Aktivitäten nachzugehen. Sie können Bewegungsmuster analysieren, um festzustellen, ob ein Schiff wahrscheinlich fischt, und diese Daten mit bekannten Fischgründen und Schutzgebietsgrenzen abgleichen. Diese Informationen werden dann oft in Echtzeit an die zuständigen Marinen oder Küstenwachen weitergeleitet, die daraufhin gezielte Patrouillen starten können. Ein beeindruckendes Beispiel für den Erfolg dieser technologischen Allianz liefert der kleine Pazifikstaat Palau. Die Regierung hat dort die mutige Entscheidung getroffen, 80 %  ihrer riesigen ausschließlichen Wirtschaftszone (ein Gebiet größer als Spanien!) als Meeresschutzgebiet auszuweisen, in dem kommerzielle Fischerei weitgehend verboten ist. Um dieses gigantische Gebiet zu überwachen, hat Palau mit Unterstützung der USA ein hochmodernes maritimes Überwachungssystem ("Tactical Mobile Over-the-Horizon Radar") implementiert, das Radarstationen an Land mit Satellitenüberwachung und Patrouillenbooten kombiniert. Das Ergebnis: Die IUU-Fischerei in Palaus Gewässern konnte Berichten zufolge um dramatische 75 %  reduziert werden. Präsident Surangel Whipps Jr. formulierte es treffend (sinngemäß): „Wir nutzen im Grunde dieselbe Technologie wie die US Navy, aber unser Ziel ist nicht die Bekämpfung von feindlichen Schiffen, sondern der Schutz unserer Haie, Thunfische und Korallenriffe.“ Eine "Militarisierung" im Dienste des Ökosystems. Palau Doch diese ungewöhnliche Kooperation ist nicht frei von Spannungen und ethischen Fallstricken. In Mexiko etwa führte die Zusammenarbeit der Marine mit US-Behörden und der NGO Sea Shepherd zum Schutz des vom Aussterben bedrohten Vaquita-Schweinswals (von dem Schätzungen zufolge nur noch etwa 10 Exemplare  existieren!) zu heftigen Konflikten mit lokalen Fischern. Die Durchsetzung strenger Fangverbote, insbesondere für Kiemennetze, in denen sich die Vaquitas als Beifang verfangen, entzog vielen Fischern ihre Lebensgrundlage. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, bei denen die Marine teilweise hart durchgriff. Dieses Beispiel zeigt das schmerzhafte Dilemma auf, das entstehen kann, wenn dringender Artenschutz auf tief verwurzelte soziale und wirtschaftliche Realitäten trifft. Der Einsatz militärischer Mittel kann hier leicht zu einer Eskalation führen und die Kluft zwischen Naturschützern und lokalen Gemeinschaften vertiefen. Blick in die Zukunft: Brauchen wir eine „Grüne Marine“ mit Öko-Siegel? Angesichts der globalen Dimension der IUU-Fischerei und ihrer Verbindungen zu anderen Formen der organisierten Kriminalität fordern Experten schon seit längerem eine grundlegend neue Herangehensweise: eine viel stärkere Integration von maritimer Sicherheitspolitik und Umweltschutz. Die Idee einer "grünen Marine" oder einer "ökologischen Küstenwache" gewinnt an Bedeutung. Es geht darum, dass der Schutz der marinen Ressourcen und Ökosysteme nicht nur als eine Aufgabe von Umweltministerien, sondern als integraler Bestandteil der nationalen Sicherheitsstrategie verstanden wird. Die EU hat hierfür im Rahmen ihrer "Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit" (PESCO – ja, der Name klingt immer noch furchtbar bürokratisch) Initiativen wie MARSUR (Maritime Surveillance) gestartet, die darauf abzielen, die Überwachungsfähigkeiten der europäischen Marinen zu bündeln und den Informationsaustausch zu verbessern, um IUU-Fischerei effektiver grenzübergreifend bekämpfen zu können. Auch die Vereinten Nationen drängen im Kontext des Nachhaltigkeitsziels 14 (Leben unter Wasser) auf die Etablierung einer globalen "Blauen Justiz", die Umweltverbrechen auf See konsequenter verfolgen soll. Das klingt alles ambitioniert und richtig. Doch die Umsetzung scheitert oft am fehlenden politischen Willen und vor allem an den fehlenden finanziellen Mitteln. Es ist ein Hohn, dass laut OECD-Berichten die Staaten weltweit immer noch jährlich rund 22 Milliarden US-Dollar  in schädliche Fischereisubventionen stecken – also Gelder, die oft direkt oder indirekt die Überkapazitäten der Fischereiflotten fördern und damit die Überfischung und IUU-Aktivitäten erst ermöglichen, die man an anderer Stelle mit teuren Militäreinsätzen zu bekämpfen versucht. Das ist, als würde man gleichzeitig die Feuerwehr bezahlen und dem Brandstifter das Benzin subventionieren. Eine absolut schizophrene Politik. Fazit: Ein diffuser Krieg ohne klare Fronten, aber mit dem Ozean als Hauptleidtragendem Der Kampf gegen die illegale Fischerei auf den Weltmeeren gleicht einem asymmetrischen Krieg, einem Guerillakampf auf dem Wasser. Auf der einen Seite stehen (manchmal) hochgerüstete staatliche Akteure, unterstützt von NGOs mit beeindruckenden technologischen Fähigkeiten und getrieben von internationalen Abkommen und dem wachsenden öffentlichen Bewusstsein. Auf der anderen Seite agieren global vernetzte, flexible und oft skrupellose kriminelle Syndikate, die von den Schwächen der Rechtsstaatlichkeit, der allgegenwärtigen Korruption und der Armut in vielen Küstenregionen profitieren. Sie operieren im Schatten, wechseln Identitäten, nutzen Scheinfirmen und Flaggenstaaten mit laxen Kontrollen. Es ist ein Kampf David gegen Goliath, nur dass Goliath oft unsichtbar ist und sich ständig verwandelt. Doch die ermutigenden Beispiele aus Ländern wie Liberia, Indonesien oder Palau zeigen, dass der Kampf nicht aussichtslos ist. Militarisierte Ansätze, der Einsatz von Technologie und entschlossene politische Führung können einen Unterschied machen. Sie können abschrecken, aufklären und illegale Akteure zur Rechenschaft ziehen. Aber – und das ist das entscheidende Aber – sie sind keine Wunderwaffe und kein Allheilmittel. Sie funktionieren nur dann nachhaltig, wenn sie Teil einer umfassenden, kohärenten Strategie sind. Eine Strategie, die nicht nur auf Abschreckung und Verfolgung setzt, sondern auch die Ursachen bekämpft: die Armut, die Menschen in die illegale Fischerei treibt; die Korruption, die sie ermöglicht; die schädlichen Subventionen, die sie anheizen; und die fehlenden alternativen Einkommensquellen für Küstengemeinden. Sie müssen eingebettet sein in einen soliden rechtlichen Rahmen, flankiert von Maßnahmen zur Förderung nachhaltiger Fischereipraktiken und gestützt durch eine starke internationale Zusammenarbeit. Für uns bei The Ocean Tribune bleibt die komplexe und vielleicht auch unbequeme Erkenntnis: Die Rettung unserer Ozeane vor der Plünderung erfordert ein breites Arsenal an Werkzeugen. Es braucht Schutzgebiete, nachhaltige Fangquoten und Aufklärungsarbeit, zweifellos. Aber in der rauen Realität der heutigen Weltmeere braucht es manchmal eben auch die Mittel der staatlichen Gewalt – Patrouillenboote, die nicht nur beobachten, sondern auch eingreifen können, Drohnen, die sehen, was im Verborgenen geschieht, und ja, vielleicht sogar das Drohpotenzial einer gut ausgerüsteten Marine. Doch der Einsatz dieser Mittel ist ein Tanz auf dem Vulkan. Der Preis ist hoch – nicht nur finanziell, sondern auch ökologisch, sozial und ethisch. Es ist ein ständiger Balanceakt, bei dem sichergestellt werden muss, dass die Medizin nicht schlimmer ist als die Krankheit und dass der Schutz der Fische nicht auf Kosten der Menschen geht – oder umgekehrt. Ein Dilemma, das uns noch lange beschäftigen wird. Du kennst es bereits. Die Quellen: FAO (2020): Illegal, Unreported and Unregulated Fishing. EJF (2022): Pirates and Predators: How Maritime Militias Threaten West Africa’s Fisheries. Global Fishing Watch (2023): Satellite Data Reveals Decline in IUU Fishing in Protected Areas. ILO (2021): Forced Labor in Southeast Asia’s Fishing Industry. Sea Shepherd (2023): Operation Sola Stella: Liberia’s Success Against IUU. OECD (2022): Harmful Fisheries Subsidies: Trends and Impacts. Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!

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