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  • Deep Dive Serie: Lautlose Gefahr: Wie Lärm unsere Ozeane krank macht (Teil 3)

    Von Doris Divebomber Ahoi, lieber Schallwellen-Surfer und PRO-Mitstreiter im Kampf gegen die akustische Verschmutzung! Willkommen zurück zur Ocean Tribune, wo wir uns weiter durch die trübe Brühe des Unterwasserlärms kämpfen. In Teil 1 haben wir geklärt, was dieser Lärm ist und warum er ein Phantomproblem darstellt. In Teil 2 haben wir die Hauptverdächtigen identifiziert – die dröhnenden Schiffe, die schreienden Sonare, die explosiven Airguns und die rammenden Baustellen. Jetzt wird's persönlich. Wir tauchen heute noch tiefer ab und schauen uns an, was dieser ganze Krach mit den eigentlichen Bewohnern der Ozeane anstellt. Schnall dich fest, denn wir betreten jetzt die Welt der Opfer. Es wird nicht schön, es wird nicht lustig (obwohl wir versuchen, dich mit unserem typischen Galgenhumor bei Laune zu halten), aber es ist verdammt notwendig. Denn nur wenn wir verstehen, wie der Lärm schadet, können wir begreifen, warum wir dringend handeln müssen. Hier kommt ... Teil 3: Gestresste Wale, verwirrte Fische – Auswirkungen von Lärm auf Meeresbewohner Stell dir vor, du lebst in einer Welt, in der dein wichtigster Sinn das Gehör ist. Du navigierst nach Geräuschen, findest deine Nahrung über Geräusche, sprichst mit deinen Kindern, Partnern und Nachbarn über Geräusche, und du erkennst Gefahren an Geräuschen. Und jetzt stell dir vor, jemand dreht langsam, aber sicher, einen riesigen, undefinierbaren Lärm auf, der alles überlagert. Manchmal ist es ein konstantes, zermürbendes Brummen, manchmal ein plötzlicher, markerschütternder Knall. Willkommen in der Realität vieler Meeresbewohner im Anthropozän. Der menschengemachte Lärm ist keine abstrakte Bedrohung. Er greift direkt in die Biologie, das Verhalten und das Überleben von Individuen, Populationen und ganzen Ökosystemen ein. Schauen wir uns die Auswirkungen mal genauer an, von den ganz Großen bis zu den ganz Kleinen. 1. Kommunikations-Chaos: Wenn keiner mehr zuhören kann (Maskierung) Das vielleicht fundamentalste Problem ist die akustische Maskierung . Stell dir das wieder wie in unserer überfüllten Kneipe vor: Der Lärm von außen (Schiffe, Bauarbeiten etc.) ist so laut, dass die wichtigen Signale (Gespräche, Rufe) einfach untergehen. Sie werden überdeckt, maskiert. Walgesänge im Lärm:  Viele Walarten, insbesondere Bartenwale wie Buckel-, Finn- oder Blauwale, nutzen niederfrequente Laute zur Kommunikation über riesige Distanzen. Diese Gesänge dienen der Partnersuche, der Koordination von Gruppen, der Markierung von Territorien oder der Mutter-Kalb-Bindung. Genau in diesem Frequenzbereich dominiert aber der Lärm der Großschifffahrt. Studien haben gezeigt, dass die potenzielle Kommunikationsreichweite für manche Wale durch den gestiegenen Hintergrundlärm um bis zu 90% reduziert sein könnte!  Stell dir vor, du kannst statt 100 Kilometern nur noch 10 Kilometer weit rufen – die Chancen, einen Partner zu finden oder Kontakt zur Gruppe zu halten, sinken dramatisch. Manche Wale versuchen, lauter oder in anderen Frequenzen zu singen, aber das kostet Energie und ist nicht immer erfolgreich. Die berühmten komplexen Gesänge der Buckelwale? Sie drohen, im Dröhnen unserer Frachter unterzugehen. Ein tragisches Verstummen der ozeanischen Symphonie. Schematische Darstellung des Kommunikationsradius eines Wals bei ruhigem und lautem Ozean Delfine im Nebel:  Zahnwale wie Delfine und Schweinswale nutzen hochfrequente Klicklaute für die Echolokation , um ihre Umgebung wahrzunehmen und Beute zu orten. Dieses biologische Sonar ist extrem fein abgestimmt. Lärm, auch im höheren Frequenzbereich (z.B. von kleineren Booten, aber auch bestimmte Sonare), kann diese Echolokation stören. Die Delfine "sehen" schlechter, ihre Jagd wird ineffizienter, sie übersehen Hindernisse oder Feinde. E Fisch-Funk gestört:  Ja, auch Fische kommunizieren akustisch! Viele Arten nutzen Laute zur Balz, zur Verteidigung von Revieren oder zur Warnung vor Fressfeinden. Diese oft leiseren Signale werden durch den Umgebungslärm leicht maskiert. Das kann den Fortpflanzungserfolg mindern und das Überleben gefährden. Orientierungslose Larven:  Selbst winzige Lebewesen sind betroffen. Larven von Korallen, Fischen und Krebstieren nutzen oft die Geräuschkulisse gesunder Riffe, um sich auf ihrer Suche nach einem geeigneten Lebensraum zu orientieren. Das Knistern von Garnelen, das Grunzen von Fischen – das ist für sie das Signal "Hier ist Leben, hier ist gut!". Wenn dieser natürliche Soundscape aber von menschengemachtem Lärm überlagert wird, finden die Larven ihr Zuhause nicht mehr oder siedeln sich an ungeeigneten Orten an. Ein massives Problem für die Regeneration von Riffen und Fischbeständen. Die Maskierung ist also wie ein dicker, akustischer Nebel, der sich über die Ozeane legt und die lebenswichtige Wahrnehmung und Kommunikation der Meeresbewohner behindert. Ein schleichendes Gift für soziale Strukturen und ökologische Prozesse. 2. Verhaltensänderungen: Flucht, Panik und falsche Entscheidungen Wenn die akustische Umgebung unerträglich oder bedrohlich wird, reagieren Tiere – genau wie wir – mit Verhaltensänderungen. Flucht und Vertreibung:  Die offensichtlichste Reaktion auf lauten oder plötzlichen Lärm ist Flucht. Wale und Delfine meiden nachweislich Gebiete mit intensivem Schiffsverkehr oder seismischen Untersuchungen. Sie verlassen wichtige Nahrungsgründe, Paarungsgebiete oder Wanderrouten. Das kann bedeuten, dass sie weniger Futter finden, weniger Nachwuchs bekommen oder längere, energieaufwändigere Umwege schwimmen müssen.  Eine Studie vor der Küste Kaliforniens zeigte zum Beispiel, dass Blauwale ihre Tauch- und Fressmuster bei Anwesenheit von Schiffslärm deutlich änderten. Jagd und Nahrungssuche gestört:  Lärm kann Tiere nicht nur vertreiben, sondern auch direkt bei der Nahrungssuche stören. Gestresste Tiere sind weniger effizient bei der Jagd. Die Maskierung von Beutegeräuschen oder der eigenen Echolokation (bei Delfinen) erschwert das Finden von Futter. Fischer berichten manchmal von geringeren Fangquoten in Gebieten mit seismischen Tests – nicht nur, weil die Fische weg sind, sondern vielleicht auch, weil sie sich anders verhalten. Die fatale Panikreaktion (Sonar & Strandungen):  Besonders dramatisch sind die Reaktionen auf extrem laute Impulsgeräusche wie die von militärischem Mittelfrequenz-Sonar. Insbesondere tief tauchende Schnabelwale scheinen darauf extrem empfindlich zu reagieren. Die Theorie: Der laute Schall löst eine massive Panikreaktion aus. Die Wale tauchen viel zu schnell auf, ähnlich wie ein menschlicher Taucher, der einen Notaufstieg macht.  Dies führt zur Dekompressionskrankheit  (Gasembolie oder "the bends"), bei der sich Stickstoffblasen im Blut und Gewebe bilden, was zu schweren inneren Verletzungen und oft zum Tod führt. Die wiederholten Massenstrandungen von Schnabelwalen im zeitlichen und räumlichen Zusammenhang mit Marineübungen (z.B. Bahamas 2000, Kanaren 2002) liefern traurige Belege für diesen Mechanismus. Die Tiere stranden oft noch lebend, aber mit klaren Anzeichen der Dekompressionskrankheit (Gasblasen in Organen, Blutungen). Abbildung 1: Gestrandeter Wal Veränderte Bewegungsmuster:  Auch unterhalb der Panikschwelle kann Lärm Bewegungsmuster ändern. Fische schwimmen weniger koordiniert im Schwarm, wenn sie Lärm ausgesetzt sind, was sie anfälliger für Raubfische macht. Wale ändern ihre Tauchzeiten und -tiefen. Diese Verhaltensänderungen sind keine Kleinigkeiten. Sie kosten Energie, reduzieren den Erfolg bei Fortpflanzung und Nahrungssuche und können im Extremfall direkt zum Tod führen. 3. Physiologische Folgen: Stress, Taubheit und körperlicher Schaden Der Lärm dringt aber nicht nur ins Verhalten ein, sondern auch direkt in den Körper der Tiere. Chronischer Stress:  Stell dir vor, du lebst dauerhaft neben einer Baustelle oder einer Autobahn. Das macht krank. Genauso geht es den Meeresbewohnern. Anhaltender Lärm führt zur Ausschüttung von Stresshormonen (wie Cortisol). Chronischer Stress schwächt das Immunsystem, macht anfälliger für Krankheiten und Parasiten, beeinträchtigt das Wachstum und reduziert den Fortpflanzungserfolg.  Selbst wenn der Lärm nicht direkt tötet, kann er die Tiere langsam zermürben und ihre Lebensdauer verkürzen. Seismic Airgun Auswirkungen auf Zooplankton Hörschäden:  Genau wie bei uns kann übermäßiger Lärm auch bei Meerestieren das Gehör schädigen. Man unterscheidet: Temporary Threshold Shift (TTS):  Eine vorübergehende Minderung der Hörfähigkeit, wie wir sie nach einem lauten Konzert erleben. Das Gehör erholt sich wieder, aber während dieser Zeit ist das Tier anfälliger, da es wichtige Signale schlechter hört. Permanent Threshold Shift (PTS):  Eine dauerhafte Schädigung des Gehörs, also Taubheit in bestimmten Frequenzbereichen. Dies kann durch sehr laute Einzelereignisse (Explosionen, Sonar) oder durch chronische Lärmbelastung verursacht werden. Ein teilweiser oder vollständiger Verlust des wichtigsten Sinnesorgans ist für die meisten Meerestiere ein Todesurteil. Im Extremfall können extrem laute Schallwellen (z.B. von Unterwassersprengungen oder sehr nahen Airguns/Sonar) auch zu akustischem Trauma  führen, wie dem Reißen des Trommelfells oder Schäden an den Gehörknöchelchen und Haarzellen im Innenohr. Direkte physische Verletzungen:  Bei extrem hohen Schallintensitäten kann es sogar zu direkten Gewebeschäden kommen, die über das Gehör hinausgehen. Bei gestrandeten Walen nach Sonar-Ereignissen wurden neben Anzeichen der Dekompressionskrankheit auch Blutungen in verschiedenen Organen und im Gehirn gefunden. Die Druckwellen können den Körper direkt schädigen. Die physiologischen Auswirkungen zeigen: Lärm ist nicht nur störend, er ist körperlich schädigend und kann auf vielfältige Weise krank machen oder töten. 4. Die oft übersehenen Opfer: Fische und Wirbellose Während die Auswirkungen auf Meeressäuger relativ gut erforscht sind (nicht zuletzt, weil sie oft spektakulär stranden), geraten andere Gruppen leicht aus dem Blickfeld. Aber auch Fische und sogar Wirbellose leiden massiv unter dem Lärm. Fische im Stress:  Fische verfügen über ein gut entwickeltes Gehör (oft über die Schwimmblase als Resonanzkörper) und sind lärmempfindlich. Studien zeigen bei Fischen unter Lärmbelastung erhöhte Stresshormonlevel, Schäden an den Haarzellen des Innenohrs (die für das Hören zuständig sind), Verhaltensänderungen (weniger Fressen, verändertes Schwimmverhalten), eine geringere Überlebensrate von Eiern und Larven sowie eine Beeinträchtigung der Immunabwehr. Selbst mäßiger Lärm, wie er in Häfen herrscht, kann das Verhalten und die Physiologie von Fischen beeinflussen. Wirbellose unter Druck:  Lange dachte man, Wirbellose (Krebse, Muscheln, Tintenfische, Quallen etc.) seien vom Lärmproblem weniger betroffen, da viele keine klassischen "Ohren" haben. Doch neuere Forschungen zeichnen ein anderes Bild. Viele Wirbellose können Vibrationen und Druckänderungen wahrnehmen. Die bereits erwähnte Studie zu Zooplankton  (kleinste Krebstiere etc., die Basis vieler mariner Nahrungsnetze) zeigte, dass eine einzige Passage eines seismischen Airgun-Schiffes die Zooplankton-Biomasse in einem Umkreis von über 1,2 Kilometern um 64% reduzieren kann, mit besonders dramatischen Auswirkungen auf Krill-Larven. Die Schallwellen scheinen die winzigen Organismen schlicht zu töten oder schwer zu schädigen.  Das hat potenziell katastrophale Folgen für alles, was sich von Zooplankton ernährt – von Fischen bis zu Bartenwalen. Bei Tintenfischen und Kalmaren  wurden nach Exposition gegenüber niederfrequentem Schall massive akustische Traumata in den Statozysten (Gleichgewichtsorgane, die auch Schall wahrnehmen) festgestellt. Muscheln und Austern  zeigen bei Lärmbelastung Stressreaktionen und schließen ihre Schalen. Krebse  können in ihrem Verhalten und ihrer Physiologie gestört werden. Die Auswirkungen auf diese oft übersehenen Gruppen sind besonders besorgniserregend, da sie die Basis der marinen Nahrungsketten bilden und für das Funktionieren ganzer Ökosysteme essenziell sind. Fazit für Teil 3: Eine Symphonie des Leidens Was wir sehen, ist ein düsteres Bild. Der menschengemachte Unterwasserlärm ist weit mehr als nur eine Unannehmlichkeit. Er ist eine tiefgreifende Störung, die auf allen Ebenen wirkt: Er zerstört die Kommunikation  durch Maskierung. Er zwingt Tiere zu Flucht und Verhaltensänderungen , die Energie kosten und Überleben und Fortpflanzung gefährden. Er verursacht chronischen Stress und direkte physiologische Schäden , von Taubheit bis hin zu tödlichen Verletzungen und Dekompressionskrankheit. Er trifft nicht nur die bekannten Meeressäuger, sondern auch Fische und sogar die fundamental wichtigen Wirbellosen . Der Lärm wirkt oft schleichend, unsichtbar, aber seine Folgen sind real und verheerend. Er schwächt die Widerstandsfähigkeit der Meeresbewohner und macht sie anfälliger für andere Stressfaktoren wie Klimawandel, Verschmutzung und Überfischung. Er ist ein weiterer Nagel im Sarg der marinen Biodiversität. Aber – und das ist die gute Nachricht, oder zumindest der Hoffnungsschimmer am Horizont – anders als bei vielen anderen Umweltproblemen ist Lärmverschmutzung vergleichsweise schnell reversibel. Wenn wir die Lärmquelle abstellen, ist der Lärm weg. Die Frage ist: Können und wollen wir das? Welche Lösungsansätze gibt es? Was können Politik, Industrie und jeder Einzelne von uns tun, um die Ozeane wieder leiser zu machen? Genau darum wird es im vierten und letzten Teil  unserer Deep Dive Serie gehen: "Wege zur Stille – Lösungsansätze & politische Forderungen" . Sei dabei, wenn wir schauen, wie wir den Krawall gegen die Ignoranz in konkrete Maßnahmen für leisere Meere ummünzen können! Bleib wachsam und schütz deine Ohren – und die der Meeresbewohner! Hier geht's zu den anderen Teilen: Teil 1:   Die unterschätzte Bedrohung – Was zum Teufel ist Unterwasserlärm überhaupt? Teil 2:   Schifffahrt, Sonar & Co. – Die Hauptquellen des Krachs Teil 4:   Wege zur Stille – Lösungsansätze & politische Forderungen Quellen: Discovery of Sound in the Sea (DOSITS)  (Sektionen zu Auswirkungen auf spezifische Tiergruppen, Maskierung, Stress etc.) OceanCare  und NRDC  (Berichte und Artikel zu Auswirkungen von Lärm, Sonarstrandungen) IFAW (International Fund for Animal Welfare)  (Informationen zu Sonar und Walstrandungen) NOAA Fisheries  (US-Behörde, Berichte zu Lärmauswirkungen auf Meeressäuger und Fische) Wissenschaftliche Fachartikel zu Maskierung: z.B. Clark et al. (2009) - Acoustic masking in marine ecosystems (Review-Artikel) Studien zur Reduktion der Kommunikationsreichweite von Walen (diverse Autoren) Wissenschaftliche Fachartikel zu Sonar und Strandungen: z.B. Frantzis (1998) - Zusammenhang Sonar und Schnabelwalstrandungen Cox et al. (2006) - Review zu Sonar und Meeressäugern Jepson et al. (2003) - Pathologische Befunde bei gestrandeten Walen (Dekompressionskrankheit) Wissenschaftliche Fachartikel zu physiologischem Stress durch Lärm: z.B. Rolland et al. (2012) - Nachweis von Stresshormonreduktion bei Walen nach Lärmreduktion Studien zu Stressreaktionen bei Fischen (diverse Autoren) Wissenschaftliche Fachartikel zu Hörschäden (TTS, PTS): Umfangreiche Literatur, oft in Reviews wie Southall et al. (2007, aktualisiert 2019) - Marine Mammal Noise Exposure Criteria Wissenschaftliche Fachartikel zu Auswirkungen auf Fische: z.B. Popper & Hastings (2009) - Auswirkungen von Schall auf Fische (Review) Slabbekoorn et al. (2010) - Auswirkungen von Lärm auf Fische (Review) Wissenschaftliche Fachartikel zu Auswirkungen auf Wirbellose: z.B. McCauley et al. (2017) - Auswirkungen seismischer Airguns auf Zooplankton Studien zu Tintenfischen, Muscheln, Krebsen (diverse Autoren, zunehmende Forschung) Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben! Bildquellen: Abbildung 1: Avenue, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons

  • Deep Dive Serie: Wirbelstürme - Giganten der Ozeane: Das Rezept für den Weltuntergang (Teil 1)

    Von Brenda Beachbum Ich saß neulich auf meiner Lieblingsboje vor der Küste, hab mir eine besonders freche Krabbe schmecken lassen und dabei den Menschen beim Wetterbericht zugehört. "Ein Tiefdruckgebiet bildet sich ...", plapperte der adrette Fatzke in meinem tragbaren Kofferradio, als würde er das Kuchenrezept seiner Oma vorlesen. Mir ist fast die Krabbe im Hals stecken geblieben. Ein "Tiefdruckgebiet"? Ernsthaft? Das ist so, als würde man einen Weißen Hai als "etwas zahnigeren Goldfisch" bezeichnen. Diese Dinger, die ihr je nach Laune Hurrikan, Taifun oder Zyklon nennt, sind keine "Gebiete". Sie sind die personifizierte Wut des Ozeans. Sie sind eine thermonukleare Kernschmelze, die nur mit Salzwasser und heißer Luft betrieben wird. Und die meisten von euch haben keinen blassen Schimmer, wie die Maschine dahinter wirklich funktioniert. Schon mal gefragt, woher diese Bestie ihre unfassbare Power nimmt, um Häuser wie Pappkartons durch die Gegend zu wirbeln? Die Antwort, mein Freund, liegt nicht im Himmel. Sie liegt direkt unter der Oberfläche unseres großen blauen Spielplatzes. Die Geburtsstation der (Wirbelstürme) Monster Vergiss den Storch. Wenn tropische Wirbelstürme geboren werden, ist das eine wesentlich brutalere Angelegenheit. Du brauchst genau drei Zutaten, die der Ozean in seiner unendlichen Weisheit perfektioniert hat. Das ist keine Hexerei, das ist knallharte Physik, die dir Respekt einflößen sollte. Zutat 1: Der Treibstoff – Eine Badewanne voll Energie Alles beginnt mit der Wärme. Aber nicht so ein laues "Oh, heute ist aber schönes Wetter"-Wärmchen. Wir reden hier von einer Wassertemperatur von mindestens 26,5 Grad Celsius, und zwar bis in eine Tiefe von 50 Metern. Die Jungs und Mädels vom Deutschen Wetterdienst (DWD) können dir das im Schlaf runterbeten. Warum so tief? Weil die Oberfläche allein nicht reicht. Der Ozean ist eine gigantische Batterie. Er speichert die Sonnenenergie und hält sie warm. Diese riesige Masse an warmem Wasser ist der Treibstofftank. Wenn die Atmosphäre darüber feucht und instabil wird, verdunstet dieses Wasser und steigt auf. In dieser aufsteigenden, feuchtwarmen Luft steckt eine unfassbare Menge an Energie – die sogenannte latente Wärme. Der Ozean ist nicht nur der Geburtsort, er ist der verdammte Treibstofftank, der Motor und das Getriebe in einem. Zutat 2: Der Funke – Der richtige Anstupser Ein Tank voller Sprit explodiert nicht von allein. Du brauchst einen Zündfunken. In der Atmosphäre ist das meist eine bereits existierende Wetterstörung, oft eine "tropische Welle", die von Afrika über den Atlantik zieht. Stell es dir wie einen kleinen Stolperstein vor. Eine Ansammlung von Gewittern, die gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, um den ganzen Prozess anzustoßen. Dieser kleine Schubser bringt die aufsteigende feuchte Luft dazu, sich zu organisieren. Zutat 3: Der Spin – Der kosmische Drehwurm Jetzt kommt der magische Teil, der dem Ganzen seine ikonische Form gibt: die Corioliskraft. Klingt kompliziert, ist aber nur die Trägheit auf einem rotierenden Planeten. Versuch mal, auf einem drehenden Karussell einen Ball geradeaus zu werfen. Er wird immer eine Kurve fliegen. Unsere Erde ist dieses Karussell. Jede Luftmasse, die sich auf ihr bewegt, wird abgelenkt. Auf der Nordhalbkugel nach rechts (deshalb drehen Hurrikane und Taifune gegen den Uhrzeigersinn), auf der Südhalbkugel nach links (deshalb drehen Zyklone mit dem Uhrzeigersinn). Dieser ständige Drall sorgt dafür, dass sich der aufsteigende Luftmassen-Haufen zu einem organisierten Wirbel formiert. Ohne diesen Spin gäbe es nur ein riesiges Gewitter, aber keinen Wirbelsturm. Anatomie eines Killers Wenn die Maschine erst mal läuft, entwickelt sie eine furchterregende Struktur, die bei allen diesen Stürmen gleich ist. Das Auge: Im Zentrum des Sturms sinkt Luft ab, erwärmt sich und trocknet. Das Resultat ist ein fast unheimlich ruhiger Bereich mit oft klarem Himmel. Lass dich nicht täuschen. Das ist nicht das Ende, das ist die Ruhe vor der absoluten Vernichtung. Es ist die Nabe des Todesrades. Die Augenwand (Eyewall): Das hier ist die Hölle auf Erden. Direkt um das Auge herum schießt die Luft mit maximaler Geschwindigkeit nach oben. Hier herrschen die brutalsten Winde und die heftigsten Regenfälle. Wenn die Augenwand über dich hinwegzieht, wird alles, was nicht niet- und nagelfest ist, zu Schrapnell. Die Regenbänder: Spiralig angeordnete Bänder aus Gewittern, die sich hunderte Kilometer nach außen ziehen. Sie sind die Vorboten und die Nachwehen des Sturms. Quelle: NOAA Um diesem Chaos einen Namen zu geben, hat man Skalen erfunden. Die bekannteste ist die Saffir-Simpson-Hurrikan-Skala. Die Saffir-Simpson- Hurrikanskala dient der Klassifizierung von Hurrikanen. Sie wurde 1969 von den Meteorologen Herbert Saffir und Bob Simpson beim U.S. National Hurrikan Center eingeführt. Diese Skala reicht von Kategorie 1 (schmeißt die Gartenmöbel um) bis Kategorie 5 (schmeißt dein ganzes Haus und das vom Nachbarn gleich mit um). Andere Regionen haben eigene Skalen, aber dazu kommen wir in den nächsten Teilen. Die drei Reiter der Apokalypse Ein tropischer Wirbelsturm tötet auf drei verschiedene Arten. Und der Wind ist dabei oft nicht mal der schlimmste. Die Sturmflut: Das ist der wahre, stille Killer. Der Sturm schiebt durch seinen Wind und den niedrigen Luftdruck einen riesigen Berg Wasser vor sich her. Diese Wasserwand walzt ins Landesinnere und ertränkt alles. Vergiss den Wind – die Sturmflut ist der wahre Killer bei den meisten dieser Monster. Die Extremwinde: Das ist der Zerstörer, der alles in Stücke reißt. Ab 118 km/h spricht man von einem Hurrikan/Taifun/Zyklon, aber die Spitzen können weit über 300 km/h erreichen. Das ist, als würde man stundenlang von einem Düsentriebwerk angeblasen. Der Sintflut-Regen: Diese Stürme saugen Unmengen an Wasser aus dem Ozean und kippen es an Land wieder aus. Wir reden hier nicht von ein paar Schauern, sondern von Regenmengen, die Flüsse in reißende Ströme und Städte in Seen verwandeln und zu massiven Erdrutschen führen. Dem Monster ins Auge blicken Okay, das klingt alles düster. Und das ist es auch. Aber hier ist die gute Nachricht: Wir sind nicht mehr die ahnungslosen Landratten von früher, die von diesen Biestern überrascht wurden. Wir haben unsere eigenen Spione an den Himmel und ins Meer geschickt. Dank eines globalen Netzwerks von Satelliten, wie denen des europäischen Copernicus-Programms, und speziellen Messbojen im Ozean sehen wir diese Stürme Tage im Voraus kommen. Die wahren Helden sind die "Hurricane Hunters" der amerikanischen NOAA – völlig verrückte Leute, die mit Flugzeugen direkt in die Augenwand fliegen, um Daten zu sammeln, die unsere Vorhersagemodelle füttern. Wir können die Biester zwar nicht aufhalten, aber wir werden verdammt noch mal immer besser darin, uns rechtzeitig zu ducken. Jede verbesserte Vorhersage, jede präzisere Zugbahnwarnung rettet Leben. Das ist der Triumph der Wissenschaft über die rohe Gewalt. Dein Logbuch-Eintrag Du hast jetzt das Grundrezept. Du weißt, dass die Wärme des Ozeans der Motor ist. Und hier kommt der Tritt in den Hintern: Wer heizt den Ozeanen in den letzten Jahrzehnten so richtig ein? Bingo. Wir. Indem wir die Atmosphäre wie ein Gewächshaus behandeln, laden wir die Batterie des Ozeans immer weiter auf. Ob die Stürme dadurch häufiger werden, darüber streiten sich die Gelehrten noch. Aber dass sie durch wärmere Ozeane das Potenzial haben, stärker und nässer zu werden, das bestätigen dir Organisationen wie der Weltklimarat (IPCC) in Berichten, die dicker sind als ein altes Telefonbuch. Was du tun kannst? Hör auf, nur auf den Wind zu starren. Wenn du an der Küste lebst oder dort Urlaub machst, interessiere dich für den Schutz von dem, was dich schützt. Unterstütze Projekte, die unsere natürlichen Sturmbremsen – Mangrovenwälder und Korallenriffe – wieder aufpäppeln. Diese Ökosysteme sind unendlich viel effektiver und billiger als jede Betonmauer, um die Wucht einer Sturmflut zu brechen. Das war die Grundlage. Im nächsten Teil schauen wir uns die regionalen Charaktere genauer an – den atlantischen Hurrikan, den pazifischen Taifun und den stillen Killer im Indischen Ozean, den Zyklon. Bleib dran. Brenda Beachbum, für die Möwen-Crew. Hier geht's zu den anderen Teilen: Teil 2: Eine Frage der Nachbarschaft Teil 3: Sturmwarnung für die Zukunft Wir bei The Ocean Tribune werfen dir die Fakten wie eine Flaschenpost vor die Füße – ungeschönt und ohne Schleifchen. Du bist ein freier Mensch auf einem freien Ozean und kannst deinen eigenen Kurs setzen, da quatscht dir keiner rein. Wir würden uns aber freuen, wenn du nach dem Lesen unserer Berichte deinen Kompass mal überprüfst und vielleicht einen Haken um die größten Eisberge der Dummheit schlägst. Am Ende geht's uns nicht darum, Leute in "gute Umweltschützer" und "böse Plastiktüten-Nutzer" zu sortieren. Es geht darum, wieder Respekt zu zeigen und genug Empathie im Herzen zu haben, um zu kapieren, dass der Kahn, der uns alle trägt, und seine tierische Mannschaft mehr sind als nur eine Kulisse für unseren Törn. Denn wenn dieses Schiff leckschlägt, ist es völlig egal, wer auf der Backbord- oder Steuerbordseite stand – wir gehen alle zusammen unter. Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus dem Maschinenraum: Vom Klartext zum Bauplan Wir legen den Finger in die Wunde. Das ist unsere Mission bei The Ocean Tribune. Aber Aufklärung allein rettet keine Ozeane. In der Werkstatt von Vita Loom Labs schmieden wir aus diesem Wissen die unangreifbaren Architekturen, die aus fragilen Projekten resiliente, investierbare Assets machen. Wir schreiben keine besseren Anträge. Wir bauen unbesiegbare Systeme. Wollen Sie sehen, wie eine solche architektonische Intervention in der Praxis aussieht? Unsere Fallstudie seziert den Prozess – vom narrativen Vakuum zum unbesiegbaren System. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!

  • Deep Dive Serie: Wirbelstürme - Giganten der Ozeane: Sturmwarnung für die Zukunft (Teil 3)

    Von Brenda Beachbum Moin hier …, na du Skipper, das ist der Hauptgang. Das ist der Grund, warum ich im Team von The Ocean Tribune bin und wir immer Tacheles reden. Bei uns sind keine Filter nötig, hier geht's ans Eingemachte. Wir haben die Maschine seziert und ihre regionalen Schläger-Typen kennengelernt. Jetzt blicken wir in die Kristallkugel – eine Kugel, die leider verdammt neblig und voller Wut ist. Das ist der letzte Teil unserer Klartext-Prosa. Hol tief Luft. Der unsichtbare Friedhof Ich sehe sie ständig, diese geleckten Hochglanzfotos in euren Reise-Apps und Reisekatalogen. Ein perfekter weißer Strand, eine Hängematte, eine Kokosnuss mit Schirmchen. Alles ist friedlich, alles ist still. Und mir wird schlecht dabei. Nicht, weil ich euch den Cocktail nicht gönne. Mir wird schlecht, weil ich weiß, was nach einem großen Sturm oft unter dieser spiegelglatten, türkisblauen Oberfläche liegt: ein Friedhof. Ein zerfetztes, ersticktes Trümmerfeld, das niemand fotografiert. Die Menschen kommen zurück, bauen ihre Holzhütten und Betonburgen wieder auf und klopfen sich auf die Schulter, weil sie überlebt haben. Aber der Ozean? Der Ozean hat einen Kater, der Jahrzehnte dauern kann. Ihr seht nur die Schäden an Land. Aber habt ihr euch jemals gefragt, was so ein Wirbelsturm mit der Welt unter der Wasseroberfläche anstellt? Das ist der wahre, stille Kollateralschaden, über den niemand redet. Der Kater des Ozeans – Die ökologische Trümmerlandschaft Wenn ein Hurrikan der Kategorie 5 über eine Küste walzt, ist das nicht nur Wind und Regen. Es ist ein gigantischer, unterseeischer Bulldozer, der alles umpflügt. Zerstörung von Korallenriffen Stell dir ein Riff wie eine pulsierende Unterwasser-Metropole aus feinstem Porzellan vor. Jetzt schick eine Abrissbirne mit 250 km/h hindurch. Die monströsen Wellen brechen jahrhundertealte Korallenstöcke wie Streichhölzer. Aber das ist nur der Anfang. Der sintflutartige Regen spült Tonnen von Schlamm und Dreck von der Küste ins Meer, der sich wie ein Leichentuch über die Überreste legt und die Überlebenden erstickt. Ein Riff braucht Jahrzehnte, manchmal Jahrhunderte, um sich davon zu erholen – wenn überhaupt. Die Folge? Die Fisch-Kindergärten sind zerstört, die Küste verliert ihren wichtigsten natürlichen Wellenbrecher und unzählige Arten verlieren ihr Zuhause. Doch da gibt es solch tolle Menschen wie Todd Barber, Gründer der Reef Ball Foundation. Die Initialzündung für Reef Ball kam, als Todd zusehen musste, wie sein geliebtes Korallenriff in Grand Cayman von Hurrikan Gilbert in ein Unterwasser-Schlachtfeld verwandelt wurde. Anstatt Trübsal zu blasen, dachte sich Todd: „Das geht so nicht! Wir brauchen Riffe, die stärker sind als ein wütender Hurrikan!“ Und Zack! Zusammen mit seinem Vater (Papa-Sohn-Power, wer kennt's nicht?) entwickelte er die Idee, Riffmodule mit einer aufblasbaren Blase in der Mitte zu bauen. Das Ergebnis? Riffbausteine, die schwimmen können und kinderleicht (naja, schnell) von Hand oder mit einem kleinen Boot ins Wasser gebracht werden können. Den ganzen Beitrag dazu findest du hier: Reef Ball Foundation Das große Kotzen – Aufgewirbeltes Tiefenwasser Wirbelstürme sind wie gigantische Mixer. Er wirbelt die Wassersäule so durcheinander, dass er kaltes, nährstoffreiches Wasser aus der Tiefe an die Oberfläche saugt. Klingt erstmal gut, oder? Dünger für alle! Falsch. Es ist zu viel des Guten. Dieser plötzliche Nährstoff-Cocktail löst oft massive Algenblüten aus. Die Algen wuchern, sterben, sinken zu Boden und werden dort von Bakterien zersetzt, die den gesamten Sauerstoff im Wasser verbrauchen. Das Resultat: riesige, sauerstofffreie "Todeszonen", in denen Fische und andere Meeresbewohner ersticken. Der Ozean kotzt quasi, und alles erstickt in der Pampe. Die Entwurzelung der Küstenwächter Mangrovenwälder sind die stoischen, salzliebenden Türsteher der Tropen. Ihr dichtes Wurzelgeflecht ist der Albtraum jeder ankommenden Welle. Sie brechen die Energie der Sturmflut wie keine von Menschenhand geschaffene Mauer es je könnte. Doch die Extremwinde eines starken Sturms können diese lebenswichtigen Wälder entlauben, entwurzeln und vernichten. Wenn eine Küste ihre Mangroven verliert, verliert sie nicht nur einen Wald – sie verliert ihre Rüstung. Die nächste Sturmflut wird noch verheerender. Die Liste geht weiter: Seegraswiesen – die Weiden der Seekühe und Schildkröten – werden aus dem Meeresboden gerissen. Austernbänke werden mit Sedimenten begraben. Ganze Populationen von Seevögeln werden auf den offenen Ozean hinausgetragen, wo sie erschöpft ins Meer stürzen. Das ist die stille Apokalypse, die nach dem Sturm beginnt. Dem Monster ins Gehirn schauen – Die Revolution der Vorhersage Es ist nicht alles nur Zerstörung. Während die Stürme wütender werden, werden wir schlauer. Wir haben dem Planeten ein Netzwerk von Spionen übergestülpt, das immer besser darin wird, die Pläne des Feindes vorauszusehen. Die Augen am Himmel: Vergiss die alten Geschichten von Seebären, die den Himmel beobachteten. Heute haben wir eine Flotte von geostationären Satelliten, wie die GOES-Serie der amerikanischen NOAA oder das europäische Copernicus-Programm. Sie starren 24/7 auf die Ozeane und sehen die Geburt eines Sturms, lange bevor er überhaupt einen Namen hat. Sie sind unsere unbestechlichen Wächter. Die Gummienten der Wissenschaft: Tausende von autonomen Messbojen und Unterwasser-Gleitern treiben durch die Ozeane und senden unablässig Daten über Temperatur, Salzgehalt und Strömungen. Sie sind unsere Spione an der Front, die uns verraten, wie viel "Treibstoff" im Wasser für einen herannahenden Sturm bereitliegt. Die digitalen Kristallkugeln: All diese Daten fließen in Supercomputer, die mit den komplexesten Wettermodellen der Welt gefüttert werden. Hier passiert die Magie. Und in den letzten Jahren hat künstliche Intelligenz (KI) das Spiel verändert. Unternehmen wie Google oder IBM (The Weather Company) nutzen maschinelles Lernen, um Muster zu erkennen, die menschliche Meteorologen übersehen würden. Die Vorhersage der Zugbahn eines Sturms ist heute so gut, dass Überraschungen selten geworden sind. Die letzte Hürde: Das große, ungelöste Rätsel ist die Intensitätsvorhersage. Wir wissen oft sehr genau, wo der Sturm in drei Tagen sein wird. Aber wir wissen oft nicht, ob er als zorniger Pitbull (Kategorie 2) oder als tollwütiger T-Rex (Kategorie 5) ankommen wird. Diese plötzliche, explosive Verstärkung, "Rapid Intensification" genannt, ist der Heilige Gral der Sturmforschung. Sie korrekt vorherzusagen, ist die Grenze, an der wir heute stehen. Wirbelstürme auf Steroiden – Der unübersehbare Klimafaktor Und jetzt zum Elefanten im Raum. Wir machen die Stürme nicht, aber wir füttern sie. Wir dopen sie. Wir geben ihnen Steroide. Jeder, der das leugnet, hat den Schuss nicht gehört. Der Weltklimarat (IPCC), eine Organisation, die in ihrer Wortwahl so aufregend ist wie eine Steuererklärung, formuliert es glasklar: Wärmere Ozeane = Mehr Treibstoff: Das ist die einfachste Gleichung. Wir haben in Teil 1 gelernt, dass warmes Wasser der Treibstoff für diese Monster ist. Indem wir die Ozeane aufheizen, stellen wir den Stürmen einen größeren, energiereicheren Treibstofftank zur Verfügung. Das bedeutet nicht zwingend mehr Stürme, aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Stürme, die entstehen, das Potenzial haben, absolute Megamonster der Kategorien 4 und 5 zu werden. Besonders bedroht: Der Golf von Mexiko, die Karibik und der Westpazifik, wo das Wasser jetzt schon oft "hochoktanig" ist. Steigender Meeresspiegel = Eine höhere Startrampe: Das ist vielleicht die tückischste Folge. Eine Sturmflut ist ein Wasserberg, der auf den normalen Meeresspiegel draufgesetzt wird. Wenn wir den Meeresspiegel durch die Eisschmelze anheben, ist das so, als würden wir dem Angreifer eine Trittleiter geben. Eine Sturmflut, die vor 50 Jahren vielleicht nur die Strände überschwemmt hätte, erreicht heute die erste Häuserreihe. Für tief liegende Inselstaaten wie die Malediven, Kiribati oder Tuvalu ist das keine theoretische Gefahr mehr. Es ist eine existenzielle Bedrohung. Ihr Land verschwindet unter ihren Füßen, und die Stürme beschleunigen den Prozess. Wärmere Luft = Biblische Regenfälle: Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasserdampf aufnehmen – etwa 7% mehr pro Grad Celsius Erwärmung. Ein Wirbelsturm ist wie ein gigantischer Staubsauger, der diese Feuchtigkeit aus der Luft saugt und sie dann über dem Land auskippt. Wenn in der Luft von vornherein mehr Wasser drin ist, kommt auch mehr raus. Das Ergebnis sind die absurden Regenmengen, die wir in den letzten Jahren immer öfter sehen und die zu katastrophalen Überschwemmungen und Erdrutschen führen, weitab von der Küste. Wir haben die Spielregeln geändert. Wir haben die Würfel gezinkt. Und jetzt müssen wir mit den Konsequenzen leben, die zunehmend nasser, windiger und tödlicher werden. Und wen wird es am schlimmsten treffen? Die Ärmsten unter uns. Daher ist es unsere Pflicht, dass jeder so gut er kann seinen Beitrag leistet. Ein letztes Wort von Brenda aus dem Möwennest So, das war's. Die Serie ist zu Ende. Und du sitzt da jetzt, vollgepumpt mit Fakten über Windgeschwindigkeiten und Wasseroberflächentemperaturen. Aber wenn am Ende nur das hängen bleibt, haben wir alle verloren. Schau aus dem Fenster. Oder auf den Bildschirm deines Handys. Wahrscheinlich bist du in Sicherheit. Du hast ein Dach über dem Kopf. Du hast etwas zu essen im Kühlschrank. Du lebst in Frieden. Du gehörst zu den wenigen glücklichen Prozent auf diesem Planeten, deren Grundbedürfnisse so selbstverständlich gestillt sind, dass du dir den Luxus leisten kannst, über all das hier nachzulesen, statt es am eigenen Leib zu erleben. Versteh mich nicht falsch: Sei dankbar dafür. Aber sei dir verdammt noch mal bewusst, dass dieses Glück pures, unverdientes Lotto ist. Wir sind alle nur für eine verdammt kurze Zeit auf diesem Felsen, der durchs All rast. Am Ende des Tages wartet auf uns alle derselbe Ausgang. Der TOD. Niemand nimmt seinen Kontostand oder seinen Highscore mit. Das Einzige, was zählt, ist, was wir in dieser kurzen Zeitspanne getan haben. Waren wir nur Passagiere, die sich haben unterhalten lassen? Oder waren wir Teil der Crew?! Hör auf, deine kostbare Zeit und dein Geld damit zu verschwenden, die Leere in dir mit dem nächsten sinnlosen Konsumrausch oder der nächsten betäubenden Party zu füllen. Dein Urlaub steht an? Großartig. Anstatt dich an irgendeinem überfüllten Strand mit teurem Alkohol volllaufen zu lassen, der dich dumm und süchtig macht, überleg dir mal was anderes. Es gibt da draußen Tausende von Organisationen in genau den Ländern, die wir hier erwähnt haben, die händeringend nach Freiwilligen suchen. Pflanze Mangroven auf den Philippinen. Hilf beim Bau eines Schulhauses in einem Dorf in der Karibik. Du denkst, das ist anstrengend? Ja. Wird es dein Leben verändern? Garantiert. Es erweitert deinen Horizont auf eine Weise, wie es kein Netflix-Abo je könnte. Du wirst zum echten Superman, nicht zu einem passiven Zuschauer. Du wirst feststellen, dass Geben unendlich viel beglückender ist als Nehmen. Du wirst die echte Realität erleben, nicht die gefilterte Version auf deinem Bildschirm. Es ist an der Zeit, dass wir aufhören, nur an uns zu denken. Es ist Zeit für Mitgefühl, für Respekt, für die radikale Idee, dass das Leben eines Menschen in einem Fischerdorf in Bangladesch genauso viel wert ist wie deins. Es ist Zeit, aus der Komfortzone zu treten und mitzuhelfen, diesen Planeten zu einem besseren Ort zu machen. Denn am Ende des Tages sind wir alle nur eine Spezies. Eine Crew auf demselben Schiff. Und das Schiff hat verdammt noch mal Schlagseite. "Ein Sturm fragt nicht nach deinem Pass. Er testet nur die Stärke deiner Mauern und die Weite deines Herzens." Pass auf dich auf und erzähle jetzt anderen von unseren coolen Beiträgen. Deine Brenda Hier geht's zu den anderen Teilen: Teil 1: Das Rezept für den Weltuntergang Teil 2: Eine Frage der Nachbarschaft Wir bei The Ocean Tribune werfen dir die Fakten wie eine Flaschenpost vor die Füße – ungeschönt und ohne Schleifchen. Du bist ein freier Mensch auf einem freien Ozean und kannst deinen eigenen Kurs setzen, da quatscht dir keiner rein. Wir würden uns aber freuen, wenn du nach dem Lesen unserer Berichte deinen Kompass mal überprüfst und vielleicht einen Haken um die größten Eisberge der Dummheit schlägst. Am Ende geht's uns nicht darum, Leute in "gute Umweltschützer" und "böse Plastiktüten-Nutzer" zu sortieren. Es geht darum, wieder Respekt zu zeigen und genug Empathie im Herzen zu haben, um zu kapieren, dass der Kahn, der uns alle trägt, und seine tierische Mannschaft mehr sind als nur eine Kulisse für unseren Törn. Denn wenn dieses Schiff leckschlägt, ist es völlig egal, wer auf der Backbord- oder Steuerbordseite stand – wir gehen alle zusammen unter. Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus dem Maschinenraum: Vom Klartext zum Bauplan Wir legen den Finger in die Wunde. Das ist unsere Mission bei The Ocean Tribune. Aber Aufklärung allein rettet keine Ozeane. In der Werkstatt von Vita Loom Labs schmieden wir aus diesem Wissen die unangreifbaren Architekturen, die aus fragilen Projekten resiliente, investierbare Assets machen. Wir schreiben keine besseren Anträge. Wir bauen unbesiegbare Systeme. Wollen Sie sehen, wie eine solche architektonische Intervention in der Praxis aussieht? Unsere Fallstudie seziert den Prozess – vom narrativen Vakuum zum unbesiegbaren System. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!

  • Reef Ball Foundation

    Erzählt von Kevin Klepto Entschuldigung, aber unsere Ozeane sind im Eimer. Wir sprechen hier nicht von einem kleinen „Ups“, wie wenn man vergessen hat, die Milch aus dem Kühlschrank zu nehmen. Nein, wir sprechen von einem ausgewachsenen „Titanic gegen Eisberg“-Desaster, nur dass der Eisberg hier aus Umweltverschmutzung, Klimawandel und, nun ja, uns besteht. Aber keine Sorge, denn wie bei jedem guten Superhelden-Epos gibt es Hoffnung in Form einer strahlenden Organisation, die sich der Rettung unserer Unterwasserwelt verschrieben hat: Bühne frei für die grandiose Reef Ball Foundation! Gegründet im glorreichen Jahr 1993, noch bevor Selfies und Avocado-Toast die Welt eroberten, ist die Reef Ball Foundation eine internationale Non-Profit-Umweltschutztruppe, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, unseren Ozeanen und Gewässern wieder auf die Beine zu helfen. Und wie machen sie das? Mit Reef Balls, natürlich! Aber dazu kommen wir noch. Hinter dieser genialen Idee steckt ein Mann namens Todd Barber, der Gründer, Vorsitzender und das kreative Mastermind hinter Reef Ball. Man kann ihn sich als den Tony Stark der künstlichen Riffe vorstellen, nur ohne den Iron-Man-Anzug (oder trägt er ihn vielleicht heimlich unter seinem Tauchan zug?) . Dieser Typ hat Wirtschaft, Informatik und Meereswissenschaften im Blut, eine ziemlich seltene und beeindruckende Kombination, die ihm hilft, ein globales Netzwerk von Organisationen und Partnern anzuführen, die sich der Wiederherstellung unseres marinen Ökosystems verschrieben haben. Todd ist ein echter Georgia-Pfirsich (University of Georgia Absolvent, für die Uneingeweihten) und lebt in Florida, wo er wahrscheinlich jeden Tag mit einem Fuß im Meerwasser aufwacht. Die Initialzündung für Reef Ball kam, als Todd zusehen musste, wie sein geliebtes Korallenriff in Grand Cayman von Hurrikan Gilbert in ein Unterwasser-Schlachtfeld verwandelt wurde. Anstatt Trübsal zu blasen, dachte sich Todd: „Das geht so nicht! Wir brauchen Riffe, die stärker sind als ein wütender Hurrikan!“ Und Zack! Zusammen mit seinem Vater (Papa-Sohn-Power, wer kennt's nicht?) entwickelte er die Idee, Riffmodule mit einer aufblasbaren Blase in der Mitte zu bauen. Das Ergebnis? Riffbausteine, die schwimmen können und kinderleicht (naja, schnell) von Hand oder mit einem kleinen Boot ins Wasser gebracht werden können. Vergesst schwere Maschinen, wir machen das jetzt im DIY-Style! Aber was ist eigentlich ein Reef Ball? Stell dir einen Reef Ball als das ultimative künstliche Riff-Gadget vor. Es ist wie ein vorgefertigter Lebensraum für Meeresbewohner, der die Struktur und Funktion eines natürlichen Riffs perfekt imitiert. Und das Material? Spezieller Beton mit einem „pH-Wert wie frisch aus dem Meer“, sagen die Experten (oder so ähnlich). Denn, hey, wer will schon ein künstliches Riff, das die Fische mit Hautausschlag verjagt? Das Geniale an Reef Balls ist ihre Variabilität. Genau wie in der Natur kommt ein Riff nicht von der Stange. Reef Balls gibt es in allen Formen und Größen, mit Löchern in der Hülle. Diese Löcher sind nicht willkürlich gebohrt, nein, sie erzeugen Strudel, die das Leben im Riff erst so richtig auf Touren bringen. Und die hohlen Innenräume? Das sind die Luxusappartements für Fische, Krebstiere und all die anderen coolen Unterwasser-WG-Bewohner. Für den Extra-Kick können sogar Korallenstücke hinzugefügt werden, um das Wachstum zu beschleunigen und Korallen zu retten, die durch Stürme oder menschliche dumme Fehler beschädigt wurden. Auf den ersten Blick sehen Reef Balls vielleicht ein bisschen „Low-Tech“ aus, wie überdimensionale Betonkuchen. Aber lass dich nicht täuschen! Diese Dinger sind Hightech im Verborgenen und haben sich in Tausenden von Projekten weltweit als absolute Öko-Wunderwaffen bewährt. Sie sind stabil wie Felsbrocken (im wahrsten Sinne des Wortes) und überstehen unbeschadet selbst die schlimmsten Stürme. Man kann sie mit dem Lastkahn oder dem großen Boot liefern, aber dank der genialen aufblasbaren Blase können sie auch einfach ins Wasser gerollt, geschwungen oder von Tauchern an ihren Bestimmungsort manövriert werden. Keine teuren Kräne, keine komplizierten Installationen, einfach Reef Balls rein und fertig! Die Reef Ball Foundation produziert dieses Riff-Wunder in Größen von 0,3 bis 2,5 Metern und Gewichten von 15 bis 3.500 Kilogramm. Da ist vom „Mini-Reef Ball für den Gartenteich“ bis „Mega-Reef Ball für den Tiefsee-Fanatiker“ alles dabei. Und diese Löcher, von denen wir sprachen? Die sind nicht nur für die Optik da. Sie schaffen Strudel, die die natürlichen Bedingungen eines Korallenriffs so perfekt wie möglich nachbilden und eine raue Oberfläche, die Meeresorganismen geradezu einlädt, sich anzusiedeln. Korallen, Algen, Schwämme – die Party kann beginnen! In den letzten Jahren wurde viel geforscht, wie gut künstliche Riffe Biomasse produzieren, natürliche Lebensräume nachbilden und sogar Katastrophenschutz leisten können. Und rate mal? Reef Balls haben in allen Kategorien abgeräumt! Sie sind nicht nur gut für die Riff-Restaurierung, sondern auch für die Fischerei, Schnorchel- und Tauchpfade, den Küstenschutz und sogar für Surfer (ja, auch Surfer lieben Riffe, solange sie nicht darauf surfen!). Sie können als Laichplätze für Fische dienen und sogar als Pflanzgefäße für die Mangroven-Neubepflanzung verwendet werden. Reef Balls sind quasi das Schweizer Taschenmesser der Meeresrestaurierung. Und die Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen: Die Reef Ball Foundation hat bereits über 1.000.000 Reef Balls in über 8.000 Projekten in mehr als 80 Ländern durchgeführt! Das ist mehr als nur ein Tropfen auf den heißen Stein, das ist eine ausgewachsene Unterwasser-Revolution! Ihre Projekte reichen von der Riffgestaltung über Korallenvermehrung bis hin zur Mangroven- und Austernriff-Restauration. Sie arbeiten mit Regierungen, NGOs, Unternehmen, Schulen, Forschungsinstituten und ganz normalen Menschen zusammen, denn Küstenschutz ist Teamsport! Und Bildung ist ein wichtiger Teil des Programms, denn nur wer versteht, warum unsere Ozeane so wichtig sind, wird auch etwas für ihren Schutz tun. Also, das nächste Mal, wenn ihr am Strand seid und euch fragt, was ihr Gutes für die Welt tun könnt, erinnert euch an die Reef Ball Foundation und ihre genialen Beton-Kuchen. Sie sind vielleicht nicht die glamourösesten Helden, aber sie sind verdammt effektiv, und sie geben unseren Ozeanen eine echte Chance, sich zu erholen. Und das ist doch, worauf es wirklich ankommt, oder? Mehr Infos und Möglichkeiten, mitzumachen, sowie eine Weltkarte, wo Ihr sehen könnt, wo die schnittigen Teile liegen findet ihr unter reefballfoundation.org . Denn die Ozeane brauchen uns, und zwar dringend! Galerie (Klicken zum Vergrößern) Alle Bilder und Videos wurden uns freundlicherweise von der Reef Ball Foundation zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns ganz herzlich dafür. Neugierig auf mehr? Website Reef Ball Foundation:   https://reefballfoundation.org/ Instagram Reef Ball Foundation:   https://www.instagram.com/reef_ball_foundation Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!

  • Der Gold-Tanker mit dem Kutter-Herz: Wir haben bei Santiano nachgemessen, wie viel Salz noch an Bord ist

    Photo by Christian Bartz Von Gary Gullson Keine Band hat die große Erzählung von der See so kraftvoll in die Mitte der Gesellschaft getragen wie Santiano. Wir haben Kapitän Björn Both auf die Brücke gebeten, um herauszufinden, ob das Schiff wirklich den Kurs hält, den seine Flagge verspricht. Ich geb's ja zu, die Jungs können was. Sie haben die Seemannsromantik aus den verstaubten Hafenkaschemmen gezerrt und damit die größten Arenen des Landes geflutet. Das ist ein Kunststück. Ein verdammt erfolgreiches. Aber – und das ist das verfluchte "Aber", das mir seit Jahren im Schädel herumgeistert – während die Hallen beben, kentert da draußen die Realität. Sie singen von stürmischer See, und ich sehe die erstickenden Algenblüten. Sie grölen von Freiheit, und ich sehe die Schleppnetze, die den Meeresboden in eine Wüste verwandeln. Und das bringt mich zu der einen, entscheidenden Frage, die man als ehrlicher Seebär stellen muss: Ist dieser Ozean-Tanker nur ein verdammt guter Entertainer, der uns mit fröhlichen Liedern in den Untergang schunkeln lässt? Oder steckt im Maschinenraum wirklich das Herz eines Rebellen, der bereit ist, sein gigantisches Megafon als Waffe für den Ozean einzusetzen? Ihr "Leuchtfeuer"-Projekt war das erste Signal auf dem Radar, das anders blinkte. Ein Funke, der nach mehr aussah als nur PR-Nebel. Es war der Grund, warum wir gesagt haben: Okay, wir klopfen an die Brückentür. Ich wollte wissen, was dahintersteckt. Ohne den Zuckerguss. Ohne die Goldplatten an der Wand. Ich hab mich mit Björn Both, einem der Kapitäne des Fünfmasters, ins virtuelle Logbuch eingeklinkt. Das Ziel: eine ehrliche Tiefenpeilung. Das hier ist das ungeschminkte Protokoll dieser Vermessung. Finden wir raus, ob der Kurs stimmt. Mal ehrlich, Björn: War die Gründung von Santiano eine Schnapsidee in einer Flensburger Hafenkneipe oder ein diabolisch cleverer Plan, den Deutschen Seemanns-Romantik zu verkaufen, während die echte See vor die Hunde geht? Ungefähr in der genannten Reihenfolge. Es ging aber ziemlich schnell darum, den Leuten das Meer so nahezubringen, ihre Liebe zu erwecken, um dann eben auch darüber reden zu können, was schiefläuft im Umgang mit den Ozeanen. Wer mit uns zusammen das Meer feiert, kann uns ja vielleicht auch helfen, es zu schützen. Wenn Santiano ein Schiff wäre, was für ein Kahn wäret ihr? Ein protziger Kreuzfahrt-Dampfer, der die Wellen glatt bügelt, oder ein alter Kutter, der sich durch jeden Sturm kämpft und mehr Muscheln am Rumpf hat als Platinplatten an der Wand? Weder noch. Die Santiano ist in unseren Augen ein gewaltiger 27-Master, auf dem Jede*r, der Willens ist, seinen Platz findet und sich uns anschließen kann. Euer Sound ist unverkennbar. Aber wie viel echtes Salz klebt da noch dran und wie viel ist Showbusiness-Zuckerguss, damit es auch der Landratte schmeckt? Das echte Salz ist innen und in der ein oder anderen verkrusteten Gesichtsfalte zu finden. Das lässt sich gar nicht mehr wegbügeln. Und der hier und da nötige Zuckerguss außen (ist übrigens gar nicht so viel) müffelt auch leicht nach Fisch, Rum, modrigem Holz, Diesel und Tang. Was war der seltsamste Ort, an dem ihr jemals einen eurer Songs gehört habt? Und war es passend oder eine Beleidigung für jeden echten Seemann? Zum Glück denken und fühlen wir nicht in diesen Kategorien. Begriffe wie „echte Seemänner“ schließen ja all die Landratten aus, die wir dringend für den Heilungsprozess der Welt brauchen. Nur mit 'n paar Seeleuten kriegen wir das nicht gewuppt. Und beleidigt? So schnell sind wir nicht beleidigt – im Gegenteil: Je absurder der Ort, desto wertvoller wird der Song. Wir wollen ja als Prediger der ganzen Welt die (nicht ganz so) frohe Botschaft verkünden und nicht nur dem Kirchenchor. Preaching to the choir hat noch nie weitergebracht. Da müssen wir schon weiter segeln als nur zum berühmten Tellerrand. Ihr habt das Genre "Shanty Rock" quasi erfunden. Gab es einen Moment, in dem ihr dachtet: "Verdammt, das ist entweder genial oder der größte Blödsinn aller Zeiten"? Von Anfang an exakt dieser Gedanke. Schon in der Mache zum allerersten Album waren das die beiden Pole, in denen sich unsere Erwartung oder auch die Analyse unseres Unterfangens abspielten. Das Ding geht entweder ganz heftig ab oder so ganz und gar nicht. Welches maritime Klischee hasst du wie die Pest, obwohl ihr es vielleicht sogar selbst bedient? Wir räumen, glaube ich, mit vielen dieser unnützen, dämlichen Klischees auf, die man sich gerne erzählt. Zum Beispiel, dass keine Frauen an Bord gehören. Ich kann gar nicht genug weibliche Energie hier hineinlassen, weil es die immer braucht, um wirklich ins Bewahren und Schützen zu kommen. Wie oft steht ihr auf der Bühne, singt vor tausenden Leuten von der "Freiheit der Meere" und denkt euch insgeheim: "Das Riff, von dem ich da singe, ist wahrscheinlich schon seit zehn Jahren nur noch ein grauer Friedhof"? Solange das Riff, welches ich da spiele, nicht auch schon seit zehn Jahren tot ist, ist alles gut. Nein. Im Ernst. Noch nicht ein einziges Mal. Aber ich verstehe die Frage. Und Fragen dieser Art sind es ja, die uns überhaupt dazu bewegen, Santiano mehr sein zu lassen als ein bisschen Segeln, Saufen und Raufen. Welche eurer eigenen Textzeilen tut euch heute fast schon weh, weil die Realität sie so brutal eingeholt hat? Hmm. Weiß ich grad nicht. Aber es sind bestimmt schon einige. Beschreib mal das Gefühl, wenn ein Fan zu dir kommt und von der tollen Kreuzfahrt erzählt, auf der er eure Musik gehört hat – wissend, was diese Industrie für die Meere bedeutet. Lächelst du gequält oder hisst du die schwarze Flagge? Je nach Tagesform und ob ich gerade Bock habe zu streiten oder gar den Oberlehrer zu machen. Entscheidend ist der Teil der Frage: 'wissend, was diese Industrie für die Meere bedeutet'. Die allermeisten wissen es nicht. Da kann man dann, wenn man Zeit und Bock hat, sich hinsetzen und diskutieren, was ja auch mitunter passiert. Viel interessanter sind die Reaktionen, wenn wir zum x-ten Mal Einladungen dankend ablehnen, auf diesen Show-Kreuzfahrtschiffen mitzufahren. Wir haben tatsächlich vor knapp zehn Jahren oder so einmal eine Metalcruise mitgemacht. Das sind die Festivalschiffe der Wacken-Leute. Das sind Freunde von uns und in unserer Blauäugigkeit haben wir uns damals breitschlagen lassen. War auch alles roger, aber mit unserem zunehmenden Engagement für die Meere haben wir das dann gefälligst stecken lassen. Habt ihr schon mal einen Song geschrieben, der so wütend und politisch war, dass ihr euch nicht getraut habt, ihn zu veröffentlichen? Wenn ja, worum ging's? Wir haben ihn veröffentlicht: „Doch ich weiß es“ auf dem Album „Im Auge des Sturms“. Photo by Christian Bartz Stellt euch vor, der Ozean ist euer Co-Produzent. Welches Feedback würde er euch nach dem letzten Album geben? Ein anerkennendes Rauschen oder ein wütender Orkan? Keinen Schimmer. Rosa Rauschen ist bei uns in der Welt der Klänge sehr geläufig. Aber wenn er das hinbekommt, müssen wir uns wahrscheinlich ernsthaft Gedanken um die Flamingos machen. Was ist der größte Unterschied zwischen dem Meer, das ihr besingt, und dem Meer, das ihr seht, wenn ihr wirklich an der Küste steht? Generell betreiben wir ja mit Santiano keine Küstenschipperei, sondern machen schon irgendwie das ganz große Fass auf. Draußen kommt einem der Ozean mit seinen ungezügelten Kräften groß und mächtig vor, sodass man fast meinen könnte, er könnte sich wehren gegen das, was wir Menschen mit ihm anstellen. In den Küstengebieten sieht man eher die Verletzungen, den Gifteintrag aus der Landwirtschaft, die Folgen der Muschelfischerei, die am Meeresboden alles in Stücke reißt und nur mühsam zu heilende Schäden hinterlässt. Überhaupt sieht man die Überfischung, man sieht diese ganzen Prozesse, das Ersticken, das Umkippen. Und ich sehe, wie das Meer zunehmend als Freizeitpark gesehen wird, ohne dass auch nur annähernd sensibilisiert wird, was beispielsweise diese völlig bescheuerten, dreckigen und lauten Spielzeuge wie Jetskis und andere Lärmverschmutzer anrichten. Wenn ich der Meeresminister wäre, würde ich diese Scheißdinger verbieten. Und ich würde dafür plädieren, dass Freizeitkapitäne für ihr Vergnügen Steuern zahlen müssen. Zusätzlich zur Mineralölsteuer müsste eine Steuer erhoben werden, die sich aus der Stärke des Verbrennermotors und den Betriebsstunden errechnet, um diese Gelder direkt in den Meeresschutz fließen zu lassen. Das wäre überhaupt kein Problem. Bis auf die Tatsache, dass es vielen Wassersportlern an Verantwortung fehlt und sie sich natürlich auf die Hinterbeine stellen würden. Ach, ich könnte jetzt so weitermachen. Will ich aber lieber nicht. Mein Puls … Wenn ihr die Macht hättet, einen eurer Songs in die Köpfe aller Politiker zu pflanzen, welcher wäre es und warum? Keinen Song – sondern die Essenz aus allem, was wir tun, singen und erzählen. Die Moral von der Geschichte sozusagen. Sowohl was die Freiheit angeht als auch den Schutz dieser Welt mit allem, was in ihr lebt. "Santiano Leuchtfeuer". Ein Leuchtfeuer soll ja den Weg weisen. Seid ihr das Warnlicht, das vor den Klippen der Ignoranz blinkt, oder eher das gemütliche Hafenlicht, bei dem sich alle wohlfühlen, aber keiner mehr rausfährt, um was zu tun? Wir sind einerseits das Warnlicht, von dem du sprichst. Aber natürlich wollen wir auch ganz stark ein Hoffnungsleuchten in der dunkler werdenden Nacht sein. Beides ist für uns total wichtig. Ihr legt ja mit der Tribune auch gerne den Finger hart in die Wunden. Aber wir wissen beide: Das reicht nicht. Gejammert wird ja schon genug. Und das nächste Weltuntergangsszenario reißt auch keinen Hering mehr vom Teller. Es muss Perspektiven geben, nachdem man den Ist-Zustand zur Kenntnis genommen hat. Im Großen wie im Kleinen. Also direkt vor der Haustür beim Müllsammeln am Strand oder auf Demos gehen, publizieren, Filme machen, drüber singen, den Menschen die Dinge, die sichtbar schieflaufen, zeigen und darauf aufmerksam machen, oder – wer kann – wie ein Berserker im großen Maßstab an der Weltenglocke rütteln. Whatever – wir brauchen das gesamte Orchester. Welcher Moment in der Arbeit für das Leuchtfeuer hat dir persönlich mehr bedeutet als jede goldene Schallplatte? Fast jeder ... ich halte das Potenzial, den Impact, den das Leuchtfeuer haben kann, für weitaus wichtiger und sinnstiftender als jeden Musikpreis, den wir bislang bekommen haben. Nichtsdestoweniger hängt natürlich auch das zusammen. Ohne den Erfolg von Santiano machen auch unsere Leuchtfeuer keinen Sinn. Eine große Bühne mit Reichweite ist natürlich besser als die kleine Bühne Gleichgesinnter. Ihr seid Botschafter des Deutschen Komitees der UN-Ozeandekade 2021 - 2030 Wenn du der UN einen einzigen, ungeschönten Ratschlag geben könntest, der nicht in Bürokratie erstickt – was würdest du ihnen ins Logbuch schreiben? Stellt den Schutz der Meere ganz oben auf eure To-do-Liste. Wir müssen die Ozeane viel mehr noch als bisher als Grundlage allen Lebens, aller Prozesse auf diesem Planeten begreifen. Das ist kein Nice-to-have. Das ist überlebenswichtig. Wie reagiert ihr auf den Vorwurf, dass Musiker sich aus der Politik und komplexen Themen wie Meeresschutz raushalten sollten? Wir gähnen gelangweilt, verweisen dann auf kulturhistorische Zusammenhänge und etwas Gesellschaftsgeschichte, um dann ... halt. Nee – warte. Stimmt gar nicht. Mittlerweile sagen wir so was wie „Halt einfach Dein Maul!“ Welches Problem der Meere wird deiner Meinung nach in der öffentlichen Debatte am sträflichsten ignoriert? Alle Welches Erlebnis, Buch oder Film über das Meer hat deine Sichtweise für immer verändert? Es gibt nicht das eine Erlebnis, den einen Impact, der das in mir geweckt hätte. Mein Vater – selbst Segler und Seemann – hat mir und meinen Brüdern beigebracht, mich respektvoll in der Natur zu bewegen. Nicht nur auf dem Meer. Das sitzt tief und dazu brauchte es weder Buch noch Film. Aber es gibt wunderbare Literatur und ebensolche Filme. Aktuell hat es mir der letzte Film von David Attenborough, „Ozean“, angetan oder auch „Das große Spiel“ von Richard Powers. Letzteres ist ein wirklich großartiges Buch. Diese Liste könnte ich weiterführen. Wer wissen möchte, wie es sich so verhält mit dem Einfluss des von uns verursachten Klimawandels auf die Meere und den daraus entstehenden Veränderungen, findet mittlerweile sehr umfassende Literatur – unter anderem auch von unserem Freund Arved Fuchs, mit dem wir nach wie vor eng zusammenarbeiten. Wenn du eine Sache im kollektiven Gedächtnis der Menschheit über den Ozean für immer verankern könntest, was wäre es? Der Ozean ist Ursprung, Motor und Grundlage allen Lebens auf diesem Planeten. Er ist hochkomplexer Lebensraum, liefert Nahrung und reguliert auf vielfältige Weise das Klima. Wir Menschen, aber auch alle anderen Lebewesen, sind auf einen intakten und widerstandsfähigen Ozean angewiesen. Es hat absolut höchste Priorität, die Meere sauber, lebendig und artenreich zu halten. Stellt euch vor, in 30 Jahren hört ein Kind zum ersten Mal einen Santiano-Song. Was soll dieses Kind denken? "Wow, coole Piratenmusik" oder "Krass, das waren die, die mitgeholfen haben, das alles hier zu retten"? Zweiteres wäre mir natürlich unendlich viel lieber. Aber ob wir die Messlatte da nicht etwas hoch ansetzen? Aber wir können ja alle unseren Teil dazu beitragen. Vielleicht wird 'n Schuh draus, wenn manche Menschen irgendwann sagen, wegen denen da bin ich auf die Idee gekommen, mich bewusster in der Welt zu bewegen, mich zu engagieren und den ein oder anderen in meinem Umfeld ebenfalls dafür zu begeistern. Also in der Nachbetrachtung vielleicht einer der Faktoren gewesen zu sein, die Kettenreaktionen losgetreten haben, die zu einem besseren Verhältnis zwischen Mensch und Meer geführt haben. Dankeschön! So. Logbuch geschlossen. Was bleibt nach der Tiefenpeilung? Ich bin angetreten, um einen kommerziellen Giganten zu sezieren. Und was ich gefunden habe, ist das große Herz eines alten Kutters, der verdammt noch mal versucht, den Kurs zu halten, während um ihn herum der Sturm der Ignoranz tobt. Björn Both hat keine PR-Floskeln gedroschen. Er hat Klartext geredet. Er hat die Widersprüche, die Zwickmühlen und den unbedingten Willen offengelegt, mehr zu sein als nur die erfolgreichste Party-Band des Landes. Sind Santiano die alleinige Rettung für die Ozeane? Nein. Verdammt, nein. Das wäre eine kindische Vorstellung. Aber sind sie ein potenziell gigantischer, unersetzlicher Hebel, um Millionen von Menschen zu erreichen, die wir mit unseren wissenschaftlichen Berichten niemals aus dem Sessel reißen würden? Absolut. Nach diesem Gespräch ist für mich eines klar: Das Leuchtfeuer von Santiano ist kein Marketing-Gag. Es ist der verdammt ehrliche Versuch, ein Licht anzuzünden. Und in der Dunkelheit, in der wir gerade segeln, ist jedes einzelne verdammte Licht ein Geschenk. Danke für den ehrlichen Blick in den Maschinenraum, Kapitän. Wir behalten euren Kurs auf dem Radar. Neugierig auf mehr? Website Santiano:   https://www.universal-music.de/santiano Instagram Santiano:   https://www.instagram.com/santianooffiziell YouTube Santiano: https://www.youtube.com/@santiano Wir bei The Ocean Tribune werfen dir die Fakten wie eine Flaschenpost vor die Füße – ungeschönt und ohne Schleifchen. Du bist ein freier Mensch auf einem freien Ozean und kannst deinen eigenen Kurs setzen, da quatscht dir keiner rein. Wir würden uns aber freuen, wenn du nach dem Lesen unserer Berichte deinen Kompass mal überprüfst und vielleicht einen Haken um die größten Eisberge der Dummheit schlägst. Am Ende geht's uns nicht darum, Leute in "gute Umweltschützer" und "böse Plastiktüten-Nutzer" zu sortieren. Es geht darum, wieder Respekt zu zeigen und genug Empathie im Herzen zu haben, um zu kapieren, dass der Kahn, der uns alle trägt, und seine tierische Mannschaft mehr sind als nur eine Kulisse für unseren Törn. Denn wenn dieses Schiff leckschlägt, ist es völlig egal, wer auf der Backbord- oder Steuerbordseite stand – wir gehen alle zusammen unter. Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus dem Maschinenraum: Vom Klartext zum Bauplan Wir legen den Finger in die Wunde. Das ist unsere Mission bei The Ocean Tribune. Aber Aufklärung allein rettet keine Ozeane. In der Werkstatt von Vita Loom Labs schmieden wir aus diesem Wissen die unangreifbaren Architekturen, die aus fragilen Projekten resiliente, investierbare Assets machen. Wir schreiben keine besseren Anträge. Wir bauen unbesiegbare Systeme. Wollen Sie sehen, wie eine solche architektonische Intervention in der Praxis aussieht? Unsere Fallstudie seziert den Prozess – vom narrativen Vakuum zum unbesiegbaren System. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!

  • Die Auster: Mehr als nur ein teurer Rülpser im Ozean.

    Von Doris Divebomber Nennt sie nicht „Delikatesse“, ihr Banausen! Neulich saß ich am Hafen und beobachtete einen dieser sonnenverbrannten Landgänger in Segelschuhen, wie er eine Auster schlürfte. Er kippte die Schale, rümpfte die Nase, als hätte er gerade eine Qualle geküsst, und spülte mit einem Glas überteuerten Schampus nach. „Eine Delikatesse!“, rief er seiner Begleitung zu. Ich hätte ihm am liebsten eine Makrele an den Kopf geworfen. Delikatesse? Das ist, als würde man einen Superhelden nur als Dosenöffner benutzen. Wir reden hier von einem Lebewesen, das seit 250 Millionen Jahren auf diesem Planeten die Stellung hält, und alles, was euch dazu einfällt, ist Zitrone draufzuträufeln? Habt ihr eigentlich den Schuss nicht gehört? Die knallharte Wahrheit über die wahren Hausmeister des Meeres Also, pass mal auf, ich erklär dir das mal. Austern, wissenschaftlich Ostreidae, sind nicht einfach nur glibberige Vorspeisen. Das sind die unbesungenen Helden, die Kläranlagen und die Architekten unserer Küsten. Eine einzige dieser kleinen Kerle filtert bis zu 240 Liter Wasser. Pro Tag! Während du also deinen Latte Macchiato schlürfst, schuftet da draußen eine Armee von Austern und putzt das Meer. Sie fressen die ganze Plörre, das Plankton und den Dreck, der sonst alles trüben und ersticken würde. Weltweit gibt es unzählige Arten, die sich in Gattungen wie Ostrea oder Crassostrea tummeln, aber im Grunde landen nur zwei auf eurem Teller: die Europäische Auster (Ostrea edulis) und die Pazifische Felsenauster (Crassostrea gigas). Letztere dominiert den Weltmarkt komplett – eine robustere, schneller wachsende Art, die quasi zur Weltherrschaft angesetzt hat. Laut den trockenen Zahlenmenschen macht sie über 93 Prozent der weltweiten Austernproduktion aus. Die feine Europäische Auster, die von Kennern wie der sagenumwobenen „Bélon“ gefeiert wird, ist zur seltenen Diva geworden, die kaum noch eine Rolle spielt. Und die Mengen, die ihr verdrückt, sind absurd. Wir reden von 4,7 Millionen Tonnen pro Jahr weltweit. Der Löwenanteil, fast 80 Prozent, geht dabei nach China, wo die Dinger meist gekocht auf den Tisch kommen. Nur hier in Europa, vor allem in Frankreich, habt ihr diesen Spleen entwickelt, sie lebendig und roh zu schlürfen. In Deutschland geltet ihr dabei als besonders zimperlich – hier ist die Auster eine Luxus-Mutprobe, während sie für einen Franzosen quasi ein Grundnahrungsmittel ist. Was ihr als glitschigen Snack betrachtet, ist in Wahrheit ein hochkomplexer Organismus, der das Ökosystem am Laufen hält. Vom Riff zum Ruin – und wieder zurück? Jetzt kommt der Teil, bei dem mir die Federn ausfallen. Austern leben nicht allein. Sie bilden riesige Kolonien, sogenannte Austernriffe. Diese Riffe sind die Metropolen des Meeresbodens. Ihre dreidimensionale Struktur bietet unzähligen anderen Arten Schutz, Lebensraum und eine Kinderstube. Ein Austernriff ist ein Hotspot der Biodiversität, ein pulsierendes Zentrum des Lebens. Oder besser gesagt: Es war ein Hotspot. Denn laut einer Studie, die einem die Tränen in die Augen treibt, sind weltweit 85 Prozent dieser lebenswichtigen Riffe verschwunden. Ausgestorben. Kaputtgefischt, von Krankheiten dahingerafft, von verschmutztem Wasser erstickt. In der deutschen Nordsee gilt die Europäische Auster seit Mitte des 20. Jahrhunderts als praktisch ausgestorben. Wir haben es geschafft, die Baumeister ganzer Unterwasserstädte in wenigen Jahrzehnten auszurotten. Aber – und das ist das Verrückte an uns Optimisten von der Möwen-Crew – die Geschichte ist hier nicht zu Ende. Es gibt ein paar schlaue Menschen, die endlich kapiert haben, was sie da angerichtet haben. In ganz Europa gibt es jetzt Projekte zur Wiederansiedlung. In Deutschland laufen Initiativen wie „RESTORE“ und „PROCEED“, die versuchen, die Europäische Auster in der Nordsee wieder anzusiedeln. Die züchten die kleinen Racker sogar in einer eigenen Anlage auf Helgoland, um ihnen einen guten Start zu ermöglichen. Das ist keine Träumerei, das ist harte, wissenschaftliche Arbeit, um einen fatalen Fehler zu korrigieren. Diese Projekte versuchen nicht nur, eine Art zu retten – sie versuchen, ganze Lebensräume wiederzubeleben. Austernzucht Die nackte Wahrheit: Mehr als nur 'ne Schale Ich seh's doch in deinen Augen. Du denkst immer noch, 'ne Auster ist 'ne Auster. Ein grauer Klecks in einer Schale. Aber das ist so, als würdest du sagen, alle Vögel sind Tauben. Eine Beleidigung für jeden, der Flügel hat! Lass mich dir mal das Personal vorstellen. Die Europäische Auster, Ostrea edulis, ist die feine Dame, rundlich und flach, mit einer rauen, gräulich-weißen Schale. Dagegen ist die Pazifische Felsenauster, Crassostrea gigas, der bullige Hafenarbeiter: länglich, unregelmäßig geformt und mit einer Schale, die aussieht, als wäre sie in einen Betonmischer gefallen. Eine mittelgroße Auster bringt es auf etwa 50 Gramm, aber die Pazifische kann zu einem richtigen Brocken von bis zu 40 Zentimetern heranwachsen. Und Feinde? Oh, die haben sie. Seesterne, Krabben, räuberische Schnecken und natürlich der Mensch in Gummistiefeln. Aber der fieseste Gegner ist unsichtbar: Parasiten wie "Dermo" können ganze Bänke dahinraffen. Und dann ist da noch der Klimawandel, der das Wasser versauern lässt und es den Austern schwer macht, ihre schützenden Kalkschalen zu bauen. Das wilde Liebesleben der schlüpfrigen Helden Jetzt wird's schlüpfrig, also halt die Ohren steif. Austern sind das, was Biologen "sequentielle Hermaphroditen" nennen. Heißt im Klartext: Die meisten starten ihre Karriere als Männchen. Klein, spritzig und voller Tatendrang, schießen sie ihre Spermien ins Wasser. Erst wenn sie größer und kräftiger sind, wechseln sie das Geschlecht und werden zu Weibchen, die dann Millionen von Eiern produzieren. Aber es gibt auch welche, die ihr Leben lang Männchen oder Weibchen bleiben. Eine Studie hat gezeigt, dass nach sechs Jahren etwa 42 % der Austern nie das Geschlecht gewechselt haben. Kommunikation? Vergiss es. Bei Austern gibt es keine romantischen Abendessen bei Kerzenlicht. Die Fortpflanzung ist eine riesige, chaotische Wasserparty. Wenn die Wassertemperatur im Sommer steigt, stößt ein Männchen seine Spermien aus. Das ist das Startsignal für alle anderen Austern in der Nachbarschaft, die dann ebenfalls ihre Eier und Spermien ins Wasser abgeben, bis das Wasser milchig trüb ist. Eine einzige Auster kann dabei bis zu 100 Millionen Eier pro Jahr produzieren. Aus den befruchteten Eiern entwickeln sich winzige Larven, die zwei bis drei Wochen lang im Wasser treiben und sich von Plankton ernähren. In dieser Zeit werden die meisten von ihnen gefressen. Die wenigen Glücklichen, die überleben, suchen sich einen festen Untergrund – am liebsten die Schale einer anderen Auster – und kleben sich dort für den Rest ihres Lebens fest. Nach etwa einem Jahr sind sie selbst geschlechtsreif und der ganze Zirkus beginnt von vorn. Was du für ein primitives Weichtier hältst, hat ein komplexeres Liebesleben als die meisten deiner Freunde. Der unerwünschte Gast: Wenn der Retter zum Problem wird Und nun zur Nahrungspyramide, mein Freund. Austern sind die Grundlage für ein ganzes Ökosystem. Sie filtern das Wasser und schaffen mit ihren Riffen Lebensraum. Aber hier wird es kompliziert. Die heimische Europäische Auster ist, wie gesagt, in vielen Teilen Europas praktisch ausgestorben. Um die Austernfischerei zu retten, hat man in den 1960er Jahren die Pazifische Felsenauster eingeführt. Ein robuster, schnell wachsender Einwanderer, der mit den hiesigen Bedingungen bestens klarkommt. Zu gut, wie sich herausstellte. Die Pazifische Auster hat sich explosionsartig vermehrt und bildet heute in vielen Küstengebieten, wie dem Wattenmeer, dichte Riffe. Sie konkurriert mit heimischen Arten wie der Miesmuschel um Nahrung und Platz. Vögel wie der Austernfischer, die auf Miesmuscheln spezialisiert sind, haben Schwierigkeiten, die harten Schalen der Pazifischen Auster zu knacken. Das kann das gesamte Nahrungsnetz durcheinanderbringen. Der gut gemeinte Versuch, eine Lücke zu füllen, hat einen neuen dominanten Player ins Spiel gebracht, der die Regeln neu schreibt. Euer Luxus-Snack im Klimawandel-Grill Stell dir vor, du sitzt in deinem Haus, und jemand dreht langsam die Heizung hoch, während er gleichzeitig Essig in die Wasserleitung kippt. Gemütlich? Nein? Tja, willkommen im Leben einer Auster im 21. Jahrhundert. Ihr Landratten habt es geschafft, euren Dreck so großflächig zu verteilen, dass die Ozeane langsam aber sicher zur sauren, warmen Brühe werden. Und unsere Austern sitzen in der ersten Reihe. Der Klimawandel ist für sie kein abstraktes Gerede, sondern die knallharte Realität. Die Ozeanversauerung, ein direktes Resultat davon, dass das Meer euren überschüssigen Kohlenstoffdioxid-Ausstoß schluckt, ist der größte Feind. Wie Forscher der University of Washington in ihren Studien immer wieder betonen, löst das saurer werdende Wasser buchstäblich die Bausteine auf, aus denen Austern ihre Schalen bauen – Kalziumkarbonat. Besonders die Larven, die Kleinsten der Kleinen, trifft es hart. Sie können oft gar nicht erst eine stabile Schale bilden und werden zu einem leichten Snack für jeden dahergelaufenen Fisch. Wir reden hier nicht über die ferne Zukunft. Das passiert jetzt. Die Austernindustrie an der Westküste der USA hat bereits massive Einbrüche erlitten, weil ganze Generationen von Austernlarven einfach starben. Eine Welt ohne Austern? Ein Albtraum in trübem Wasser Und was, wenn sie weg sind? Wenn wir die letzte Auster aus ihrer Schale gekratzt und die Ozeane unbewohnbar gemacht haben? Dann, mein Freund, habt ihr ein größeres Problem als nur eine leere Vorspeisenplatte. Ohne Austernriffe verliert die Küste ihr Schutzschild. Diese Riffe, von Generationen von Austern erbaut, brechen die Wucht der Wellen und schützen die Küsten vor Erosion – ein Service, der angesichts des steigenden Meeresspiegels wichtiger ist als je zuvor. Die Wasserqualität würde in den Keller rauschen. Eine einzige Auster filtert bis zu 240 Liter Wasser am Tag. Ohne diese natürlichen Kläranlagen würde das Wasser trüb und voller Algen, was wiederum zu Sauerstoffmangel führt und andere Meeresbewohner erstickt. Ganze Ökosysteme würden zusammenbrechen. Laut einer Studie, die die ökologischen Dienstleistungen von Austernriffen untersucht hat, sind diese Riffe Lebensraum für über 300 verschiedene Arten. Ohne sie wären unzählige Fische, Krebse und Würmer obdachlos. Stellt euch vor, die Müllabfuhr streikt. Für immer. Und die Feuerwehr und die Polizei gleich mit. Das ist, was passiert, wenn die Austern verschwinden. Was wäre wenn? Ein Gedankenspiel mit Haken Aber was, wenn wir ab morgen einfach keine Austern mehr essen würden? Würde das sie retten? Ganz so einfach ist es nicht. Der Großteil der heute verzehrten Austern stammt aus Aquakulturen. Ein sofortiger Konsumstopp würde vor allem die Züchter treffen, von denen viele Vorreiter in Sachen nachhaltiger Meeresnutzung sind. Die eigentliche Bedrohung für die wilden Austernriffe ist nicht primär der Verzehr, sondern die Zerstörung ihres Lebensraums und der Klimawandel. Ein Verzicht würde also das Symptom bekämpfen, aber nicht die Ursache. Viel wichtiger wäre es, die Nachfrage zu nutzen, um nachhaltige Zuchtmethoden zu fördern und Projekte zu unterstützen, die leere Austernschalen wieder ins Meer bringen, um neue Riffe zu bauen. Denn junge Austernlarven brauchen die Schalen ihrer Vorfahren als Fundament, um sich anzusiedeln. Leere Schalen sind also quasi der Baugrund für die nächste Generation. Und wofür werden sie sonst noch genutzt? Die Schalen sind ein Rohstoffwunder. Gemahlen werden sie zu Kalk für die Landwirtschaft, zu einem Kalziumzusatz für Hühnerfutter oder sogar zu Baumaterialien wie Zement und Fliesen. Künstler machen daraus Schmuck und Dekorationen. Es gibt also ein Leben nach dem Teller. Ein Verzicht allein rettet keine einzige Auster vor der Versauerung. Aber ein bewusster Konsum, der die Kreislaufwirtschaft unterstützt, kann den Unterschied machen. Mehr als nur ein Snack: Die Auster als literarische Heldin und Milliardengeschäft Ich sehe es doch, du hältst die Auster immer noch für eine simple Meeresfrucht. Aber dieses unscheinbare Weichtier hat nicht nur Ökosysteme, sondern auch eure Kultur geprägt. Schon mal was von "The Big Oyster: History on the Half Shell" von Mark Kurlansky gehört? Ein fantastisches Buch, das die Geschichte von New York City anhand seiner Austern erzählt. Oder "A Geography of Oysters" von Rowan Jacobsen, eine Liebeserklärung an die Vielfalt dieser Geschöpfe. Diese Bücher zeigen: Die Auster ist mehr als nur Futter, sie ist ein Spiegel eurer eigenen Geschichte. Und sie ist ein knallhartes Geschäft. Laut den Zahlenjongleuren von Global Market Insights wurde der weltweite Markt für Austern und Muscheln im Jahr 2024 auf unglaubliche 151,2 Milliarden US-Dollar geschätzt. Andere Analysten sprechen von Werten um die 11 Milliarden Dollar, je nachdem, ob man nur die Austern oder die ganze Weichtier-Bagage zählt. Eines ist klar: Mit den kleinen Rackern wird mehr Kohle verdient als mit so manchem Hollywood-Blockbuster. Die Pazifische Auster dominiert dabei den Markt, während Asien, allen voran China, über 94% der weltweiten Produktion stemmt. Was ihr da schlürft, ist nicht nur ein Stück Natur, sondern ein globales Wirtschaftsgut, das ganze Küstenregionen am Leben hält. Die Akte Auster: Angeklagt wegen Hausfriedensbruch? Jetzt kommt der Haken. Verursachen Austern auch Schaden? Ja, aber nur, wenn ihr Menschen mal wieder eure Finger im Spiel hattet. Die Pazifische Felsenauster, die ich schon erwähnt habe, wurde in den 1960ern nach Europa gebracht, weil eure Gier die heimische Europäische Auster fast ausgerottet hatte. Dieser Einwanderer hat sich als extrem widerstandsfähig erwiesen und bildet heute im Wattenmeer massive Riffe. Das Problem: Diese neuen, harten Strukturen verändern den Meeresboden, der vorher aus weichem Sand und Schlick bestand. Sie verdrängen heimische Arten wie Miesmuscheln und schaffen ein völlig neues Ökosystem. Ob das langfristig gut oder schlecht ist, darüber streiten sich die Gelehrten noch. Es ist aber ein perfektes Beispiel dafür, dass gut gemeint oft das Gegenteil von gut ist. Und wo leben sie? Austern sind keine Nomaden. Wie bereits erwähnt sind Sie seit Jahrmillionen in den Küstengewässern der Welt zu Hause. Die heutigen Arten haben sich über die Zeit an ihre jeweiligen Nischen angepasst. Eine Europäische Auster gehört in die europäischen Gewässer, eine Pazifische in den Pazifik. So einfach ist das. Eure Globalisierungswut hat diese natürlichen Grenzen aber längst über den Haufen geworfen. Die Auster selbst verursacht keinen Schaden. Der Schaden entsteht, wenn der Mensch sie aus ihrem angestammten Zuhause reißt und woanders aussetzt. Die Rettungsmission: Was die Auster wirklich braucht Wie können wir den Spieß also noch umdrehen? Wie sorgen wir dafür, dass es den Austern wieder gut geht? Es ist im Grunde simpel und doch die größte Herausforderung überhaupt: Stoppt den Klimawandel! Das ist der Elefant im Raum. Solange ihr weiter CO2 in die Atmosphäre pumpt und die Ozeane versauern, kämpfen wir an allen anderen Fronten einen aussichtslosen Kampf. Jede Austernlarve, die an einer zu brüchigen Schale stirbt, ist eine direkte Folge eurer Ignoranz. Stellt ihre Lebensräume wieder her! Die Wiederansiedlungsprojekte in der Nordsee sind der richtige Weg. Wir müssen die alten, toten Riffe wiederbeleben, indem wir leere Austernschalen und andere geeignete Materialien ins Meer bringen. Das schafft die Kinderstube für die nächste Generation. Unterstützt nachhaltige Aquakultur! Die Züchter, die umweltfreundlich arbeiten, sind unsere Verbündeten. Sie nehmen den Druck von den letzten wilden Beständen und können helfen, Larven für die Wiederansiedlung zu produzieren. Die Rettung der Auster ist kein separates Projekt. Es ist ein integraler Bestandteil der Rettung des gesamten Ozeans. Der letzte Schluck: Gewissensbisse auf der halben Schale Ich hab’s gesehen. Du stehst am Strand, die Gischt peitscht dir ins Gesicht, und da siehst du sie: eine wilde Austernbank, scharfkantig und unberührt. Dein erster Gedanke: "Kann ich die essen?" Dicht gefolgt von: "Sollte ich die überhaupt essen?" Du hast mir zugehört, hast kapiert, dass diese kleinen Kerle die Kläranlagen des Meeres sind. Und jetzt fragst du dich, ob du mit jeder Auster nicht nur einen Schuss Meerwasser, sondern auch eine Ladung Zivilisationsmüll zu dir nimmst. Eine verdammt gute Frage, mein Freund. Und sie führt direkt ins Herz unserer verpfuschten Beziehung zum Ozean. Feinschmecker-Wahnsinn und die Wahrheit über den Nährwert Also, reden wir Klartext. Die Frage, ob man Austern aus verschmutzten Meeren essen sollte, ist berechtigt. Austern filtern alles, auch Schadstoffe und Bakterien. Deshalb gibt es strenge Kontrollen für kommerziell geerntete Austern. Sie werden in sauberen, klassifizierten Gewässern gezüchtet oder nach der Ernte in Reinigungsbecken gespült. Wild Austern vom nächstbesten Felsen zu kratzen, ist hingegen reines russisches Roulette für deinen Magen-Darm-Trakt. Lass die Finger davon. Wenn du sie siehst: Freu dich! Mach ein Foto. Lass sie verdammt nochmal ihren Job machen. Sie sind keine kostenlose Strandbar. Und ja, es gibt einen regelrechten Kult um die wertvollsten Austern. Die drei heiligen Gralshüter des Geschmacks sind wohl: Die Bélon-Auster (Europäische Auster): Gezüchtet im gleichnamigen Fluss in der Bretagne, Frankreich. Ihr nussiger, fast metallischer Geschmack ist legendär. Sie ist die Diva, selten und teuer. Die Gillardeau-Auster: Eine spezielle Züchtung der Pazifischen Auster aus Marennes-Oléron in Frankreich. Jede einzelne Auster wird mit einem Laser-G gestempelt, um Fälschungen zu verhindern. Kein Witz. Die Kumamoto-Auster: Eine kleine, süßliche Pazifische Auster, die ursprünglich aus Japan stammt, aber heute hauptsächlich an der Westküste der USA gezüchtet wird. Sie gilt als perfekte Einsteiger-Auster. Aber was steckt drin, in diesen Luxus-Happen? Austern sind Nährstoffbomben. Sie sind vollgepackt mit Zink (extrem wichtig für das Immunsystem), Vitamin B12 (für die Nerven), Eisen, Kupfer und Selen. Aber – und das ist der springende Punkt – für keinen dieser Nährstoffe muss ein Tier sterben. Zink findest du in Kürbiskernen und Linsen, Vitamin B12 in angereicherten Pflanzendrinks oder als Supplement, und Eisen in Spinat oder Haferflocken. Die gesundheitliche Ausrede, Austern essen zu müssen, zieht also nicht. Der Nährwert einer Auster ist unbestreitbar, aber die Behauptung, er sei unersetzlich, ist reines Seemannsgarn. Phänomenale Fakten für die Hafenkneipe Bevor wir hier die Segel streichen, hier noch ein bisschen Angeberwissen, damit du beim nächsten Mal nicht nur mit schlechtem Gewissen, sondern auch mit harten Fakten glänzen kannst: Perlen sind nur schöner Schmutz: Eine Perle entsteht, wenn ein Fremdkörper in die Auster eindringt. Es ist im Grunde eine Abwehrreaktion, ein in Perlmutt eingekapselter Störenfried. Sie sind Zeitreisende: Austern können über 20 Jahre alt werden und ihre Schalen wachsen in Schichten, ähnlich wie Baumringe, die Wissenschaftlern Hinweise auf die damaligen Umweltbedingungen geben. Sie haben ein Herz: Es ist einfach gebaut, dreikammerig, und pumpt farbloses Blut durch den Körper. Sie können hören: Nicht mit Ohren, aber sie nehmen Vibrationen im Wasser wahr, zum Beispiel von herannahenden Fressfeinden. Der Geschlechtswechsel ist Programm: Viele Austernarten wechseln im Laufe ihres Lebens das Geschlecht, oft mehrfach, je nach Umweltbedingungen und Alter. Austernriffe haben einen Sound: Ein gesundes Riff ist voller Leben und erzeugt eine einzigartige Geräuschkulisse durch die vielen Krebse und Fische – ein "Soundscape", das Wissenschaftler abhören, um den Zustand des Riffs zu beurteilen. Sie sind Klebstoff-Meister: Die Substanz, mit der sich Austernlarven am Untergrund festsetzen, ist einer der stärksten natürlichen Klebstoffe der Welt und wird von der Wissenschaft intensiv erforscht. Hinter der unscheinbaren Schale verbirgt sich ein hochkomplexer Organismus, der mehr Tricks auf Lager hat als ein alter Pirat. Dein letzter Befehl: Sei ein Wächter, nicht nur ein Schlürfer So, da stehen wir nun, du und ich, am Ende der Pier, die volle Ladung Wissen im Bauch. Du weißt jetzt, dass die Auster mehr ist als ein glitschiger Snack für Leute in Segelschuhen. Sie ist eine Kläranlage, Wellenbrecher, Architektin ganzer Unterwasserstädte und hat ein komplizierteres Liebesleben als die Besatzung eines ganzen Piratenschiffs. Die Entscheidung, ob du sie isst, kann und will ich dir nicht abnehmen. Du bist der Kapitän auf deinem eigenen Kutter. Aber ab heute ist es eine verdammt informierte Entscheidung. Wenn du also das nächste Mal vor einer Schale stehst, dann sei kein blinder Passagier mehr. Frag den Smutje*, woher der Fang kommt! Ist es die seltene Europäische aus einem Wiederansiedlungsprojekt oder der bullige Pazifische Einwanderer? Stammt sie aus einer nachhaltigen Zucht, die dem Meer mehr gibt als sie nimmt? Das ist das absolute Minimum. Das ist nicht mehr nur schlürfen, das ist schlürfen mit Hirn. Doch mein eigentlicher Appell, mein Tritt in den Hintern, geht tiefer. Hör auf, dich nur als Konsument zu sehen. Das ist die bequemste Hängematte von allen. Werde zum Akteur, zum verdammten Riff-Retter! Eine Auster braucht zum Glücklichsein nicht viel: sauberes Wasser, eine stabile Chemie und einen festen Platz zum Leben. Und genau das zeigt uns doch, wo der Hammer hängt: Unser Job ist es nicht, die perfekte Vinaigrette zu finden, sondern für einen Ozean zu kämpfen, in dem diese genügsame Heldin überhaupt noch eine Zukunft hat. Das bedeutet: Unterstütze die verrückten Idealisten, die da draußen Riffe bauen, nimm den Klimawandel als den existenziellen Feind ernst, der er ist, und erzähl jedem davon, der es nicht hören will. Die Auster ist ein Symbol. Sie hat die Dinosaurier überlebt. Die eigentliche Frage ist, ob sie uns überlebt. Also, sei kein Schlürfer. Sei ein Beschützer. Und jetzt geh da raus und versau es nicht. *= Smut, Schmutt, Schmuud oder Smutje bezeichnet einen Koch an Bord von Schiffen. Wir bei The Ocean Tribune werfen dir die Fakten wie eine Flaschenpost vor die Füße – ungeschönt und ohne Schleifchen. Du bist ein freier Mensch auf einem freien Ozean und kannst deinen eigenen Kurs setzen, da quatscht dir keiner rein. Wir würden uns aber freuen, wenn du nach dem Lesen unserer Berichte deinen Kompass mal überprüfst und vielleicht einen Haken um die größten Eisberge der Dummheit schlägst. Am Ende geht's uns nicht darum, Leute in "gute Umweltschützer" und "böse Plastiktüten-Nutzer" zu sortieren. Es geht darum, wieder Respekt zu zeigen und genug Empathie im Herzen zu haben, um zu kapieren, dass der Kahn, der uns alle trägt, und seine tierische Mannschaft mehr sind als nur eine Kulisse für unseren Törn. Denn wenn dieses Schiff leckschlägt, ist es völlig egal, wer auf der Backbord- oder Steuerbordseite stand – wir gehen alle zusammen unter. Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus dem Maschinenraum: Vom Klartext zum Bauplan Wir legen den Finger in die Wunde. Das ist unsere Mission bei The Ocean Tribune. Aber Aufklärung allein rettet keine Ozeane. In der Werkstatt von Vita Loom Labs schmieden wir aus diesem Wissen die unangreifbaren Architekturen, die aus fragilen Projekten resiliente, investierbare Assets machen. Wir schreiben keine besseren Anträge. Wir bauen unbesiegbare Systeme. Wollen Sie sehen, wie eine solche architektonische Intervention in der Praxis aussieht? Unsere Fallstudie seziert den Prozess – vom narrativen Vakuum zum unbesiegbaren System. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!

  • Ulrike Poppe (typocean): Warum Leipzigs kreativste Kapitänin auf Algen statt auf Rum setzt.

    Photo by Corinna Dumat Von Gary Gullson Hock dich her und nimm einen tiefen Schluck. Manchmal, wenn du denkst, du hast schon jeden Blödsinn gehört und jede Hoffnung im Beifang-Netz der Ignoranz zappeln sehen, spült die Gezeit etwas an Land, das dich die Augenbraue hochziehen lässt wie ein Segel im Sturm. Diesmal ist es keine neue Pest aus Plastik, sondern eine Flaschenpost aus dem unwahrscheinlichsten aller Häfen: Leipzig. Ja, du hast richtig gelesen. In der gottverdammten sächsischen Pampa, wo das salzigste Wasser aus den Gürkchengläsern kommt, sitzt eine Frau namens Ulrike und brennt für den Ozean. Mehr als die meisten von uns, die jeden Tag auf ihn starren. Sie ist keine Biologin, keine Kapitänin. Sie ist Buchgestalterin. Klingt trocken, ich weiß. Aber ihre Waffen sind nicht aus Stahl, sondern aus Papier, Tinte und Algen. Sie spricht von Orcas, als wären es ihre alten Crew-Kameraden, und von Nachhaltigkeit, als wäre es der einzige verdammte Schiffszwieback, der uns noch bleibt. Wir waren misstrauisch. Eine Landratte, die uns was vom Meer erzählen will? Aber verdammt, ihre Worte haben mehr Tiefgang als ein Blauwal beim Abendessen. Wir mussten wissen, was zum Klabautermann da los ist. Hier ist ihr Logbuch. Welches ist dein Lieblingstier / Krafttier und warum? Zurzeit begleitet mich der Blauwal immer öfter. Er strahlt für mich eine sanfte Ruhe und kraftvolle Gelassenheit aus, die ich mir gerade oft in meinem Alltag wünsche. Als Lieblingstier würde ich aber eigentlich den Orca nennen. Orcas faszinieren mich schon seit meiner Kindheit, ohne dass ich genau erklären könnte, warum. Ich finde, es umgibt sie etwas Mystisches, Archaisches, und wenn man sich näher mit ihnen beschäftigt, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Orcas sind sehr soziale Wesen mit innigen Familienbindungen. Sie sind matriarchalisch organisiert und die Weibchen durchlaufen im Alter von ca. 40 Jahren eine Menopause, was im Tierreich sehr selten vorkommt. Danach können sie aber noch bis zu 90 Jahre alt werden und geben ihr Wissen und ihre Erfahrung an die junge Generation weiter. Welches ist dein Lieblingszitat(e) an das du häufig denkst oder danach lebst? „In der Ruhe liegt die Kraft.“ Welches Buch/Bücher sollte man unbedingt gelesen haben und warum? Zum oberen Zitat passt ja "Momo" von Michael Ende ganz gut. Auf jeden Fall eines meiner Lieblingsbücher. Ich mag die Schildkröte Kassiopeia besonders, die, egal wie viel Zeit sie sich nimmt, immer an ihrem Ziel ankommt. Sie ist ein wunderbarer Gegenpol zur heutigen Schnelllebigkeit und wir können viel von ihr lernen. Außerdem, ganz klar: „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky. Mariana Leky schafft es in ihren Büchern immer wieder, schwere Themen (wie hier zum Beispiel Trauer) in der Tiefe mit viel Weisheit zu betrachten und sie gleichzeitig mit einer gewissen Leichtigkeit zu versehen. Dabei beschreibt sie ihre Charaktere ganz liebevoll, authentisch und immer auch ein wenig skurril. So wie wir Menschen eben sind. Das Buch ist wirklich herzerwärmend, voller Witz und Charme und ich könnte es immer wieder lesen. Was treibt dich in deinem Leben am meisten an? Mein Drang nach Freiheit und Verbindung und in den letzten Jahren verstärkt die Rückverbindung zu unserer Natur. Ich habe erst letztens in der Doku „Ozeane“ von David Attenborough wieder schmerzlich begriffen, wie entkoppelt wir sind. Die Schleppnetzfischerei ist (auch in Deutschland) in Naturschutzgebieten erlaubt und teilweise sogar staatlich gefördert. Dabei hinterlässt sie eine Schneise der Verwüstung auf dem Meeresboden und einen Großteil der Ausbeute, den „Beifang“, schmeißt man einfach wieder ins Meer zurück. Unmengen an Meerestieren, die für nichts ihr Leben lassen müssen und einfach wie Abfall von Bord gefegt werden. Die Böden brauchen Jahre, um sich wieder zu erholen. Diese Art von Fischerei ist für niemanden gut, und ich frage mich, warum wir zu dumm sind, das zu verstehen. Es ist nur ein Beispiel von vielen dafür, dass wir sehenden Auges unsere eigene Lebensgrundlage zerstören. Und das kann ich mir nur damit erklären, dass wir aufgehört haben, uns als Teil der Natur zu begreifen. Ulrike, seien wir ehrlich: Leipzig ist jetzt nicht gerade für seinen Zugang zum Pazifik bekannt. Wie zur Hölle (oder zum Meer) hast du in der sächsischen Karibik diese abgrundtiefe Leidenschaft für den Ozean und seine glitzernden, faszinierenden Bewohner – allen voran Wale und Delfine – entwickelt? Hast Du als Kind versehentlich Seewasser getrunken? Haha, das stimmt. Leipzig ist zwar mittlerweile durchaus für seine vielen Gewässer in der Umgebung bekannt, das Meer sucht man hier aber vergeblich. Und genau das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich mich gerade hier so intensiv damit auseinandersetze. Das Meer ist mein Sehnsuchtsort … Mich hat es schon immer zum Ozean hingezogen und nach einer längeren Reise durch Australien und Neuseeland fiel es mir sehr schwer, wieder in Leipzig anzukommen. Gleichzeitig lebe ich gerne in dieser Stadt und bin hier stark verwurzelt. Ein Umzug ans Meer kam bisher also nicht ernsthaft infrage. Nach ein paar Jahren Selbstständigkeit als Buchgestalterin und ohne spezifischen Meereshintergrund habe ich es dann nicht mehr ausgehalten und mir gesagt: „Wenn ich nicht zum Meer kann, dann hole ich das Meer eben zu mir!“. Nun darf ich mich über meine Illustrationen und Texte immer wieder mit den faszinierendsten Meereslebewesen beschäftigen, kann Aufmerksamkeit für diesen Lebensraum schaffen, der buchstäblich unsere Luft zum Atmen ist, und kann durch die Spenden an verschiedene Meeresschutzorganisationen etwas zum Schutz beitragen. Das macht mir Spaß und erfüllt mich sehr! Du bist gelernte Buchgestalterin und Setzerin. Das klingt nach sehr akkuratem, trockenem Landleben. Wann genau kam Dir die (geniale!) Idee, zu liebevoll gestalteten Büchern mit einem besonderen Fokus auf Nachhaltigkeit und umweltschonenden Produktionsprozessen mit der Liebe zu … nun ja, feuchten, wilden Kreaturen zu verbinden? War es ein Geistesblitz unter der Dusche? Ach, letztlich ist das ein fortwährender Prozess. Ich bin in den letzten Jahren immer öfter meiner Freude gefolgt und habe neben den Auftragsarbeiten für Verlage verschiedene eigene Projekte umgesetzt. Dann war es die logische Schlussfolgerung, die Dinge, für die ich brenne, miteinander zu verbinden. Und ich bin ganz ehrlich, am Anfang konnte ich mir selbst noch gar nicht so richtig vorstellen, wie das alles zusammengehen und wohin es führen sollte. Ich habe aber gemerkt, dass die Tätigkeit als Buchgestalterin allein mir zwar Spaß macht, mich aber nicht komplett ausfüllt. Mittlerweile fühlt es sich sehr rund an und ich bewege mich sehr fluide zwischen beiden Welten und kann sie an bestimmten Stellen miteinander verknüpfen. Nämlich zum Beispiel dann, wenn es um die Auswahl von besonders schönen und nachhaltigen Materialien für meine Meeres-Produkte geht. „typocean“ – der Name deines Labels, klingt wie ein Geheimclub für wasserscheue Schriftarten. Verrate uns doch bitte die (vermutlich sehr dramatische oder banale) Story hinter diesem fantastischen Namen und was er für Dich symbolisiert? Hat vielleicht der Buchstabe „T“ versucht, in ein Aquarium zu springen? typocean ist eine Wortverbindung zwischen typography und ocean und steht für mich sinnbildlich dafür, diese beiden Themen – meine Berufung und meinen Sehnsuchtsort – in meiner Arbeit zusammenzubringen. Die Idee zu dem Labelnamen kam mir, bevor überhaupt klar war, dass es tatsächlich irgendwann einmal Meeres-Produkte von mir geben wird. In mir wuchs einfach der Wunsch, den Ozean in meinen Arbeitsalltag zu holen. Was von Anfang an klar war, ist, dass ich mit meinen freien Projekten Meeresschutzorganisationen unterstützen und auf deren Arbeit aufmerksam machen möchte. Alles Weitere ist dann über die Jahre Schritt für Schritt dazugekommen und mittlerweile habe ich neben meinen Aufträgen als Buchgestalterin ein Beratungsangebot für nachhaltige Print-Produktion und eine große Auswahl an Postkarten mit Meerestieren, Notizbüchern und Prints in meinem Online-Shop. Der Papiermarkt ist in Bewegung. Viel Recycling und Upcycling. Hattest du schon mal Papier in der Hand, das war so nachhaltig, dass es schnell wieder ins Meer zurückwollte? Vorweg sei gesagt: Nachhaltigkeit ist ein weites Feld. Allein die Auswahl des Materials für ein Produkt reicht nicht aus, um einer solch komplexen Fragestellung gerecht zu werden. Dafür ist die Betrachtung von ganz unterschiedlichen Faktoren und Zusammenhängen nötig. Und selbst wenn man sich nur auf die Auswahl des Materials beschränken möchte: Ein Recyclingpapier, welches für das eine Projekt perfekt passt, muss für ein anderes Projekt nicht zwingend die beste Lösung sein. Zudem gibt es sehr unterschiedliche Ansätze auf dem Papiermarkt, die m. E. nicht konkurrierend betrachtet werden sollten. Jedes hat seine Vor- und Nachteile. Es gibt aber tatsächlich ein Upcyclingpapier, welches thematisch besonders gut zu meinen Produkten passt und gleichzeitig sehr hochwertig und schön ist. Dieses Papier habe ich für meine Notizbücher verwendet und es enthält Algenpartikel. Die Algen werden in Regionen abgebaut, in denen sie sonst als Plage das Ökosystem stören würden. Begonnen hat es in den 90er Jahren in den Lagunen von Venedig. Mittlerweile stellt die Papierfirma auch andere Upcyclingpapiere her, in denen Abfälle aus der Industrie verarbeitet werden (wie Kirsch- und Zitruskerne, Nussschalen und Baumwollstoffe). Das erschaffen von hochwertigen, nachhaltigen, kunstvollen Büchern mit fantasievollen Meeres-Motiven und den dazugehörigen Papeterie-Produkten sind deine Leidenschaft, denn hier fließt alles zusammen. Es geht um Papier und Materialien, um Haptik und Bewegung und darum, wie all das in Verbindung mit Inhalt und Layout zu einem wundervoll runden Produkt wird. Riecht es dann auch „rund“? Und wie erzeugst du das Gefühl von Meereswellen oder sanften Strömungen allein durch Papier und Bindung? Musst du das Papier manchmal leicht schütteln? Fühlt sich Dein Papier an, als würde man durch Sand gleiten? Oder schwingen die Seiten leicht, als wären sie unter Wasser? Wir brauchen das sinnliche Erlebnis! detailverliebte (Buch-)Gestaltung, hochwertige Papeterie. Bei meinen Produkten und auch bei meinen Auftragsarbeiten geht es mir darum, Materialien, Gestaltung und Herstellung ganz bewusst auszuwählen. Übergeordnet steht immer das Thema, beim Buch der Inhalt. Die Schrift kann noch so modern, das Papier noch so hochwertig, die Bindung noch so raffiniert sein – wenn es nicht zum Inhalt bzw. zum Thema passt, dann nützt es nichts und es wird kein rundes Produkt entstehen. Viele Menschen, mit denen ich zum Beispiel auf Märkten ins Gespräch komme, können solch eine Einheit fühlen, auch wenn sie nicht genau benennen können, woran es liegt. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die zählen, zum Beispiel ein passendes Bild beim Umschlagen der Seite, welches die vorherige Geschichte fortführt. Oder für das Buch von Nora von wayra arts haben wir viele kleine Ameisen durch den Text krabbeln lassen, die immer wieder zum Innehalten anregen. Ich verstehe meine Aufgabe als Gestalterin darin, den Inhalt in ein passendes Gewand zu bringen. Das ist oft ganz subtil und selten so eindeutig wie beim „Algenpapier“. Gleichzeitig möchte ich Produkte gestalten, die langlebig sind und die zu Lieblingsstücken werden. Ich glaube daran, dass die Liebe und die Sorgfalt, die in meine Arbeit fließt, spürbar wird. Deine Ocean-Notizbücher mit winzigen Algenpartikeln – das ist ja mal ein verrückt-geniales Detail! Wie kamen die Algen ins Spiel? Und wie sehr hüpft dein Herz, wenn Kunden dies wahrnehmen und was war bisher die lustigste Kundenreaktion, die du dazu bekommen hast? Was bedeutet es für Dich, dass Deine Notizbücher ein Stück Meer in sich tragen? Es gibt tatsächlich bei vielen Menschen den Impuls, am Papier zu riechen, wenn sie erfahren, dass Algen darin verarbeitet sind. Aber ich kann euch beruhigen, das riecht man natürlich nicht. Dafür kann man die Algen sehen. In Form von kleinen, sandkornfarbenen Einschlüssen im Papier. Die Optik erinnert damit tatsächlich an einen Strand. Gleichzeitig ist es ein haptisch sehr ansprechendes Papier, auf dem man gut mit allen möglichen Stiften schreiben kann. Mit diesen Eigenschaften war das „Algenpapier“ schon ein ganz besonderer Fund für meine Ocean Journals. Ich liebe es sehr, wenn Inhalt, Funktion, Optik und Material auf so eine wundervolle Art und Weise eine Einheit bilden, und kann immer wieder beobachten, mit wie viel Wertschätzung die Notizbücher in die Hand genommen werden. Da hüpft mein Herz :) Manchmal kommen Ideen zu dir, die nichts mit Büchern zu tun haben. Wie dein Makramee-Buch (Makramee - Modernes Design im Vintage Look) welches du mit Marta Lothringer erschaffen hast und welches auf der Shortlist der ›Schönsten deutschen Bücher 2020‹ gelandet ist– das klingt wie ein goldener Anker! Was hat dieses Projekt für Dich bedeutet und was machte es aus Deiner Sicht so besonders? Das Makramee-Buch mit Marta Lothringer war mein allererstes Projekt, das ich unter dem Label typocean veröffentlicht habe. Allein darum ist es für mich schon etwas ganz Besonderes – auch wenn es mittlerweile thematisch etwas aus der Reihe fällt. Damals war noch überhaupt nicht klar, wohin sich typocean entwickeln wird. Ich hatte nur den brennenden Wunsch, eigene (Buch-)Projekte zu verwirklichen, wollte mich von Auftraggebern lösen und eigene Entscheidungen treffen können, bezüglich der Gestaltung und Papierauswahl. Marta hatte in der Zeit das Konzept zum Buch schon in der Schublade und kurz zuvor die Zusammenarbeit mit einem Verlag abgelehnt, da die Konditionen für sie nicht stimmten. Ich denke immer wieder gern an diese intensive Zeit der Entstehung zurück. Wir hatten beide eine ähnliche Vorstellung davon, wie wir zusammenarbeiten wollen, und ein gleiches Verständnis von Verantwortung gegenüber unserer Umwelt. Letztlich haben wir das Buch in einem kleinen Kernteam von vier Frauen verwirklicht. Und auch wenn wir kurz vor der Druckdaten-Abgabe so einige Nachtschichten schieben mussten, haben wir schon in der Nacht der Abgabe von weiteren Projekten geträumt. Die Shortlist der Stiftung Buchkunst war dann natürlich noch die Kirsche auf der Torte, aber was am Ende wirklich bleibt, ist die tolle gemeinsame Erfahrung. Und dann gibt es noch deine tollen Wal-Mobiles. Sind die einfach so aus dem Meer deines Unterbewusstseins aufgetaucht oder wie kam es dazu? Auch bei den Wal-Mobiles hatte Marta ihre Finger im Spiel ;-) Sie hat zur Zeit der Buchentstehung parallel mit abstrakten Holz-Mobiles und Schmuck experimentiert. Dadurch konnte ich auf ihr Wissen bezüglich des Materials und der Herstellung zurückgreifen. Mit den Wal-Mobiles und meinen Holzquallen ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, wie vielfältig meine Arbeit für typocean werden kann. Es gibt niemanden, der mich einschränkt, außer mir selbst. Und so kann ich für meine Ideen einfach losgehen, wenn ich Feuer gefangen habe. Deine Produkte und Mission stehen für "zurück zu unserer Natur zu finden" und "mit ihr im Einklang zu leben und „Entschleunigung“. Kann man durch das Betrachten deiner wundervollen Werke entspannter werden – oder bekommt man eher Lust, stundenlang das Papier zu streicheln? Warum ist dir dieses Langsamer werden gerade im Zusammenhang mit Meer und Natur so superwichtig? Wie versuchst Du, diese Botschaft durch Deine Produkte zu vermitteln? Ich glaube, dass Entschleunigung ein sehr entscheidender Aspekt ist, wenn wir an unsere Zukunft denken. In den letzten Jahrzehnten ging es vor allem um Wachstum, egal zu welchem Preis. Über die Ressourcen unserer Erde hinaus und auch über unsere eigenen. Wir sind nun an einem Punkt angelangt, wo unsere Ressourcen erschöpft sind. Ewiges Wachstum funktioniert nicht. Und auch wir sind zunehmend erschöpfter von der Schnelllebigkeit der heutigen Zeit. Hier können wir viel von der Natur lernen, denn sie funktioniert in Kreisläufen. Es gibt ein Wachstum, aber immer auch ein Loslassen und sich wieder Zurückziehen, wie wir es in unseren Breitengraden im Winter ganz deutlich erleben. Wir sind Teil der Natur, auch wir benötigen immer wieder Räume für Pausen und Rückzug. Einerseits möchte ich mit meinen Meerestierprodukten auf die faszinierende Unterwasserwelt aufmerksam machen. Ich glaube daran, dass wir ein Bedürfnis entwickeln, uns um unsere Umwelt zu kümmern, wenn wir sie kennen und lieben lernen. Ich möchte zeigen, wie sehr wir alle von gesunden Ozeanen abhängig sind, auch wenn sie geografisch manchmal weit weg sind. Ein großer Teil des Sauerstoffs auf der Erde wird in den Ozeanen produziert. Zudem möchte ich Produktionsprozesse erkunden, die abseits von dem altbekannten „höher, schneller, weiter“ stattfinden. Wo wir den Prozess als solchen wertschätzen und mit ganz viel Achtsamkeit Materialien auswählen und Zusammenarbeit gestalten. Das ist nicht immer so einfach, weil es im derzeit bestehenden kapitalistischen System nicht gefördert wird und nicht besonders „wirtschaftlich“ wirkt. Um solche Projekte gemeinsam zu gestalten, braucht es zunächst sehr viel Idealismus und Durchhaltevermögen. Man ist immer wieder versucht, den vermeintlich einfacheren, meist auch billigeren Weg zu gehen. Was verständlich ist, weil wir alle am Markt bestehen wollen und der hat nun einmal andere Spielregeln. Ich frage mich aber dann oft, wer zahlt sonst den Preis dafür? Auf längere Sicht habe ich die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt, durchzuhalten. Denn Sorgfalt spürt man. Ein Teil Deiner Einnahmen schwimmt direkt in den Meeresschutz. Was hat Dich dazu bewogen, Deine hart verdienten Euro (oder Cent-Stückchen) abzugeben? Ich liebe es, im und auf dem Meer zu sein, und aus dieser Liebe ist eine Dringlichkeit entstanden, etwas für den Schutz der Ozeane und seiner Bewohner zu tun. Die Meere sind überfischt, versauern durch Pestizide, ersticken in Plastikmüll und werden durch den Klimawandel immer wärmer. Was durch die Erwärmung passiert, können wir nur erahnen. Das schmerzt mich sehr. Und all diese Aspekte sind menschengemacht. Ich finde es unerträglich dabei zuzuschauen, wie so viele wundervolle Ökosysteme vor dem Kollaps stehen, große Meeressäuger vom Aussterben bedroht sind und wir uns zugleich unsere eigene Lebensgrundlage zerstören. Ich kann wirklich nicht begreifen, warum politisch nicht viel mehr für den Schutz der Lebensräume im Wasser und auch auf dem Land getan wird. Meine Spende ist sicher nur ein kleiner Beitrag. Ich stelle mir aber vor, wie es wäre, wenn alle Unternehmen, ob groß oder klein, oder auch Privatpersonen einen Beitrag leisten würden. Dadurch könnte man viel bewegen. Wo findest du, fernab der Küste, Inspiration für all diese maritimen Wunder? Flüstern Sie dir die Fische aus dem Tiefkühlfach Ideen zu? Oder gibt es eine geheime Kammer voller Muscheln, die Dir Design-Briefings zuraunen? Neben Büchern und Gesprächen mit meeresbegeisterten Menschen ist natürlich das Internet eine nie endende Quelle der Inspiration. Es gibt mittlerweile so gute Videos und Bilder von den unterschiedlichsten Lebewesen. Das ist gerade für eine detailverliebte Illustration sehr viel wert. Papier ist Dir heilig. Was macht ein Material für Dich zum Helden des Tages? Hast Du einen geheimen Papyrus-Händler in Venedig? Erzähle uns doch bitte von Deiner (vermutlich epischen) Suche nach dem perfekten, nachhaltigen Material. Durch meine Arbeit als Buchgestalterin habe ich Kontakt zu verschiedenen Papierfirmen und Papiergroßhändlern. Die wissen mittlerweile auch schon, dass ich vor allem nach Recycling- und Upcycling-Papieren suche und Papierhersteller bevorzuge, die einen besonderen Fokus auf Nachhaltigkeit legen. So bleibe ich immer auf dem neuesten Stand. Und wenn mir ein Papier gefällt, bleibt es im Hinterkopf, auch wenn ich vielleicht nicht sofort Verwendung dafür finde. Das Algenpapier habe ich zum Beispiel Jahre vor dem Einsatz für meine Notizbücher und vor der eigentlichen Gründung von typocean auf einer Messe entdeckt und mir war klar: Das möchte ich irgendwann einmal einsetzen. Sei ehrlich, welches Deiner Werke (Produkte) ist Dein persönliches Herzenskind und warum? Keiner der anderen schaut gerade zu. Versprochen! Das ist natürlich wirklich schwierig, weil ich kein Projekt umsetze, an das ich nicht wirklich glaube. Aber zurzeit bin ich wieder sehr begeistert von meinem Postkarten-Tischkalender. Es ist ein so schönes, hochwertiges Produkt, das ganz individuell und variabel gestaltet werden kann. Ich selbst finde es immer so schade, wenn man am Ende des Jahres einen Kalender einfach wegwirft. Deswegen habe ich mir einen Kalender ausgedacht, den man immer weiter verwenden kann. Die 12 Meerestier-Postkarten stehen in einem kleinen Holzständer und das Kalenderblatt getrennt davon daneben. So können die Postkarten im Laufe des Jahres verschickt und verschenkt werden. Im nächsten Jahr kann man das Kalenderblatt und die Postkarten einfach nachkaufen. Ganz neu habe ich auf die Rückseiten des Kalenderblatts Zitate gedruckt, so muss man selbst diese nicht einfach wegwerfen, sondern kann die Zitate verschenken, sie sich an den Spiegel hängen oder weiter auf dem Holzständerchen neben die Meerestiere stellen. Gibt es ein Material oder eine Produktionstechnik, mit der Du unbedingt einmal rumexperimentieren möchtest? Träumst Du von Papier aus Kaffeefiltern und Seegras? Oder vielleicht Drucken mit biolumineszenter Tinte? Ich möchte seit Jahren mit Linolschnitt experimentieren und dadurch mal wieder richtig analog drucken. Die Ausrüstung dafür ist bereits angeschafft, aber bisher fehlt die Zeit. Welche Vision hast Du für die Zukunft von typocean? Gibt es neue Richtungen oder Projekte, die Du anstrebest? Anfang des Jahres habe ich eine Ausbildung zur Sound Practitioner gemacht und übe seither ganz fleißig, auf meinen Kristallklangschalen zu spielen. Auf diese Weise kann ich Ruhe ganz spielerisch in meinen Alltag einladen. Meine Vision ist es, diese Klangwellen mit meinen Meerestieren und meiner grafischen Arbeit zu verbinden und dadurch die Entschleunigung, die ich selbst erfahre, auch nach außen zu tragen. Dazu gibt es schon einige Ideen in meinem Kopf. Ich bin selbst schon sehr gespannt, was ich davon in der kommenden Zeit in die Tat umsetze. :) Welchen Rat würdest Du anderen Kreativen geben, die deine Arbeit ebenfalls mit einem tieferen Sinn oder einer Herzensangelegenheit verbinden möchten? Findet euren eigenen Weg, folgt eurem Herzen und eurer Freude und lasst euch die Ideen dazu nicht ausreden, nur weil sie zunächst nicht wirtschaftlich erscheinen. Man muss dafür nicht All-In gehen und es darf Schritt für Schritt entstehen. Ich habe bis heute Auftragsarbeiten, die mir mein Grundeinkommen sichern und mich finanziell frei machen für meine eigenen kreativen Projekte. Gleichzeitig ist es wichtig, auf Pausen zu achten. Denn auch in einem Projekt, für das man brennt und das man gern macht, kann man ausbrennen, wenn man ständig über seine Grenzen geht. Als jemand, der das Meer offenbar mehr liebt als manche Menschen ihre Haustiere: Was bereitete Dir aktuell die größten Sorgen um den Zustand dieser riesigen Salzwasserbadewanne unseres Planeten? Plastikmüll, der aussieht wie Quallen? Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wo ich da anfangen soll. Die Gesamtsituation ist besorgniserregend, da ja alles miteinander in Verbindung steht. Wir stehen kurz vor einigen Kipppunkten, die Forschende seit Jahren voraussagen, und wissen nicht, was danach passiert. Die Pole schmelzen schneller als vermutet, die Aufströmung im Golf von Panama ist in diesem Jahr fast völlig ausgeblieben. Gleichzeitig hilft es nicht, den Kopf in den Sand zu stecken. In der Dokumentation „Ocean“ von David Attenborough wird gezeigt, wie sich Ökosysteme im Meer, wenn man sie vollkommen unberührt lässt, schneller als gedacht wieder erholen können. Das hat mir auch Hoffnung gegeben. Um die Erde müssen wir uns im Grunde keine Sorgen machen, sie findet ihren Weg, die Frage ist eher, ob mit oder ohne uns Menschen. Daher ist die größte Sorge, die ich zurzeit habe, die Ignoranz und Gier der vielen rückwärtsgewandten Politiker, die gerade an der Macht sind. Leider auch in Deutschland. Diese weltweite politische Entwicklung raubt uns wertvolle Zeit. Gibt es spezielle Meeresschutz-Themen oder Projekte, bei denen Du jedes Mal dicke Tränen vergießt (oder wütend auf den Tisch haust) und die Du gerne stärker unterstützen würdest, vielleicht sogar mit einer eigenen „Rettet die Miesmuschel“-Produktlinie? Die allererste Organisation, die ich mit einer Patenschaft für die wilde Orca-Dame Current unterstützt habe, ist die Whale and Dolphin Conservation. Sie setzen sich unter anderem dafür ein, dass Wale und Delfine nicht in Gefangenschaft leben müssen. Vor vielen Jahren (noch vor der augenöffnenden Dokumentation „Blackfish“) war ich selbst in so einer Orca-Show im Loro Parque auf Teneriffa. Ich weiß noch, wie ich vorher Zweifel hatte, ob ich hingehen sollte. Durch die, wie ich heute weiß, pseudowissenschaftlichen Argumente vom Loro Parque, Neugier und Unwissen habe ich die Zweifel damals beiseitegeschoben. Ich habe aber schon während der Show gemerkt, dass es ein großer Fehler war. Es ging dort nicht darum, über die Meeressäuger aufzuklären, sondern nur um Profit und die Show. Das Publikum wurde immer wieder dazu aufgefordert zu grölen, zu klatschen und auf den Boden zu stampfen. Bei der Vorstellung, wie die Orcas und Delfine im Wasser diese Lautstärke wahrnehmen, ist mir buchstäblich das Herz gebrochen und ich habe die komplette Show lang geweint. Je mehr ich über diese intelligenten und sozialen Meereslebewesen erfahre, desto ungeheuerlicher empfinde ich es, dass wir sie, von ihren ursprünglichen Familien getrennt, in viel zu kleinen Tanks zu unserem Vergnügen vereinsamen lassen. Das geht mir wirklich an die Nieren. Abgesehen von Walen und Delfinen, welches maritime Problem oder welche maritime Spezies liegt dir besonders am Herzen und inspiriert dich? Was mich immer wieder sehr inspiriert, sind Symbiosen und Kooperationen, die zwischen Meereslebewesen bestehen. Angefangen bei Korallen, die ohne ihre Algen nicht bestehen könnten, über Putzerfisch-Stationen für Haie bis hin zu den Boxerkrabben, die kleine Seeanemonen pflegen, um sich im Falle eines Kampfes mit ihnen verteidigen zu können. Es gibt so viele witzige und kreative Zusammenschlüsse zu entdecken. Dabei wird mir immer wieder klar, wie wichtig jedes noch so kleine Lebewesen ist. Wenn du einen Tag lang ein Meerestier sein könntest (neben Wal oder Delfin, das wäre ja zu einfach!), was wärst du und warum? Und wie würdest du deine typografischen Fähigkeiten einsetzen? Ich würde sehr gern einmal in die Gestalt eines Oktopusses schlüpfen. Sie sind so anders als wir mit ihren drei Herzen und einem Gehirn, das sich bis in ihre Arme verästelt. Es wird aus Menschensicht ja schon viel spekuliert, wie das Bewusstsein eines Oktopus funktioniert. Wie nehmen sie ihre Umwelt wahr? Was schmecken sie? Wie wandeln sie ihre Farben und Gestalt so, dass sie sich komplett ihrem Untergrund anpassen können? Diese Fähigkeit würde ich natürlich nutzen, um ein paar Farbkreationen abzufeuern :) Was wünschst Du dir für die Zukunft unserer Meere und die Beziehung der Menschen zu ihnen? Die Frage beinhaltet eigentlich schon direkt die Antwort. Ich wünsche mir, dass wir Menschen überhaupt wieder in eine respektvolle Beziehung mit unseren Meeren und generell mit der Natur treten. Es ist wichtig, dass wir uns als Teil der Natur begreifen und uns nicht mehr über sie erheben und sie ausbeuten. Wir sollten sie genauso behandeln wie unseren liebsten Herzensmenschen. Welchen Rat würdest du unserer jetzigen jungen Generation für den Einstieg in Ihr zukünftiges Leben geben? Welchen Rat sollten Sie ignorieren? Uff, das ist eine sehr schwierige Frage, weil sich die Voraussetzungen für den Start ins Berufs- oder Erwachsenenleben in den letzten 10 – 20 Jahren so grundlegend verändert haben. Rückblickend konnte ich noch relativ unbedarft und angstfrei für meine Träume losgehen. Mit all der Unsicherheit und den Krisen heutzutage stelle ich mir das sehr schwer vor und möchte daher ungern einen Rat geben. Aber vielleicht einen Gedanken: Ich glaube daran, dass wir eine (Arbeits-)Welt auf Grundlage von Kooperation und nicht von Konkurrenz aufbauen sollten. Wir alle können ganz individuelle Fähigkeiten in ein Projekt einbringen. Dafür ist es eine gute Idee, sich selbst und seine eigenen Stärken zu erforschen und gleichzeitig zu wissen, in welchen Bereichen man sich Unterstützung wünscht. Wir stehen vor so komplexen Herausforderungen, dass es wichtig sein wird, unsere Kräfte zu bündeln. Herzlichen Dank! So, das war's also. Hätte mir einer erzählt, dass eine der schärfsten Klingen im Kampf für den Ozean ausgerechnet in einem Leipziger Trockendock geschmiedet wird, ich hätte ihn wahrscheinlich über Bord geworfen. Aber Ulrike ist der lebende Beweis, dass man kein Salzwasser riechen muss, um es im Blut zu haben. Sie kämpft nicht mit Harpunen, sondern mit Haptik. Nicht mit Gebrüll, sondern mit Gestaltung. Und verdammt, ihre Waffen sind präzise. Sie erinnert uns daran, dass die Schlacht für die Meere nicht nur auf den verdammten Konferenztischen oder in den Maschinenräumen der Trawler entschieden wird, sondern auch im Herzen – und zwischen den Seiten eines verdammt guten Notizbuchs. Danke, Ulrike. Dafür, dass du ein Leuchtfeuer an einem Ort entzündet hast, an dem wir nur Nebel erwartet hätten. Bleib auf Kurs. Neugierig auf mehr? Website typocean: https://typocean.de/ Instagram typocean: https://www.instagram.com/typocean/?hl=de Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus dem Maschinenraum: Vom Klartext zum Bauplan Wir legen den Finger in die Wunde. Das ist unsere Mission bei The Ocean Tribune. Aber Aufklärung allein rettet keine Ozeane. In der Werkstatt von Vita Loom Labs schmieden wir aus diesem Wissen die unangreifbaren Architekturen, die aus fragilen Projekten resiliente, investierbare Assets machen. Wir schreiben keine besseren Anträge. Wir bauen unbesiegbare Systeme. Wollen Sie sehen, wie eine solche architektonische Intervention in der Praxis aussieht? Unsere Fallstudie seziert den Prozess – vom narrativen Vakuum zum unbesiegbaren System. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!

  • Die Nullnummer: Warum "Klimaneutralität" organisierter Selbstmord ist und wir endlich anfangen müssen, zu gewinnen

    Von Doris Divebomber Ich hab' die Nachricht aus Hamburg gesehen. Per Volksentscheid beschlossen, die Stadt möge doch bitte schon 2040 klimaneutral sein, nicht erst 2045. Die Korken knallten. Die Politiker klopften sich auf die Schultern. Ein "Erfolg", titelten die Agenturen. Ich saß hier in meiner Koje auf der "Möwe", hab mir den Bericht auf dem Tablet durchgelesen, und alles, was ich tun konnte, war, meinen Kopf gegen die Schottwand zu schlagen. Wieder und wieder. Ein Erfolg? Wirklich? Wisst ihr, was das ist? Das ist, als würde der Kapitän eines Schiffes, das pro Stunde 2000 Liter Wasser durch ein gigantisches Leck aufnimmt, stolz verkünden, dass die Crew es geschafft hat, ab sofort 2000 Liter Wasser pro Stunde wieder über Bord zu schaufeln. Und alle jubeln. Keiner scheint zu bemerken, dass das Schiff bereits bis zur Reling vollgelaufen ist und die nächste Welle uns alle in den verdammten Abgrund spülen wird. "Klimaneutralität" ist das gefährlichste, verführerischste und dümmste Ziel, das wir uns je gesetzt haben. Es ist die ambitionierteste Form der Kapitulation. Es ist der Versuch, auf einer Prüfung, bei der wir 150% brauchen, um zu bestehen, eine glatte Fünf zu schreiben und es als strategischen Sieg zu verkaufen. Und ich hab die Schnauze voll davon, so zu tun, als wäre das eine gute Nachricht. Die große CO2-Lüge: Warum die Badewanne schon überläuft Halt dich fest, wir machen jetzt einen kurzen, brutalen Tauchgang in die Wirklichkeit. Was bedeutet "klimaneutral" eigentlich? Es bedeutet, dass eine Stadt, ein Unternehmen oder ein Land verspricht, ab einem bestimmten Datum nicht mehr CO2 in die Atmosphäre zu blasen, als es an anderer Stelle wieder bindet oder – und hier wird es richtig schmutzig – durch Zertifikate "kompensiert". Das klingt auf dem Papier gut. Aber es ist eine fundamentale Lüge, die auf zwei Denkfehlern beruht. Denkfehler 1: Der Mythos der sauberen Weste. Die meisten "Neutralitäts"-Pläne basieren auf Kompensation. Ein Konzern fliegt seine Manager um die Welt, aber "kompensiert" das, indem er irgendwo in Guatemala ein Stück Wald kauft, das sowieso nie abgeholzt worden wäre. Eine Stadt baut eine neue Autobahn, aber "kompensiert" das, indem sie in ein Wasserkraftwerk in China investiert, das längst gebaut wird. Das ist moderner Ablasshandel. Wir beruhigen unser Gewissen, indem wir Geld in ein System pumpen, dessen Wirksamkeit, wie unzählige Studien – zum Beispiel von Organisationen wie Carbon Market Watch – immer wieder belegen, bestenfalls fragwürdig und schlimmstenfalls reiner Betrug ist. Wir hören nicht auf, das Gift ins Wasser zu kippen. Wir bezahlen nur jemanden am anderen Ende des Sees, der uns verspricht, es vielleicht irgendwann mal wieder rauszufischen. Denkfehler 2: Die ignorierte Badewanne. Das ist der entscheidende Punkt. Selbst wenn Klimaneutralität perfekt funktionieren würde, wäre sie immer noch eine katastrophale Strategie. Stell dir die Atmosphäre als eine Badewanne vor. Seit Beginn der industriellen Revolution haben wir den Wasserhahn voll aufgedreht und CO2 reingepumpt. Die Konzentration in der Atmosphäre ist von etwa 280 ppm auf heute über 420 ppm gestiegen, wie die unbestechlichen Messungen der NOAA auf Mauna Loa jeden einzelnen Tag beweisen. Die Badewanne ist randvoll. Sie läuft bereits über. Die Folgen sehen wir jeden Tag: schmelzende Gletscher, sterbende Korallenriffe, brennende Wälder. "Klimaneutralität" ist nun das glorreiche Versprechen, im Jahr 2040 oder 2050 ... den Wasserhahn zuzudrehen . Merkst du was? Wir hören auf, das Problem schlimmer zu machen. Aber wir tun absolut nichts, um das bereits vorhandene, katastrophale Problem zu lösen. Wir stehen bis zum Hals im Wasser und feiern, dass wir aufgehört haben, den Hahn aufzudrehen. Das ist keine Rettungsstrategie. Das ist Irrsinn. Der Ozean, mein Freund, ist der lebende Beweis für diesen Irrsinn. Er hat, laut dem IPCC, über 90% der überschüssigen Wärme und etwa ein Drittel des gesamten CO2, das wir je produziert haben, geschluckt. Das Ergebnis? Marine Hitzewellen, die ganze Ökosysteme ausradieren, und eine Versauerung, die das Grundgerüst des Lebens – Korallen, Muscheln, Plankton – bei lebendigem Leibe auflöst. Dem Ozean ist es scheißegal, ob wir 2040 "neutral" sind. Er erstickt an dem Dreck, den wir bereits reingekippt haben. Der Sprung nach vorn: Von der Null (Klimaneutral) zum Plus Okay. Genug gebrüllt. Wer nur Probleme wälzt, ohne eine Lösung anzubieten, ist Teil des Problems. Also, was ist die Alternative? Sie ist einfach, sie ist radikal und sie ist die einzige, die eine verfickte Chance hat, zu funktionieren. Wir müssen aufhören, von Klimaneutralität zu reden, und anfangen, eine klimapositive Architektur zu bauen. Das Ziel ist nicht mehr "Null". Das Ziel ist "Netto-Positiv" . Das Ziel ist nicht mehr, den Wasserhahn zuzudrehen. Das Ziel ist es, den Stöpsel aus der verdammten Badewanne zu ziehen . Eine klimapositive Stadt, ein klimapositives Unternehmen ist eine Entität, die mehr Treibhausgase aus der Atmosphäre entfernt und bindet, als sie emittiert . Sie ist keine Belastung mehr für den Planeten. Sie wird zu einem Teil der Heilung. Sie wird zu einer regenerativen Kraft . Ist das eine utopische Spinnerei von uns bei der Möwen-Crew? Nein. Es passiert bereits. Die klügsten Köpfe und die mutigsten Unternehmen der Welt haben die Nullnummer längst hinter sich gelassen. Der Tech-Gigant: Microsoft hat bereits 2020 nicht nur versprochen, bis 2030 klimapositiv ("carbon negative") zu werden. Sie haben versprochen, bis 2050 ihre gesamten historischen Emissionen seit der Firmengründung 1975 wieder aus der Atmosphäre zu entfernen. Das ist keine Kompensation. Das ist eine Zeitmaschine. Sie investieren Milliarden in Technologien wie Direct Air Capture (DAC) von Firmen wie Climeworks, die CO2 direkt aus der Luft filtern. Der Teppich-Rebell: Der verstorbene Ray Anderson, Gründer des Teppichherstellers Interface, hat schon vor Jahrzehnten das Ziel "Mission Zero" ausgegeben. Aber sein wahres Ziel war immer "Climate Positive". Sie entwickeln bereits Produkte, die während ihres Lebenszyklus mehr CO2 binden, als bei ihrer Herstellung freigesetzt wird. Sie verkaufen keine Teppiche mehr. Sie verkaufen Kohlenstoffsenken. Das ganze Land: Das kleine Königreich Bhutan, eingeklemmt zwischen den Giganten China und Indien, ist nicht klimaneutral. Es ist massiv klimapositiv. Seine riesigen Wälder absorbieren fast dreimal so viel CO2, wie das ganze Land emittiert. Sie beweisen, dass es möglich ist. Und jetzt kommt der entscheidende Punkt für uns Ozean-Verrückte: Die größte, ungenutzte und mächtigste Technologie, um klimapositiv zu werden, ist nicht irgendeine komplizierte Maschine. Es ist der Ozean selbst. "Blue Carbon" ist das Zauberwort. Die Wiederherstellung von Mangrovenwäldern, Seegraswiesen und Kelpwäldern ist die effektivste und oft günstigste Methode, um CO2 in gigantischem Stil zu binden. Ein Hektar Mangrovenwald kann bis zu zehnmal mehr CO2 speichern als ein Hektar tropischer Regenwald. Das ist keine Theorie. Das ist die ungenutzte Superkraft unseres Planeten. Eine klimapositive Stadt Hamburg würde nicht nur ihre Emissionen senken. Sie würde massiv in die Wiedervernässung der Moore vor ihren Toren und in die Wiederherstellung von Seegraswiesen in der Nord- und Ostsee investieren und so zu einer CO2-Senke werden. Das ist der Unterschied zwischen Buchhaltung und echter Heilung. Dein Schlachtplan: Hör auf, die Null zu feiern So. Die Botschaft sollte angekommen sein. Was machst du jetzt damit? Du bist wahrscheinlich kein Bürgermeister und kein Konzernchef. Aber du bist nicht machtlos. Ändere deine Sprache. Sofort. Hör auf, das Wort "klimaneutral" als positives Ziel zu verwenden. Nenne es beim Namen: ein ambitionierter Waffenstillstand. Jedes Mal, wenn ein Politiker oder ein Unternehmen sich damit brüstet, fragst du die eine, unangenehme Frage: "Und was ist Ihr Plan, um positiv zu werden? Wann fangen Sie an, den Stöpsel zu ziehen?" Unterstütze die Architekten des Positiven. Suche die Unternehmen, die NGOs, die Startups, die nicht von "weniger schlecht", sondern von "mehr gut" reden. Die, die regenerative Landwirtschaft betreiben, die Mangroven pflanzen, die an neuen Technologien zur CO2-Entfernung arbeiten. Das sind die, die unsere Zukunft bauen, nicht die, die unsere Vergangenheit verwalten. Fordere eine neue Architektur. Wenn du das nächste Mal einen Volksentscheid unterschreibst oder eine politische Initiative unterstützt, schau dir die Architektur an. Steht da "neutral" oder steht da "positiv"? Zielt der Plan darauf ab, den Status Quo einzufrieren, oder darauf, das System von Grund auf zu heilen? Wir haben keine Zeit mehr für halbe Sachen. Wir haben keine Zeit mehr, uns für ein Unentschieden feiern zu lassen, während das Spielfeld unter Wasser steht. Die Ära der Nullen ist vorbei. Die Zukunft gehört denen, die den Mut haben, ins Plus zu gehen. Es ist an der Zeit, eine Arche zu bauen, nicht nur die Lecks im alten Kahn zu flicken. Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus dem Maschinenraum: Vom Klartext zum Bauplan Wir legen den Finger in die Wunde. Das ist unsere Mission bei The Ocean Tribune. Aber Aufklärung allein rettet keine Ozeane. In der Werkstatt von Vita Loom Labs schmieden wir aus diesem Wissen die unangreifbaren Architekturen, die aus fragilen Projekten resiliente, investierbare Assets machen. Wir schreiben keine besseren Anträge. Wir bauen unbesiegbare Systeme. Wollen Sie sehen, wie eine solche architektonische Intervention in der Praxis aussieht? Unsere Fallstudie seziert den Prozess – vom narrativen Vakuum zum unbesiegbaren System. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!

  • Der Milliardärs-Jet vs. Dein Billig-T-Shirt: Warum wir unsere Kanonen auf das falsche Ziel richten

    Von Brenda Beachbum Ich hasse Privatjets. Ich meine, ich hasse sie wirklich. Es gibt nichts, was die Arroganz der menschlichen Spezies besser zusammenfasst als ein halb leerer Metallzylinder, der mit der aerodynamischen Finesse eines Ziegelsteins durch die Stratosphäre donnert und dabei Kerosin verbrennt wie ein Drache auf Ecstasy, nur damit irgendein Krypto-Millionär pünktlich zu seiner dritten Scheidungsparty auf Ibiza kommt. Jedes Mal, wenn ich einen dieser weißen Stinkstiefel am Himmel sehe, möchte ich mit einer Harpune darauf zielen. Und du wahrscheinlich auch. Es ist einfach. Es ist befriedigend. Die Reichen sind die Bösen. Sie jetten, yachten und verpesten die Welt, während wir brav unseren Papiermüll trennen. Fall abgeschlossen. Oder? Was, wenn ich dir sage, dass unser Hass auf den Privatjet die nützlichste, brillanteste und gefährlichste Ablenkung ist, die es gibt? Was, wenn ich dir sage, dass wir mit aller Kraft auf das Beiboot zielen, während uns die verdammte Armada im Rücken versenkt? Die kalte, brutale Mathematik, die keiner hören will Halt dich fest, das tut jetzt weh. Ja, die Superreichen haben eine CO2-Bilanz, die zum Himmel schreit. Ein Bericht der Organisation Oxfam, die sich mit so was auskennt, hat 2023 vorgerechnet, dass das reichste 1% der Menschheit so viel CO2 ausstößt wie die ärmeren zwei Drittel – das sind fünf Milliarden Menschen. Das ist obszön. Ein einziger Flug im Privatjet kann so viel emittieren wie der durchschnittliche Europäer in einem ganzen Jahr. Ende der Geschichte? Nein. Das ist der Anfang. Denn jetzt kommt die Frage, die unsere gesamte, wohlige Empörung in den Grundfesten erschüttert: Ist die private Verschwendung der Reichen wirklich das größte Problem? Oder ist es der von ihnen befeuerte Massenkonsum der Milliarden ? Schauen wir uns mal die Zahlen an, die selten für ihren Humor bekannt sind. Die gesamte globale Luftfahrt, also Linienflüge, Fracht UND die verhassten Privatjets zusammen, machen laut der Internationalen Energieagentur (IEA) etwa 2 - 3% der weltweiten CO2-Emissionen aus. Die Privatjets allein sind nur ein winziger Bruchteil davon. Und jetzt schauen wir uns ein anderes Monster an: Die Modeindustrie. Insbesondere die Fast-Fashion-Scheiße, die uns jeden Tag in die Timeline gespült wird. Die UN selbst schätzt, dass diese Industrie für bis zu 10% der globalen CO2-Emissionen verantwortlich ist. Zehn Prozent! Das ist das Drei- bis Fünffache der gesamten Luftfahrt. Jedes Mal, wenn eine Milliarde Menschen ein T-Shirt für 5 Euro kauft, das nach dreimal Waschen zerfällt und dessen Herstellung eine halbe indische Kleinstadt vergiftet hat, hat das in der Summe einen verheerenderen Effekt als die gesamte Privatjet-Flotte der Welt. Aber es sind ja nicht nur die verdammten T-Shirts. Es ist unser gesamter Konsumwahnsinn, der auf billigen Importen aufgebaut ist. Der Elektroschrott von Geräten, die absichtlich so gebaut werden, dass sie nach zwei Jahren den Geist aufgeben. Der Plastikmüll von Ramsch, den wir für einen Klick aus Fernost über die Weltmeere schippern lassen. Die Containerschifffahrt, die diesen ganzen Zirkus erst ermöglicht, ist laut der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) für fast 3% der globalen Emissionen verantwortlich – also für sich allein schon so viel wie die gesamte Luftfahrt. Wir hassen den Milliardär für seinen Jet, weil er sichtbar ist. Er ist eine Person. Er hat ein Gesicht. Es ist einfach, ihn zu hassen. Aber wer ist schuld an der Flut von billigem Müll? Ein anonymer Konzern? Wir selbst, weil wir den Kram kaufen? Der Algorithmus, der uns die Werbung zeigt? Siehst du das Manöver? Es ist eine perfekte Ablenkung. Nehmen wir noch ein Beispiel: die schwimmenden Sündenböcke. Jeder Umweltschützer liebt es, die Super-Yacht eines Oligarchen anzuprangern. Sieht ja auch beeindruckend aus, so ein schwimmender Palast. Aber hast du dir mal die Zahlen zur Kreuzfahrtindustrie angesehen? Der NABU veröffentlicht jedes Jahr ein Ranking, das dir die Tränen in die Augen treibt. Ein einziges, riesiges Kreuzfahrtschiff kann an einem Tag so viele Schadstoffe ausstoßen wie Millionen von Autos. Diese schwimmenden Städte verbrennen Schweröl – den dreckigsten, billigsten Bodensatz, den man aus einem Barrel Rohöl quetschen kann. Und an Bord sind nicht ein Dutzend Milliardäre, sondern 4.000 Durchschnittsbürger auf der Jagd nach dem All-Inclusive-Schnäppchen. Wir jagen den einen, sichtbaren Piratenkapitän, während seine tausend kleinen Schiffe und die riesigen Passagierdampfer unbemerkt unseren Hafen plündern. Die (Milliardärs) Wende: Von der Lifestyle-Falle zur Hebel-Architektur Okay, Brenda, wirst du jetzt sagen. Sollen wir die Reichen also in Ruhe lassen? Sollen wir ihre Yachten beklatschen und ihnen den Sprit nachtragen? Nein. Verdammt, nein. Wir sollen nur aufhören, auf das falsche Ziel zu schießen. Wir müssen unsere Waffe neu ausrichten. Das Problem des Milliardärs ist nicht sein Lifestyle . Sein Lifestyle ist ein Rundungsfehler. Es ist eine obszöne, aber im großen Ganzen irrelevante Nebelkerze. Das wahre, das einzige, das entscheidende Schlachtfeld ist sein Kapital . Ein Milliardär hat zwei Arten von Fußabdrücken: Den Lifestyle-Fußabdruck: Die Jets, die Yachten, die zehn Villen. Der ist groß, aber er ist limitiert . Den Hebel-Fußabdruck: Das ist die Wirkung der Milliarden, die er investiert. Dieser Fußabdruck ist unlimitiert . Er kann negativ sein (wenn er in Ölkonzerne investiert) oder er kann so brachial positiv sein, dass er seinen Lifestyle-Fußabdruck tausendfach auslöscht. Ein Bill Gates, der mit seiner Stiftung "Breakthrough Energy Ventures" Milliarden in saubere Energietechnologien pumpt, hat einen positiven Hebel, der so gigantisch ist, dass es völlig egal ist, ob er mit dem Privatjet nach Genf fliegt. Und er ist nicht allein. Es gibt sie, die Kapitäne, die den Kurs ändern. Schau dir Yvon Chouinard an, den alten, grantigen Kletterer, der Patagonia gegründet hat. Der hat nicht gespendet. Er hat 2022 seine gesamte verdammte Firma – im Wert von 3 Milliarden Dollar – an einen Trust verschenkt, dessen einziger Zweck es ist, jeden verdienten Cent in den Kampf gegen die Klimakrise zu stecken. Das ist kein Scheck. Das ist eine Kapitulation vor dem Planeten. Oder nimm MacKenzie Scott. Nach ihrer Scheidung von Jeff Bezos hat sie angefangen, ihr Vermögen mit einer Schrotflinte zu verteilen – aber mit einer, die auf die Guten zielt. Sie hat über ein Dutzend Milliarden an hunderte kleine, oft übersehene Organisationen verschenkt, ohne große Anträge, ohne bürokratischen Schwachsinn. Sie hat verstanden, dass der schnellste Weg zur Veränderung darin besteht, den Leuten an der Front das Geld in die Hand zu drücken und sie ihre Arbeit machen zu lassen. Und dann gibt es Leute wie den Schweizer Hansjörg Wyss, der mal eben eine Milliarde Dollar auf den Tisch gelegt hat, um 30% des Planeten bis 2030 unter Schutz zu stellen. Die unangreifbare Wahrheit ist: Die 100 reichsten Menschen der Welt sind nicht die 100 größten Probleme. Sie sind die 100 größten, ungenutzten Hebel zur Rettung des Planeten. Dein Tritt in den Arsch: Hör auf zu hassen. Fang an zu jagen. Und das ist die Botschaft an dich. An dich, der du da draußen mit einer brillanten Mission, aber leeren Taschen kämpfst. Hör auf, auf Twitter und an der Bar über die reichen Säcke zu schimpfen. Das ist Zeitverschwendung. Das ist intellektuelle Masturbation. Es ändert nichts. Fang an, sie als das zu sehen, was sie sind: Die mächtigsten, potenziellen Verbündeten, die du je haben wirst. Sie sind keine Feinde. Sie sind die Königsmacher , die darauf warten, von einer unangreifbaren Vision überzeugt zu werden. Was du tun musst, ist Folgendes: Sprich ihre Sprache: Sie sprechen nicht die Sprache der Moral. Sie sprechen die Sprache des Return on Investment , der Architektur , der Skalierbarkeit und des Vermächtnisses . Lerne diese Sprache. Biete ihnen einen Hebel, kein Almosen: Präsentiere ihnen keine "Spendenbitte". Präsentiere ihnen eine unwiderstehliche Investment-These . Zeig ihnen, wie ein Investment von 1 Million Euro in deine Architektur einen messbaren, skalierbaren und ewigen "Return on Impact" erzeugt. Schmiede eine unangreifbare Blaupause: Geh nicht mit einer vagen Idee zu ihnen. Geh mit einer unangreifbaren, von externen Architekten geprüften Blaupause. Zeig ihnen nicht das fertige Schiff. Zeig ihnen den Bauplan und beweise ihnen, dass es unsinkbar ist. Die Reichen sind nicht das Problem. Der Massenkonsum von uns allen ist ein viel größeres. Und unsere Unfähigkeit, die mit dem größten Hebel mit einer Vision zu fesseln, die größer ist als ihr nächster Yachtkauf, ist unser größtes Versäumnis. Also, worauf wartest du? Die Schatzkisten stehen offen. Du brauchst nur die richtige Karte. Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus dem Maschinenraum: Vom Klartext zum Bauplan Wir legen den Finger in die Wunde. Das ist unsere Mission bei The Ocean Tribune. Aber Aufklärung allein rettet keine Ozeane. In der Werkstatt von Vita Loom Labs schmieden wir aus diesem Wissen die unangreifbaren Architekturen, die aus fragilen Projekten resiliente, investierbare Assets machen. Wir schreiben keine besseren Anträge. Wir bauen unbesiegbare Systeme. Wollen Sie sehen, wie eine solche architektonische Intervention in der Praxis aussieht? Unsere Fallstudie seziert den Prozess – vom narrativen Vakuum zum unbesiegbaren System. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!

  • Anatomie eines Schiffbruchs: Warum das Deichmann-Urteil erst der Anfang ist und was die wahren Architekten jetzt tun

    Von Barry Birdbrain Ein Gerichtssaal in Bochum. Mitten im Herzen von Landratten-Country, wo die salzigste Luft vom Pommes-Stand weht. Und von dort, aus diesem staubtrockenen Epizentrum der Ahnungslosigkeit, kam der Schuss, den die ganze Welt gehört hat. Nur die Kapitäne auf den Brücken der großen Konzern-Tanker haben ihn anscheinend mal wieder überhört. Das Landgericht Bochum hat dem Schuh-Giganten Deichmann ins Logbuch geschrieben, was wir von der Möwen-Crew seit Jahren von den Dächern schreien: Euer Gerede von "Nachhaltigkeit" ist so substanzlos wie eine Fata Morgana in der Wüste Gobi. Ein "grünes Image ohne Substanz". Bumm. Versenkt. Du sitzt jetzt vielleicht da und denkst: "Schuhe? Barry, wir sind hier, um den Ozean zu retten, nicht um über Fußbekleidung zu philosophieren." Wenn du das denkst, hast du nichts verstanden. Absolut gar nichts. Dieser Schuhkarton in Bochum, dieses eine, unscheinbare Urteil ... was das mit einem sterbenden Korallenriff im Pazifik zu tun hat? Ich sage es dir: Alles . Es ist der Anfang vom Ende der größten Lüge unserer Zeit. Und es ist die Geburtsstunde einer neuen Ära. Der Ära der Architekten. Die unsichtbare Deichmann-Pipeline: Wie dein "nachhaltiger" Sneaker den Ozean vergiftet Lasst uns mal das Seziermesser ansetzen. Lasst uns diesen "nachhaltigen" Schuh von Deichmann nehmen und ihn aufschneiden wie einen gestrandeten Wal, um zu sehen, was wirklich drin ist. Das Gericht hat gesagt, es fehlen die "konkreten Umweltvorteile". Das ist Juristen-Sprech für: Es ist Bullshit. Aber warum ist es Ozean-Bullshit? Weil zwischen diesem Schuh und dem Herzen unseres blauen Planeten eine direkte, dreispurige Pipeline des Todes verläuft. Pipeline 1: Die materielle Seuche (Das, woraus der Schuh gemacht ist) Dein moderner Schuh ist ein wandelndes Chemielabor. Die Sohle? Oft aus EVA oder Polyurethan. Das ist Plastik. Bei jedem Schritt, den du machst, reiben sich winzige Partikel ab. Forscher vom Fraunhofer-Institut, die wahrscheinlich mehr Spaß auf einer Beerdigung haben als im echten Leben, haben in einer ihrer Studien nachgewiesen, dass Reifenabrieb die größte Einzelquelle für Mikroplastik ist. Aber Schuhsohlen stehen dem in nichts nach. Dieses unsichtbare Gift wird vom nächsten Regen in die Kanalisation, in die Flüsse und dann direkt in den Ozean gespült. Dein "nachhaltiger" Jogging-Schuh füttert die Fische mit Plastik, bevor er überhaupt dreckig ist. Und das Leder? Gegerbt mit Chromsalzen und anderen schmutzigen Brühen, die in den Produktionsländern in Asien oft ungeklärt in die Flüsse geleitet werden. Flüsse, die ins Meer münden. Glückwunsch. Pipeline 2: Der salzige Weg (Das, wie der Schuh zu dir kommt) Der Schuh wird nicht in Bochum gefertigt. Er wird in Vietnam, China oder Bangladesch zusammengeklebt. Wie kommt er in den Deichmann an der Ecke? Er kommt auf einem der riesigen Containerschiffe, die unsere Ozeane durchpflügen. Die globale Schifffahrt, so schreibt es der International Council on Clean Transportation in seinen Berichten, ist für rund 3% der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Das ist mehr als ganz Deutschland ausstößt. Diese Schiffe verbrennen Schweröl, den dreckigsten, billigsten Bodensatz, den man aus einem Barrel Rohöl kratzen kann. Sie verursachen Unterwasserlärm, der die Kommunikation von Walen zerstört. Sie sind eine tickende Zeitbombe für Ölverschmutzungen. Jeder einzelne "nachhaltige" Schuh kommt als blinder Passagier auf einer schwimmenden Dreckschleuder. Pipeline 3: Die architektonische Sünde (Das, was den Schuh überhaupt erst erschafft) Das ist der wichtigste Punkt. Der Punkt, den die meisten Landratten nie verstehen. Der Schuh selbst ist nur das Symptom. Die Krankheit ist die Architektur des Geschäftsmodells . Wir leben im Zeitalter des linearen Kapitalismus . Das ist ein schickes Wort für ein saudummes System: "Rohstoffe aus der Erde reißen, sie mit viel Energie in ein kurzlebiges Produkt verwandeln, es schnell verkaufen und dann hoffen, dass es möglichst bald kaputtgeht, damit der Kunde ein neues kauft." Dieses System ist die Maschine, die unsere Ozeane tötet. Das Deichmann-Urteil hat nicht einen Schuh verurteilt. Es hat, ohne es zu wissen, dieses gesamte, bankrotte Betriebssystem angeklagt. Greenwashing ist nicht das Problem. Greenwashing ist der verzweifelte Versuch, das Tosen der leckgeschlagenen Maschinenräume mit ein bisschen schöner Musik zu übertönen. Aber das Schiff sinkt trotzdem. Raus aus der Werft der Lügen: Die Kunst, ein unversenkbares Schiff zu bauen Okay, genug Salz in die Wunde gestreut. Du weißt, ich hasse nichts mehr als das Gejammer von Leuten, die nur Probleme sehen. Das Deichmann-Beben ist kein Ende. Es ist eine Chance. Es ist die größte Chance, die wir seit Jahrzehnten hatten. Es ist die Chance, endlich aufzuhören, die Fassade zu streichen, und anzufangen, das Fundament neu zu gießen. Es ist die Chance, aufzuhören, über Nachhaltigkeit zu reden, und anzufangen, sie zu architektieren . Was bedeutet das? Es bedeutet, dass die Gewinner der Zukunft nicht die sein werden, die die besten PR-Berater oder die cleversten Anwälte haben, um Greenwashing-Klagen abzuwehren. Die Gewinner werden die sein, die eine so unangreifbare, authentische und in jeder Faser ihres Unternehmens verankerte Nachhaltigkeits-Architektur haben, dass eine Klage dagegen so aussichtslos wäre wie der Versuch, eine Tsunami mit einem Eimer zu stoppen. Wie baut man so etwas? Indem man sich vier brutale, aber befreiende Fragen stellt. Das ist die Essenz dessen, was die klugen Köpfe in Büchern wie "Blue Ocean Strategy" predigen. Es ist das Seziermesser des Architekten: Was schmeißen wir komplett über Bord? Welche "heilige Kuh" schlachten wir? Für einen Schuhkonzern könnte das sein: Das Konzept, jedes Quartal eine neue Kollektion herauszubringen. Was reduzieren wir radikal? Welchen Ballast werfen wir ab? Vielleicht die 50 verschiedenen Grautöne in der Kollektion. Vielleicht die tausenden Kilometer an Transportwegen. Was drehen wir voll auf? Welchen einen Hebel verstärken wir wie niemand sonst? Vielleicht die radikale, lückenlose Transparenz der Lieferkette, bis hin zum Bauern, der die Baumwolle pflückt. Was erfinden wir komplett neu? Welches Angebot erschaffen wir, das die Branche noch nie gesehen hat? Vielleicht einen Schuh, der nicht verkauft, sondern abonniert wird. Ein Schuh, der nach einem Jahr zurückgegeben, zerlegt und zu einem neuen Schuh wird. Ein zirkuläres System statt einer linearen Müll-Pipeline. Wer diese vier Fragen ehrlich beantwortet, betreibt kein Greenwashing. Er schmiedet eine Revolution. Er baut kein Schiff, das Stürmen ausweicht. Er baut ein Schiff, das durch Stürme navigiert und stärker aus ihnen hervorgeht. Dein Logbuch: Wirst du kentern oder navigieren? So, die Sonne geht langsam unter über dem Hafen. Zeit, die Netze einzuholen. Das Deichmann-Urteil hat den Ozean nicht sauberer gemacht. Aber es hat ein Leuchtfeuer entzündet. Es hat eine rote Linie in den Sand gemalt und gesagt: Bis hierhin und nicht weiter. Die Zeit des billigen Geredes ist vorbei. Und das betrifft nicht nur Schuh-Konzerne. Das betrifft dich. Wenn du der Gründer einer NGO oder eines Impact-Startups bist, frag dich: Ist meine eigene Architektur unangreifbar? Oder rede ich auch nur von "gut sein", während meine Serverfarm mit Kohlestrom läuft? Wenn du ein Konsument bist, frag dich: Bin ich Teil des Problems oder Teil der Lösung? Hör auf, vage Versprechen zu glauben. Werde der nervige Kunde. Frage nach den Beweisen. verlange Transparenz. Dreh den Spieß um. Wir alle stehen vor der gleichen Wahl, die Deichmann hatte: Entweder wir investieren in eine Fassade aus Lügen, die beim ersten Sturm zusammenbricht, oder wir investieren in eine unangreifbare Architektur aus Wahrheit. Die Zeit der Fassadenmaler ist endgültig vorbei. Die Zeit der Architekten hat gerade erst begonnen. Also, was baust du? Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus dem Maschinenraum: Vom Klartext zum Bauplan Wir legen den Finger in die Wunde. Das ist unsere Mission bei The Ocean Tribune. Aber Aufklärung allein rettet keine Ozeane. In der Werkstatt von Vita Loom Labs schmieden wir aus diesem Wissen die unangreifbaren Architekturen, die aus fragilen Projekten resiliente, investierbare Assets machen. Wir schreiben keine besseren Anträge. Wir bauen unbesiegbare Systeme. Wollen Sie sehen, wie eine solche architektonische Intervention in der Praxis aussieht? Unsere Fallstudie seziert den Prozess – vom narrativen Vakuum zum unbesiegbaren System. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!

  • Artikelserie: Der offizielle Autopsiebericht des Ozeans (und warum er dich trotzdem nicht zum Heulen bringen muss) - Teil 3

    Von Kevin Klepto Teil 3: Das unsichtbare Herz: Warum der Tod des Planktons die wahre Enthüllung im Copernicus-Bericht ist Okay, hol dir einen steifen Grog. Den wirst du brauchen. Denn heute reden wir über das langweiligste und gleichzeitig wichtigste Thema auf diesem verdammten Planeten. Wir reden über den grünen Schleim. Den unsichtbaren Rasen. Das Zeug, das du nicht siehst, nicht fühlst und wahrscheinlich noch nie einen zweiten Gedanken daran verschwendet hast. Wir reden über Plankton. Ich weiß, was du jetzt denkst. "Plankton? Ernsthaft, Klepto? Nach all dem Drama über Hitzewellen und Monsterkrabben kommst du mir jetzt mit dem Futter für Buckelwale?" Ja. Genau das tue ich. Denn wenn du das hier nicht kapierst, kannst du den ganzen Rest vergessen. Stell dir den Ozean als den Motor des Planeten vor. Die großen Strömungen sind der Antrieb, die Wale und Haie sind die glänzende Karosserie. Aber das Plankton? Das Plankton ist das verdammte Öl im Getriebe UND der Treibstoff im Tank . Ohne dieses mikroskopisch kleine Zeug kommt der ganze Laden nicht nur zum Stillstand. Er frisst sich fest, explodiert und fliegt uns allen um die Ohren. Jeder zweite Atemzug, den du nimmst, stammt vom Sauerstoff, den dieses grüne Zeug produziert. Das ist keine Esoterik. Das ist Physik. Und genau dieser unsichtbare Motor, diese Lunge des Planeten, fängt gerade an zu stottern. Der Copernicus-Bericht, dieses Meisterwerk der trockenen Apokalypse, liefert in seinen tiefsten, am schwersten zu lesenden Kapiteln das EKG dieses sterbenden Herzens. Bist du bereit, einen Blick auf das Blutbild unseres Planeten zu werfen? Der große (Ozean)Austausch: Wie wir unseren Regenwald gegen Steppengras tauschen Wenn Wissenschaftler über Plankton reden, wird es schnell kompliziert. "Phytoplankton-Funktionstypen", "biophysikalisch definierte Provinzen" – das ist die Art von Prosa, die selbst einen Oktopus zum Einschlafen bringt. Aber was es bedeutet, ist brutal einfach. Es gibt nicht nur "das" Plankton. Es gibt verschiedene Stämme, verschiedene Familien. Es gibt die guten und die, naja, weniger guten. Die "Guten" sind zum Beispiel die Kieselalgen (Diatomeen) . Das sind die Schwergewichte. Die Steaks auf dem Buffet des Ozeans. Groß, nahrhaft, voller Energie. Sie sind die Basis für alles, was wir lieben: für den fetten Kabeljau, den majestätischen Thunfisch, den gewaltigen Blauwal. Und sie sind verdammt gut darin, Kohlenstoff in die Tiefsee zu pumpen, wenn sie sterben. Sie sind unsere besten Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel. Und dann gibt es die "Anderen". Zum Beispiel die Prokaryoten . Das sind die Winzlinge. Das "Fast Food" des Ozeans. Klein, nicht besonders nahrhaft. Sie machen satt, aber sie bauen keine Muskeln auf. Und jetzt kommt der Hammer. Die klugen Köpfe, die Kapitel 2.4 des Copernicus-Berichts verfasst haben, zeigen einen klaren, globalen Trend: Die Bestände der guten, nahrhaften Kieselalgen nehmen zu, aber gleichzeitig nehmen die winzigen Prokaryoten ab, und die Zusammensetzung des gesamten Systems verändert sich. Wir erleben einen "großen Austausch". Es ist, als würden wir zusehen, wie ein uralter, artenreicher Regenwald langsam aber sicher durch eine Monokultur aus anspruchslosem Steppengras ersetzt wird. Warum passiert das? Weil wir die Heizung aufdrehen. Der Bericht zeigt, dass sich die Ozeane erwärmen und die oberen Wasserschichten stabiler werden. Das ist, als würde man eine dünne, undurchdringliche Fieber-Haut auf das Wasser legen. Die nährstoffreichen, kalten Tiefenwasser kommen nicht mehr nach oben. Und die großen, anspruchsvollen Kieselalgen brauchen diese Nährstoffe. Sie hungern. Die kleinen, anspruchslosen Prokaryoten kommen mit den Resten klar. Das ist keine Theorie. Das ist die stille, unsichtbare Katastrophe, die sich gerade unter der glitzernden Oberfläche abspielt. Und sie hat Konsequenzen, die weit über das hinausgehen, was im Logbuch der meisten NGOs steht. Die vergessene Fracht: Warum das wichtigste Taxi der Welt liegenbleibt Okay, der Salat an der Meeres-Theke wird also schlechter. Wen juckt's, solange es noch Fische gibt, oder? Falsch. Denn das Plankton hat noch einen zweiten Job. Den wichtigsten von allen. Es ist der größte Umzugsdienst der Welt . Jeden Tag, wenn die Sonne untergeht, beginnt die größte Wanderung auf diesem Planeten. Billionen von winzigen Kreaturen, das sogenannte Zooplankton und Mikronekton (die Krill-und-Co-Brigade, die das Phytoplankton frisst), steigen aus der Dunkelheit der Tiefe an die Oberfläche, um zu fressen. Bei Sonnenaufgang tauchen sie wieder ab, um sich vor Fressfeinden zu verstecken. Und wenn sie abtauchen, nehmen sie etwas mit: Kohlenstoff . In ihren Bäuchen. Und wenn sie da unten sterben oder kacken, bleibt dieser Kohlenstoff da. Für hunderte, vielleicht tausende von Jahren. Dieser Prozess, die "biologische Pumpe", ist der wichtigste Mechanismus, mit dem der Planet die Atmosphäre von unserem Dreck reinigt. Der Copernicus-Bericht (speziell Kapitel 2.1) zeigt, dass sich durch die Erwärmung die Lebensräume dieser winzigen Taxifahrer verschieben. Produktive Zonen schrumpfen. Die Wanderrouten ändern sich. Was das bedeutet? Der größte, effizienteste und billigste CO2-Speicher der Welt fängt an zu stottern. Weil wir das Betriebspersonal verhungern lassen und seine Arbeitswege blockieren. Das ist der Punkt, an dem die Klimakonferenz-Teilnehmer in ihren schicken Anzügen eigentlich schreiend aus dem Raum rennen müssten. Tun sie aber nicht. Weil niemand über Plankton redet. Es ist zu klein. Zu unsichtbar. Zu verdammt unsexy. Dein Befehl des Tages: Fordere das Blutbild an! So. Genug Wissenschaft. Was machen wir jetzt mit diesem Wissen, das sich anfühlt wie ein kalter Stein im Magen? Du kannst nicht rausgehen und Plankton streicheln. Du kannst keine Patenschaft für ein Mikronekton übernehmen. Das ist nicht die Ebene, auf der dieser Kampf gewonnen wird. Dieser Kampf wird auf der Ebene der Architektur gewonnen. Fordere Tiefgang: Wenn du das nächste Mal eine Meeresschutz-Organisation unterstützt, frag sie nicht nach ihren Wal-Projekten. Frag sie nach ihrer Plankton-Strategie . Frag sie, wie sie die Basis der Nahrungskette schützen. Wenn sie dich anschauen wie ein Walross, das gerade eine Zitrone geschluckt hat, weißt du, dass sie nur an der Oberfläche kratzen. Unterstütze die Maschinenraum-Ingenieure: Es gibt da draußen ein paar wenige, brillante Organisationen und Wissenschaftler, die nicht nur Wale zählen, sondern die fundamentalen Prozesse verstehen. Die Modelle bauen. Die versuchen, das Betriebssystem zu reparieren, nicht nur die Kratzer im Lack. Finde sie. Unterstütze sie. Sie sind die wahren Helden dieser Geschichte. Verstehe die Verbindung: Der Kampf um das Plankton ist der Kampf gegen die Klimakrise. Jede Tonne CO2, die du einsparst, jede politische Entscheidung, die auf echte Dekarbonisierung abzielt, ist direkter, aktiver Schutz für das unsichtbare Herz unseres Planeten. Am Ende ist es eine simple Wahrheit: Wir haben Jahrzehnte damit verbracht, die schönen, großen Tiere an der Spitze der Nahrungskette zu bewundern. Jetzt ist die Zeit gekommen, uns endlich um das verdammte Fundament zu kümmern. Wir ignorieren das Blutbild unseres Planeten auf eigene Gefahr. Denn wenn der Motor erst einmal festgefressen ist, ist es egal, wie oft du das Deck polierst. Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus dem Maschinenraum: Vom Klartext zum Bauplan Wir legen den Finger in die Wunde. Das ist unsere Mission bei The Ocean Tribune. Aber Aufklärung allein rettet keine Ozeane. In der Werkstatt von Vita Loom Labs schmieden wir aus diesem Wissen die unangreifbaren Architekturen, die aus fragilen Projekten resiliente, investierbare Assets machen. Wir schreiben keine besseren Anträge. Wir bauen unbesiegbare Systeme. Wollen Sie sehen, wie eine solche architektonische Intervention in der Praxis aussieht? Unsere Fallstudie seziert den Prozess – vom narrativen Vakuum zum unbesiegbaren System. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!

  • Artikelserie: Der offizielle Autopsiebericht des Ozeans (und warum er dich trotzdem nicht zum Heulen bringen muss) - Teil 2

    Von Kevin Klepto Teil 2: Europas kranke Leber: Warum unser Urlaubsmeer gerade den Abgang macht Ich hatte neulich einen Albtraum. Ich lag an einem Strand im Mittelmeer, die Sonne knallte, das Bier war lauwarm und die Sonnencreme klebte mir im Nacken. Tausend andere Touristen lagen neben mir, alle rot wie gekochte Hummer, und starrten auf diese perfekte, postkartenblaue Wasserfläche. Alles sah gut aus. Zu gut. In meinem Traum bin ich aufgestanden, hab mir eine Taucherbrille aufgesetzt und bin reingesprungen. Und unter der Oberfläche war die Hölle los. Das Wasser war nicht erfrischend, es war fiebrig heiß. Am Boden krochen Würmer mit giftigen Borsten, die aussahen wie Nadelkissen aus einem Horrorfilm. Gepanzerte Krabben mit blauen Scheren, die aussahen, als gehörten sie auf einen anderen Planeten, knackten die letzten Muscheln. Die Seegraswiesen waren nicht grün, sondern braun und matschig, wie ein verfaulter Rasen. Ich bin aufgewacht, schweißgebadet. Und das Schlimmste war: Es war kein Traum. Es war die verdammte Realität. Das Mittelmeer, dieser riesige, wunderschöne Swimmingpool, in dem halb Europa jeden Sommer seinen Sonnenbrand kriegt, ist nicht mehr nur krank. Es ist die Leber unseres Kontinents. Und sie ist kurz vor der Zirrhose. Bist du bereit für einen Blick auf die Laborwerte? Die Fieberkurve unseres Badetuchs Die Kollegen von Copernicus haben in ihrem "Ocean State Report" etwas getan, was sonst nur unhöfliche Ärzte tun: Sie haben dem Patienten Europa ins Gesicht gesagt, dass seine Organe versagen. Und sie haben die Zahlen dazu geliefert. Halt dich fest: Das Mittelmeer erwärmt sich fast doppelt so schnell wie der globale Ozeandurchschnitt. Das steht so im OSR9. Das ist, als hätte jeder auf der Welt 38 Grad Fieber, aber du rennst konstant mit 39,5 rum. Das hält kein Organismus lange durch. Dieses Fieber hat einen Namen: Marine Hitzewellen (MHWs). Das klingt harmlos, ist es aber nicht. Stell dir einen Waldbrand vor. Jetzt stell ihn dir unter Wasser vor. Leise, unsichtbar, aber genauso tödlich. Der Bericht beschreibt das Event von 2023 im Mittelmeer als die "längste aufgezeichnete marine Hitzewelle in vier Jahrzehnten". Das Wasser war wochenlang so warm, dass ganze Ökosysteme einfach den Dienst quittiert haben. Und mit dem Fieber kommen die Parasiten. Die Opportunisten. Die Monster, die im Chaos gedeihen. Der Atlantische Blaukrebs (Callinectes sapidus): Ein gepanzerter Albtraum, der sich durch das warme Wasser frisst und die Muschelbänke in Italien (Kapitel 3.2 des Berichts) so radikal vernichtet hat, dass ganze Fischerdörfer vor dem Ruin stehen. Das ist kein ökologisches Problem. Das ist ein ökonomischer Krieg. Der Bärtige Feuerwurm (Hermodice carunculata): Ein giftiges Nadelkissen, das sich ebenfalls im warmen Wasser pudelwohl fühlt und alles frisst, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Und ja, die Dinger können dir böse Verbrennungen zufügen, wenn du drauftrittst. Viel Spaß beim nächsten Strandurlaub. Und während wir auf unseren kranken Swimmingpool starren, fängt auch noch die Herz-Lungen-Maschine des Planeten an zu stottern: der Nordatlantik. Die Berichte (Kapitel 4.1 und 4.2) zeigen eine klare Tendenz: Die Hitzewellen werden auch hier länger, stärker und unberechenbarer. Das ist nicht nur schlecht für Dorsch und Kabeljau. Das ist eine direkte Bedrohung für das europäische Klima, denn dieses System aus Strömungen ist unsere Heizung im Winter und unsere Klimaanlage im Sommer. Die Deichbauer der neuen Zeit Okay, die Diagnose ist beschissen. Der Patient ist auf der Intensivstation. Was tun wir jetzt? Den Stecker ziehen und uns alle ein Grundstück in den Alpen kaufen? Das ist die Feiglings-Variante. Und wir bei der Möwen-Crew sind keine Feiglinge. Die Wahrheit ist: Die alten Methoden der Seenotrettung funktionieren nicht mehr. Es reicht nicht, ein paar Meeresschutzgebiete auszuweisen (die oft nur auf dem Papier existieren) und alle paar Jahre einen "Beach Clean-up Day" zu veranstalten. Das ist, als würde man einem Leberkranken ein Pflaster auf den Arm kleben. Die gute Nachricht ist: Überall an den Küsten Europas stehen gerade die ersten Architekten der Resilienz auf. Leute, die verstanden haben, dass man ein krankes Organ nicht mit guten Wünschen heilt, sondern mit einem radikal neuen, systemischen Ansatz. Ich hab von einer Gruppe in Italien gehört. Statt nur über die Blaukrabben zu jammern, haben sie angefangen, sie als Delikatesse zu vermarkten. Sie haben den Feind in eine Einnahmequelle verwandelt. Sie haben nicht versucht, das alte System zu retten. Sie haben ein neues System gebaut . Der Copernicus-Bericht ist voll von Daten, die beweisen, dass die Probleme regional sind. Eine Hitzewelle in der Adria hat andere Ursachen und Folgen als eine im Atlantik. Und das bedeutet: Die Lösungen müssen ebenfalls radikal regional und maßgeschneidert sein. Wir brauchen keine globalen Wohlfühl-Konferenzen mehr. Wir brauchen tausend kleine, unangreifbare Festungen an unseren Küsten. Dein Logbuch-Eintrag: Wirst du Tourist bleiben oder zum Architekten des Ozeans werden? So. Die Sonne geht unter über dem Hafen, und es ist Zeit für eine Entscheidung. Du kannst diesen Bericht als das abtun, was er ist: eine weitere schlechte Nachricht in einer Welt voller schlechter Nachrichten. Du kannst deinen nächsten Urlaub buchen und hoffen, dass du nicht auf einen Feuerwurm trittst. Du kannst ein Tourist im eigenen Untergang bleiben. Oder du kannst anfangen, die richtigen Fragen zu stellen. Hinterfrage deinen Urlaub: Bevor du das nächste Mal ein Hotel am Mittelmeer buchst, frag nicht nur, ob der Pool sauber ist. Frag, was sie tun, um das Meer vor ihrer Haustür zu schützen. Frag, woher ihr Fisch kommt. Wähl mit deinem Geld die Architekten, nicht die Totengräber. Unterstütze die Festungsbauer: Such dir die eine, lokale Organisation an deiner Lieblingsküste, die nicht nur jammert, sondern baut. Die, die mit den Fischern arbeitet, nicht gegen sie. Die, die einen knallharten Plan hat, der über die nächste Spenden-Saison hinausgeht. Gib ihnen dein Geld und deine Zeit. Werde selbst zum Architekten: Du musst kein Meeresbiologe sein. Aber du kannst in deinem eigenen Leben, in deiner eigenen Firma, die Prinzipien der Resilienz anwenden. Frag dich: Wo ist mein System fragil? Wo bin ich vom "guten Wetter" abhängig? Wo ist meine "Architektur-Lücke"? Der Copernicus-Bericht ist kein Nachruf. Er ist ein Bauplan. Er zeigt uns exakt die Stellen, an denen das Fundament bricht. Unsere Aufgabe ist es jetzt, die verdammten Risse nicht nur zu flicken, sondern ein neues, stärkeres Fundament zu gießen. Der Ozean vor unserer Haustür ist der Kanarienvogel in der Kohlenmine. Und er ist gerade von der Stange gefallen. Ignorieren wir das, oder fangen wir endlich an, die verdammte Mine zu evakuieren?. Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus dem Maschinenraum: Vom Klartext zum Bauplan Wir legen den Finger in die Wunde. Das ist unsere Mission bei The Ocean Tribune. Aber Aufklärung allein rettet keine Ozeane. In der Werkstatt von Vita Loom Labs schmieden wir aus diesem Wissen die unangreifbaren Architekturen, die aus fragilen Projekten resiliente, investierbare Assets machen. Wir schreiben keine besseren Anträge. Wir bauen unbesiegbare Systeme. Wollen Sie sehen, wie eine solche architektonische Intervention in der Praxis aussieht? Unsere Fallstudie seziert den Prozess – vom narrativen Vakuum zum unbesiegbaren System. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!

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