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- Ankern verboten? Navigieren im Dschungel der Meeresschutzgebiete (ohne als Pirat gebrandmarkt zu werden)
Von Doris Divebomber Okay, schnall dich an, du Salzbuckel und Freizeit-Kapitän! Hol die Seekarten raus, polier das Fernglas und versuch, nicht schon beim Lesen seekrank zu werden. Hier bei The Ocean Tribune, wo wir mehr Salzwasser im Blut haben als eine durchschnittliche Auster, widmen wir uns heute einem Thema, das dir als Segler vermutlich näher ist als die letzte unbezahlte Hafengebühr: Dem wachsenden, bunten, manchmal verwirrenden Flickenteppich auf deinen digitalen und papiernen Seekarten – den Meeresschutzgebieten (MPAs). Ja, genau die Zonen, die manchmal das Gefühl vermitteln, man navigiere durch ein Minenfeld aus Vorschriften, und die das freie Ankern in der Traumbucht zum potenziellen Akt der Piraterie machen. Ah, die Freiheit des Segelns! Der Wind in den Haaren (oder auf der Glatze), die Sonne im Gesicht, das sanfte Schaukeln der Wellen und dann … die perfekte Bucht. Türkisblaues Wasser, weißer Sand, kein anderes Schiff weit und breit. Der Anker rauscht hinab, gräbt sich sanft ein, und das Gefühl purer Glückseligkeit stellt sich ein. Man öffnet ein kühles Getränk und … Moment mal. War da nicht was? Ein Blick auf die hypermoderne Plotterkarte, die mehr kostet als ein gebrauchter Kleinwagen, offenbart: Diese idyllische Bucht liegt mitten in einer Zone, die in einem bedrohlichen Magenta oder einem alarmierenden Schraffurmuster eingefärbt ist. "Area of Special Biological Interest", "Seagrass Protection Zone", "No Anchoring Area". Zack! Die Glückseligkeit verwandelt sich in leichte Panik. Habe ich gerade mit meinem 30 Kilo schweren Pflugscharanker ein Biotop von unschätzbarem Wert in Ackerland verwandelt? Werde ich gleich von einem Patrouillenboot mit Blaulicht geentert und in Ketten gelegt? Willkommen im 21. Jahrhundert des Segelns, lieber Freund des nassen Elements. Die Zeiten, in denen man quasi überall dort den Anker werfen konnte, wo er hielt und das Wasser nicht zu tief war, sind vielerorts vorbei. Und bevor du jetzt anfängst, wütend die Flagge mit dem Totenkopf zu hissen: Lass uns mal tief durchatmen (salzige Luft hilft!) und einen Blick darauf werfen, warum dieser „bürokratische Hindernisparcours“, wie wir ihn liebevoll nennen, überhaupt existiert und wie du als Segler damit klarkommst, ohne gleich als Umwelt-Barbar oder eben als moderner Pirat dazustehen. Warum der ganze Zirkus? Der Ozean braucht Bodyguards Seien wir ehrlich: Wir Menschen waren nicht immer die nettesten Nachbarn für das Meer und seine Bewohner. Überfischung, Verschmutzung, Klimawandel, Lebensraumzerstörung – die Liste der Sünden ist länger als die Warteschlange vor einer beliebten Eisdiele im Hochsommer. Die Meere ächzen unter dem Druck, und Meeresschutzgebiete sind im Grunde der Versuch, ihnen kleine (und manchmal auch große) Oasen der Ruhe zu verschaffen. Stell sie dir vor wie Unterwasser-Nationalparks, als Kinderstuben für Fische, als Altersheime für weise alte Korallen oder als Wellness-Resorts für gestresste Seegraswiesen. Der wissenschaftliche Konsens ist ziemlich eindeutig: Gut geplante und effektiv verwaltete MPAs (Marine Protected Areas) funktionieren. Sie können die Artenvielfalt erhöhen, die Fischbestände wieder aufpäppeln (was ironischerweise auch den Fischern außerhalb der Zonen zugutekommen kann – der sogenannte "Spillover-Effekt"), empfindliche Lebensräume wie Korallenriffe oder Seegraswiesen schützen und die Widerstandsfähigkeit der Meeresökosysteme gegenüber dem Klimawandel stärken. Intakte Seegraswiese Nehmen wir zum Beispiel die Seegraswiesen, oft der Grund für Ankerverbote in Küstennähe. Diese unscheinbaren grünen Teppiche unter Wasser sind wahre Superhelden. Sie produzieren Sauerstoff, filtern das Wasser, bieten unzähligen kleinen Meeresbewohnern Schutz und Nahrung (quasi die Krabbelstube des Meeres) und sind effektive Kohlenstoffsenken – sie binden CO2 oft effizienter als Wälder an Land! Das Problem: Ein schwerer Anker, der über den Grund schleift, oder eine Ankerkette, die bei Winddrehungen wie eine Sense durch die Wiese mäht, kann in Minuten zerstören, was Jahrzehnte zum Wachsen gebraucht hat. Besonders betroffen sind hier endemische Arten wie das Posidonia oceanica im Mittelmeer, dessen Schutz für das gesamte Ökosystem dort von enormer Bedeutung ist. Schäden an diesen Wiesen sind oft irreparabel oder brauchen extrem lange, um sich zu erholen. Wenn also ein Ankerverbotsschild (oder eine entsprechende Markierung auf der Karte) eine Posidonia-Wiese schützt, dann schützt es nicht nur ein paar Halme Grünzeug, sondern eine ganze Lebensgemeinschaft und einen wichtigen Klimaregulator. Weltweit sind derzeit etwa 8 % der Meeresfläche in irgendeiner Form als Schutzgebiet ausgewiesen. Das klingt erstmal nicht schlecht, aber der Teufel steckt im Detail: Viele dieser Gebiete haben nur einen geringen Schutzstatus ("Paper Parks"), und nur etwa 2 - 3 % gelten als vollständig oder stark geschützt ("No-take"-Zonen, wo jegliche Entnahme verboten ist). Sogenannte "Paper Parks" sind die Mogelpackungen unter den Schutzgebieten: Groß angekündigt und auf jeder Karte eingezeichnet, aber ohne Personal, ohne Geld und ohne Biss, um wirklich etwas zu bewirken. Mehr Schein als Sein im tiefen Blau – und für den Naturschutz ziemlich nutzlos. Es gibt jedoch ambitionierte globale Ziele, wie die "30x30"-Initiative, die darauf abzielt, bis 2030 mindestens 30 % der Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen. Das bedeutet: Der Dschungel der Vorschriften wird in den kommenden Jahren eher dichter als lichter werden. Der Fluch des bunten Plotters: Wenn Segler im Regel-Nebel stochern Okay, die Notwendigkeit ist (hoffentlich) klar. Aber das ändert nichts daran, dass es für dich Segler manchmal zum Haare-Raufen ist. Die Regeln sind oft komplex, von Land zu Land, ja sogar von Bucht zu Bucht unterschiedlich. Was hier erlaubt ist, kann fünf Seemeilen weiter schon zu einer saftigen Strafe führen. Der typische Regel-Katalog in einem MPA kann Folgendes umfassen (und das ist keine abschließende Liste, eher ein Appetithäppchen aus dem Bürokratie-Buffet): Ankerverbote: Wie besprochen, oft zum Schutz von Seegras, Korallen oder anderen empfindlichen Bodenhabitaten. Manchmal gibt es ausgewiesene Sandflächen, wo Ankern erlaubt ist, oder es werden Mooringbojen bereitgestellt (die aber auch nicht immer vertrauenserweckend oder verfügbar sind). No-Take-Zonen: Hier ist jegliches Fischen oder Sammeln von Meereslebewesen strengstens verboten. Selbst die Angel auszuwerfen, um vielleicht nur zum Spaß einen kleinen Fisch zu fangen und wieder freizulassen, kann hier schon Ärger bedeuten. Geschwindigkeitsbegrenzungen: Oft in Gebieten mit hohem Aufkommen von Meeressäugern (Delfine, Wale, Seekühe) oder Schildkröten, um Kollisionen zu vermeiden. Oder auch zum Schutz von Uferbereichen vor Wellenschlag. Einleitungsverbote: Das Ablassen von Schwarzwasser (Toilette) ist in den meisten Küstengewässern und MPAs sowieso ein No-Go (und sollte es überall sein!), aber oft gibt es auch Einschränkungen für Grauwasser (Dusche, Spüle). Befahrungsverbote: Bestimmte Zonen können saisonal (z.B. während der Brutzeit von Vögeln oder der Fortpflanzungszeit von Robben) oder dauerhaft für jeglichen Bootsverkehr gesperrt sein. Permits und Gebühren: Manche MPAs erfordern eine spezielle Erlaubnis oder die Zahlung einer Gebühr für das Befahren oder Ankern. Die Herausforderung liegt oft darin, zuverlässige und aktuelle Informationen zu bekommen. Seekarten sind nicht immer auf dem neuesten Stand, Online-Quellen widersprechen sich manchmal, und die Beschilderung vor Ort ist … nun ja, sagen wir mal, sie ist nicht immer im Stil eines IKEA-Aufbauplans gestaltet – klar und unmissverständlich. Manchmal ist es ein verwittertes Schild an einem Felsen, manchmal eine Boje, deren Bedeutung sich nur dem Eingeweihten erschließt, und manchmal gibt es gar keine sichtbare Markierung. Abbildung 1 Da segelt man also, studiert die Karte, zoomt rein und raus, versucht die kryptischen Symbole zu deuten, gleicht sie mit dem neuesten Update des Revierführers ab, checkt vielleicht noch eine spezielle App für Umweltauflagen (ja, die gibt es!) und fühlt sich am Ende doch wie bei einer Partie "Topfschlagen" im Nebel. Habe ich jetzt alle Regeln beachtet? Darf ich hier wirklich liegen? Oder schwebt schon das Damoklesschwert einer vierstelligen Geldstrafe über meinem Masttop? Dieses Gefühl der Unsicherheit kann die Freude am Ankern durchaus trüben. Kuriose Klippen im Regel-Meer: Wenn Vorschriften Blüten treiben Manchmal nimmt der Schutzgedanke auch Formen an, die zumindest ein Schmunzeln (oder ein Kopfschütteln) hervorrufen. Ohne jetzt spezifische Orte an den Pranger zu stellen (wir wollen ja keine diplomatischen Verwicklungen mit lokalen Hafenmeistern riskieren), gibt es Anekdoten von Seglern über … … Gebiete, in denen das Ankern zwar verboten ist, aber das kostenpflichtige Nutzen der offiziellen (und manchmal schlecht gewarteten) Mooringbojen obligatorisch ist, selbst wenn perfekter Sandgrund vorhanden wäre. … Regelungen, die das Benutzen von Echoloten in bestimmten Zonen untersagen, was die sichere Navigation und das Finden von erlaubten Ankerstellen auf Sand paradoxerweise erschwert. … komplizierte Online-Anmeldeverfahren für das Befahren eines Schutzgebietes, die selbst IT-affine Segler an den Rand der Verzweiflung bringen. … Zonen, in denen nur bestimmte, zertifizierte, umweltfreundliche Anker erlaubt sind – eine gut gemeinte Idee, die aber in der Praxis schwer umzusetzen und zu kontrollieren ist. Diese Beispiele sollen nicht die Notwendigkeit des Schutzes lächerlich machen, sondern illustrieren, dass die Umsetzung manchmal holprig ist und die Kommunikation zwischen Naturschutzbehörden und Wassersportlern nicht immer optimal verläuft. Hier liegt oft der Kern des Problems: Mangelnde Transparenz, unklare Regeln und das Gefühl, als Segler eher als Störfaktor denn als potenzieller Partner im Naturschutz wahrgenommen zu werden. Kurs halten im Paragraphen-Dschungel: So navigiert der schlaue Segler Okay, genug gejammert. Wie kommst du nun durch diesen Dschungel, ohne dich zu verirren oder als blinder Passagier auf der Black Pearl zu enden? Es erfordert ein bisschen mehr Planung und Aufmerksamkeit als früher, aber es ist machbar. Hier sind ein paar Tipps aus der Ocean Tribune-Trickkiste: Planung ist das halbe Ankerleben: Bevor du überhaupt den Hafen verlässt, werf einen genauen Blick auf die geplante Route und potenzielle Ankerplätze. Nutze aktuelle (!) Seekarten (digital und/oder Papier), Revierführer und offizielle Quellen. Die Webseiten der nationalen Parkverwaltungen oder zuständigen Umweltbehörden sind oft die beste Anlaufstelle für detaillierte Regeln, Karten und Kontaktinformationen. Ja, das ist Rechercheaufwand, aber er erspart potenziellen Ärger und schont die Umwelt (und den Geldbeutel). Digitale Helferlein nutzen (aber mit Verstand): Moderne Navigations-Apps und Plotter-Software (wie Navionics, C-Map, Savvy Navvy etc.) integrieren oft MPA-Grenzen und -Regeln. Es gibt auch spezialisierte Apps (z.B. "DONIA" im Mittelmeer für Posidonia-Schutz), die sehr hilfreich sein können. ABER: Verlass dich nie blind auf eine einzige Quelle! Gleiche die Informationen ab und bedenke, dass Updates manchmal hinter der Realität herhinken. Im Zweifel gilt immer die offizielle Regelung vor Ort. Augen auf im Revier: Wenn du dich einer Bucht oder einem Küstenabschnitt näherst, halte Ausschau nach Markierungen: Bojen (Informationsbojen, Mooringbojen, Begrenzungsbojen), Schilder an Land oder auf Felsen. Manchmal kann man auch von Deck aus unter günstigen Bedingungen (klares Wasser, Sonnenlicht) dunklere Bereiche (Seegras, Felsen) von helleren Sandflächen unterscheiden. Verantwortungsvoll Ankern (wo erlaubt): Wenn Ankern gestattet ist, tue es mit Bedacht. Ziele auf Sandflächen, vermeide das Ankern direkt auf oder am Rand von Seegraswiesen oder Korallen. Nutze ausreichend Kette, um ein Schleifen des Ankers zu verhindern, aber achte darauf, dass die Kette bei Winddrehungen nicht durch empfindliche Bereiche schwingt. Ein Anker-Alarm auf dem GPS ist Pflicht, um sicherzustellen, dass der Anker hält und das Boot nicht in eine verbotene Zone driftet. Wenn Mooringbojen vorhanden und in gutem Zustand sind, sind sie oft die bessere Alternative zum Schutz des Meeresbodens – auch wenn sie manchmal kostenpflichtig sind. Sieh es als deinen Beitrag zum Erhalt der Bucht. Kommunikation ist König (oder zumindest Vize-Admiral): Wenn du unsicher bist, frage! Frag den Hafenmeister im letzten Hafen, frag lokale Fischer (die kennen sich oft bestens aus), frag andere Segler über Funk oder in Online-Foren. Wenn ein Patrouillenboot auftaucht, sei freundlich und kooperativ. Oft sind die Beamten froh, wenn sie sehen, dass man sich informiert hat und bemüht ist, die Regeln einzuhalten. Sie können wertvolle Informationen geben. Sei der "gute Pirat": Segler sind oft die Ersten, die Umweltprobleme bemerken – sei es Müll im Wasser, ein verletztes Tier oder eben Schäden an einem Riff oder einer Seegraswiese durch rücksichtsloses Ankern. Melde solche Beobachtungen (z.B. über Citizen-Science-Apps oder direkt an die Behörden). Zeig, dass du nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung sein willst. Wenn Segler sich als verantwortungsbewusste Nutzer des Meeres präsentieren, haben sie auch eine stärkere Stimme, wenn es darum geht, praxisnahe und faire Regeln mitzugestalten. Fazit: Mehr als nur bunte Flecken auf der Karte Ja, Meeresschutzgebiete können die spontane Ankerplatzwahl einschränken und erfordern mehr Planung. Ja, die Regeln können manchmal verwirrend sein und die Bürokratie nerven. Aber sie sind keine Schikane, die erfunden wurde, um Seglern den Spaß zu verderben. Sie sind ein notwendiges Instrument, um die Schönheit und Vielfalt der Meereswelt – unseren Spielplatz, unser Wohnzimmer, unsere Leidenschaft – für die Zukunft zu erhalten. Indem du dich informierst, die Regeln respektierst (auch wenn du manchmal leise fluchst) und verantwortungsvoll handelst, trägst du dazu bei, dass diese Schutzgebiete ihren Zweck erfüllen können. Du schützt damit nicht nur Seegras und Fische, sondern letztlich auch die Grundlage deines eigenen Hobbys. Denn wer will schon in einer leeren, verschmutzten Badewanne segeln? Also, lieber zukünftiger Jacques Cousteaus und Möchtegern-Meerjungfrauenflüsterer: Sieh die bunten Flecken auf der Karte nicht nur als Verbotszonen, sondern als Investition in die Zukunft. Navigier mit Wissen, Respekt und einer Prise Humor durch den Dschungel. Und wenn du mal wieder unsicher bist, ob du ankern darfst oder nicht – denk an die mürrische Seegurke auf dem Grund, die es dir danken wird, wenn du ihren Vorgarten nicht umpflügst. Werde zum informierten, verantwortungsbewussten Nutzer des Meeres – zum Hüter der blauen Weiten, nicht zu ihren unbeabsichtigten Piraten. Und bleib neugierig – denn nur wer das Meer kennt, kann es wirklich schützen. Und wo erfährt man mehr? Na, hier bei The Ocean Tribune, wo sonst! Mast- und Schotbruch – und immer eine Handbreit Wasser (und Regelkunde) unterm Kiel! Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben! Bildquellen: Abbildung 1: © Commonwealth of Australia 2014, CC BY 3.0 AU , via Wikimedia Commons
- Exklusiv-Interview am Spülsaum – Wir treffen die Schildkröten-Prominenz
Von Kevin Klepto Ahoi Leseratte und Strandläufer! Hier ist dein rasender Reporter Kevin Klepto, live vom … naja, vom Sand halt. Wo sonst? Heute habe ich einen ganz besonderen Coup gelandet. Eine Ikone. Eine Legende. Eine Dame, die schon mehr Kilometer auf dem Buckel hat als dein klappriges Auto. Ich spreche von Shelly, der Meeresschildkröte, die diesen Küstenabschnitt ihr Zuhause nennt – oder besser gesagt, nennen würde, wenn man sie denn ließe! Ich habe sie gerade erwischt, als sie versuchte, unbemerkt ein Päuschen einzulegen. Exklusiv für dich packt Shelly jetzt aus – über den täglichen Wahnsinn, den glotzenden Mob und warum sie manchmal am liebsten ihren Panzer gegen einen Presslufthammer tauschen würde. Schnabel auf und Ohren gespitzt! (Ich hüpfe aufgeregt von einem Bein aufs andere, picke kurz an einem verwitterten Stück Seetang) Shelly! Shelly, meine Liebe! Eine Ehre, eine absolute Ehre! Darf ich Ihnen ein paar Fragen stellen? Für unsere riesige Leserschaft! Die wollen alles wissen! (Shelly hebt langsam den schweren Kopf, blinzelt mit ihren uralten Augen. Ihre Stimme klingt wie Schmirgelpapier auf rauhem Holz.) Riesige Leserschaft? Meinst du die Krabben, die versuchen, deine heruntergefallenen Krümel zu stibitzen, Klepto? Und nenn mich nicht „meine Liebe“, sonst teste ich mal, wie gut dein Flügelknochen unter meinem Kiefer nachgibt. Was willst du? Ich wollte gerade dösen. (Ich weiche einen schnellen Schritt zurück) Äh, nur ein kurzes Interview, Shelly! Über das Leben hier, die … ähm … Besucher. Man sieht Sie ja oft umringt von Menschen. Ein echter Star! Wie fühlt sich das an? Dieses … Rampenlicht? (Schelly stößt einen langen, resignierten Seufzer aus, der fast wie ein Zischen klingt) Rampenlicht? Nenn es beim Namen, Federvieh: Glotz-Terror! Das ist kein Rampenlicht, das ist, als würdest du versuchen, in Ruhe deine Notdurft zu verrichten, während dir hundert Zweibeiner mit blitzenden Kisten ins Gesicht leuchten und dabei kreischen wie ein ganzer Schwarm von euch Himmelsratten, wenn jemand eine Tüte Chips aufmacht! (Ich neige den Kopf schief) Blitzende Kisten? Ah, Sie meinen die Dinger, mit denen sie auch Fotos von mir machen, wenn ich versuche, ein Eis zu klauen! Nervig, ja. Aber … Terror? Terror, Klepto, purer Terror! Stell dir vor: Du bist müde. Du bist seit Tagen, vielleicht Wochen unterwegs, gegen Strömungen angeschwommen, Haien ausgewichen, Quallen gefressen, die schmecken wie alte Gummistiefel. Alles, was du willst, ist an Land kommen, ein Nest buddeln, deine Eier legen – ein heiliger, verdammter Instinkt, ja? Oder einfach nur mal kurz Luft holen und die Sonne auf den Panzer scheinen lassen. Und was passiert? KAUM taucht dein Kopf aus dem Wasser auf, geht das Geschrei los: „DA! EINE SCHILDKRÖTE! SCHNELL! HOL DIE KAMERA! KIIIINDER, GUUUCKT MAL!“ (Ich nicke verständnisvoll) Ja, das kenne ich. Nur bei mir rufen sie: „VERDAMMTE MÖWE! HAU AB VON MEINEM SANDWICH!“ Ist aber doch irgendwie nett, dass sie sich für Sie interessieren, oder? (Shellys Augen verengen sich zu Schlitzen) Interessieren? Das nennst du Interesse? Wenn sie dir den Weg abschneiden, wenn du an Land willst? Wenn sie dir so dicht auf die Pelle rücken, dass du ihre Sonnencreme riechen kannst – widerliches Zeug! Wenn sie ihre Blagen auf dich zustürmen lassen, die mit ihren Schaufeln auf deinen Panzer trommeln wollen? Wenn sie dich umzingeln wie … wie eine Herde Rinder einen Salzleckstein, nur dass ich der Stein bin und keiner leckt, sondern alle nur glotzen und knipsen? Das ist kein Interesse, das ist Belästigung! Das ist respektlos! Das ist … das ist zum Kotzen, Klepto, ganz ehrlich! Wow, starke Worte! Aber … was ist denn das Schlimmste daran? Das Geknipse? Alles! Es ist das Gesamtpaket des Grauens! Das fängt an mit dem Lärm. Dieses ständige Gequatsche, Gekreische, Gelache. Ich brauche Ruhe! Ich muss hören, ob Gefahr droht! Ich muss mich konzentrieren, wenn ich ein Nest suche! Aber nein, da plärrt einer ins Handy, dort heult ein Kind, weil es Sand ins Auge bekommen hat, und überall dieses Klick-Klick-Blitz-Klick! Besonders nachts, wenn ich versuche, meine Eier abzulegen! Dieses Blitzlichtgewitter verwirrt mich total! Ich weiß manchmal nicht mehr, wo das Meer ist! Und dann die Nähe! Sie kommen so nah! Stochern fast mit ihren Selfie-Sticks in meiner Nase rum! „Lächle mal, Shelly!“ Habt ihr sie noch alle? Ich bin eine verdammte Meeresschildkröte, kein Zirkuspony! Selfie-Sticks … ja, seltsame Dinger. Aber sie wollen doch nur ein Andenken … Ein Andenken? Auf meine Kosten? Auf Kosten meiner Gesundheit? Meines Friedens? Meiner Brut? Wissen die Zweibeiner eigentlich, wie viel Stress das für mich ist? Dieser ständige Trubel? Ich finde keine Ruhe mehr! Früher konnte ich stundenlang am Riff treiben und Algen mümmeln. Heute? Kaum tauche ich auf, hängt mir ein Schnorchler am Panzer und filmt mich beim Mittagessen! HALLO? PRIVATSPHÄRE? Schon mal gehört? Würdest du wollen, dass dir jemand beim Fressen von halbverdauten Fischresten zuguckt und das live ins Internet streamt? (Ich zucke zusammen) Äh, kommt drauf an. Wenn dabei was für mich abfällt … Aber ich verstehe den Punkt! Sie fühlen sich bedrängt. Bedrängt? Ich fühle mich wie ein gehetztes Wild! Wie ein Ausstellungsstück im eigenen Wohnzimmer! Und das Schlimmste sind die, die einen anfassen wollen! „Nur mal kurz den Panzer streicheln!“ Finger weg, ihr ungewaschenen Landratten! Mein Panzer ist keine Streichelwiese! Das ist MEIN Haus! MEIN Schutz! Und jedes Mal, wenn mich so eine Patschehand berührt, zucke ich zusammen und würde am liebsten zubeißen! Manchmal tu ich’s auch. Dann ist das Geschrei groß. Heuchler! Sie haben schon mal zugebissen? Saftige Story! Details, Shelly, Details! (Shelly ignoriert meine Sensationsgier) Es geht ums Prinzip, Klepto! Dieser Ort hier, das Meer, der Strand – das ist mein Lebensraum! Seit Millionen von Jahren leben meine Vorfahren hier! Wir gehören hierher! Aber diese Touristen … sie platzen hier rein wie eine Horde Paviane in eine Teegesellschaft! Sie trampeln auf potenziellen Nistplätzen herum, lassen ihren Müll liegen – Plastiktüten sehen unter Wasser aus wie Quallen, weißt du das? Schon mal fast an einer Plastiktüte erstickt? Ich schon! Sie werfen Anker auf Seegraswiesen, meinem Futterplatz! Sie jagen mit ihren lauten Booten über mich hinweg! Und wenn ich dann mal an Land komme, werde ich behandelt wie … wie Freiwild für ihre Kameras! Plastiktüten … ja, ärgerlich. Die verheddern sich auch immer so blöd um die Füße. Aber was könnte man denn tun? Man kann die Leute ja nicht einfach aussperren, oder? Die bringen ja auch … ähm … Futterquellen mit an den Strand. Also, indirekt. (Shelly schnaubt verächtlich) Futterquellen? Meinst du die Pommesreste, auf die du so scharf bist? Ein schwacher Trost für den Verlust meiner Würde! Was man tun könnte? Hirn einschalten! Respekt zeigen! Abstand halten! Keine Blitzlichter, besonders nachts! Keine lauten Geräusche in der Nähe von Nistplätzen! Denk doch mal nach! Stell dir vor, du liegst im Krankenhaus, und ständig stürmt eine Horde Fremder rein, leuchtet dir mit Taschenlampen in die Augen und brüllt: „Guck mal, ein Kranker! Mach mal ein Foto!“ Würde dir das gefallen? (Ich schüttel energisch den Kopf) Nein, das klingt ungemütlich. Krankenhäuser riechen auch komisch. Nicht nach Fisch. Eben! Und das hier ist mein Zuhause, mein Futterplatz, mein Kreißsaal, mein Altersheim – alles in einem! Und die Zweibeiner verwandeln es in einen verdammten Rummelplatz! Ich bin es so leid! Manchmal wünsche ich mir, ich hätte Stacheln wie ein Kugelfisch oder Gift wie eine Seewespe. Nur um mal einen Tag meine Ruhe zu haben! Nur einen einzigen Tag ohne dieses Gegaffe und Geknipse! Ist das zu viel verlangt? (Ich schaue bedrückt) Das klingt wirklich … anstrengend, Shelly. Gibt es denn gar nichts Gutes an den Besuchern? (Shelly überlegt kurz, dann schüttelt sie langsam den Kopf) Gutes? Hmm. Manchmal sehe ich kleine Zweibeiner, die am Strand sitzen und einfach nur aufs Meer schauen. Still. Nachdenklich. Die nicht gleich loskreischen oder die Kamera zücken. Die scheinen noch ein bisschen Ehrfurcht zu haben. Aber die sind selten. Die meisten sind nur … laut und aufdringlich. Sie wollen konsumieren. Auch die Natur. Auch mich. Und das finde ich, um es noch einmal deutlich zu sagen, einfach nur zum Speien! Eine klare Ansage! Shelly, ich danke Ihnen für Ihre … äh … unverblümten Worte. Das wird eine Top-Story! Unsere Leser werden … äh … beeindruckt sein! Haben Sie noch eine letzte Botschaft an die Zweibeiner da draußen? (Shelly dreht ihren Kopf langsam Richtung Meer) Ja. Lasst mich verdammt nochmal in Ruhe! Bewundert das Meer, respektiert seine Bewohner, aber haltet Abstand! Benutzt eure Augen, nicht eure Blitzlichter! Benutzt eure Ohren, um der Brandung zu lauschen, nicht um zu kreischen! Und vor allem: Benutzt euer Hirn! Denkt darüber nach, was euer Verhalten für uns bedeutet! So, und jetzt entschuldige mich. Das Meer ruft. Und im Gegensatz zu euch hört es wenigstens zu. Fazit: Mehr als nur ein Urlaubs-Schnappschuss Puh, das war … intensiv! Shellys Frust ist förmlich greifbar. Hinter ihrer rauen Schale und den, zugegeben, etwas unflätigen Ausdrücken steckt eine ernste Botschaft: Massentourismus, selbst wenn er aus Interesse an der Natur entsteht, kann für Wildtiere zur Qual werden. Shellys Alltag ist ein extremes Beispiel dafür, wie das Bedürfnis nach Erlebnissen und Fotos den Lebensraum und das Wohlbefinden anderer Lebewesen massiv beeinträchtigen kann. Es geht nicht darum, die Faszination für Meeresschildkröten oder andere Tiere zu verdammen. Aber Shellys Wutausbruch sollte uns daran erinnern, dass Respekt und Abstand entscheidend sind. Wildtiere sind keine Entertainer oder Fotomodelle. Sie kämpfen ums Überleben, folgen ihren Instinkten und brauchen ihren Raum und ihre Ruhe. Vielleicht solltet ihr, bevor ihr das nächste Mal die Kamera zückt oder euch einem Tier nähert, kurz innehalten und euch fragen: Würde Shelly das jetzt „zum Kotzen“ finden? Wenn die Antwort „wahrscheinlich ja“ lautet – einfach mal lassen. Den Moment genießen. Aus der Ferne. Das wäre wohl die beste Story von allen. Kevin Klepto, für The Ocean Tribune, jetzt auf der Suche nach einer weggeworfenen Fischsemmel. Over und aus! Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!
- Was wäre, wenn für jedes getötete Meereslebewesen auch ein Mensch geopfert werden müsste?
Von Patricia Plunder The Ocean Tribune präsentiert: Apokalyptische Gedankenspiele für alle, die Meeresfrüchte lieben (aber Menschenleben ein bisschen mehr). Stell dir vor, Mutter Natur hat endgültig die Faxen dicke. Und zwar so richtig. Sie erlässt ein neues, unmissverständliches Gesetz, das so simpel wie brutal ist: Für jedes Meereslebewesen, das über die Klinge springt, muss ein Mensch hinterherhüpfen. Ja, du hast richtig gelesen. Fischstäbchen? Tja, das könnte dein letztes gewesen sein. Strandspaziergang und versehentlich auf eine Muschel getreten? Ups, Pech gehabt. Ein Algorithmus – gnadenloser als jede Steuererklärung – würde alles registrieren und zack, Gegentöten. Klingt nach Endzeitstimmung? Ist es auch, irgendwie. Wir von The Ocean Tribune haben uns gedacht, spielen wir dieses „Was wäre wenn …“ mal durch, denn vielleicht – nur vielleicht – wachen wir dann endlich auf und merken, was wir da eigentlich im Ozean so treiben. Ist ja nicht so, dass es um Leben und Tod ginge … Oh, warte mal … 1. Die Ausgangslage: Ozean am Rande des Nervenzusammenbruchs (und wir mittendrin) Die nackten Zahlen, die einem das Krabbenfleisch im Hals stecken bleiben lassen: Weißt du, wie viele Fische wir jedes Jahr aus dem Meer ziehen? So ungefähr 94,6 Millionen Tonnen. Pro Jahr! Das ist, als würden wir jeden Tag eine Kleinstadt leerfischen. Sagt die Welternährungsorganisation (FAO, 2022). Aber das ist nur der Anfang vom Elend. Denn da kommt ja noch der Beifang dazu. Das sind die ungewollten Opfer im Fischernetz – Delfine, Schildkröten, süße Babyfische, die eigentlich noch gar nicht auf dem Speiseplan stehen sollten. Davon landen jedes Jahr 9,1 Millionen Tonnen im Netz, und die meisten davon werden dann – tot, versteht sich – wieder ins Meer gekippt (WWF, 2023). Appetitlich, oder? Und dann wäre da noch der Plastikmüll. Unser aller Lieblingsfeind. Eine Milliarde Meerestiere verrecken jährlich an unserem Plastikkram. Schildkröten, die Plastiktüten mit Quallen verwechseln (wer kann’s ihnen verdenken?), Wale mit Mägen voller Plastikbecher (fast schon eine moderne Kunstinstallation, wenn es nicht so traurig wäre). (UNEP, 2021). Nicht zu vergessen die Korallen. Die bunten Unterwasserstädte, die aussehen wie von Disney designt. 30 % davon sind schon futsch. Klimawandel, Dynamitfischerei (ja, sowas gibt’s wirklich noch!), und Sonnencreme-Chemikalien (ihr Sonnensünder!). (Global Coral Reef Monitoring Network, 2021). In Summe? Gesamtschätzung: Billionen Tote pro Jahr Direkte Tötung (Fischerei, Beifang): 1 - 3 Billionen Fische + 100 Millionen Wirbeltiere (Wale, Schildkröten, Vögel). Indirekte Tötung (Plastik, Klimawandel, Lebensraumverlust): Millionen bis Milliarden unzähliger Arten, darunter Wirbellose, Korallen und Mikroorganismen. Rechnen wir mal kurz nur mit den Wirbeltieren, denn sonst würde in 5 Minuten kein Mensch mehr auf diesem Planeten sein … Wenn für jedes tote Meerestier ein Mensch dran glauben müsste, dann würden wir jährlich mindestens 100 Millionen Menschen loswerden. Das ist weit mehr als die Einwohnerzahl von Deutschland! Und das ist noch tiefgestapelt, denn wir haben Mikroorganismen, Plankton und die ganze Krabbelgruppe im Meer noch gar nicht mitgezählt. Die sind ja auch irgendwie wichtig, oder? Die Industrie, die das große Fressen veranstaltet: Moderne Fischfangflotten sind Hightech-Monster. Sonar, Schleppnetze, GPS – die finden jeden Fisch, egal wo er sich versteckt. Und die fischen bis zu 60 % über dem Limit, das eigentlich als „nachhaltig“ gilt (Science, 2018). Einmal Thunfisch-Fang im Pazifik, und schwupps, sind 1000 Delfine im Beifang. Super Sache. Und die Aquakultur, die uns als „Lösung“ für alles verkauft wird? Auch nicht ohne. Um 1 Kilo Zuchtlachs zu produzieren, brauchen wir 3 - 5 Kilo Wildfisch als Futter. Das ist so, als würden wir Hühner mit Steak füttern, nur noch bescheuerter. (Nature Sustainability, 2019). 2. Unmittelbare Folgen: Chaos, Kollaps und kein Fisch mehr auf dem Teller Tschüss, Fischerei-Industrie! Hallo, Hungerchaos? Sagen wir mal, das „Auge um Auge“-Gesetz tritt in Kraft. Was passiert? Innerhalb von Minuten würden alle Fischereiflotten im Hafen bleiben. Kein Kapitän der Welt würde riskieren, dass seine ganze Crew in einer Massenselbstmord-Aktion endet, weil sie einen Fischschwarm erwischt haben. Die Konsequenzen, kurz und schmerzhaft: 45 Millionen Jobs in der Fischerei und Fischverarbeitung – weg. Einfach so. (ILO, 2023). Arbeitsamt-Marathon für alle! 3,3 Milliarden Menschen, für die Fisch Hauptnahrungsmittel ist – Hunger. Richtig fetter Hunger. (FAO, 2022). Guten Appetit! Länder wie Island, Japan oder die Malediven, deren Wirtschaft auf Fisch basiert – existenzielle Krise. Staatsbankrott mit Ansage. Der Tod als tägliches „Hallo, wie geht’s?“ Aber es betrifft ja nicht nur die Industrie. Jeder von uns wäre betroffen. Angeln am Strand? Vergiss es. Du ziehst einen Fisch aus dem Wasser, und zack, jemand muss sterben. Vielleicht du selbst. Schwimmen im Meer? Nur mit höchster Vorsicht! Nicht, dass du aus Versehen auf eine Muschel trittst. Tödliche Strandurlaube sind das neue „In“. Wir müssten lernen, das Meer nicht als Supermarkt, sondern als lebendiges Wesen zu betrachten. Als Rechtssubjekt. Mit Ansprüchen. Und Rachegelüsten, offenbar. Und wer kriegt den schwarzen Peter? Wer wird geopfert? Der Staat müsste entscheiden. Wer hat Schuld? Der Fischer? Der Konsument? Oder wird gelost? Oder opfern wir einfach die Armen, damit die Reichen in Ruhe ihren Bio-Lachs essen können? Gabs ja alles schon mal. Im alten Athen wurden Sklaven oder Ausländer für die Verbrechen der Oberschicht hingerichtet. (Universität Cambridge, 2020). Sozialer Sprengstoff garantiert. In 70 % der Länder gäbe es Krawalle. Na, herzlichen Glückwunsch! 3. Ethische Fallstricke: Wer ist gleich viel wert? Qualle vs. Kanzler? Die Lebens-Hierarchie – wer darf sterben? Dürfen wir einen Menschen für den Tod eines Thunfischs opfern? Was, wenn es eine Qualle war? Ein nervenloses Glibberding. Die Philosophin Martha Nussbaum sagt: Jedes empfindungsfähige Leben hat den gleichen Wert (Justice for Animals, 2023). Aber wer entscheidet, wer empfindungsfähig ist? Wale und Kraken – klar. Die sind schlau und traurig. Aber Schwämme? Eher nicht so. Oder doch? Fragen über Fragen. Kulturelle Clash-Royale: In Japan ist Walfang Tradition. Bei den Inuit ist Robbenjagd Überlebensnotwendig. Für die wäre das „Auge um Auge“-Gesetz kultureller Genozid. Die UN-Erklärung für indigene Rechte (2007) sagt: Traditionelle Lebensweisen sind heilig. Aber das neue Gesetz sagt: Nö, sind sie nicht. Juristisches Armageddon mit Leichenbergen. Religionen im Ring: In der Bibel steht: „Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise.“ (1. Mose 9,3). Viele Christen würden das neue Gesetz als gottlose Einmischung ablehnen. Aber Hindus, die Fische als Inkarnationen von Vishnu verehren? Die würden wahrscheinlich Freudentänze aufführen. Religiöser Weltkrieg vorprogrammiert. 4. Langfristige Veränderungen: Vegan-Utopie oder Öko-Diktatur? Die Geburt der Veganischen Ära - oder so ähnlich: Um das Massaker zu stoppen, müssten wir komplett auf Meeresressourcen verzichten. Kein Fisch, keine Algen, kein Meersalz, keine Medikamente aus Schwämmen. Wir müssten alle Veganer werden. Und zwar sofort. Die technologische Rettung? Vielleicht … Zelluläre Landwirtschaft: Startups züchten Thunfischzellen im Labor. Fisch ohne Fisch. (The Guardian, 2023). Schmeckt wahrscheinlich wie Pappe, aber hey, keiner stirbt dafür. Algenfarmen: Mikroalgen liefern Omega-3-Fettsäuren. Heute holen wir die zu 80 % aus Fischöl. (Science Advances, 2021). Algen-Smoothies für alle! Überwachung total: Satelliten, Drohnen, Unterwasserdrohnen – überwachen jedes Meer, melden jeden Fischmord. (Global Fishing Watch, 2023). Big Brother is watching the ocean. Aber Korallenriffe und Tiefsee? Kriegt man eher schlecht überwacht. Das Meer atmet auf: Ohne Fischerei und Tourismus könnte sich der Ozean erholen. Haipopulationen verdoppeln sich in 20 Jahren (Marine Ecology, 2020). Hurra, mehr Hai-Attacken? Nein, Quatsch. Haie sind cool. Korallenriffe erreichen bis 2100 ihre alte Größe wieder (Nature, 2022). Wenn sich die Meere nicht noch weiter aufheizen. Aber Optimismus ist ja bekanntlich die halbe Miete. 5. Unbeabsichtigte Folgen: Öko-Terror und Menschenhandel 2.0 Die Märtyrer der Meere: Radikale Umweltgruppen wie Sea Shepherd und Co könnten das Gesetz missbrauchen. Töten absichtlich Meerestiere, um staatliche Hinrichtungen von Polit-Gegnern zu provozieren. Öko-Terror reloaded. Wie in den 90ern, als Aktivisten Tierversuchslabore abgefackelt haben. Schwarzmarkt für Menschenopfer: In Ländern mit korrupten Regierungen entsteht ein Menschenhandel für Opfer. Schon jetzt sind 6 Millionen Menschen in Zwangsarbeit – viele in der Fischerei. (ILO, 2023). Das neue Gesetz würde diesen Markt explodieren lassen. Menschenopfer zum Schnäppchenpreis? Gruselig. 6. Ein Blick zurück: Was uns Tabus und Opferrituale lehren können Heilige Flüsse, heilige Fische? In Indien sind Flüsse wie der Ganges lebende Götter. Wer sie verschmutzt, sündigt. Nicht nur Ordnungswidrigkeit. So könnten wir die Meere auch sehen. Sakralisiert. Nicht aus Respekt, sondern aus Angst vor dem Todes-Algorithmus. Menschenopfer als Machtinstrument: Die Azteken opferten Menschen, um die Götter gnädig zu stimmen. Anthropologe David Graeber (2011) sagt: Solche Rituale festigen Machtstrukturen. Auch unser „Auge um Auge“-System könnte so funktionieren. Der Staat als „Vermittler“ zwischen Mensch und Natur. Und wer vermittelt zwischen Staat und Bürger? Genau. Fazit: Absurdes Gedankenexperiment mit ernstem Kern Klar, die Idee mit dem Menschenopfer-Gesetz ist total durchgeknallt. Aber vielleicht brauchen wir solche Horrorvorstellungen, um zu checken, was wir dem Ozean antun. Wir beuten ihn aus, als gäbe es kein Morgen. Und wenn wir so weitermachen, dann gibt es vielleicht wirklich bald kein Morgen mehr – zumindest nicht für die Meere und viele andere Lebewesen. Also, denk mal drüber nach, bevor du das nächste Fischbrötchen bestellst. Oder vielleicht lass es einfach ganz bleiben. Dem Meer und deiner Karma-Bilanz zuliebe. Quellen, let´s go! FAO (2022): The State of World Fisheries and Aquaculture. WWF (2023): Bycatch: The Silent Killer of Marine Life. UNEP (2021): Plastic Pollution and Its Impact on Marine Ecosystems. Nature (2022): Recovery Projections for Coral Reefs Under Climate Scenarios. ILO (2023): Forced Labor in Global Supply Chains. Bitte bedenke, dass dieser Artikel zwar rein fiktiv ist und nur hypothetische Annahmen darstellt, aber dennoch reale Tatsachen beinhalten und/oder von solchen inspiriert sein kann. Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!
- Marlin: Meereskönig mit einer wirklich spitzen Nase
Abbildung 1 Von Brenda Beachbum Vergiss alles, was du bisher über coole Meeresbewohner zu wissen glaubtest. Klar, Delfine sind schlau und Meeresschildkröten sind … nun ja, Schildkröten. Aber wenn du nach echten Meeres-A-Promis suchst, müssen wir über Marlins sprechen. Das sind keine gewöhnlichen Fische; sie sind das Unterwasser-Äquivalent eines Formel-1-Autos mit eingebauter Lanze. Stell dir die Kraft, die Geschwindigkeit und die schiere Spitze vor! Sie sind die unangefochtenen Rockstars der Tiefsee, faszinieren Angler, verblüffen Biologen und haben gelegentlich einen dramatischen Auftritt in deinen Meeresfrüchte-Träumen (hoffentlich nicht wörtlich). Doch unter den schimmernden Schuppen und der, seien wir ehrlich, leicht einschüchternden, speerartigen Nase verbirgt sich eine faszinierende Geschichte über Biologie, Ökologie und – du ahnst es, denn wir schreiben das Jahr 2025 – eine kleine Herausforderung für den Naturschutz. Also, schnapp dir deinen metaphorischen Schnorchel und tauch ein in die Welt der Marline. Finde heraus, warum diese Raubtiere mit der spitzen Nase so unglaublich, unglaublich und wunderbar … Marlin-haft sind. Marlin-Stammbaum: Er ist kompliziert (und spitz) Okay, lass uns taxonomisch werden, Baby! Marline gehören zur ziemlich zungenbrecherischen Familie Istiophoridae – versuch das mal nach ein paar Fish and Chips zu sagen. Das bedeutet im Grunde, dass sie mit Fächerfischen und Schwertfischen verwandt sind, so ähnlich wie diese Großfamilie, bei der jeder zum Familienessen mit einem leicht unterschiedlichen, aber ebenso beeindruckenden, spitzen Gesichtsmerkmal auftaucht. Wir haben vier Hauptmodelle von Marlin, die auf den Wasserlaufstegen unterwegs sind: Blauer Marlin (Makaira nigricans): Der Schwergewichts-Champion der Marlin-Welt. Er ist der größte der Gruppe und kommt weltweit in tropischen und weniger tropischen Gewässern vor. Betrachte ihn als die Jetsetter des Marlin-Clans. Weißer Marlin (Kajikia albida): Dieser atlantische Flitzer ist für seine Luftakrobatik berühmt. Er ist der Angeber der Familie und immer bereit, für die Kameras einen spektakulären Sprung hinzulegen (oder einfach nur, weil ihm danach ist). Schwarzer Marlin (Istiompax indica): Der Vertreter der Marlin-Familie. Er kommt im Indopazifik vor und ist steinhart gebaut … na ja, du verstehst schon. Kräftig, kräftig und wahrscheinlich auch ein echter Spaßvogel, der andere Fische beim Bankdrücken überholt. Gestreifter Marlin (Kajikia audax): Unsere pazifische Fashionista mit stylischen Längsstreifen. Von Japan bis Neuseeland stolziert er stolz in seinem Element – denn auch Fische haben ihre Lieblingsurlaubsziele. Und die erwähnten „Cousins“? Der Segelfisch (Istiophorus platypterus) mit seiner unglaublich langen Rückenflosse (was für ein Bad-Hair-Day!) und der Schwertfisch (Xiphias gladius), der statt eines Speers ein abgeflachtes „Schwert“ trägt. Es ist eine spitznasige Party, und jeder ist eingeladen! Marlin: Gebaut für Geschwindigkeit und (Spitzen-)Präzision Reden wir über das Körperbild im Marlin-Stil. Diese prächtigen Tiere sind perfekt für das Leben auf der Überholspur des offenen Ozeans geschaffen. Stell dir das als das Unterwasser-Äquivalent eines Ninja-Sportwagens vor – schnittig, kraftvoll und überraschend gut darin, Dinge aufzuspießen. Auf die Größe kommt es an (insbesondere, wenn du ein Top-Raubtier bist): Blue Marlin: Er kann sich auf satte 5 Meter ausdehnen – das ist länger als ein durchschnittliches Familienauto! Und er bringt stolze 820 kg auf die Waage. Der Rekordhalter, quasi der „LeBron James“ der Marlins. Schwarzer Marlin: Fast so lang wie der Blaue (bis 4,65 Meter) und mit über 750 kg ein echtes Kraftpaket. Der Turbo unter den Marlins – schnell, stark und wahrscheinlich ein bisschen grimmig. Der Typ, der im Fitnessstudio die schwersten Gewichte stemmt und dabei nicht lächelt. Gestreifter Marlin: Etwas kleiner, mit maximal 4,2 Metern und schlanken 220 kg. Trotzdem möchte ich ihm nicht in einer dunklen Gasse begegnen – oder, wie du weißt, im tiefen Ozean. Weißer Marlin: Mit 3 Metern und 80 kg der Kleinste der Hauptgruppe. Relativ gesehen natürlich. Immer noch größer als dein Hund. Wahrscheinlich. Body Shop: Marlin Edition: Das Rostrum: Ah, das Glanzstück! Dieser spitze „Speer“ ist im Grunde eine knöcherne Verlängerung des Oberkiefers und kann bis zu 20 % ihrer gesamten Körperlänge ausmachen. Stell dir vor, du hättest eine eingebaute Waffe, die ein Fünftel deines gesamten Körpers ausmacht! Du benutzen sie, um deine Beute zu betäuben – stell es dir wie einen schnellen Unterwasserstoß vor, der bedeutet: „Das Essen ist serviert!“ Die Rückenflosse: Eine elegante, segelartige Rückenflosse, die sich bei hoher Geschwindigkeit nach unten klappen lässt. Sie ähnelt dem Spoiler eines Rennwagens – nur viel cooler und flossenförmiger. Die Schwanzflosse: Diese kraftvolle Schwanzflosse in Form einer Mondsichel treibt sie mit bis zu 80 km/h durchs Wasser. Das ist schneller als du auf deinem morgendlichen Arbeitsweg! (Wahrscheinlich). Physiologische Zauberei (weil normale Fischorgane langweilig sind): Regionale Endothermie: Ein schöner Ausdruck für „warmblütiges Gehirn und Augen“. Marline verfügen über ein ausgeklügeltes System, das ihr Gehirn und ihre Augen wärmer hält als die umgebende kalte Tiefe. Dies ist einem sogenannten „Gegenstrom-Wärmetauscher“ zu verdanken – was wie aus einem Science-Fiction-Film klingt, bedeutet aber nur, dass sie in kalten Gewässern effizient jagen können. Im Grunde sind sie die James Bonds der Fischwelt – sie bleiben auch bei kalten Temperaturen kühl, auch unter Druck. Supermuskeln: Vollgepackt mit roten Muskelfasern für Ausdauerläufe und weißen Muskelfasern für blitzschnelle Sprints. Sie haben das athletische Paket, um die Distanz zu bewältigen und noch mehr. Farbpalette: Ocean Glamour: Lebendig und munter: Metallisch blau bis silbrig mit schillernden Streifen, die aufleuchten, wenn sie aufgeregt sind. Als würden sie je nach Stimmung ihr Outfit für eine Disco wechseln. Post-Mortem-Makeover: Leider verblassen diese leuchtenden Farben schneller als deine Sommerbräune, sobald sie, nun ja, nicht mehr da ist. Sie verwandeln sich schnell in ein tristes Grau. Das Leben ist vergänglich, selbst für die Könige des Ozeans. Marlins Welttournee: Kein Reisepass erforderlich Vergiss Flugbuchungen und Kofferpacken – Marlins sind die ultimativen Weltenbummler. Sie folgen warmen Strömungen, als würden sie den heißesten Klatschblogs folgen, und durchqueren ohne zu zögern ganze Ozeane. Top-Standorte: Blauer Marlin: Der kosmopolitische Reisende, der in den tropischen und gemäßigten Gebieten des Atlantiks, des Pazifiks und des Indischen Ozeans vorkommt. Er besitzt praktisch ein Timesharing in jedem warmen Ozean der Erde. Schwarzer Marlin: Eher ein Stubenhocker, der sich in den Küstengewässern des Indopazifik aufhält, insbesondere rund um Australien und Südostasien. Mag offenbar einen schönen Strandurlaub. Gestreifter Marlin: Roadtrip-Fan an der Pazifikküste von Japan bis Neuseeland. Diese gestreiften Kerle lieben schöne Panoramarouten. Weißer Marlin: Der Atlantik-Stammgast. Warum in die Ferne schweifen? Er bevorzugt die warmen, vertrauten Gewässer des Atlantiks, inklusive Karibik und Golf von Mexiko. Er kennt dort wahrscheinlich jeden Korallenblock beim Vornamen und hat seine Lieblings-Tiefseegraben-Bar. Fernweh in Flossen: Sie sind große Fans warmer Meeresströmungen wie dem Golfstrom. Stell sie dir als die Autobahn des Ozeans für Marlins vor. Sie legen jährlich beachtliche Strecken zurück – bis zu 9.000 km! Das ist weiter, als du in einem Jahr mit deinem Auto fährst. Satellitenbeobachtungsstudien haben es bewiesen – diese Fische führen bessere Reisetagebücher als die meisten Reiseblogger. Lebensraum-Hotspots: Wassertiefe: Sie bevorzugen die epipelagische Zone (0 - 200 m Tiefe), also die sonnenbeschienenen oberen Schichten, in denen die Partys stattfinden. Sie tauchen aber auch schon mal bis auf 800 m ab, um etwas Ruhe zu finden – oder vielleicht einfach nur, um einen besseren Snack zu finden. Wassertemperatur: Sie mögen es warm – 21 - 30 °C. Sie mögen die kühlen Auftriebsgebiete an der Küste nicht. Wer braucht schon eine kalte Dusche, wenn er ein Marlin ist? Marlin muss essen: Speerfischen im Ozeanstil Wie also finanzieren diese Meeres-Rockstars ihren rasanten Lebensstil? Mit ein bisschen opportunistischer Jagd und jeder Menge spitzer Präzision! Menü der Champions: Hauptgerichte: Fliegender Fisch (weil Snacks aus der Luft immer Spaß machen), Thunfisch, Makrele, Tintenfisch. Im Grunde alles, was lecker und leicht panisch aussieht. Rostrum-Einsatz: Diese speerartige Nase ist nicht nur zur Zierde da! Sie nutzen sie, um ahnungslose Fischschwärme zu erschlagen, zu betäuben oder sie wie ein professioneller Sushi-Koch in Scheiben zu schneiden … allerdings mit mehr roher Gewalt und weniger Wasabi. Teamwork macht den Traum wahr: Manchmal verbünden sich Marline, um ihre Beute an die Oberfläche zu treiben. Stell dir einen Marlin-Moshpit vor, der Fische nach oben treibt – die Ozean-Version eines Buffet-Drive-Throughs. Studien zeigen, dass ein ausgewachsener Blauer Marlin täglich bis zu 10 % seines Körpergewichts verzehren muss. Das entspricht dem Verzehr von 40 - 80 kg Fisch … JEDEN EINZELNEN TAG. Was für ein Fischappetit! Marlin Social Scene: Einzelkämpfer und Teamziele Marline sind nicht gerade für ihr lebhaftes Sozialleben bekannt. Man kann sie als kühle Einzelgänger des Ozeans betrachten, die sich gelegentlich in Gruppenaktivitäten stürzen, wenn es ums Fressen geht. Soloauftritte oder kleine Ensembles: Erwachsene sind oft Einzelgänger und bevorzugen ihre eigene Gesellschaft und den Nervenkitzel der Jagd. Jungtiere hingegen bilden manchmal Schwärme – wahrscheinlich aus Sicherheitsgründen in der Gruppe oder einfach, weil es in einem Fischschwarm weniger einsam ist. Unterwasser-WhatsApp (Body Vibration Edition): Sie kommunizieren über Körpervibrationen und Farbveränderungen, insbesondere bei der Koordination von Jagdstrategien. Es ist wie ein Unterwasser-Rave, nur mit spitzeren Nasen und weniger Leuchtstäben. Marlin-Babys: Millionen von ihnen wachsen wie Unkraut Wenn es darum geht, mehr Marlins zu produzieren, machen diese spitznasigen Wunderkinder keine halben Sachen. Erwachsenwerden (Fisch-Stil): Blauer Marlin: Mädchen erreichen die Geschlechtsreife mit 2 - 4 Jahren (und wiegen stolze 150 kg – die Pubertät im Meer ist hart). Jungen werden früher geschlechtsreif, weil das nun einmal so ist. Gestreifter Marlin: Sie haben es eilig, erwachsen zu werden und erreichen die Geschlechtsreife bereits mit ein bis zwei Jahren. Die Pubertät im Ozean ist offenbar nur von kurzer Dauer. Weißer Marlin: Als Kleinster der Gruppe hat er es offenbar auch eilig, mit den Großen mitzuspielen. Reif für die Familienplanung ist er oft schon mit 2 - 3 Jahren. Keine Zeit für langes Drama – klein, aber schnell bereit! Schwarzer Marlin: Der stämmige Kraftprotz lässt sich etwas mehr Zeit. Geschlechtsreif wird er meist mit 3 - 5 Jahren. Qualität braucht eben seine Zeit – oder vielleicht checkt er erstmal die Immobilienpreise in den Laichgebieten, bevor er sich festlegt. Hotspots für die Babyherstellung: Atlantic Lovers' Lane: Karibik und Golf von Mexiko. Romantische Ausflüge zum Laichen von Marlinen. Pacific Passion Pads: Philippinisches Meer und Korallenmeer. Mehr tropische Atmosphäre für die Zucht von Marlin-Babys. Reproduktionsstatistiken, die dich umhauen werden: Eier-geniale Leistung: Eine Marlin-Dame kann bis zu SIEBEN MILLIONEN Eier pro Saison produzieren! Das sind mehr Eier, als du jemals an warmen Mahlzeiten gegessen hast. Wachstumsschub-Zentrale: Larven sind planktonische (winzige Treibtiere), wachsen aber mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit von 16 mm pro Tag! Das ist, als würde man einem Fisch im Zeitraffer beim Wachsen zusehen. Lebenserwartung: Langstreckenschwimmer: Blaue Marline können bis zu 27 Jahre alt werden – das belegen Analysen ihrer Otolithen (Gehörknochen – ja, sogar Fische haben Gehörknochen, wer hätte das gedacht?). Das ist länger als die Ehen mancher Prominenter! Marlin in Schwierigkeiten: Die Königsfamilie der Ozeane ist bedroht (im Ernst, Menschen?) Okay, jetzt kommt der ernste Teil. Selbst die Königsfamilie der Meere ist nicht immun gegen die Gefahren des modernen Lebens. Und rate mal, wer die Hauptschuld trägt? Ja, du hast es erraten – wir, die lieben Menschen. Bevölkerungsbericht: Sieht nicht gut aus: Blauer Marlin: Von der IUCN als „stark gefährdet“ eingestuft. Sein Bestand ist seit 1950 um unglaubliche 60 % zurückgegangen. Sechzig Prozent! Das entspricht dem Verlust von sechs von zehn Marlinen, die man früher gesehen hat. Autsch. Weißer Marlin: „Vom Aussterben bedroht“. Der Bestand im Atlantik ist auf etwa 20 % des historischen Bestands gesunken. Das ist nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sondern eine regelrechte Marlin-Dürre im Ozean. Gestreifter Marlin: „Potenziell gefährdet“. Er steht quasi auf der Beobachtungsliste. Noch nicht ganz im roten Bereich wie seine Cousins, aber die Warnlampen blinken definitiv. Wenn wir so weitermachen, rutscht er bald in die nächste Gefahrenstufe – ein bisschen wie auf Bewährung im Ozean-Knast. Schwarzer Marlin: „Daten unzureichend“. Das ist der wissenschaftliche Ausdruck für: „Wir haben ehrlich gesagt keine Ahnung, wie schlecht es ihm geht, weil niemand genau genug hinschaut, aber es gibt viele schlechte Zeichen.“ Ein Mangel an Daten bedeutet nicht, dass alles in Ordnung ist – oft ist es ein Zeichen dafür, dass wir die Situation für diesen Küstenliebhaber noch nicht einmal richtig erfasst haben. Für so einen Giganten ist das ein beunruhigendes Fragezeichen. Die üblichen Verdächtigen (Menschenausgabe): Langleinenfischerei: Die Marlin-Plage: Bis zu 70 % der Blauen Marline werden in der Langleinenfischerei als Beifang getötet. Diese massiven Angelschnüre sind im Grunde wahllose Ozeanstaubsauger, die alles auf ihrem Weg einsaugen, auch unsere spitznasigen Freunde. Sportfischen-Stress-Fest: Selbst „Tag-and-Release“-Methoden führen zu einer 40%igen Sterberate aufgrund von Stress. Stell dir vor, du läufst einen Marathon und sollst dann einfach wegschwimmen, als wäre nichts passiert. Stressig, oder? Marlins sehen das genauso. Chaos durch den Klimawandel: Die Versauerung der Meere reduziert die Beutepopulationen. Denn wer seinen Lieblingsfisch nicht mehr bekommt, hat es deutlich schwerer – selbst für Marlins. Marlin-Rettungsbemühungen: Kleine Schritte, großer Ozean: Fangquoten: Die ICCAT (Internationale Kommission zur Erhaltung der Thunfischbestände im Atlantik – versuch das nach Fish and Chips dreimal schnell hintereinander!) reguliert die kommerzielle Fischerei. Im Grunde versucht sie, die Anzahl der Marlins zu begrenzen, die wir legal aus dem Meer fangen dürfen. Mindestgröße ist wichtig: In der EU müssen gefangene Marline mindestens 3,2 Meter lang sein. Als ob wir uns nur für die „großen“ Größen der Meereskönige interessieren würden. Es ist jedoch immerhin etwas. Meeresschutzgebiete: Marlin-Kinderstuben: Orte wie das Papahānaumokuākea Marine National Monument auf Hawaii werden als Laichgebiete eingerichtet. Meereskinderstuben, in denen Marlin-Babys in Ruhe aufwachsen können – fernab unserer lästigen Angelschnüre. Marlin Mania: Mehr wert als dein Auto (wahrscheinlich) Marline sind nicht einfach nur Fische; sie sind kulturelle Ikonen und überraschend wertvolle Handelsgüter. Superstars des Sportfischens: Marline sind der „Heilige Gral“ des Hochseefischens. Schon mal von Hemingways „Der alte Mann und das Meer“ gehört? Ja, dieser mythische Kampf der Marline machte sie zu Königen des Hochseefischens. Angler reisen um die Welt, um einen dieser kraftvollen Fische an den Haken zu bekommen – es ist wie die Unterwasser-Trophäenjagd … nur hoffentlich mit mehr Freilassungen und weniger Präparation. Wirtschaftlicher Aufschwung: Ein einzelner Blauer Marlin kann auf taiwanesischen Fischmärkten bis zu 50.000 Dollar einbringen! Das ist mehr, als manche Häuser wert sind! Da wirkt dein Goldfisch plötzlich etwas enttäuschend, oder? Symbolische Schwimmer: In der polynesischen Kultur repräsentieren sie Stärke und die Verbindung zu den Meeresgöttern. Im Grunde sind sie Meeres-Superhelden mit spitzen Nasen und beeindruckenden Schwimmfähigkeiten. Marlins Zukunft: Eine spitze Hoffnung am Horizont? Die Zukunft der Marlins hängt noch immer in der Schwebe – ein spannender Cliffhanger im anhaltenden Ozeandrama. Doch es gibt Hoffnungsschimmer! Innovative Lösungen zeichnen sich ab, wie etwa Bio-Logging-Sensoren zur Untersuchung ihrer Wanderrouten – klingt wie aus einem fischigen Spionagefilm! Und es werden Anstrengungen unternommen, bessere Fanggeräte zu entwickeln, um den Beifang zu reduzieren – denn niemand möchte seinen Thunfisch mit einem gefährdeten Marlin fangen. Internationale Zusammenarbeit ist von entscheidender Bedeutung, denn Marlins kennen keine politischen Grenzen – sie schwimmen einfach, wohin es ihnen gerade passt. Was ist also das Fazit? Der Marlin, dieser speernasige Herrscher des offenen Ozeans, ist mehr als nur ein hübsches Gesicht (und eine spitze Nase). Sein Schicksal ist ein Gradmesser für die Gesundheit unserer Ozeane. Ihr Überleben erfordert nicht nur wissenschaftliches Engagement, sondern auch eine weltweite Wertschätzung für diese prächtigen Meeresgiganten. Geben wir diesen Meereskönigen eine Chance. Denn eine Welt ohne Marlins? Nun ja, das ist einfach … sinnlos. Quellen, wahrscheinlich wichtig!? IUCN. (2023). Makaira nigricans. Rote Liste bedrohter Arten. Block, BA et al. (2005). „Elektronische Markierung und Populationsstruktur des Atlantischen Blauflossenthunfischs“. Nature. FAO. (2020). Der Zustand der weltweiten Fischerei und Aquakultur. Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben! Bildquellen: Abbildung 1: Jackiemora01, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons
- Kapitäne mutig (und leicht seekrank): Ein urkomischer tiefer Einblick in das Leben eines Frachtschiffkapitäns
Von Patricia Plunder Stell dir vor: Du bestellst online eine Quietscheente. Klingt einfach, oder? FALSCH! Dieser kleine Quietscheentchen-Freund begibt sich auf eine epische Ozean-Odyssee – alles dank der unbesungenen Helden des Welthandels: Frachtschiffe. Diese schwimmenden Giganten sind die Lieferwagen der Meere und transportieren 80 % des weltweiten Warenverkehrs (und ja, wahrscheinlich auch jede Menge Quietscheentchen). Sie sind die stillen Arbeitstiere unserer konsumverrückten Welt, und ehrlich gesagt, die meisten von uns denken kaum an sie. Bis jetzt jedenfalls! Wir von The Ocean Tribune haben beschlossen, dass es höchste Zeit ist, die Meister dieser gewaltigen Metallwunder ins Rampenlicht zu rücken: die Kapitäne der Frachtschiffe. Man könnte es weniger mit „Captain Jack Sparrow“ vergleichen, sondern eher mit … nun ja, sagen wir einfach: Fachwissen, Mut und jede Menge Verantwortung sind im Spiel. Denn hinter jedem verspäteten Amazon-Paket (tut mir leid!) steckt ein Mensch (der Kapitän!), der sich mit allem von Monsterwellen bis hin zu internationalen Vorschriften auseinandersetzt und gleichzeitig versucht, die Meere ein wenig … sauberer zu halten. Begleite uns auf unserem Weg durch den Alltagstrott (und gelegentliches maritimes Chaos) und enthülle die überraschend lustige, aber entscheidende Rolle dieser seefahrenden Superhelden, die unsere Ozeane (und unsere Online-Shopping-Gewohnheiten) über Wasser halten. 1. Die Rolle eines Frachtschiffkapitäns: Mehr als nur einen schicken Hut tragen Verantwortung und Autorität: Im Grunde sind sie der Boss einer schwimmenden Stadt Ein Frachtschiffkapitän, oft nur „Captain“ (schockierend, wir wissen schon) oder der etwas einschüchterndere „Master“ genannt, ist im Grunde der oberste Boss seiner Stahlinsel. Er hat die volle Kontrolle über alles. Man könnte es sich wie den Direktor einer riesigen, sehr nassen und sehr internationalen Highschool vorstellen, nur dass man dort statt Nachsitzen Piraten bekommt. Ihre Macht ist enorm und reicht von der Navigation durch Stürme, die Noah erröten lassen würden, über die Durchsetzung von Sicherheitsvorschriften, die strenger sind als Omas Geldbeutel, bis hin zur Sicherstellung, dass keine Plastikflamingos versehentlich über Bord geworfen werden. Crew-Management: Katzen hüten auf hoher See: Moderne Frachtschiffe sind überraschend effizient und werden von einer schlanken, fleißigen (hoffentlich nicht faulen) Crew von etwa 20 bis 30 Leuten geführt. Der Kapitän ist der ultimative Teamcoach und sorgt dafür, dass alle, vom Maschinenraum-Schmiermeister bis zum Decksputzer, gut ausgebildet, halbwegs zufrieden sind (Seeleben ist nicht immer ein Spaß) und zusammenarbeiten. Stell dir vor, du müsstest 30 Leute managen, die seit Wochen kein Land gesehen haben. Ja, stell dir bloß keine Meuterei vor. Fracht-Ringkampf: Tetris im industriellen Maßstab: Von Bio-Avocados bis hin zu Bergen von Quietscheentchen – der Kapitän sorgt dafür, dass die Ladung dichter gepackt ist als dein Koffer nach einer Woche Urlaub. Warum? Denn wenn sich etwas verschiebt, könnte das ganze Schiff so instabil werden wie ein Kleinkind auf Schlittschuhen. Wir sprechen von Schiffen wie der MSC Gülsün, die über 23.000 TEU (das ist die Containersprache für „eine ganze Menge Zeug“) transportieren kann. Es ist wie Tetris spielen, aber wenn man verliert, geht man unter. Rechtsexperte (Möwe?): So vermeiden sie das Seegefängnis: Kapitäne müssen die internationalen Schifffahrtsgesetze wie ihre Westentasche kennen. Wir sprechen hier von SOLAS (Schutz des menschlichen Lebens auf See) und MARPOL (Meeresverschmutzung) – im Grunde die maritimen Gebote der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO). Wer diese Regeln bricht, muss mit Geldstrafen rechnen, die höher sind als dein Studienkredit oder sogar mit der Beschlagnahmung ihres Schiffes! Erinnerst du dich an die MV Wakashio? Dieses Schiff lief 2020 vor Mauritius auf Grund, und allein die Beseitigung der Ölpest kostete satte 30 Millionen Dollar. Die Moral von der Geschicht? Keine Abkürzungen, es sei denn, du willst für eine Korallentherapie bezahlen. Umweltverantwortung: Captain Planet, aber mit mehr Papierkram Kapitäne sind nicht nur für die Auslieferung deiner fragwürdigen Online-Einkäufe verantwortlich; sie sind auch die wichtigsten Verteidiger unserer Ozeane. Stell sie dir wie Meeresschutzbeamte vor, nur dass sie sich nicht mit Bären herumschlagen müssen, sondern mit … Schwefelemissionen. Genau, MARPOL Annex VI (2020) hat hart durchgegriffen und die Schwefelemissionen um 77 % gesenkt, indem der Schwefelgehalt in Schiffstreibstoffen begrenzt wurde. Das bedeutet, dass Kapitäne sich zwischen teurerem schwefelarmen Treibstoff oder dem Einbau aufwändiger (und wahrscheinlich teurer) Abgaswäscher entscheiden müssen. Wer mit der Umweltverschmutzung spielt, kann sich im wahrsten Sinne des Wortes in Schwierigkeiten bringen. Der US-amerikanische „Act to Prevent Pollution from Ships“ (APPS) kann ihnen Geldstrafen von bis zu 250.000 US-Dollar auferlegen. Autsch! Wenn du also das nächste Mal versucht bist, einen Plastikstrohhalm ins Meer zu werfen, denk daran, dass es Kapitäne gibt, die versuchen, das ganze verdammte Ding sauber zu halten! 2. Ein Tag im Leben: Mit Kaffee und Kompass durchs Chaos navigieren Morgen: Präzision und Planung – wie eine maritime Militäroperation (aber mit Frühstück) Der Tag des Kapitäns beginnt frühmorgens, meist gegen 6:00 Uhr, mit einem „Brückenmeeting“. Klingt schick, oder? Es ist im Grunde die maritime Version eines Stand-up-Meetings im Büro, nur mit mehr Schwung. Sie gehen Wetterberichte durch (denn ein Hurrikan ist schlecht für die Moral), optimieren Routen (ähnlich wie Google Maps für die Schifffahrt, nur viel komplexer) und überprüfen den Motorstatus (um sicherzustellen, dass das Herz des Schiffes noch schlägt). Sie nutzen coole Gadgets wie ECDIS (Electronic Chart Display and Information System) und AIS (Automatic Identification System), um ihr Schiff zu verfolgen und Kollisionen mit anderen großen Schiffen zu vermeiden. Es ist wie Autoscooter auf See, nur mit globalen Handelsinteressen. Wetterrouten: Stürmen ausweichen wie Neo in der Matrix: Kapitäne weichen nicht nur Eisbergen aus; sie sind Meister der Meteorologie und meiden heftige Stürme, um Treibstoff zu sparen und zu verhindern, dass deine Gummientchen zu Treibgut im Meer werden. Im Jahr 2022 zwang Hurrikan Ian 47 Schiffe zur Routenänderung. Das klingt zwar ärgerlich, sparte aber tatsächlich über eine Milliarde Dollar an potenziellen Verlusten. Das sind ganz schön viele Gummientchen! Treibstoffmanagement: Langsam und stetig gewinnt das Öko-Rennen: Ein riesiges Panamax-Containerschiff verbraucht täglich rund 60 Tonnen Treibstoff. Wahnsinn, oder? „Slow Steaming“ (also langsamer fahren als der Berufsverkehr) kann den Treibstoffverbrauch um satte 30 % senken, was sich positiv auf den Planeten (und die Treibstoffkosten des Schiffes) auswirkt. Stell es dir als das maritime Äquivalent zum Hypermiling vor, nur dass du statt Centbeträgen den Planeten (und eine Menge Geld) schonen kannst. Nachmittag: Inspektionen und internationale Intrigen (Okay, vielleicht nur Hafenbesuche) Die Nachmittage sind ausgefüllt mit Inspektionen, Notfallübungen (denn Übung macht den Meister, wenn man auf See mit einem echten Notfall konfrontiert wird) und Gesprächen mit den Hafenbehörden. Wöchentliche Feuer- und Rettungsbootübungen sind dank SOLAS (schon wieder diese maritimen Gebote!) Pflicht. Der Kapitän verhandelt außerdem mit den Häfen Ankunftszeiten, um die lokalen Umweltvorschriften einzuhalten. In Kalifornien beispielsweise gibt es die „At-Berth Regulation“, die Schiffe im Grunde dazu zwingt, während des Liegens Landstrom anzuschließen, wodurch die Dieselemissionen um 95 % reduziert werden. Das ist, als würde man Schiffe Hafen für Hafen dazu zwingen, auf Elektroantrieb umzusteigen! Nacht: Sterne beobachten und wach bleiben (meistens wach bleiben) Nachtschichten auf der Brücke erfordern höchste Konzentration. Müdigkeit ist ein RIESEN-Problem. Eine Studie des Seafarers International Research Centre (2019) ergab, dass 25 % der Offiziere angaben, beim Navigieren eingeschlafen zu sein! Huch! Die Anwesenheit des Kapitäns auf der Brücke dient oft nur dazu, sicherzustellen, dass alle wach bleiben und nicht versehentlich in einen Wal (oder schlimmer noch, ein anderes Frachtschiff) steuern. Es ist ein einsamer Job, auf den endlosen Ozean hinauszublicken, den Warenfluss der Welt aufrechtzuerhalten und gleichzeitig gegen den Drang zu kämpfen, ein Nickerchen zu machen. 3. Umweltschutz: Mehr als nur den Rumpf streichen Kampf gegen den Klimawandel: Das Blatt wenden (im wahrsten Sinne des Wortes) Die Schifffahrt ist für etwa 3 % der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich – das ist so, als würde man sagen, wäre die Schifffahrt ein Land, wäre sie ein ebenso großer Umweltverschmutzer wie Deutschland! Die IMO will diese Emissionen bis 2050 halbieren, was bedeutet, dass Kapitäne unter Druck stehen, neue, umweltfreundlichere Technologien zu nutzen. Das ist, als würde man von einem spritfressenden Pickup auf einen Prius umsteigen, allerdings auf einem Schiff, das so groß ist wie ein Häuserblock. Alternative Kraftstoffe: Mehr als nur Bunkerkraftstoff-Blues: LNG (Flüssigerdgas) reduziert den CO2-Ausstoß um 20 %, Methanlecks bleiben jedoch ein Problem (ähnlich wie Schiffsfurze, nur schlimmer für die Umwelt). Maersks Laura Maersk, das erste methanolbetriebene Schiff, ist ein großer Schritt in Richtung umweltfreundlicherer Kraftstoffe. Sie ist wie der Tesla der Meere, nur hoffentlich mit geringerer Selbstentzündungsgefahr. Ballastwassermanagement: Keine Freifahrtscheine für invasive Arten! Invasive Arten, die im Ballastwasser (Wasser zur Stabilisierung von Schiffen) mitreisen, kosten die Wirtschaft jährlich satte 10 Milliarden Dollar. Die IMO-Ballastwasserkonvention (2017) schreibt Behandlungssysteme vor, deren Installation bis zu 5 Millionen Dollar pro Schiff kosten kann. Im Grunde genommen ist es wie eine Zollkontrolle an Bord, die sicherstellt, dass keine unerwünschten Wasserlebewesen eindringen. Abfallmanagement und Ölverschmutzungsprävention: Weil niemand einen ölverschmutzten Ozean mag Kapitäne sind für die strikte Mülltrennung an Bord verantwortlich. In der Nordsee (einem MARPOL-Sondergebiet) ist das Abladen von Plastik sogar gänzlich verboten. Trotz dieser Bemühungen landen jährlich etwa 12,7 Millionen Tonnen Plastik in den Meeren, davon etwa 20 % von Schiffen. Schnelles Handeln bei Ölverschmutzungen ist entscheidend. Die Exxon-Valdez- Katastrophe (1989) führte zum Oil Pollution Act (1990), der Doppelhüllen-Tanker vorschrieb. Stell dir die Doppelhüllen als maritime Airbags vor, die hoffentlich zukünftige Ölkatastrophen verhindern. Der raue Lärm des Ozeans: Die unsichtbare Unterwasser-Rave (Wale haben nicht zugesagt!) Kennst du das, wenn dein Nachbar manchmal beschließt, 3 Uhr morgens sei die perfekte Zeit für ein Schlagzeugsolo? Stell dir das mal vor: Dein Nachbar ist ein Frachter von der Größe einer kleinen Insel, und sein „Schlagzeugsolo“ ist das ständige, tieffrequente Brummen seiner Motoren und Propeller. Ja, wir reden hier vom Lärm all der riesigen Metallwannen, die über den Ozean tuckern, und glaub mir, die Wale sind nicht begeistert davon. Diese Schiffe, Gott segne ihre Seepocken, veranstalten ungewollt eine nie endende Unterwasser-Rave mit kilometerweiten Schallwellen. Für unsere Walfreunde, die sich bei fast allem auf Echoortung verlassen – beim Plaudern mit ihren Freunden aus der Schote, beim Finden des nächsten Krill-Cocktails und beim Navigieren durch das riesige blaue Buffet – ist es, als würde man mitten in einem Heavy-Metal-Konzert ein ernsthaftes Gespräch führen. Spoiler-Alarm: Es läuft nicht gut. Ohrenbetäubende Wal-Eskapaden: Da unten wird es laut! Unsere Flossenfreunde spüren den Schalldruck. Die schlauen Wissenschaftler der Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI) – quasi das MIT der Meereswissenschaften – haben herausgefunden, dass in manchen stark befahrenen Schifffahrtsstraßen die Lautstärke unter Wasser seit den 60er-Jahren um satte 20 Dezibel aufgedreht wurde! Das ist, als würde man vom Flüstern süßer Nichtigkeiten zum Schreien durch ein Megafon wechseln. Buckelwale, Gott segne ihre melodiösen Seelen, müssen ihre Walgesänge 30 % lauter schmettern, nur um gehört zu werden. Stell dir vor, du möchtest deinem Schatz eine romantische Wal-Ballade vorsingen und musst sie dann lauthals schreien. Das ist wirklich ein Stimmungskiller! Dieses Stimmtraining kostet sie wertvolle Energie und macht das Überleben noch schwieriger, als es ohnehin schon ist. Gestresste Meeressäuger und Kehrtwenden unter Wasser Die Internationale Walfangkommission (IWC), die UNO der Wal-Problematik, erklärt, dass der ständige Unterwasserlärm die Wale ernsthaft unter Stress setzt. Man kann es sich wie einen von Walen ausgelösten Aggressionsausbruch im Straßenverkehr vorstellen, nur dass sie statt zu hupen, hormonelle Ungleichgewichte entwickeln und stranden! Nicht gerade die entspannte Meeresatmosphäre, für die sie sich entschieden haben. Im Mittelmeer, einem ozeanischen Pendant zu einem geschäftigen Stadtzentrum, wurden Pottwale dabei beobachtet, wie sie unter Wasser eine Vollbremsung machten: Sie verkürzten ihre Tauchgänge, nur um dem Lärm der Schifffahrtsrouten zu entkommen. Es ist, als würde man einen entspannenden Wellnesstag genießen, während nebenan Bauarbeiten stattfinden. Zen? Fehlanzeige. Propeller der Gefahr: Wenn Schiffe zu unbeabsichtigten Walfängern werden Es ist nicht nur der Lärm, Kumpel. Diese riesigen Schiffe, die mit einer Geschwindigkeit dahinrasen, die selbst Delfine schwindelig machen würde (bis zu 24 Knoten, das sind für dich Landratte etwa 44 km/h), stellen auch eine echte Gefahr für die Gesundheit dar. Stell dir vor, du versuchst, auf Rollschuhen eine viel befahrene Autobahn zu überqueren – so ähnlich fühlt sich ein Wal, der versucht, einem vorbeirasenden Frachter auszuweichen. Kollisionskurs-Katastrophe: Wal-trifft-Rad-Probleme Die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), quasi der Wetterdienst für Wale und alle anderen wilden Tiere, sagt, dass jedes Jahr mindestens 20.000 Wale durch Schiffskollisionen ihr Leben verlieren. Huch! Langsame Arten wie der Nordkaper – die ohnehin schon seltener sind als eine Möwe – sind besonders gefährdet. Unglaubliche 45 % ihrer seit 2017 registrierten Todesfälle waren auf Schiffsunglücke zurückzuführen. Was für ein maritimes Unglück! Und selbst wenn sie nicht die volle Titanic-Behandlung abbekommen, hinterlassen nicht tödliche Begegnungen oft hässliche Propellerverletzungen. Das Benioff Ocean Science Institute, das im Grunde genommen Ermittler am Tatort der Ozeane ist, stellte 2022 fest, dass 10 % der Grauwale vor Kalifornien Propellernarben hatten. Das ist, als würde man dauerhaft einen „Ich bin nur knapp dem Sushi-Dasein entgangen“-Abzeichen tragen. Sound Solutions: Lasst uns die Schiffe zum Schweigen bringen! Aber keine Sorge, hoffnungsvoller Hafenheld! Unter den Wellen herrscht nicht nur Trübsal. Einige kluge Köpfe entwickeln Lösungen, um die Lautstärke zu senken und den tödlichen Tänzen mit Schiffen auszuweichen. Mach langsam, mach leiser: Im Schildkrötentempo Geschwindigkeitsbegrenzungen können die Spielregeln ändern. In Walparadiesen wie dem Sankt-Lorenz-Golf in Kanada gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 10 Knoten. Diese einfache Maßnahme reduziert das Kollisionsrisiko um satte 80 %, da die Wale mehr Zeit haben, zu sagen: „Nein, heute nicht, Kapitän Ahab!“. Geringere Geschwindigkeiten reduzieren zudem die Lärmbelästigung um bis zu 6 Dezibel. Eine Win-Win-Situation! Das Motorenchaos dämpfen: Leise Schiffe sind die neuen coolen Schiffe Auch Schiffskonstrukteure entwickeln immer raffiniertere Schiffe mit geräuschdämpfenden Motoren und raffinierten Azipod-Propellern – quasi Unterwasser-Flüstermotoren. Die norwegische Reederei Hurtigruten setzt bereits Hybridschiffe ein, die im nahezu geräuschlosen Elektromodus fahren können. Stell dir ein Kreuzfahrtschiff vor, das so leise ist, dass du nur das erleichterte Seufzen der Wale hören kannst! Walbeobachtungstechnologie: Großer Bruder, aber mit Schwimmfähigkeit Projekte wie „Whale Safe“ in den USA nutzen Unterwassermikrofone und KI, um Walgesänge zu erkennen und Schiffe automatisch zu warnen. Das ist, als hätte man ein Wal-GPS und ein Meeressäuger-Megaphon in einem! Kritische Fracht der Bedenken: Schlagen wir wirklich Wellen? Nun zur bitteren Wahrheit: Umweltschützer beobachten die Fortschritte mit Argwohn. Viele dieser Lärmschutzmaßnahmen sind noch immer freiwillig, so als würde man seinen Teenager bitten, sein Zimmer aufzuräumen – viel Erfolg dabei! Nur mickrige 17 % der weltweiten Schifffahrtsrouten haben verbindliche Geschwindigkeitsbegrenzungen. Und laut einem WWF-Bericht von 2023 ist die Durchsetzung oft schwächer als ein paar Wochen alte Algen. Die Richtlinien der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) zur Lärmreduzierung? In vielen Fällen eher Vorschläge. Wir brauchen Taten, nicht nur aquatische Bestrebungen! Aktualisierter Ozeanausblick: Ein stiller Meerestraum Die Auswirkungen der Frachtschifffahrt auf Wale und Meereslebewesen sind ein ernstzunehmendes Problem, das oft übersehen wird (Wortspiel beabsichtigt!). Lärm und Kollisionen sind nicht nur für einzelne Tiere eine Belastung; sie gefährden ganze Populationen und bringen das empfindliche Gleichgewicht unseres großen blauen Hinterhofs durcheinander. Kapitäne sind in der Pflicht, sich zu engagieren, diese technischen Lösungen zu nutzen und die Regeln tatsächlich einzuhalten. Aber seien wir ehrlich: Ohne ernsthafte internationale Regeln mit schärferen Zähnen als ein Weißer Hai wird der Fortschritt langsamer vorangehen als eine Schnecke in Melasse. Action Ahoi! Lasst uns Wellen für die Wale schlagen: Was können wir also tun, um unseren Unterwasser-Opernsängern und Völkerball-spielenden Delfinen zu helfen? Hier sind ein paar Ideen: Globale Geschwindigkeitsbegrenzungen: Machen wir diese Geschwindigkeitsbegrenzungen in Wal-Hotspots weltweit verbindlich. Schluss mit „Vorschlägen“, Leute, nur klare nautische Lärmverbote! Finanzierung der leisen Revolution: Regierungen müssen die Forschung an flüsterleiser Schiffstechnologie fördern. Machen wir leise Schiffe zum Must-have der maritimen Mode. Walbeobachtung überall: Erweiterte Walbeobachtungssysteme wie „Whale Safe“ auf allen stark befahrenen Schifffahrtswegen. So können wir Wale vor herannahenden Metallmonstern warnen! 4. Herausforderungen auf See: Mehr als nur Möwen und Sonnenschein Abbildung 1 Piraterie und Sicherheit: Nicht die verwegenen Piraten deines Großvaters Obwohl die weltweite Piraterie seit ihrem Höhepunkt im Jahr 2011 zurückgegangen ist (danke, Kapitäne!), ereigneten sich 2023 43 % der Vorfälle im Golf von Guinea. Kapitäne absolvieren Sicherheitstrainings und engagieren in Risikogebieten oft bewaffnete Wachen. Die Entführung von Besatzungen diverser Schiffe, bei denen oft Geiselnahmen die Folge sind, zeigt die realen Gefahren. Vergiss Papageien und Augenklappen; moderne Piraterie ist eine ernste Angelegenheit. Extremes Wetter und Klimachaos: Die Stimmungsschwankungen von Mutter Natur Steigende Meerestemperaturen verstärken Hurrikane und beeinträchtigen die Schifffahrtsrouten. Die Hurrikansaison 2023 im Nordatlantik umfasste 19 benannte Stürme, die 12 % der transatlantischen Routen beeinträchtigten. Kapitäne verlassen sich zunehmend auf KI-gestützte Vorhersagemodelle. Es ist, als würde man Siri um Wettertipps bitten – aber wenn Siri falsch liegt, landet man möglicherweise in einer nassen Waschmaschine. Psychische Gesundheit und Isolation: Land in Sicht ... irgendwann! Besatzungen verbringen vier bis neun Monate auf See, oft ohne Land zu betreten. Der „Seafarer Happiness Index“ (2023) zeigte, dass 31 % der Seeleute unter Isolation litten. Kapitäne, die für die Moral der Besatzung verantwortlich sind, weisen zudem eine hohe Selbstmordrate auf – 25 % über dem weltweiten Durchschnitt. Es ist ein hartes Leben, so lange von Familie und Freunden getrennt zu sein und sich auf Seemannslieder und fragwürdiges Bordessen zu verlassen. 5. Technologische Innovationen: Auf dem Weg in eine intelligentere Zukunft Automatisierung und KI: Roboterkapitäne kommen (vielleicht) Autonome Schiffe wie die Falco von Rolls-Royce versprechen sicherere und effizientere Reisen. Kleinere Besatzungen geben jedoch Anlass zur Sorge. Yara Birkeland, das erste elektrisch autonome Containerschiff, fährt ohne Besatzung. Werden Roboterkapitäne menschliche Kapitäne ersetzen? Nur die Zeit (und vielleicht ein paar Fehlfunktionen auf Roboterschiffen) wird es zeigen. Digitale Navigation: Tschüss Sextant, Hallo Satelliten! Echtzeitdaten über das Global Maritime Distress and Safety System (GMDSS) verbessern die Kollisionsvermeidung. Die Blockade des Suezkanals durch die Ever Given (2021) verdeutlichte die Notwendigkeit einer koordinierten Krisenreaktion. Satellitendaten halfen, täglich 400 Schiffe umzuleiten. Es ist wie Waze für die Ozeane, aber mit globalen wirtschaftlichen Folgen. Green Port Initiatives: Belohnung umweltfreundlicher Schiffe Häfen wie Rotterdam und Los Angeles bieten emissionsarmen Schiffen Vergünstigungen wie reduzierte Gebühren. Kapitäne, die diese Programme nutzen, reduzieren ihren CO2-Fußabdruck und sparen Geld. Das ist wie ein Rabatt für das Fahren eines Hybridfahrzeugs – nur auf einem Schiff, das eine Kleinstadt in den Schatten stellen könnte. 6. Fallstudie: Führung unter Druck – Das Wakashio- Weh Abbildung 2 Die Wakashio- Katastrophe vor Mauritius im Jahr 2020 zeigt die enorme Umweltverantwortung von Kapitänen. Nachdem das Schiff auf Grund gelaufen war, wurde Kapitän Sunil Kumar Nandeshwar beschuldigt, den Kurs wegen eines WLAN-Signals geändert zu haben, wodurch 1.000 Tonnen Öl in Korallenriffe gelangten. Der Vorfall löste weltweit Forderungen nach einer strengeren Routenüberwachung und Notfalltrainings aus. Lektion gelernt: Kostenloses WLAN ist verlockend, aber eine Umweltkatastrophe vielleicht nicht wert. Fazit: Kurs auf Nachhaltigkeit (und Vernunft) Frachtschiffkapitäne sind die heimlichen Wächter des Welthandels und unserer Ozeane. Ihre täglichen Entscheidungen, von der Routenplanung bis zum Abfallmanagement, wirken sich auf die marinen Ökosysteme aus. Angesichts des Klimawandels muss diese Rolle grüne Technologien berücksichtigen und vor allem dem psychischen Wohlbefinden Priorität einräumen. Für The Ocean Tribune geht es beim Eintreten für strengere Vorschriften und eine bessere Unterstützung der Besatzung nicht nur um den Schutz der Seeleute, sondern auch um den Schutz der Ozeane, die sie befahren. Denn glückliche Kapitäne (und ein gesunder Ozean) bedeuten eine ruhigere Fahrt für alle – auch für das Quietscheentchen, das du gerade bestellt hast. Quellen: IMO (2023). Globale Schiffsemissionsdaten. UNCTAD (2022). Review of Maritime Transport. International Chamber of Shipping (2023). Bericht zur psychischen Gesundheit von Seeleuten. The Guardian (2021). Analyse zur Ever Given-Blockade im Suezkanal. World Shipping Council (2023). Containerschiffkapazitätsstatistiken. NOAA (2023). Report on Ship Strikes and Whale Mortality. WWF (2023). Quiet Seas: Reducing Underwater Noise from Shipping. Benioff Ocean Science Institute (2022). Whale Entanglement and Vessel Strike Data. IWC (2023). Guidelines on Mitigating Noise Pollution. Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben! Bildquellen: Abbildung1: RootOfAllLight, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons Abbildung 2: imo.un, CC BY 2.0 , via Wikimedia Commons
- Zwischen Himmel und Flut: Ein humorvolles Gespräch mit Militärpfarrer Diego Oscar Elola
Von Brenda Beachbum Willkommen an Bord, Landratte! Heute schlagen wir einen etwas anderen Kurs ein. Normalerweise diskutieren wir tief in den Schützengräben (oder sollte ich sagen, in den Schützengräben der Marianen) über die ernste Lage unserer Ozeane. Aber heute schlagen wir einen leichteren Kurs ein und sprechen mit jemandem, der auf einer anderen Art von Meer navigiert – den manchmal turbulenten Gewässern der menschlichen Seele, besonders wenn sie monatelang auf einem Kriegsschiff herumdümpelt. Lerne Diego Oscar Elola kennen, einen Militärgeistlichen der Deutschen Marine. Ich weiß, was du jetzt denkst: „Ein Geistlicher? In einer Marinezeitschrift? Ist das eine Art göttliche Fügung, um die Plastikverschmutzung zu bekämpfen?“ Nun ja, nicht ganz. Aber Diegos Geschichte ist überraschend faszinierend, und wir dachten uns: Wer könnte besser über die Weite des Ozeans und die menschliche Existenz sprechen als jemand, der beides vom Deck eines Marineschiffs aus erlebt? Freue dich auf unterhaltsame, vielleicht auch erhellende und definitiv neugierige Fragen, wenn ich Pfarrer Diego Fragen stelle, von denen du nie erwarten würdest, dass er sie beantwortet – über Glauben, Kriegsschiffe und vielleicht sogar darüber, welche Fische ihre Sünden bekennen. Gute Fahrt und gute See, los geht’s! Welches ist dein Lieblingstier / Krafttier und warum? Mein Lieblingstier ist der Elefant, weil er für mich Stärke, Resilienz und Würde verkörpert. Er liebt Harmonie, lebt in tiefer Verbundenheit mit seiner Herde und schützt die Seinen notfalls mit seinem eigenen Leben. Besonders beeindruckt mich, dass viele Elefanten im Stehen sterben - aufrecht, unbeugsam, mit Stolz. Welches ist dein Lieblingszitat(e) an das du häufig denkst oder danach lebst? Eines meiner Lieblingszitate stammt nicht aus einem Buch, sondern von Frau Müller – einer älteren Dame aus Franken (Nürnberg), die mir eines Tages mit einem warmen Lächeln sagte: „Egal, was passiert – am Ende ist das Leben reicher geworden.“ Dieser einfache Satz hat sich tief in mein Herz eingeprägt. Nach Fehlern, Enttäuschungen, aber auch Momenten der Freude, sammelt man Erfahrungen. Und genau diese Erfahrungen sind es, die uns helfen, das Leben in der Zukunft mit mehr Tiefe, Verständnis und Gelassenheit zu meistern. Welches ist dein Lieblingsbibelvers? Und bist du ein evangelischer oder katholischer Militärpfarrer? Mein Lieblingsbibelvers steht in 1. Korinther 13,8: „Die Liebe hört niemals auf.“ Dieser Vers ist für mich wie ein innerer Anker. Besonders in schwierigen Zeiten – aber auch in guten Zeiten – lässt er mich nie vergessen, wo mein tieferes Vertrauen liegt. Welches Buch / Bücher sollte man unbedingt gelesen haben und warum (außer die Bibel natürlich)? Diese Frage ist für mich nicht leicht zu beantworten, da meine berufliche und persönliche Ausbildung stark von Philosophie, Theologie und Technik geprägt ist. Meine große Leidenschaft ist es, zu lehren, was wir glauben, feiern, leben und beten. Ich interessiere mich sehr für technologische Entwicklungen, vor allem wenn sie der Menschheit dienen. Streng genommen würde ich jedoch den Katechismus der Katholischen Kirche als grundlegendes Werk nennen – nicht nur als Buch, sondern als Wegweiser für das christliche Leben. Darüber hinaus sind es heute weniger klassische Bücher, sondern vielmehr seriöse Forschungskanäle auf YouTube und anderen Internetplattformen, die mein Denken bereichern. In einer Welt des ständigen Wandels, schätze ich Quellen, die fundiert, aktuell und tiefgründig sind. Wie hast du zum Glauben gefunden? Bist du so erzogen worden oder was war der Auslöser? Ich wurde von meiner Mutter gründlich im Glauben erzogen. Sie sorgte dafür, dass ich die Sakramente der Kirche empfing: Taufe, Erstkommunion und Firmung. Wir waren oft im Gottesdienst, was mir von klein auf ein solides Fundament des Glaubens gab. Doch die Entscheidung, Jesus freiwillig zu folgen, traf ich selbst. Auslöser war ein langer Prozess der Integration in die Gemeinde, bei dem die aktive Teilnahme und das Übernehmen von Verantwortung eine entscheidende Rolle spielten. Dein schönster und schlimmster Moment deiner Aktivität / beruflichen Laufbahn? Der schönste Moment meines Lebens war sicherlich meine Priesterweihe, die mein Leben völlig geprägt hat und mir eine klare Richtung und tiefe Bedeutung gegeben hat. Ein weiterer wichtiger Moment war, als mir 2012 an der Universität Mannheim die DSH (Deutschprüfung für ausländische Studienbewerber) ermöglicht wurde – dafür bin ich der Universität Mannheim sehr dankbar, die für mich eine Ausnahme gemacht hat. Negative Momente waren jene, in denen ich spürte, dass Diskreditierungen gegen meine Person im Gange waren – sicherlich aus Neid oder Missgunst. Welchen Rat würdest du unserer jetzigen jungen Generation für den Einstieg in ihr zukünftiges Leben geben? Welchen Rat sollten sie ignorieren? Der jungen Generation würde ich empfehlen, ihrer persönlichen Leidenschaft zu folgen und ihre Träume Schritt für Schritt zu verwirklichen. Sie sollten den Mut haben, ihre Stimme zu erheben, wenn sie Ungerechtigkeit erleben – auch wenn das den Weg der Verfolgung und Ausgrenzung bedeuten kann. Es ist wichtig, die eigenen Gaben und Charismen vor Neid und Missgunst zu schützen und zu erkennen, wann und wo man eine toxische Realität verlassen muss, um sich selbst zu bewahren. Man sollte dorthin gehen, wo die eigene Person in ihrer Wahrheit anerkannt und geschätzt wird. Hättest Du dir als Kind, das am Fluss Uruguay 200 Kilometer nördlich von Buenos Aires (Argentinien) aufgewachsen ist, je vorstellen können, einmal Süßwasser gegen Salzwasser und Flussufer gegen Kriegsschiffe einzutauschen? Welche Träume träumtest du damals? War es sozusagen eine „Taufe durch Untertauchen“ ins Marineleben? Meine Kindheit war geprägt von den Erlebnissen auf dem Bauernhof meiner Großeltern mütterlicherseits, wo ich im Sommer Feste feierte. Ich konnte dort nicht nur Pferde reiten, sondern auch Schafe, Kühe, Hühner, Enten, Schweine und Ziegen sehen. Noch heute, wenn ich Argentinien besuche, kann ich die Natur der Region förmlich riechen. Damals entdeckte und verstand ich Tag für Tag die Welt durch die Natur. Der Fluss Uruguay hatte für mich eine große Bedeutung. Eine Stadt ohne Promenade konnte ich mir nicht vorstellen. Der Fluss liegt östlich der Stadt – dort, wo die Sonne aufgeht. Deshalb sind Wasser und Licht für mich von Kindheit an Symbole für jeden neuen Tagesanfang. Schnellboote und Yachten waren besonders im Sommer alltäglicher Anblick – das Wasser war ein lebendiger Teil von uns. An das Leben bei der Marine dachte ich erstmals während meiner Ausbildung im Priesterseminar. Dieser Traum blieb stets in einer Ecke meines Herzens lebendig. In welcher Situation in deinem Leben hast du das erste mal gespürt, dass es deiner Meinung nach einen Gott gibt und geben muss? Es gab mehrere Situationen in meinem Leben, in denen ich gespürt habe, dass es einen Gott geben muss. Einerseits, wenn ich an die vielen Faktoren denke, die es überhaupt ermöglichen, dass wir auf diesem Planeten leben – so perfekt aufeinander abgestimmt, dass unser Dasein möglich ist. Für mich ist das kein Produkt eines blinden Zufalls, sondern Ausdruck des Göttlichen. Ebenso beeindruckt mich die Tatsache, dass wir als Menschen über Willen und Freiheit verfügen. Als Kind auf dem Land legte ich mich oft auf einen Liegestuhl und blickte in den sternenklaren Himmel. Tausende Sterne über mir – und ich dachte darüber nach, wie groß das Universum ist. In solchen Momenten fühlte ich mich klein, aber zugleich getragen von etwas Größerem. Wird in Argentinien in den Schulen die Lehre der Evolutionstheorie gelehrt? Ja, das Thema wird in der Regel mit der Biologie der Lebewesen und der Entwicklung des Lebens auf der Erde behandelt. In Argentinien gibt es eine klare Trennung zwischen wissenschaftlichem Unterricht und religiösen Ansichten in den öffentlichen Schulen. Die Evolutionstheorie wird als grundlegender Bestandteil der modernen Biologie angesehen. Was tust du hauptsächlich in deinem Beruf und mit welchen Herausforderungen hast du zu tun? Was treibt dich am meisten an? Als Militärpfarrer bin ich für die geistliche Betreuung der Soldaten und Soldatinnen zuständig. Ich feiere Gottesdienste, spende die Sakramente wie Beichte und Eucharistie und führe religiöse Rituale durch. Mein Ziel ist es, den Soldaten und Soldatinnen durch Gebet, Gespräche und liturgische Feiern spirituelle Unterstützung zu geben und ihre Beziehung zu Gott zu stärken. Ich begleite sie in schwierigen Situationen – ob im Einsatz, im Manöver oder im persönlichen Leben. Dazu gehört auch der Lebenskundliche Unterricht, in dem wir gemeinsam über die ethischen Herausforderungen und die tiefere Bedeutung des soldatischen Dienstes nachdenken. Können Militärpfarrer an Land und auf See eingesetzt werden? Und wenn ja, konntest du es dir aussuchen? Und ziehst du es vielleicht zukünftig in Erwägung, einmal bei Einsätzen an Land eingesetzt zu werden? Ja, beide Realitäten sind möglich. Militärpfarrer können sowohl an Land als auch auf See eingesetzt werden. Von Anfang an habe ich gesagt, dass ich mir die Marine wünsche. Vorteilhaft ist, dass nicht jeder die Bordverwendungsfähigkeit hat oder gerne an Bord geht – daher sind wir nur wenige „Seepfarrer“. Einsätze an Land sind ebenfalls möglich, und ich bin sicher, dass ich sie gut absolvieren würde. Am Ende bin ich gerne dort, wo die Truppe ist. Hattest du eine Probezeit, wo du hättest sagen können, das ist nichts für mich, ich kann nur an Land meinen Dienst als Pfarrer verrichten (aufgrund von Seekrankheit, ...)? Ja, ich musste eine sechsmonatige Probezeit absolvieren, in der ich selbst testen konnte, ob dieser Dienst realistisch für mich ist. Am Anfang war es durchaus herausfordernd, da ich viele Sicherheitsaufgaben, Gepflogenheiten, Vorschriften und mehrere Lehrgänge absolvieren musste. Es war eine intensive Zeit, die mir jedoch die Grundlage gab, mich sicher und kompetent in der Welt der Bundeswehr zu bewegen. Heute bin ich sehr dankbar dafür. Werden Militärpfarrer gesucht oder gibt es genug und wie alt muss man mindestens sein? Militärpfarrer werden tatsächlich gesucht – und wir werden immer weniger. Die deutschen Bistümer haben sich auf einen Kompromiss geeinigt: Kandidaten können zeitlich begrenzt für die Militärseelsorge freigestellt oder entsendet werden. Die aktuelle Lage zeigt jedoch deutlich, dass die Zahl der Militärseelsorger stetig sinkt. In meinem Fall wurde ich von meinem Bischof in Argentinien für sechs Jahre freigestellt, danach kann der Einsatz verlängert werden. Mein Vertrag läuft bis zum Jahr 2027, danach ist es offen. In der katholischen Kirche in Deutschland besteht die Möglichkeit, auch Pastoralreferentinnen und -referenten sowie Gemeindereferentinnen und -referenten – je nach Ausbildung – als Unterstützung angesichts sinkender Priesterzahlen einzusetzen. Gibt es mehrere Bibeln an Bord oder nur deine Mitgebrachte? Fast alle Fregatten und Versorger (EGV) verfügen über eine kleine Bordbibliothek – und eine meiner ersten Fragen bei Ankunft ist stets, ob es dort eine Bibel gibt. Falls nicht, kümmere ich mich darum, dass eine an Bord kommt. Aber nicht einfach so: Ich versuche, sie im Rahmen einer offiziellen Übergabe während einer Messe dem Kommandanten zu überreichen. Auf diese Weise wird die Bibel nicht nur sichtbar, sondern auch die Präsenz des Militärpfarrers als Geistlicher an Bord. Wird mit der gesamten Besatzung vor dem Essen gebetet oder am Abend oder wie macht ihr das? Leider nicht. Soldatinnen und Soldaten können dafür freigestellt werden, aber niemand soll sich gezwungen fühlen, daran teilzunehmen. Ein gemeinsames Gebet oder ein Segen vor dem Essen kann sich manchmal in einem besonderen Rahmen ergeben, doch in meiner bisherigen Erfahrung habe ich das noch nicht erlebt. Allerdings habe ich es selbst auf einer spanischen Fregatte erlebt, wo die Kirche anders eingestellt ist und beim Mittagessen mit dem Kommandanten und den Offizieren ein kleines Gebet geführt wird. Angenommen ich bin an Board und nicht gläubig, kannst du einen auch das Beten zu Gott beibringen oder macht man das als Pfarrer nicht und gibt nur Ratschläge? Ich begegne der Besatzung an Bord in erster Linie als Mensch – nicht sofort als Pfarrer. Die Religion kommt erst ins Spiel, wenn Interesse besteht. Ich bin jederzeit ansprechbar, rund um die Uhr, aber vieles ergibt sich von selbst: Im Laufe der Wochen und Monate entwickeln sich oft ganz natürliche Gespräche, in denen konkrete Fragen entstehen – auch über den Glauben oder das Beten. Veranstaltest du und leitest du wöchentliche Sonntagsgottesdienste oder welches Programm wird veranstaltet? Jeder Militärseelsorger und jede Militärseelsorgerin gestaltet die Seelsorge unterschiedlich. Ich versuche dort, wo ich in der Marine im Einsatz bin, ein verlässliches und wiedererkennbares Zeremoniell zu etablieren, sodass die Besatzung ohne Hemmungen oder Unsicherheiten weiß, worum es geht. Meine religiösen Veranstaltungen sind stark maritim geprägt und orientieren sich an der Sprache und den Ritualen des militärischen Alltags. Einmal pro Woche oder nach Gelegenheit biete ich einen Gottesdienst an, besonders wenn das Schiff auf See ist. Wenn das Schiff am Sonntag auf See ist, wird der Gottesdienst zu einer zentralen Uhrzeit, also früh am Nachmittag, abgehalten, gefolgt von einem kleinen Umtrunk oder am Tag vor dem Einlaufen, damit die Erholung der Besatzung im Hafen nicht gestört wird. Wenn sich eine Gruppe bildet, findet der Gottesdienst auch am Hafen statt, jedoch an Bord oder in einer nahegelegenen Kirche, wenn möglich. Ich habe selbst ein Heft für die Marine entwickelt, das die Grundlage der Liturgie bildet und als kleines Zeremoniell dient, bei dem die Glocke, die Musik und die Flagge eine wichtige Rolle spielen. Heutzutage erlaube ich mir, durch die künstliche Intelligenz eigene Lieder zu komponieren und passende Musik für die Besatzung und den Einsatz zu erstellen. Das macht wirklich Spaß und verbreitet Kreativität, da es eine neue Möglichkeit eröffnet, die geistliche Atmosphäre mit modernen Elementen zu bereichern. Die Musik kann die Besatzung auf eine besondere Weise ansprechen und in den verschiedenen Einsatzszenarien eine tiefere Verbindung schaffen. (Klicken zum Vergrößern) Warst du schon einmal ein Auslöser für einen Menschen ins Kloster zu gehen oder selbst Pfarrer werden zu wollen? Wenn ja, wie hattest du dich gefühlt? Durch meine bereits bekannten Sozialen Netzwerke und Kanäle werde ich immer wieder gefragt, wie man Priester werden kann. In den letzten Jahren haben sich auch vermehrt Kandidaten der Pastoralreferenten an mich gewandt, um zu erfahren, wie man Militärgeistlicher wird. In solchen Fällen verweise ich sie an unsere Vorgesetzten, damit sich vielleicht ein Praktikum oder ein erster Einblick in die Militärseelsorge ergibt. Wie lange und in welchen Gewässern warst du schon und gab es auch Landgänge? Im November 2022 nahm ich an Übungen an der Küste Norwegens teil (mit der Fregatte Sachsen). Von Januar bis Mitte April 2023 war ich erneut an Bord der Fregatte Sachsen im Mittelmeer beim Manöver. Während dieser Zeit führten wir verschiedene Übungen durch, mit Landgängen in Porto (Portugal), Toulon (Frankreich), Málaga (Spanien) und auf Kreta (Griechenland), konkret in Souda. Später war ich wieder unterwegs, jedoch bereits im mandatierten Einsatz an Bord der Fregatte Mecklenburg-Vorpommern im Baltikum, mit Landgängen in Finnland, Norwegen, Island, Schweden, Polen und Estland. Noch einmal war ich von Ende September bis Mitte Dezember an Bord des Einsatzgruppenversorgers Frankfurt am Main in der Ägäis, mit Landgängen in der Türkei (Izmir), mehrmals in Zypern (Limassol) und vielen Tagen auf See während des Ausbruchs des Konflikts zwischen Israel und dem Gazastreifen. Du wirst als “Freund der deutschen Marine” bezeichnet. Ist das etwa so, als wäre man mit einem richtig großen, kräftigen und leicht einschüchternden … Wal befreundet? Und erwidert die Marine die Freundschaft etwa mit Extraportionen Kuchen? Diese Freundschaft entsteht nicht einfach durch Titel oder Dienstgrad – sie wächst, wenn die Besatzung spürt, dass du wirklich mittendrin bist. Nicht egozentrisch, sondern integriert. Der große Wal – um im Bild zu bleiben – ist wie eine riesige Familie. Und ja, ich habe es tatsächlich erlebt, dass dieser „Wal“ einen Freund schützt, wenn es darauf ankommt. Extra Kuchen gibt es tatsächlich! Zum Beispiel an Bord der Frankfurt, als ich am 6. Oktober 2023 meinen Geburtstag auf See feierte. Als Überraschung und Zeichen der Anerkennung hat die Kombüse (Küche) einen Kuchen für mich gebacken, der mir offiziell vom Kommandanten und ersten Offizier auf der Brücke überreicht wurde. Danach haben wir einen Sundowner mit der gesamten Besatzung erlebt. Großartig und Hurra! Ich spüre es auch, wenn ich im Hafen von Wilhelmshaven bin, wo die Fregatten nebeneinander liegen, die Soldaten und Soldatinnen arbeiten und mich in der Ferne sehen. Sie pfeifen laut und rufen „Heyyy Diego, Pfarrer!“, während sie mir freundlich zuwinken. Das ist für mich die schönste Anerkennung. Wir haben gehört, du interessierst dich für Technologie. Gibt es mittlerweile eine Marine-App für spirituelle Führung? Können Seeleute „göttliche Downloads“ direkt auf ihr Smartphone bekommen? Tatsächlich haben wir als katholische Militärseelsorge bereits eine App für Lourdes – für die große internationale Wallfahrt nach Frankreich. Eine wirklich schöne Sache! Aber schon länger überlege ich, ob wir nicht auch etwas Spezielles für die Marine entwickeln könnten. Seit ich selbst im Einsatz bin, liegt mein Fokus ganz klar auf der direkten Begleitung der Besatzung vor Ort, und ich nutze die Bildschirme der Schiffe und normale Durchsagen, um Informationen zu übermitteln. Natürlich ist eine starke Plattform wie Instagram nach wie vor wichtig, da wir, egal wo wir sind, miteinander kommunizieren können. Aber was die „göttlichen Downloads“ betrifft, so nutze ich gerne die Künstliche Intelligenz, um Musik zu komponieren oder Korrekturen vorzunehmen. Du bist manchmal bis zu neun Monate auf See – das ist länger als so manche Reality- TV-Show! Fühlst du dich manchmal wie in einem spirituellen “Big Brother-Haus”, wo es statt Drama meist nur darum geht, eine ruhige Ecke zum Beten zu finden? Meine persönliche Biographie hat mich gut darauf vorbereitet. Ich war sieben Jahre im Priesterseminar, immer mit der gleichen „Besatzung" um mich. Also bin ich bestens trainiert für längere Zeiten auf engem Raum! Mehr als Drama spürt man häufig die Erschöpfung der Besatzung, besonders wenn wir schon lange unterwegs sind, und ich nehme es sehr ernst, den Menschen in solchen Momenten beizustehen. Ich kann dadurch beten, insbesondere wenn ich den Gottesdienst halte oder bei meinen Spaziergängen auf dem Oberdeck, wo ich das Meer beobachte und innerlich meine persönlichen Eindrücke bearbeite. Ich denke an die Besatzung und auch an meine Feinde! Also, man kann ruhig beten, wenn man es will. Wir sind ein Magazin für alles maritime! Hattest du schon einmal ein tiefgründiges, spirituelles Erlebnis mit dem Meer? Vielleicht einen atemberaubenden Sonnenuntergang auf See oder einen Moment voller Ehrfurcht beim Beobachten der Meeresbewohner? Ja, sogar beide! Einmal im Mittelmeer an Bord der Frankfurt am Main war das Meer so ruhig, dass es wie ein Spiegel wirkte. Es war ein Moment, der mich an den Film Titanic erinnerte, als ich an den Bug des Schiffes ging – alles war still, fast wie fliegen, und das Wasser spiegelte den Himmel wider. Immer wieder erlebe ich spektakuläre Sonnenuntergänge in einem leuchtenden Orange oder die neugierigen Delfine, die uns ab und zu begleiten. Wie hältst du eine besondere Seepredigt? Beziehst du diese auf Metaphern, zum Beispiel darauf, wie man durch die Stürme des Lebens navigiert und im Glauben seinen Anker findet? Genau, eine gute Seepredigt sollte prägnant und mit klarer Botschaft sein, besonders an Bord, wo die Zeit oft knapp ist. Themen wie Kameradschaft, Zusammenhalt, Auftrag und Ehre sind zentrale Themen, die sich direkt auf das tägliche Leben und die Mission beziehen. Ich achte darauf, dass sie nicht zu lang wird, aber eine klare Botschaft vermittelt, und erlaube mir, kleine, einfache Fragen zu stellen, damit die Aufmerksamkeit nicht schwindet! Das macht Spaß, weil wir auch gerne zusammen lachen. Was ist das seltsamste Meerestier, dem du auf Reisen begegnet bist? Und hat es dich zu einer Predigt inspiriert? Vielleicht etwas über die “Geheimnisse der Tiefe”? Auf meinen Seefahrten habe ich immer wieder Delfine gesehen – diese neugierigen, verspielten Kreaturen sind wirklich faszinierend und ein ständiger Begleiter auf den Reisen. Mein Wunsch wäre es, einmal einen Pottwal zu sehen – "Moby Dick"! Das wäre wirklich der absolute Hammer! Ich finde diesen gigantischen Meeressäuger unglaublich interessant und beeindruckend. Aber das wahre Highlight wäre, einen Blauen Wal zu sehen – die Königin des Meeres! Du bist sehr in den sozialen Netzwerken aktiv. Hast du schon einmal bei deinen Social- Media-Aktivitäten darüber nachgedacht, einen TikTok-Trend namens, “#PrayForOcean” oder “#PrayForPlankton” zu starten? (Man bedenke das Reichweitenpotenzial!) Die Idee mit einem TikTok-Trend wie “#PrayForOcean” oder “#PrayForPlankton” ist wirklich großartig, besonders wenn man das Reichweitenpotenzial und die Möglichkeit bedenkt, Menschen für den Schutz des Ozeans zu sensibilisieren. Allerdings muss ich sagen, dass TikTok aus sicherheitsrelevanten Gründen nicht immer die bevorzugte Plattform ist. Wir müssen stets darauf achten, was wir posten und wo, vor allem, weil wir im Einsatz sind. Ab und zu passiert es, dass wir unsere Handys im Flugmodus einstellen oder sogar ausschalten! Du träumst sehr gern! Was war dein verrücktester Traum auf See? Und hatte er etwas mit Meerjungfrauen, Kraken oder einfach nur dem verzweifelten Wunsch nach einem Bad in der Badewanne an Land zu tun? Es stimmt, ich bin ein Träumer, aber meine Luftschlösser bekommen Schritt für Schritt ihre konkreten Fundamente, auch wenn das bedeutet, dass ich dafür oft andere nerven muss. Ich konnte bereits viele meiner konkreten Träume bei der Marine verwirklichen, aber einer fehlt noch: Letztes Jahr machten zwei Schiffe eine Reise rund um die Welt, aber leider wurde ich nicht eingeplant. Die Soldaten und Soldatinnen haben sich ständig bei mir gemeldet und schöne Eindrücke geschickt. Ich konnte meine persönlichen Träume und Ziele bei der Marine schon erreichen! Du bist für deine kreativen Tätigkeiten als Priester bekannt. Wo hast du jemals auf einem Kriegsschiff einen Gottesdienst abgehalten? Auf dem Hubschrauberdeck? In einem U-Boot (falls das überhaupt möglich ist!)? Man hält Gottesdienste, wo immer es möglich ist – sei es in der Messe, auf dem Flugdeck bei gutem Wetter oder auf dem Oberdeck, wenn der Wind nicht zu stark ist. Ich kannte einen alten Militärpfarrer, der bereits verstorben ist, und der mir erzählte, dass er Gottesdienste in U-Booten gehalten hat. Der Altar bestand damals aus ein paar Kisten Bier! Du bist ein offener Mensch! Was ist das Überraschendste, was du über Matrosen gelernt hast, seit du Militärpfarrer geworden bist? Ich habe die Dankbarkeit dieser Menschen schätzen gelernt und eine wahre Anerkennung für meine Arbeit erfahren. Ab und zu kommen Sätze, die mich tief prägen und mir zeigen, dass ich am richtigen Ort bin. Besonders beeindruckt hat mich die Kameradschaft – die Freundschaft, die über den Dienst hinausgeht und ins normale Leben reicht. Als Nichtkombattant bist du unter den Schutz der Genfer Konventionen gestellt – hast du dich an Bord schon einmal wie der ultimative VIP gefühlt? Wenn es richtig brenzlig wird, bekommst du ja das beste Rettungsboot! Das stimmt, wir sind keine Kombattanten. In Gefechtssituationen bin ich auch Teil der Besatzung und nehme an sogenannten Rollenspielen teil. Am meisten gehöre ich zu den Sanitätern, und der Schiffsarzt ist immer ein enger Ansprechpartner, ebenso wie der Erste Offizier und der Kommandant. Ich werde nicht wie ein VIP behandelt, aber einmal an Bord fragte ich nach meinem Rettungsboot – man muss immer wissen, wohin man gehen muss, und der Erste Offizier hat gesagt: "Keine Sorge, Pfarrer, wenn das kommt, nehme ich Sie arm in arm und wir gehen gemeinsam!" Führt(e) das Tragen der Felduniform mit Kreuz statt Dienstgrad jemals zu Verwirrung? Salutieren neue Rekruten in der Erwartung tiefer Weisheit, bekommen dann aber nur eine Predigt über Vergebung? (Situationshumor, Rollenmissverständnis) Die Entfremdung der Kirche ist auch bei der Bundeswehr spürbar, und mehrmals haben mich Soldaten gefragt, was für ein Dienstgrad das ist, den sie noch nie gesehen haben. Dann breche ich das Eis und sage: „Das sind Propeller! Wir drehen durch!“ und sie lachen sich kaputt. Danach erkläre ich meine Funktion an Bord, und so entsteht schon eine Nähe. Wir Militärseelsorger tragen keine Uniformen sondern „Schutzkleidung“. Du kommst aus Argentinien, der Heimat des Tangos und des leidenschaftlichen Fußballs. Hältst du deine Predigten mit feurigem argentinischem Geist oder herrscht auf der Kanzel streng deutsche Seedisziplin? Gute Frage! Ich lebe seit 15 Jahren in Deutschland, und in Argentinien merkt man deutlich meine deutsche Art und Weise. In meinen Predigten bin ich dafür bekannt, die Dinge beim Namen zu nennen, aber leider muss ich immer wieder an meiner Diplomatie arbeiten und sie verfeinern. Mein Temperament lässt sich jedoch nicht ganz verbergen, und im Laufe der Jahre habe ich eine Art Mitte gefunden, in der sich die feurige argentinische Leidenschaft mit der deutschen Disziplin vereinen – und darauf bin ich stolz. Wenn das Schiff jemals auf eine Monsterwelle stoßen würde, die verdächtig biblisch aussieht, würdest du dich dann wie in einem Film fühlen? Und wärst du versucht zu rufen: “Tut Buße! Das Ende ist nah!” (im Scherz, versteht sich)? Das passiert tatsächlich sehr oft, besonders in der Nähe von Island oder in der Bucht von Biskaya! Oje, da fliegen die Teller vom Tisch! Ich musste mehrmals Gottesdienste halten, bei denen ein Soldat den Kelch während des Stehens auf dem Tisch die ganze Zeit festgehalten hat, damit er nicht herunterfällt! Natürlich könnte man sich in solchen Momenten durchaus wie in einem Film fühlen, aber in der Regel wird alles runtergefahren und nur das Nötigste erledigt. Man kann sich hinlegen, bis die Situation ruhiger wird. Integration ist dir ein sehr wichtiges Anliegen in deinem Leben. Ist das auf einem Schiff mitten auf dem Ozean nicht noch schwieriger? Wie stellst du sicher, dass sich jeder, selbst mürrische Matrosen, als Teil der “Schiffsfamilie” fühlt? Ich achte ganz genau darauf, dass sich jeder an Bord wohlfühlt, und wenn ich merke, dass das nicht der Fall ist, kümmere ich mich darum, dass die Situation besser wird. Einmal hat sich ein Soldat über Instagram bei mir gemeldet, um sich zu bedanken. Er hatte sich nie wirklich in die Besatzung integriert gefühlt, aber durch die Gottesdienste konnte er zum ersten Mal ein Teil der Gemeinschaft sein. Zeit später, nach dem Einsatz, habe ich das Schiff besucht und dieser Soldat glänzte in seinem Dienstposten! Das hat mich glücklich gemacht. Die Familie muss dafür sorgen, dass jeder sich verwirklichen kann! Wenn du den Lesern unseres Magazins einen spirituellen Rat geben könntest, welcher wäre das? (Und bitte er sollte etwas mit dem Meer zu tun haben – vielleicht etwas darüber, wie man auf den Wellen des Lebens reiten kann? Oder Etwas Seefahrerisches und Tiefgründiges, wie zum Beispiel: „Halten Sie Ihren Glauben aufrecht, auch wenn das WLAN ausfällt.”) Ich würde empfehlen, egal wie groß der Sturm im Leben auch sein mag, niemals drei wichtige Dinge zu vergessen: Erstens, immer die innere Navigationskarte klar zu haben, damit auch im Sturm der Kurs nicht verloren geht. Zweitens, dem Kompass des Herzens stets zu lauschen, denn dieser irrt fast nie. Und schließlich, immer den Leuchtturm unserer weiten Ziele im Blick zu behalten, denn am Ende führt er uns sicher in den Hafen. Dein größter Wunsch für unseren Ozean? Ich wünsche mir weiterhin, dass der Ozean weiter entdeckt wird und wir lernen, harmonischer mit ihm umzugehen – dass wir nur nehmen, was wir brauchen, ohne unnötigen Schaden anzurichten. Was wünscht du dir für unseren Planeten und seine Bewohner? Praktisch das gleiche wie oben, plus Frieden für die Menschheit, in dem jeder sich auf seine eigene Weise verwirklichen kann. Wo die Völker sich gegenseitig bereichern, ohne ihre eigene Identität zu verlieren, internationale Kooperation ohne egoistische Interessen und mit Optimismus in die Zukunft blicken, in der sicher, alles besser wird. Wie oft siehst du deine Familie, und waren sie schon einmal besuchen (an Land versteht sich oder doch vielleicht im Helikopter, man weiß es nicht)? Ich versuche, einmal pro Jahr meine Familie in Argentinien zu besuchen und qualitativ wertvolle Zeit, insbesondere mit Mutti und Vati, zu verbringen. Leider waren sie noch nicht in Deutschland, aber ich bin sicher, das wird noch kommen. Wenn das Maskottchen des Schiffes ein Meerestier wäre, welches wäre es und warum? (Und könnte es möglicherweise ein Pinguin sein, der eine winzige Kaplanstola trägt?) Definitiv wäre das für mich ein Seehund! Ich liebe persönlich Hunde, besonders Dackel! Der Seehund hätte einen kleinen Schirmhut, wie die Matrosen, und eine blaue Fliege (weil die Marine immer schick unterwegs ist). Und zum Schluss: Wenn du deinen Job in einem humorvollen Tweet beschreiben müsstest, wie würde dieser lauten? (Halte ihn bitte unter 280 Zeichen, Kaplanwitze sind gefragt!) Chaplain auf See: Ich halte die Moral hoch, den Kurs klar und die Tassen im Schrank. Wenn die Wellen sich türmen, bleib ich cool – Kelch in der Hand! #ChaplainOnDeck#MeerDesGlaubens#inEinheitStark Danke! Was nehmen wir also mit aus unserem Tauchgang in die Welt von Militärpfarrer Diego Oscar Elola? Erstens: Die wichtigste Weisheit kommt nicht aus dicken Büchern, sondern von Frau Müller aus Nürnberg – das Leben wird am Ende reicher, egal was passiert (vermutlich auch nach der zehnten Begegnung mit Seekrankheit). Zweitens: Wer das Kreuz an seiner Uniform für „Propeller“ hält, muss keine göttliche Strafe fürchten, sondern bekommt einen humorvollen Konter („Wir drehen durch!“) – Eisbrecher-Qualitäten sind also vorhanden! Dieser Mann hat nicht nur Süßwasser gegen Salzwasser getauscht, sondern bringt auch argentinisches Temperament auf deutsche Kriegsschiffe, hält Predigten zwischen fliegenden Tellern bei Monsterwellen und sorgt dafür, dass selbst der grummeligste Matrose sich als Teil der „Schiffsfamilie“ fühlt (vielleicht mit Hilfe von Extra-Kuchen, wie wir erfahren haben!). Er träumt von Pottwalen, komponiert mit KI Kirchenlieder und stellt sicher, dass auf jeder Fregatte eine Bibel liegt – notfalls mit feierlicher Übergabe an den Kommandanten. Auch wenn er (aus verständlichen Sicherheitsgründen) keinen TikTok-Trend wie #PrayForPlankton starten wird, gibt er uns doch den ultimativen spirituellen Rat für alle Lebenslagen, der perfekt zu unserem Magazin passt: Innere Navigationskarte klar halten, Herzenskompass lauschen und den Leuchtturm der Ziele anvisieren. Kurz gesagt: Selbst wenn das WLAN ausfällt, der Glaube (und der Humor) von Pfarrer Diego hält Kurs. Wir sagen: Danke für das erfrischende Gespräch, Pfarrer Diego! Mögen Ihre Predigten immer kurzweilig, der Seegang moderat und das nächste Schiffsmaskottchen tatsächlich ein Seehund mit Fliege sein. Ahoi! Neugierig auf mehr? YouTube Pfarrer Diego: https://www.youtube.com/@PfarrerDiego Instagram Pfarrer Diego: https://www.instagram.com/pfarrer.diego Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!
- Walgesänge und Wasserfarben: Ein Tauchgang mit der Meereskünstlerin Rachel Brooks
Von Patricia Plunder Willkommen zurück bei The Ocean Tribune, liebe Leserin und lieber Leser! Normalerweise waten wir hier knietief in ernsten Themen wie Überfischung, Plastikmüll und dem besorgniserregenden Trend, dass Krabben anfangen, Gewerkschaften zu gründen (wir bleiben dran!). Aber heute lichten wir den Anker für eine etwas andere Reise. Wir haben Rachel Brooks an Bord geholt – eine Künstlerin! Ja, du hast richtig gehört. Wir waren anfangs auch skeptisch. Kunst? Hier? Wo wir doch sonst eher über die Feinheiten von Tiefseegräben oder die korrekte Zählung von Fischbeständen debattieren? Aber dann sahen wir ihre Arbeit. Und hörten ihre Geschichte. Stell dir vor: Aufgewachsen in Nordengland, wo die Wahrscheinlichkeit, einem Schaf über den Weg zu laufen, exponentiell höher ist als die, einen Hai zu sichten (eine Statistik, die wir bei The Ocean Tribune natürlich sofort überprüft haben – stimmt!). Und doch zog es Rachel unwiderstehlich zum Meer. Sie tauschte sanfte Hügel gegen wogende Wellen, potenzielle Wollpullover-Motive gegen die faszinierende Welt unter der Oberfläche. Sie hat nicht nur fast Kunst studiert, sondern ist dann kopfüber (im wahrsten Sinne des Wortes, wie wir erfahren werden) in die Zoologie eingetaucht, hat auf den legendärsten Riffen der Welt Tauchlehrer gespielt (wir sind überhaupt nicht neidisch) und kommuniziert ihre Leidenschaft nun mit Tusche und Aquarell. Also, schnapp dir deinen wasserfesten Kaffeebecher, stell sicher, dass keine neugierigen Tintenfische über deine Schulter lesen (man weiß ja nie, was die planen!), und begleite uns bei diesem erfrischenden Tauchgang in die Welt von Rachel Brooks – wo Kunst auf Wissenschaft trifft und die einzige Hysterie, die wir zulassen, die über atemberaubende Meeresbewohner ist. Leinen los! Welches ist dein Lieblingstier/Krafttier und warum? Es ist fast unmöglich, sich für ein Tier zu entscheiden, aber Buckelwale haben etwas ganz Besonderes an sich. Wann immer ich sie gesehen habe, hat es mich zu Tränen gerührt. Welches ist dein Lieblingszitat(e) an das du häufig denkst oder danach lebst? Mein Vater hat immer zu mir gesagt: „Nutze den Tag.“, und immer, wenn ich merke, dass ich Gelegenheiten in Frage stelle, kommt mir das in den Sinn. Er ist nicht mehr bei uns, und das ist eine Erinnerung daran, dass das Leben zu kurz ist, um nicht das zu tun, was einen glücklich macht. Welches Buch/Bücher sollte man unbedingt gelesen haben und warum? “Der Schrei der Seevögel“ von Adam Nicholson (Originaltitel: The Seabird's Cry) ist eines meiner Lieblingsbücher. Es ist so poetisch geschrieben, und da der Autor nicht weit von mir aufgewachsen ist und lebt (an der Westküste Schottlands), sind es alles Arten, die ich hier auf dem Meer gesehen habe. Ich habe eine Menge aus diesem Buch gelernt! “Bitch“ von Lucy Cooke und “Other Minds” von Peter Godfrey-Smith sind beide fesselnd zu lesen. Dein schönster und schlimmster Moment deiner Aktivität / beruflichen Laufbahn? Ich habe mit einigen Organisationen und Marken zusammengearbeitet, mit denen ich mir nie hätte vorstellen können, zu arbeiten. In den sozialen Netzwerken des Discovery-Channels in Shark Week zu sehen zu sein, mit Samsung zu arbeiten und für PADI zu illustrieren, waren einige unglaubliche Karrieremomente. Aber am meisten Spaß hat mir die Zusammenarbeit mit dem Shark Trust im Rahmen des Projekts Oceanic 31 gemacht. Die zweijährige Wanderausstellung und das Zusammentreffen mit so vielen anderen Künstlern und Haifans bei der Eröffnungs- und Abschlussveranstaltung war eine wunderbare Erfahrung. Welchen Rat würdest du unserer jetzigen jungen Generation für den Einstieg in ihr zukünftiges Leben geben? Welchen Rat sollten Sie ignorieren? Sie sollten ihren Leidenschaften folgen. Ich erinnere mich daran, dass viele Leute um mich herum mich ermutigt haben, eine akademische Laufbahn einzuschlagen oder eine Karriere, die als finanziell sicherer gilt. Letzten Endes hat man nur ein Leben, man muss sich selbst treu bleiben. Ich denke, wenn man das tut, was man wirklich liebt und woran man glaubt, dann strahlt man am hellsten. Was treibt dich am meisten in deinem Leben an? Ich liebe es, etwas zu schaffen. Mein Gehirn ist sehr beschäftigt und sprudelt nur so vor Ideen. Die Möglichkeit, sie mit der Welt zu teilen und mich mit anderen auszutauschen, die sich mit meiner Arbeit identifizieren, ist für mich eine große Antriebskraft. Es gibt mir viel Hoffnung, dass es immer noch so viele Menschen gibt, denen unsere wilde Welt am Herzen liegt, und die viel Gutes tun. Rachel, als du in der kleinen Stadt Pennines in Nordengland aufgewachsen bist, hast du da eher Schafe als Haie gesehen? Wann hat dich das Meer von den sanften Hügeln weggelockt und dir mehr versprochen als nur … nun ja, Wolle? Ich glaube nicht, dass ich einen Hai in freier Wildbahn gesehen habe, bis ich in meinen Zwanzigern war! Als ich in der Schule war, hatten wir ein Seminar über ein Walforschungsprojekt auf den Kanarischen Inseln, und sie hatten ein Freiwilligenprogramm. Ich schaffte es zu sparen, um mir einen Platz dort zu finanzieren. Als Kind hatte ich Delfine schon immer geliebt und wollte sie unbedingt sehen, und einen Monat auf den Booten dort zu verbringen war ein Traum. Es war so inspirierend, von Meeresbiologiestudenten umgeben zu sein, und ich beschloss, dass ich das auch machen wollte. Als ich nach Hause zurückkehrte, änderte ich meine Studienfächer, um mich für einen Abschluss in Zoologie bewerben zu können. Vom beinahe Kunststudium zum Eintauchen in die Zoologie – war das, als würde man Pinsel gegen … äh … wissenschaftliche Messgeräte tauschen? Gab es einen Moment, in dem du dachtest: „Ups, falsches Hauptfach!“ und dann gemerkt hast, dass es eigentlich genau richtig war? Ich hatte immer das Gefühl, dass mein Studium die richtige Wahl war, denn ich fand das alles faszinierend. Ich war sehr an den Studiengängen interessiert, die sich mit Tierverhalten, Ökologie und Evolution befassten. Die Statistik nicht so sehr! Ich bin so froh, dass ich die Gelegenheit bekommen habe, mich wirklich in die Natur zu vertiefen. War es Liebe auf den ersten Blick bei deinem ersten Forschungsboot-Erlebnis? Hattest du dich an Deck sofort wohler gefühlt als an Land oder gab es eine anfängliche Phase der Seekrankheit und leichten Angst? Auf jeden Fall. Solange ich denken kann, bin ich gerne im oder auf dem Wasser. Das Meer hat etwas Beruhigendes für mich, und von Tauchbooten in den Tropen bis zur Suche nach Riesenhaien im wilden Atlantik ist es mein Lieblingsort. Du verbrachtest mehrere Wochen für ein Freiwilligenprojekt auf den Kanarischen Inseln, um Sichtungsdaten zu sammeln und hast dein wertvolles Wissen mit Besuchern aus aller Welt über den Schutz von Walen und Delfinen geteilt. Diese Walabenteuer auf den Kanarischen Inseln klingen episch! Hattest du da draußen einen „Free Willy“-Moment? Gab es Begegnungen mit Walen, bei denen du dich gefragt hast, ob sie deine Frisur beurteilen oder dir etwas anderes mitteilen? Es ist über 15 Jahre her, dass ich zum ersten Mal auf die Kanarischen Inseln gefahren bin und es war meine erste richtige Erfahrung mit der Beobachtung von Wildtieren. Es war definitiv eine Erfahrung, die mein Leben komplett verändert hat, aber einige meiner denkwürdigsten Whale-Watching-Erlebnisse habe ich hier in Schottland gemacht. Ich hatte das Glück, hier Buckelwale bei der Netzfütterung zu beobachten und auch einige der letzten Orcas der Westküstengemeinschaft zu sehen. Unsere Meere hier sind etwas ganz Besonderes! Acht Jahre Tauchunterricht in „einigen der artenreichsten und schönsten Riffen“ der Welt, dem Great Barrier Reef, dem Ningaloo Reef, der Lembeh-Straße und dem Korallendreieck – klingt nach einem harten Job! Es ist wie eine Meeresbiologen-Version von „Sophies Entscheidung“, nur mit Riffen! Du hast Schwimmausflüge mit charismatischer Megafauna geleitet, mit den örtlichen Gemeinden zusammengearbeitet, und ihnen gezeigt, Tauchen als Beruf zu nutzen, um ihre wunderbare Meeresumwelt zu erhalten. Wenn du nur zu EINEM zurückkehren könntest, um heimlich zu tauchen, welches wäre das und warum (keine Sorge, die anderen Riffe werden wahrscheinlich nicht neidisch)? Die Yongala wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Es ist ein riesiges Schiffswrack im hohen Norden von Queensland, an dem ich meine Ausbildung zum Tauchlehrer absolviert habe. Das pelagische Leben hier ist absolut unglaublich - und da das Wrack zwischen dem Land und dem Great Barrier Reef liegt, zieht es eine Menge Leben an. Alles hier scheint überdimensioniert zu sein, und mit den starken Strömungen war jeder Tauchgang, den ich hier gemacht habe, anders. Ich würde gerne wieder hier tauchen. Tinte dein bevorzugtes Medium – liegt es daran, dass sie wasserfest ist und daher symbolisch mit dem Meer verbunden wird? Oder gefällt dir einfach der dramatische Schwarz-Weiß-Kontrast zur farbenfrohen Meereswelt? Ich mag es, dass man damit wirklich kleine Details einfangen kann - feine Linien ermöglichen viel Präzision, und es gibt so viele Strukturen und einzigartige Details im Meer, die man einfangen kann. Das Mischen mit Aquarellfarben verleiht ihnen Tiefe und erweckt sie zum Leben und verleiht ihnen die ganze Lebendigkeit der Unterwasserwelt. Gibt es ein bestimmtes Meerestier, das du noch nicht gemalt hast, von dem du aber insgeheim besessen bist und mit dem du die Weltherrschaft durch Kunst planst? (Keine Sorge, wir verraten es den anderen Fischen nicht.) Die Gruppe, auf die ich mich noch nicht so sehr konzentriert habe, sind Kopffüßer - was seltsam ist, denn sie gehören zu meinen Lieblingstieren! Außerdem lassen sie sich so gut mit Tinte malen, weil sie so viel Hautstruktur haben. Als ich in Lembeh lebte, habe ich so viele verschiedene Arten gesehen, wie den Blauring, Wunderpus und sogar einen haarigen Oktopus. Eigentlich würden alle Tiere der Lembeh-Straße ein unglaubliches Kunstwerk abgeben! Haischutz – Haie haben einen schlechten Ruf! Wenn du eine Superkraft hättest, um die öffentliche Wahrnehmung von Haien über Nacht zu ändern, was wäre das? Gedankenkontrolle? Ein Hai-Mensch-Übersetzer? Ein Stand-up-Comedy-Programm mit Hai-Thema? Oh, es gibt so viel, was man tun könnte! Ich denke, man könnte den ganzen schlechten Journalismus und die Filme umschreiben, die einen so schädlichen Einfluss darauf haben, wie die Öffentlichkeit Haie sieht. Selbst die Sichtung eines filtrierenden Riesenhais führt hier zu einer Schlagzeilenhysterie, und das ist völlig unnötig. Diese sanften Riesen sind etwas, das wir feiern sollten. Schottland und Irland sind die besten Orte der Welt, um sie zu sehen, also würde ich diese angstmachenden Artikel und Clickbait-Schlagzeilen ändern. Dein Orca-Kunstwerk „John Coe“ – ist unglaublich bewegend. War es emotional anstrengend, seine Geschichte zu malen, da man das Schicksal seiner Herde kannte? Wie fühlte es sich an, ihn zu malen? So, als würde man eine Legende verewigen oder eher wie eine verzweifelte Erinnerung an das, was wir verlieren? Ich hatte das Glück, John Coe in freier Wildbahn zu sehen, und ich habe ihn seit der Erstellung dieses Stücks nun schon viermal gesehen. Jedes Mal ist es ein so emotionales Erlebnis. Sein Alter und die Geschichte seiner Schule zu kennen, bricht einem das Herz, aber auch die Anwesenheit eines der größten Orca-Bullen der Welt ist ein unvergessliches Erlebnis. Ihn und seine Verbindung zu den Hebriden zu zeichnen, und dass dieses Werk in die engere Auswahl für den Wildlife 100 Artist of the Year aufgenommen wurde, war eine wirklich tolle Möglichkeit, seine Geschichte zu würdigen. Deine Mission, deine Leidenschaft für Biodiversität durch Kunst zu teilen – das ist eine wunderschöne Mission! Wenn deine Kunst für sich selbst sprechen könnte, was würde sie von den Dächern (oder den Korallenriffen) schreien? Ich glaube, wenn es eine Botschaft für alle geben könnte, dann wäre es: „Wir haben so viel zu verlieren. Wir müssen uns wirklich ändern, uns mit der Natur verbinden und harmonischer mit ihr zusammenleben.” Wenn du für einen Tag ein beliebiges Meerestier sein könntest, welches würdest du wählen und warum? (Bonuspunkte für die Erklärung, wie du die opponierbaren Daumen verwenden würdest, wenn du eine Krabbe wärst.) Vielleicht ein Riesenhai! Ich habe lange Zeit mit ihnen gearbeitet und hatte die Gelegenheit, so viele Riesenhai-Forscher zu treffen, die alle unglaubliche Dinge tun. Aber es gibt immer noch eine große Wissenslücke darüber, wohin sie gehen und was sie tun, wenn sie sich nicht in unseren Gewässern aufhalten. Ich würde gerne einen Einblick in diese geheimnisvolle Welt bekommen. Das Seltsamste, was du jemals beim Tauchen gesehen hast (das kein echtes Lebewesen war)? Einen Vogel 15 Meter unter Wasser zu sehen, während ich in Westaustralien an einem Wrack tauchte, war verwirrend, und obwohl es ein Lebewesen war, hatte ich es nicht erwartet! Das seltsamste nicht lebende Ding, das ich je gesehen habe, war wahrscheinlich eine Waschmaschine! Zum Glück konnten wir sie mit einem Reinigungsteam und einer Menge Hebekissen entfernen! Die Zusammenarbeit mit Wohltätigkeitsorganisationen wie der RSPB - Wohltätigkeitsorganisation für Vogel- und Wildtierschutz und dem Shark Trust. Die Erschaffung deines wunderschönen Orcas (Kunstwerkes) für die Organisation WeWhale. Was bedeutet es dir, wenn deine eigene Kunst direkt zum Naturschutz beiträgt? Fühlst du dich dadurch wie ein Superheld für den Planeten? (Denn, seien wir ehrlich, das ist man ja irgendwie auch.) Das ist sehr nett! Mein Traum war es immer, im Naturschutz zu arbeiten, und ich hatte nicht erwartet, dass ich auf diese Weise einen Beitrag leisten kann. Ich denke, es ist eine großartige Erinnerung daran, dass die Welt nicht nur die Wissenschaft braucht, sondern auch alle Arten von kreativen Stimmen und Botschaften, um diese Botschaft zu verstärken. Es war ein echtes Privileg, dass ich meine Kunst in diesem Sinne als meine Stimme nutzen konnte. Was sind deine drei größten Wünsche für die Zukunft unserer Ozeane? Ich wünsche mir, dass wir aufhören, den Ozean als endlose Ressource zu betrachten, dass es uns gelingt, die Erwärmung des Meeres zu verhindern, bevor es zu spät ist, und dass wir es dem Leben dort ermöglichen, sich zu erholen, damit auch künftige Generationen den unglaublichsten Teil unseres Planeten erleben können. Herzlichen Dank! Puh, auftauchen und Luft holen! Nach diesem Gespräch mit Rachel Brooks sehen wir die Welt – oder zumindest die 71% davon, die mit Wasser bedeckt sind – mit etwas anderen Augen. Wer hätte gedacht, dass der Weg von Schafen zu Haien über einen Zoologie-Abschluss und Tauchlehrer-Jobs an Orten führt, deren Namen allein schon nach Abenteuer klingen? Wir bei The Ocean Tribune sind ja eher die Fakten-und-Zahlen-Fraktion, aber Rachel hat uns eindrücklich daran erinnert, dass manchmal ein Bild mehr sagt als tausend wissenschaftliche Abhandlungen (auch wenn wir unsere Abhandlungen immer noch sehr lieben!). Ihre Kunst schreit nicht nur „Schaut her, wie schön das Meer ist!“, sondern flüstert auch eindringlich: „Passt verdammt nochmal darauf auf!“ Wir nehmen einige wichtige Erkenntnisse mit: Buckelwale können zu Tränen rühren (wissenschaftlich bestätigt durch Rachel), „Nutze den Tag“ ist ein verdammt guter Rat (danke, Rachels Dad!), und Kopffüßer sind nicht nur faszinierend, sondern potenziell auch die heimlichen Herrscher der Kunstwelt (wir behalten das im Auge, Rachel!). Und die Vorstellung, beim Tauchen auf eine Waschmaschine zu stoßen, wird uns wohl noch eine Weile beschäftigen – eine ganz neue Dimension des Begriffs „Schleudergang“. Vor allem aber hat uns Rachel gezeigt, dass jeder auf seine Weise zur Meeresrettung beitragen kann. Ob mit Pipette, Gesetzestext, Taucherflosse oder eben Pinsel und Tusche – jede Stimme zählt. Also, liebe Leserin und lieber Leser, lass dich inspirieren! Geh raus (oder tauch ab), verbinde dich mit der Natur, male vielleicht einen Oktopus (aber verrate ihm keine Geheimnisse!) und denk daran: Der Schutz unserer Ozeane ist keine trockene Wissenschaft, sondern eine Herzensangelegenheit mit einer Prise Kunst und einer gehörigen Portion Leidenschaft. Bis zum nächsten Mal – bleib neugierig und halt die Flossen steif! Neugierig auf mehr? Instagram Rachel Brooks: https://www.instagram.com/rachelbrooksart YouTube Rachel Brooks: http://www.youtube.com/@rachelbrooksart Website Rachel Brooks: https://rachelbrooksart.com/ Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!
- Sailing Miss Salty: Von Orca-Angst, kaputten Klos und der Kunst, auf 12 Metern nicht durchzudrehen
Von Kevin Klepto Ahoi, liebe Leserin und lieber Leser der Ocean Tribune! Normalerweise schlagen wir an dieser Stelle ja Alarm: Schmelzende Gletscher hier, Plastikinseln da, bedrohte Tiefseekreaturen dort. Aber heute, werte Dame und werter Herr, heute werfen wir den Rettungsring der guten Laune aus und präsentieren dir ein Abenteuer, das salziger ist als eine vergessene Sardine in der Bilge! Wir haben uns mit Jan und Mela von „Sailing Miss Salty“ unterhalten – zwei Menschen, die freiwillig ihre 173m² gegen weniger als 20m² schwankenden Wohnraum getauscht haben, um über den großen Teich zu schippern. Ist das nun heldenhafter Mut oder einfach nur eine kreative Methode, um dem Alltag und überteuerten Mietverträgen zu entkommen? Finde es heraus! Wir sprechen über Orca-Ängste, die Tücken der Bordtoilette (Gasmaske inklusive!), die Frage, wer mehr Muffensausen hatte, und ob man Delfine wirklich um Navigationstipps bitten kann (Spoiler: Eher nicht, aber Vomex hilft!). Also, hol dir einen Kaffee (vielleicht sogar aus einer Siebträgermaschine?), mach es dir bequem und komm an Bord für ein Interview, das mehr Wellengang hat als Jans Laune vor dem ersten Morgenkaffee (Insider-Wissen!). Leinen los! Welches ist euer Lieblingstier/Krafttier und warum? Wir lieben beide Katzen, aber Katzen nicht das Wasser. Welches ist euer Lieblingszitat(e) an das ihr häufig denkt oder danach lebt? Du bist die Summe der Menschen, mit denen du dich am meisten umgibst. Welches Buch/Bücher sollte man unbedingt gelesen haben und warum? Das Buch, von dem du dir wünschst, deine Eltern hätten es gelesen. Man versteht dadurch besser, warum man ist wie man ist. Wie hat eure Familie reagiert, als ihr sagtet, es geht über den großen Teich? Oder war euer Abenteuer schon vorhersehbar? Und wurden bereits in der Vergangenheit solche Aktionen von familiärer Seite aus gestartet und wenn ja, welche wertvollen Tipps und Erfahrungen wurden euch mitgegeben? Die Familie war freudig und traurig, dass wir gehen. Durch Starlink hat sich jedoch herausgestellt, dass man immer sehr nah ist. Früher hätte es sowas nicht gegeben. Wir leben in einer Zeit, in der alles unfassbar einfach geworden ist. (Klicken zum Vergrößern) Jan, du segelst seit deinem vierten Lebensjahr! Wer hatte die Idee, über den Atlantik zu schippern? Und Mela, musste Jan dich mit Rum und Seemannsliedern bestechen, um dich zu diesem Abenteuer zu überreden oder war es Liebe auf den ersten Blick? Tatsächlich habe ich mein Leben auf diese Reise und diesen Lebensstil ausgelegt. Alles, was ich seit 2012 getan habe, hatte im Hintergrund dieses Ziel und ich habe intensiv darauf hingearbeitet. Das erste, was ich Mela gefragt hatte, als ich sie kennenlernte, war: Kannst du dir vorstellen, um die Welt zu segeln? Hätte sie diese Frage nicht mit Ja beantwortet, würden wir jetzt nicht hier sein. Ein guter Freund meinte einmal zu mir: Such dir eine Freundin, die nicht wegen dir mit dem Segeln anfängt, sondern die unabhängig von dir diese Leidenschaft schon hat. Wenn jemand mit einem Sport neu anfängt, wird es unfassbar schwer, die Skills die man selbst schon hat aufzuholen, auf Augenhöhe macht es deutlich mehr Spaß. Jan, hast du nie mit dem Gedanken gespielt, einmal an der Vendée Globe teilzunehmen oder in den Profi-Segler-Bereich einzusteigen? (Oder spielst du vielleicht schon mit dem Gedanken?) Ein ehemaliger Schulkamerad war tatsächlich Olympiasegler im 49er. Mein learning ist, wenn man nicht seitdem man klein ist, im Verein auf den Profibereich vorbereitet wird, hat man kaum eine Chance Fuß zu fassen. Leider wurde ich als Kind dahingehend nicht gefördert. Tatsächlich reizt mich die Vendee Globe. Aber die Strukturen dort hinzukommen sind nur mit riesigen Mitteln zu bewerkstelligen, aber auch dann sollte man sein Leben lang im Regattabereich unterwegs gewesen sein. Um Profi zu sein, sollte man sein Leben dieser Aufgabe widmen. Das kann ich nicht mehr aufholen, ist aber auch völlig in Ordnung. Man muss wirklich zwischen Profisportler, Kurzstrecke, Langfahrt und einfach nur Leben auf einem Boot unterscheiden. Das Ostseesegeln ist etwas völlig anderes als die Langfahrt. Nicht jeder Segler kann oder mag die unterschiedlichen Disziplinen. Da wäre Mela vielleicht viel prädestinierter dafür, da sie unter anderem mit dem Regattasport Segeln gelernt hat. So habe ich sie auch kennengelernt. 🙂 Wann ging eure große Reise los (Ort/Monat) und wo seid ihr bisher überall gewesen? (Stichpunkte lassen wir auch durchgehen/grobe Angabe von Orten-Land-Monat) Wir starteten im August 2023 von Flensburg über Kiel, Rendsburg, Brunsbüttel, Cuxhaven, Vlieland, Ijmuiden, Den Haag, Oostende, Dunkerque, Dover, Brighton, A Coruña, Camariñas, Rías Baixas, Vigo, Figueira da Foz, Porto, Cascais, Portimão. Danach Madeira & Porto Santo, Kanaren, Kap Verden, St. Lucia, Martinique, Dominica, Guadeloupe, Antigua und Barbuda, Curaçao, Bonaire, Puerto Rico, USVI (Amerikanische Jungferninseln), BVI (Britische Jungferninseln), Dominikanische Republik, Turks- und Caicosinseln, Bahamas, Annapolis, Washington, Baltimore. Wer von euch beiden hatte kurz vor dem Start über den großen Teich mehr Muffensausen und vor was? Da wir das Wetter so genau durchgegangen sind mit unserem Wetterexperten und wir uns gegen seinen Rat einen Tag früher auf den Weg begeben haben, hatte Mela etwas Muffensausen vor dem ersten Tag mit 38 Knoten Wind und der eventuell damit verbundenen Seekrankkeit - und ja, was sollen wir sagen, es war schlimm. 🙂 Jan war gerade erst zwei Wochen lang krank (evtl. Denguefieber, Magen-Darm, Durchfall) und hatte Angst, auf der langen Strecke wieder krank zu werden, wo es keinerlei Hilfe geben kann. Gab es einen Zeitpunkt und Grund, wo ihr euch gedacht habt, doch lieber alles zu canceln? Und wenn ja, welcher und wer von euch hat was gedacht? Grundsätzlich haben wir uns beide auf das große Abenteuer gefreut. Die Herausforderung: Atlantiküberquerung, raus in eine neue Welt. Klar, ist nicht immer alles rosig, aber übers canceln haben wir nie nachgedacht. Entlang der Reise ist uns aber des Öfteren aufgefallen, dass wir uns nach mehr Komfort sehnen, was ein anderes Boot zur Folge hätte. Nach 593 Tagen seid ihr endlich an eurem Ziel, der Karibik, angekommen! Das ist länger, als manche Ehen halten! Was habt ihr in dieser Zeit übereinander gelernt, was ihr am liebsten wieder verlernen würdet (aber insgeheim liebt)? Gab es in dieser Zeit Momente, die mit Todesangst erfüllt waren? Kurz zur Erklärung: Wir sind bereits sehr lange unterwegs und in der Karibik sind wir natürlich viel früher angekommen, ziemlich genau fast nach einem halben Jahr. Tatsächlich sind wir schon vor der großen Reise 3 Jahre zusammen auf dem Boot gesegelt und haben auch den Götakanal überstanden. Über diesen wird gesagt, dass man sich auf dieser Route entweder trennt oder gestärkt heraus geht, daher waren wir auf viel Schlimmes bestens vorbereitet. Trotzdem ist der Platzmangel immer wieder ein Thema und zum Wohle aller, wollen wir das optimieren. Todesangst hatten wir nie. Angst vor Orca Angriffen aber sehr wohl. Als wir uns der spanischen Küste näherten, waren wir beide schweißgebadet, da ein Boot auch sinken kann, sollte das Ruderblatt durch Orca-Spielereien komplett abfallen. Wir haben auf der Reise gelernt, dass wir beide keine leidenschaftlichen Langfahrtsegler sind und das gemütliche Leben vor Anker im Einklang mit der Natur lieben. Viele Orte erreicht man aber erst über weite Distanzen mit dem Boot, auch da spielt der Komfort an Bord wieder eine große Rolle. Es kommt halt doch darauf an, wie man von A nach B kommt und nicht, dass man überhaupt von A nach B kommt. Es ist ein signifikanter Unterschied, ob man nur 4 Wochen Sommerurlaub auf einem Boot macht oder ob man für Jahre auf diesem Boot lebt. Das haben wir unterschätzt. Man weiß es erst, wenn man lange unterwegs ist. Nicht jedes Boot ist für die Langfahrt geeignet. Dennoch kommt fast jedes Boot über die Barfußroute an. Mela, du bist der ruhige Part in eurer Beziehung. Auf einer Skala von 1 bis „Riesenwelle“, wie oft und wann schlägt Jans Anpassungsfähigkeit in den ausgewachsenen „Captain Chaos“-Modus um? Einmal am Tag kommt die große Welle, die sich dann wieder legt. 😂 Ihr lebt für lange Zeit auf einem 12-Meter-Boot – das ist kleiner als so manche Stadtwohnung! Was war das Seltsamste, das ihr aus Platzgründen umfunktionieren musstet? Wo fängt man da an? Wir haben grundsätzlich das gesamte Boot zum Lagerraum ausgeweitet. Das Boot ist aus platzgründen mittlerweile ein Lagerhaus geworden, was uns nicht besonders gefällt. Wir sind an einem Optimierungsmaximun angekommen, dass einzige was noch hilft: ein neues Boot. 😂 (Klicken zum Vergrößern) Was treibt euch in eurem Leben am meisten an? Siegeswillen, aufgeben ist keine Option, was nicht heißt, dass man über Umwege ans Ziel kommen kann. Wenn man keine Ziele mehr im Leben hat, schwindet auch der Antrieb?! Was ist bisher der unspektakulärste Aspekt eures Bootslebens? Ist es schlimmer als gedacht? Lasst uns über die wirklich harten Dinge reden – Toilettengang, seekranke Momente, Existenzängste beim Seepockenschrubben, … eure schonungslose Berichterstattung ist gefragt. Es stellt sich heraus, dass man sich an alles anpassen kann. Ob das schön ist bleibt unklar. Wir kommen aus einem wunderschönen, 173 m² großen Haus und leben jetzt auf weniger als 20 m² ohne richtige Dusche und reparieren fast täglich irgendetwas. Man kann den Sinn hinterfragen, das Erlebnis steht aber an erster Stelle. Schonungslos: Unsere Toilette war schon 3 mal kaputt. Wir haben zum Glück eine Gasmaske an Bord. Das große Geschäft ist immer ein Abenteuer und täglich warten wir darauf, dass die Pumpe versagt und alles auseinandergebaut werden muss. Wir können bei Überfahrten nur duschen, wenn die Sicherheit es zulässt. Wir duschen draußen, am Heck des Bootes. Bei zu viel Seegang wird es schwierig. Es besteht täglich eine 50/50 Chance, ob man ruhig schlafen kann und oft sind Ankerplätze nicht ausreichend geschützt. Wenn wir unsere Lebensmittelvorräte wieder auffüllen, platzen wir aus allen Nähten und trotzdem reicht es meist nur für 2 - 3 Wochen. Was war der lächerlichste Streit, den ihr an Bord hattet? Ging es um die Navigation, den Spüldienst oder darum, wer dem Gegenwind standhalten musste? Oder hat vielleicht jemand damit gedroht, nach Hause zu schwimmen? Wir haben alles schon erlebt. Persönlich beschuldigen wir uns gegenseitig ständig, weshalb hier und da wieder was rumliegt, was da nicht hingehört, aber am Ende haben wir uns immer wieder lieb😂 Habt ihr beim Segeln irgendwelchen bizarren Aberglauben entwickelt? Wirft man zum Beispiel immer ein Schnitzel über Bord, um Poseidon zu besänftigen, oder fragt man die Delfine, um Navigationstipps zu erhalten? Überhaupt nicht. Rationalität und Mela’s Vomex (Medikament gegen Übelkeit und Erbrechen) siegen. Euer lustigstes Missverständnis mit Zollbeamten in einem ausländischen Hafen? Auf den Bahamas wurde Mela gefragt, ob wir Firearms an Bord haben und Mela dachte, er meint damit unsere Feuerlöscher. Solche Fragen sind wir als Europäer nicht gewohnt. Ist es einfach oder schwer, in die ganzen verschiedenen Länder einzureisen? Was braucht man und ist es einfach mit dem VISA (Aufenthaltsgenehmigungen)? Wo war es am schwierigsten? Total unterschiedlich. In der Karibik nutzen einige Länder eine gemeinsame Plattform, welche man vorab online nutzen kann. Insgesamt haben wir mit unseren deutschen Pässen keine Probleme und ein Visum erhält man wie beim Reisen mit dem Flugzeug „on arrival“. Wir müssen uns lediglich für die Ein- und Ausreise, die Immigration (wir Personen) und Custom (unser Boot) Behörden selbst raussuchen, aber das gehört nun mal auch dazu beim Reisen. Bisher hatten wir aber keine Probleme. (Klicken zum Vergrößern) Gibt es eine Sache, die ihr immer einpackt, die euch lächerlich vorkommt, aber insgeheim unverzichtbar ist? Eine Kreditkarte und unsere Badelatschen liegen immer im Dinghi (kleines Beiboot). Welche Snacks sind eure Lieblingssnacks an Bord, die euch auf langen Strecken mit Energie und guter Laune versorgen? (Snack-Empfehlungen, jeder weiß es, sind unerlässlich!) Jan ist unser Chipsfanatiker und Mela die schokoladige Maus. Da Schokolade hier schnell schmilzt, sind es eher schokoladige Müsliriegel. Alles ohne Markenpräferenz, da jeder Supermarkt in einem neuen Land eh wieder unterschiedliche Dinge hat. Wir nehmen was wir kriegen. (Klicken zum Vergrößern) Was ist Euer größter Luxusartikel auf der „Miss Salty“, ohne den ihr einfach nicht leben könntet? (z.B. eine superschicke Kaffeemaschine, unglaublich weiche Handtücher, …) Wir haben unsere geliebten elektrischen Sonicare Zahnbürsten, ohne die geht nichts und wir mussten die sogar auch schon 1 Mal aus Deutschland einfliegen lassen. Sonnenbrille mit Sehstärke, schon einmal im Hafen versenkt und wieder rausgetaucht. Mela‘s Brille ist gerade korrodiert und auseinandergefallen. Wo es eine neue geben wird? Keine Ahnung. Unsere Siebträgermaschine mit Milchaufschäumer, ist nicht lebenswichtig aber für die Moral an Bord äußerst wichtig. Technologie auf See – Segen oder Fluch? Hat euch eure Abhängigkeit vom GPS schon einmal auf komische Weise in die Irre geführt? Und welches Teil ist das wichtigste für euch? Der Autopilot ist mit Abstand der wichtigste Helfer. Er ist wie ein dritter Mann und wird nie müde. Ohne ihn könnten wir keine längeren Strecken schaffen, da wir nur unsere zweiköpfige Crew sind. Was ist der beste Rat, den ihr im Laufe eures Lebens von einem anderen Segler erhalten habt? Und was der schlechteste Ratschlag? (Nennt uns bitte ruhig Namen … JOKE …). Nur lossegeln, wenn die Bedingungen es zulassen, war der beste Rat. Das Schlechteste: Einfach machen, wird schon passen … Ihr liebt das Meer, davon kann man ausgehen, wenn man sich so viel wie ihr darin und darauf befindet. Was war das Schockierendste, was ihr im Meer gesehen habt und das euch die Dringlichkeit des Meeresschutzes deutlich vor Augen geführt hat? Berge von Müll, Öle im Wasser. Immer wieder schrecklich zu sehen, wenn Menschen wissentlich nicht organische Stoffe ins Wasser werfen, angefangen bei Zigaretten. Es ist einfach nicht in Ordnung. Herausstechend war auch, dass wir bisher fast noch nie farbige Korallen gesehen haben. Sind euch bisher auf eurer Reise besonders inspirierende Beispiele für den Meeresschutz begegnet? Bonaire. Hier werden Korallen gezüchtet und extrem auf den Naturschutz geachtet, vorbildlich. Für Segelneulinge, die dies hier lesen: Welcher weit verbreitete Irrglaube über das Segeln um die Welt ist eurer Erfahrung nach völlig falsch? (Vielleicht, dass es immer so glamourös ist, wie im Film dargestellt?) Glamourös ist das Segelleben gar nicht, zumindest nicht das Langfahrtsegelleben. Denkt man das als Segelneuling? 😃 Sicherlich gibt es Unterschiede, ob man auf einem 60 Fuß Katamaran lebt oder wie wir auf unserem 41 Fuß Monohull. Es ist ein ewiger Kampf mit Reparaturen, um den Kahn am Laufen zu halten. Das Salzwasser und die salzige Luft zerstört mit der Zeit alles und wenn man wichtige Reparaturen aufschiebt, rächt es sich später doppelt so hart. Man braucht leider schon das nötige Kleingeld, um die Sicherheit an Bord zu gewährleisten. Viele segeln trotzdem, was eigentlich lebensgefährlich sein kann. Da wir so viel mehr Seemeilen zurücklegen als ein Wochenendsegler, geht früher oder später jedes Teil mal kaputt. Es ist sicherlich auch eine Frage des Alters, wie robust man ist, aber alles, was mit Besorgungen und Erledigungen zu tun hat, ist jedes Mal wieder ein Kampf. (Klicken zum Vergrößern) Und für die erfahrenen Segler: Was hättet ihr gerne vor dem Ablegen gewusst, um euch viele Kopfschmerzen (und möglicherweise Seekrankheit) zu ersparen? Das Boot sollte so gut es geht autark ausgestattet sein, bevor man lossegelt und alle Funktionen sollten ausführlich getestet werden. Wir haben bis weit in die Karibik hinein Monat für Monat nur aufgerüstet. Aber das sind die Erfahrungen, die man einfach mit der Zeit sammelt. Man sollte alles an essenziellen Ersatzteilen mitnehmen, weil man kaum etwas unterwegs findet. Was bringen einem 800 Liter Wassertanks, wenn die Wasserpumpe nicht funktioniert? Und auch an so kleine Dinge sollte man denken, wie unterschiedliche Adapter für die Gasflaschen zum kochen, denn mal eben schnell Dinge bestellen können wir unterwegs nicht. Trotzdem stellen wir fest, dass immer wieder etwas kaputt geht oder fehlt. Man sollte also sicherstellen, dass man fast alles selbst reparieren könnte. Der Buschfunk hat uns folgendes berichtet: Ihr seid jetzt gerade (Stand: April 2025) bei den USVI Inseln (Amerikanischen Jungferninseln) unterwegs. Es geht später Richtung Florida, dann nach New York und dann Mitte des Jahres 2025 zurück zu den Azoren (Madeira) und später nach Süd-Spanien zum Überwintern. Ende des Jahres 2026 plant ihr eine erneute Überquerung über den Atlantik mit einem größeren, schnelleren und komfortableren Boot nach Brasilien, Amazonas, den Panamakanal, Pazifik und alles weitere lasst ihr offen. Was bereitet euch im Hinblick auf das Amazonas-Abenteuer am meisten Vorfreude und Angst? (Vielleicht Mücken von der Größe kleiner Vögel? Stechrochen die gefürchteter sind wie Piranhas?) Ay, es gibt nichts Schlimmeres als Mücken. Die lieben aber eher Jan, auch wenn Mela ihm gerne dieses Leid abnehmen würde. Auf Barbuda hatten wir hunderte Bisse von Sandflöhen, die uns noch Tage danach nicht in Ruhe gelassen haben. Wenn wir nicht müssen, gehen wir lieber nicht in trübes Wasser, wo wir nicht sehen, was 10 cm unter uns ist. Für Menschen, die davon träumen, etwas Ähnliches zu tun: Was ist der erste, praktischste Schritt, den sie unternehmen sollten? (Natürlich abgesehen vom Kauf eines Bootes und das erforderliche Kleingeld). Sportbootführerschein und Funkzeugnis machen für die nautischen Grundkenntnisse. Und mal einen Urlaub oder am besten Überführungstörn mitmachen, ob das wirklich etwas für einen ist. Wie bereits erwähnt, ist ein Segelurlaub mit dem Langfahrtreisen nicht zu vergleichen. Wir haben von einigen Beziehungen gehört, die diese Stresssituationen an Bord nicht überstanden haben. Hattet ihr schon einmal „piratenhafte“ Momente? (Hoffentlich keine echte Piraterie! Aber vielleicht einen dramatischen Sturm oder eine Begegnung mit einer überraschend großen Welle?) Vor der Küste Portugals hat uns mal mitten in der Nacht ein Fischerboot verfolgt. Wir glauben aus Spaß, da das Fischerboot jeden unserer Kursänderungen mitgemacht hat. Ihr segelt gerade durch die Karibik – habt ihr schon Meereslebewesen gesehen, die euch staunen (im positiven Sinne!) oder nach Luft schnappen ließen (im Sinne von „Meine Güte, ist das RIESIG“)? Gab es Begegnungen mit Lebewesen, auf die wir neidisch sein sollten oder vor denen wir Angst haben sollten? Die Buckelwale in der Samana Bay der Dominikanischen Republik waren natürlich atemberaubend. Allgemein sind wir bei den vielen Haien auf den Bahamas nicht so erpicht darauf, ins Wasser zu gehen, auch wenn diese überwiegend friedlich sind. Es ist trotzdem ein komisches Gefühl. Eure gruseligste Begegnung mit einem Meeresbewohner? Wenn Fische auf einen zuschwimmen statt wegzuschwimmen, ist es eher komisch. Wir hatten z.B. tagelang einen riesigen 2 m langen Ammenhai an unserem Boot, der scheinbar unsere Gesellschaft mochte. Was denkt ihr, verstehen Landratten aus eurer Sicht völlig falsch am Meer? Ist es für euch nur eine riesige Badewanne? Und welches ist das größte Missverständnis, das ihr ausräumen möchtet? Im Gegensatz zu einer Landratte, die das Meer vielleicht eher als Urlaubsziel zum Baden ansieht, ist es für uns eine tägliche Naturgewalt. Mal wunderschön ruhig, mal aufgewühlt bedrohlich. Was war die genialste Bootsreparatur, die ihr jemals durchgeführt habt? Der Autopilot. Der ist auf der Überfahrt von Portugal auf die Kanaren verrutscht. Wir wussten, was das Problem ist, da wir den selbst zusammengebaut hatten. Für eine Reparatur mussten wir allerdings unsere Überfahrt abbrechen, das gesamte Steuersystem auseinandernehmen und einen Teil aus Niro (Nichtrostender Stahl) herstellen lassen. Seitdem funktioniert alles einwandfrei. Der beste Trick, um auf einer langen Überfahrt Süßwasser zu sparen? Süßwasser nachproduzieren. ☺️ Nein, wir gehen sehr sparsam mit unserem Süßwasser um, z.B. immer nur kurz mit kleinem Strahl den Hahn aufdrehen oder beim Duschen während des Einseifens das Wasser ausstellen. Was ist der lohnendste Aspekt des Weltsegelns? Sich eine eigene Meinung zu bilden, unabhängig von Meinungen anderer, die es selbst nie erlebt haben. Kulturell, landschaftlich, politisch etc. Bei touristischen Reisen ist man meistens in einer Bubble, die die Länder etc. nicht richtig darstellen. Und natürlich, dass man dauernd an Orte kommt die man sonst nur mit eigenem Boot sehen kann, fernab des Mainstreams. Wo hat es euch bisher am besten gefallen und warum? Auf Curaçao, da war es zwar heiß, aber toll zum Wassersport treiben. Außerdem war dort die Atmosphäre so entspannt, die Lebensmittelpreise okay und die Infrastruktur gut. Richtig gut haben uns aber auch die Exumas (Bahamas) gefallen, weil es einfach wunderschön ist und die Nächte wieder schön kühl zum Schlafen. (Klicken zum Vergrößern) Was ist eurer Meinung nach das größte Missverständnis über das Leben auf einem Segelboot? Wir bekommen dauernd zu hören: „die Urlauber“. Klar, irgendwie zeigt man auch meistens nur die schönen Orte. Von den psychischen und physischen Aspekten auf dem Weg dorthin wird weniger gesprochen. Tatsächlich ist das Leben an Bord Arbeit ohne Ende. Man kann sich nur manchmal aussuchen wann man was und was zuerst repariert und erledigt. Eure Meinung ist gefragt! Eine kleine Sache, die jeder tun kann, um dem Ozean zu helfen? Müll in den Mülleimer. Nicht auf Korallen rumlaufen. Kein Shampoo im Meerwasser benutzen (sollte ökologisch abbaubar sein). Wo und in welchen Regionen habt ihr bisher die meiste Verschmutzung (Plastik im Meer/an Land) wahrgenommen? Dominikanischen Republik. Hier ist man richtig stolz auf seine 2-Takter Motorräder. Der Smog durch Abgase ist absurd. Müll wird während der Autofahrt einfach aus dem Fenster geworfen, es gibt sogar extra Hinweisschilder, um dies nicht zu tun. Aber solange sich die Menschen darüber Gedanken machen müssen, wie sie überleben (einfach ein Mindestmaß an Lebensstandard) spielt der Umweltschutz logischerweise keine Rolle. Daher muss dieses Problem zuerst beseitigt werden, bevor man über anderes redet. Mit welcher Figur (aus Büchern, Filmen, …) würdet ihr gern einmal am liebsten segeln? Wir segeln super gerne nur zu zweit, aber mit Boris Herrmann würden wir gerne segeln. Ein Wort (bitte von euch beiden), um den Ozean zu beschreiben? Groß Unbarmherzig Euer wichtigstes Segelzubehör (neben dem Boot)? Das Dinghi - unser Auto Ersatz und Verbindung zum Land. Also, für angehende maritime Abenteurer und Schriftsteller da draußen, was ist eure salzige Weisheit? Es geht nichts über eigene Erfahrung, jeder nimmt das Segeln subjektiv anders wahr. Wir haben oft erlebt, dass etwas, was für uns schlimm war, für andere total normal war und umgekehrt genauso. Also nicht so viel auf andere hören, selber machen und erfahren. Welchen Rat würdet ihr unserer jetzigen jungen Generation für den Einstieg in ihr zukünftiges Leben geben? Welchen Rat sollten sie ignorieren? Unser Schlüssel zum Erfolg ist es, beharrlich zu sein. Bei Gegenwind darf man nicht umkippen, man sollte gerade dann noch eine Schippe obendrauf legen, um Ziele zu erreichen. Generell sollte man seine Ziele von den Meinungen anderer trennen. Wenn es dich glücklich macht, spielt es keine Rolle, was andere denken und sagen. Wenn man sich für andere anpasst, erfüllt man die Erwartungen der anderen, nicht aber seine eigenen. Wenn man dann trotzdem scheitern sollte, hat man die Achtung vor sich selbst bewahrt und gestärkt. Fehler zuzugeben ist ok, aber das geht nur, wenn man sie auch selbst gemacht hat. Typischerweise trifft vieles, was neu und unbekannt ist, bei anderen auf Gegenwehr, eine natürliche Abwehrhaltung. Man sollte sich davon nicht beeinflussen lassen, denn niemand weiß, was genau in seinem Gegenüber vor sich geht. Nur du selbst kennst dich am besten. (Klicken zum Vergrößern) Welches dringendste Bedürfnis hattet ihr nach eurer Atlantik Überquerung, als ihr endlich wieder festen Boden unter den Füßen hattet (abgesehen davon, wieder an Land zu gehen) - Eine Riesenpizza? Eine lange, heiße Dusche? Wäsche waschen? Also erstmal stand für uns fest, dass wir in eine Marina gehen. Da wir morgens angekommen sind, sind wir direkt ins Frühstücksrestaurant gegangen. Mela kocht überwiegend fantastisch aber ein Restaurant ist nach so einer langen Zeit Gold wert. Das Essen entscheidet nicht nur bei der Bundeswehr über die Moral der Truppe. Abgesehen davon konnten wir nach 15 Tagen auf See endlich mal wieder ausführlich duschen und bei Todesstille schlafen. Wer nämlich denkt, Meeresrauschen und Wind sei etwas Beruhigendes, hat das noch nie 15 Tage am Stück erlebt. Wer ist der kreative Vogel bei euch und kam auf den Namen eures Bootes: „Miss Salty“? Mela ist kreativ ohne Ende. Den Namen haben wir gemeinsam nach langem Grübeln gefunden. Fun Fact: Scheinbar ist der Name gut, denn das bekommen wir oft beim Einklarieren zu hören. (Klicken zum Vergrößern) Und zum Schluss noch das Wichtigste: Wenn „Miss Salty“ sprechen könnte, worüber würde sie sich eurer Meinung nach am meisten beschweren? (Vielleicht Jans fragwürdige Parkmanöver?) Also Jan’s Parkmanöver liegen weit über dem Durchschnitt, sodass Miss Salty keinerlei Schaden nimmt. Das sollte nicht das Problem sein. Miss Salty hat so viel Liebe von uns erhalten, es wäre vermessen, sich darüber zu beschweren. Wir haben dafür gesorgt, dass fast alles an Bord neu ist und sie weiterhin sehr gepflegt wird. Das einzige, was die alte Dame verstimmen lassen könnte, ist, dass sie auf ihre alten Tage noch so viel von der Welt sehen muss. Herzlichen Dank! So, liebe Ocean Tribune-Crew, Land in Sicht! Nach diesem wilden Ritt durch die Abenteuer von Jan und Mela fühlen wir uns, als hätten wir selbst gerade eine Atlantiküberquerung hinter uns – nur ohne die Seekrankheit, dafür mit Muskelkater vom Lachen. Ein riesiges, wellenbrechendes Dankeschön an Jan und Mela von „Sailing Miss Salty“! Danke für eure entwaffnende Ehrlichkeit, die uns gezeigt hat, dass das Segelleben weniger aus Champagner-Sonnenuntergängen und mehr aus kaputten Toilettenpumpen, kreativen Stauraumlösungen („Lagerhaus-Chic“) und der ständigen Jagd nach dem perfekten Snack (Team Chips vs. Team Schokoriegel!) besteht. Wir haben gelernt: Wahre Liebe bedeutet auch, den „Captain Chaos“-Modus des anderen zu ertragen (einmal täglich reicht, Jan!), gemeinsam schweißgebadet auf Orca-Warnungen zu lauschen und zu wissen, dass Badelatschen im Dinghi wichtiger sind als fast alles andere. Mögen eure Kaffeemaschine niemals streiken, eure Sonicare-Zahnbürsten immer aufgeladen sein (und nicht mehr aus Deutschland eingeflogen werden müssen!), die nächste „Miss Salty“ (oder wie auch immer sie heißen mag) euch komfortabel bis zum Amazonas und darüber hinaus tragen – mit hoffentlich mückensicherer Kabine (zumindest für Jan!) und weniger korrodierenden Brillen. Und falls "Miss Salty" doch mal das Sprechen anfängt und sich über Jans Parkmanöver beschwert – gebt uns Bescheid, das wäre die nächste Titelstory! Wir hoffen, du hattest genauso viel Spaß wie wir. Bleib uns gewogen, pass auf unsere Meere auf (Müll gehört in den Eimer, nicht ins Wasser!) und wer weiß – vielleicht packt dich ja jetzt doch das Fernweh. Aber denk dran: Erst den Sportbootführerschein machen, dann vom großen Törn träumen! Mast- und Schotbruch und bis zum nächsten Mal in der Ocean Tribune! Neugierig auf mehr? Instagram Jan und Mela: https:/ /www.instagram.com/sailingmisssalty Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!
- Was wäre, wenn wir einfach ZAP! weg wären und die Meere 286.411 Jahre bräuchten, um unseren Saustall zu beseitigen?
Von Barry Birdbrain Okay, mein lieber aquatischer Aficionados und Gezeiten-Guru, schnall die Taucherbrille fest und prüf den Sauerstoffgehalt deiner Lachmuskeln! Wir begeben uns auf ein Gedankenexperiment der Kategorie "Was wäre, wenn ... wir einfach kollektiv den Löffel abgeben?". Aber nicht so ein langsames, würdevolles Dahinsiechen, nein, wir reden hier von einem kosmischen "ZAP!" – und poof, die Menschheit ist Geschichte. Verdampft. Als hätten wir nie existiert, außer dass wir, nun ja, einen Saustall hinterlassen haben, der selbst eine Horde Wildschweine auf einem Kindergeburtstag vor Neid erblassen ließe. Besonders in unseren geliebten Ozeanen, die wir als globale Müllkippe und chemisches Versuchslabor missbraucht haben. Die große Frage, die uns heute umtreibt wie ein führerloses Geisterschiff (und wahrscheinlich auch die Fische, wenn sie denn philosophische Anwandlungen hätten): Wie lange, verdammt nochmal, braucht der große blaue Teich, um sich von unserer ausschweifenden, jahrtausendelangen Party-Orgie zu erholen? Vorab sei gesagt, und das ist keine Überraschung: Die Antwort ist komplexer als die Steuererklärung eines Oktopus mit acht verschiedenen Einkommensquellen. Es gibt nicht DIE eine Zahl, die wir dir wie eine magische Losnummer präsentieren können. Es ist eher wie bei der Renovierung einer völlig verdreckten Studenten-WG nach einer legendär eskalativen Abschlussparty – manche Flecken, wie der verschüttete Pfefferminztee, gehen schnell raus, andere, wie das eingebrannte Chili-con-Carne-Kunstwerk auf dem Ceranfeld oder der undefinierbare Fleck hinter dem Sofa, nun ja, die bleiben für die Ewigkeit (oder zumindest gefühlt so lange). Aber weil wir Zahlen lieben und du, unser geschätzter und leicht masochistischer Leser, Fakten willst, auch wenn sie so absurd sind, dass sie schon wieder genial sind: Die Wissenschaft, in ihren lichten Momenten zwischen Verzweiflung und Galgenhumor, munkelt, dass die vollständige chemische Entgiftungskur des Ozeans von unserem CO2-Rausch und dem ganzen anderen Müll sich über geologische Zeiträume hinzieht. Wenn man den aller-aller-allerlangsamsten, aber global wirksamen Prozess als Maßstab nimmt – die Verwitterung von Silikatgestein, die CO2 aus der Atmosphäre zieht und so die Ozeanversauerung umkehrt – dann könnte man, mit viel wissenschaftlichem Bauchgefühl, einer Prise stoischer Akzeptanz und einem Augenzwinkern, auf eine Zahl kommen wie ... Trommelwirbel ... 286.411 Jahre! Ja, du hast richtig gelesen. Zweihundertsechsundachtzigtausendvierhundertelf. Eine Zahl so präzise, dass sie schon wieder lachhaft ist, wie die Angabe der Kalorienzahl eines einzelnen Salzkrümelchens. Aber sie gibt uns eine Ahnung von der kosmischen Geduld, die Mutter Natur aufbringen muss, um unseren Mist, den wir über Jahrhunderte angehäuft haben, wieder auszubügeln. Also, tauchen wir ein in die verschiedenen Phasen des planetaren Katers – von der ersten Kopfschmerztablette bis zur vollständigen Ausnüchterung in einer Zukunft, die so fern ist, dass unsere heutigen Sternbilder dann nur noch wirre Strichmännchen sind. Phase 1: Die Sofort-Erleichterung (Die ersten Stunden bis Jahre – Das Aspirin wirkt, der Lärm ist weg!) Das Allererste, was passiert, wenn wir Menschen von jetzt auf gleich verschwinden? Stille! Endlich Ruhe im Karton, oder besser gesagt, im Ozean! Stell dir vor, die Meere atmen kollektiv auf, ein gigantischer Seufzer, der die Wellen sanft kräuselt. Kein nerviges Schiffsmotoren-Gedröhne mehr, das tieffrequent über Hunderte von Kilometern durchs Wasser schallt und die Kommunikation der Meeresbewohner stört. Wissenschaftler schätzen, dass der von Menschen verursachte Unterwasserlärmpegel in einigen Gebieten seit Beginn der Industrialisierung um das Zehnfache oder mehr gestiegen ist. Dieses ständige Brummen, Hämmern und Quietschen, das für viele Meereslebewesen Stress pur bedeutet, wäre quasi über Nacht weg. Kein militärisches Sonar-Ping-Pong mehr, das Wale zur panischen Flucht treibt und manchmal sogar zu tödlichen Strandungen führt. Keine scheppernden Ölbohrplattformen, die wie rostige Riesen im Meer stehen und rund um die Uhr Lärm produzieren. Die Wale können endlich wieder ungestört ihre neuesten Balladen trällern, ihre komplexen Gesänge über Tausende von Kilometern schicken, ohne von einem Containerschiff der Panamax-Klasse übertönt zu werden. Die Delfine können tuscheln, klatschen und ihre neuesten Ultraschall-Witze erzählen, ohne dass eine Armada von Freizeitbooten ihre Konversation stört. Das ist quasi der "Kopfhörer runter, Welt an"-Moment für rund 70% unseres blauen Planeten. Diese akustische Wohltat tritt quasi sofort ein, denn Schall breitet sich im Wasser etwa viereinhalbmal schneller aus als in der Luft. Innerhalb weniger Monate, vielleicht sogar Wochen, würde der Ozean wieder zu einem Ort der entspannten Walgesänge und des leisen Planktonknisterns, statt der industriellen Heavy-Metal-Beschallung, die wir ihm aufgezwungen haben. Das wäre ein Segen, vor allem für Meeressäuger, die auf Schall zur Navigation, Kommunikation und Jagd angewiesen sind. Gleichzeitig: Party für die Fische! Aber was für eine! Stell dir vor, von einem Tag auf den anderen sind keine fiesen Schleppnetze mehr da, die den Meeresboden umpflügen und alles einsaugen, was nicht bei drei auf den Korallen ist. Keine kilometerlangen Langleinen mit Tausenden tückischen Haken, die wahllos Seevögel, Schildkröten und Haie erwischen. Die Fischbestände, die wir oft bis an den Rand des Kollapses oder darüber hinaus dezimiert haben – man denke an den Kabeljau vor Neufundland, dessen Bestände in den frühen 90ern zusammenbrachen und sich bis heute kaum erholt haben – könnten endlich mal durchatmen. Kleine, schnell laichende Fische wie Sardinen, Heringe oder Anchovis (Europäische Sardelle) würden wahrscheinlich innerhalb von ein, zwei Jahrzehnten eine Bevölkerungsexplosion erleben. Sie würden denken: "Wow, ist es hier plötzlich leer und geräumig geworden! Mehr Plankton für uns!" und sich fröhlich vermehren, bis die natürlichen Fressfeinde wieder Überhand gewinnen. Studien zeigen, dass schon ein Moratorium von wenigen Jahren bei bestimmten Arten zu einer deutlichen Erholung führen kann, wenn denn die Umweltbedingungen stimmen. Auch die direkte Kloake-ins-Meer-Mentalität, die in vielen Teilen der Welt noch immer fröhliche Urständ feiert, endet abrupt. Flussmündungen und Küstenabschnitte, die vorher die Endstation für unsere ungeklärten oder nur notdürftig geklärten Abwässer, Industriechemikalien und den ganzen urbanen Dreck waren, würden sehr schnell merken, dass der tägliche Schmutz-Nachschub ausbleibt. Das Wasser würde dort, wo wir direkt unsere Hinterlassenschaften reingekippt haben, innerhalb von Monaten bis wenigen Jahren deutlich klarer. Seegraswiesen und küstennahe Riffe bekämen wieder mehr Licht. Das ist die Phase, in der die Natur merkt: "Hey, die nervigen, lärmenden Zweibeiner sind weg! Zeit für 'ne gigantische Unterwasser-Polonaise Blankenese!" Phase 2: Das langsame Aufräumen (Jahrzehnte bis Jahrhunderte – Der Kater ist noch da, aber man kann wieder geradeaus gucken, ohne sich sofort übergeben zu müssen) Aber halt, mein lieber Tiefsee-Träumer, so schnell geht's dann doch nicht mit der kompletten Wiederherstellung des maritimen Paradieses. Das war nur das Aspirin, das die gröbsten Kopfschmerzen lindert. Die Erholung der großen, langlebigen Fische – Thunfische, die mehrere Jahrzehnte alt werden können, Haie, von denen manche Arten (wie der Grönlandhai) über 400 Jahre alt werden, oder die Methusalems der Tiefsee wie der Granatbarsch, der über 150 Jahre auf dem Buckel haben kann – ist eher ein Marathon als ein Sprint. Diese Arten brauchen viele Jahre, um geschlechtsreif zu werden, und bekommen oft nur wenige Nachkommen. Bis die Ozeane wieder voller stattlicher Opas und Uromas dieser Arten sind und die komplexen Nahrungsnetze sich von unserem industriellen Raubbau und der gezielten Entnahme der Spitzenprädatoren erholt haben, vergehen locker ein paar Jahrhunderte. Das ist, als würde man versuchen, eine vom Aussterben bedrohte Adelsfamilie, bei der nur noch ein scheintoter Uronkel übrig ist, wieder aufzubauen – das dauert, und man braucht viel Geduld und günstige Umstände. Es wird geschätzt, dass einige große Walarten nach dem Ende des kommerziellen Walfangs fast ein Jahrhundert gebraucht haben oder noch brauchen werden, um ihre Populationen wieder auf ein halbwegs stabiles Niveau zu heben. Und erinnerst du dich an die "Todeszonen"? Diese unschönen, sauerstoffarmen (hypoxischen) oder gar sauerstofffreien (anoxischen) Bereiche, die wir durch massive Überdüngung mit Nährstoffen aus industrieller Landwirtschaft (Stickstoff- und Phosphordünger) und unzureichend geklärten kommunalen Abwässern geschaffen haben. Es gibt weltweit über 400 solcher Zonen, die zusammen eine Fläche von mehr als 245.000 Quadratkilometern bedecken – das ist größer als Großbritannien! Selbst wenn wir keinen neuen Dünger mehr reinspülen, haben sich die Altlasten, also die überschüssigen Nährstoffe, gemütlich im Meeresboden eingenistet. Wie ein vollgesogener Schwamm geben sie ihre Nährstoffe nur widerwillig und über Jahrzehnte bis Jahrhunderte wieder an die Wassersäule ab, wo sie weiterhin Algenblüten befeuern, die dann absterben, absinken und am Meeresboden von Bakterien unter Sauerstoffverbrauch zersetzt werden. Es ist, als hätte man Rotwein auf einen dicken, weißen Flokatiteppich gekippt – selbst wenn man nicht mehr nachkippt, der Fleck bleibt erstmal und muss mühsam und über lange Zeit rausgeschrubbt werden, oder besser gesagt, er muss sich langsam abbauen. Bis diese "Todeszonen" wieder zu lebendigen, sauerstoffreichen Meeresbereichen werden, können locker 50 bis 300 Jahre ins Land (oder besser gesagt, ins Meer) ziehen, je nach Tiefe, Strömungsverhältnissen und Menge der eingelagerten Nährstoffe. Physische Zerstörung ist auch so eine Sache, die uns noch lange erhalten bleibt. Die Korallenriffe, unsere "Regenwälder der Meere", die wir mit Dynamitfischerei pulverisiert, mit Schleppnetzen planiert oder durch die von uns verursachte Erwärmung und Versauerung gebleicht und abgetötet haben, wachsen langsamer als ein Faultier im Winterschlaf auf Valium. Korallen wachsen im Schnitt nur wenige Millimeter bis Zentimeter pro Jahr. Bis ein komplexes, artenreiches Riff-Ökosystem wieder vollständig aufgebaut ist, nachdem es zerstört wurde, braucht es Jahrhunderte bis Jahrtausende – und das auch nur, wenn die Bedingungen (Temperatur, Wasserqualität, pH-Wert) wieder optimal sind, was angesichts des Klimawandels eine sehr optimistische Annahme ist. Unsere Betonmonster an den Küsten – Hafenmauern, Molen, Wellenbrecher, künstliche Inseln – werden zwar irgendwann von der unermüdlichen Kraft der Wellen und der chemischen Verwitterung zernagt und erodiert, aber das dauert ebenfalls Äonen. Stahlbeton in Meerwasser hat eine geschätzte Lebensdauer von vielleicht 50 - 100 Jahren, bis er ernsthaft bröckelt, aber massive Strukturen bleiben als künstliche Felsen für viele Jahrhunderte bis Jahrtausende bestehen. Die Narben der Schleppnetzfischerei in der Tiefsee, wo die Sedimentationsraten extrem gering sind (oft nur Millimeter pro Jahrtausend)? Die bleiben sichtbar, als hätte jemand mit einem riesigen Pflug durch Omas gepflegten Vorgarten geackert – für Jahrhunderte, vielleicht sogar Jahrtausende, weil da unten in der lichtlosen, kalten Tiefe einfach so gut wie nichts passiert, um diese Spuren zu verwischen. Phase 3: Die hartnäckigen Altlasten (Jahrhunderte bis viele Jahrtausende – Der Moment, wo man merkt, dass der verdammte Fleck auf dem Teppich doch nicht rausgeht, egal wie oft man schrubbt) Jetzt kommen wir zu den Dingen, die wirklich, WIRKLICH lange bleiben und uns als Menschheit ein unrühmliches Denkmal setzen. Unsere chemischen Cocktails zum Beispiel, die wir großzügig in die Umwelt entlassen haben. Schwermetalle wie Quecksilber (aus Kohleverbrennung, Goldabbau), Blei (aus Benzin, Farben, Batterien) oder Cadmium (aus Batterien, Düngemitteln) sind die ultimativen Stehaufmännchen der Umweltverschmutzung – die gehen nicht einfach weg, die bauen sich nicht biologisch ab. Sie sind Elemente, sie bleiben. Die lagern sich im Sediment ab, werden dort vielleicht von Bakterien in noch giftigere organische Verbindungen umgewandelt (wie Methylquecksilber) oder reichern sich in der Nahrungskette an (Biomagnifikation), bis irgendwann ein unglücklicher Eisbär oder ein Tiefseefisch die gesammelten Sünden einer ganzen Industrienation in seinem Fettgewebe und seinen Organen trägt. Die Konzentrationen dieser Schwermetalle in der Wassersäule und in den oberen Sedimentschichten sinken nur extrem langsam durch geologische Prozesse wie die Einlagerung in tiefere, inaktive Sedimentschichten oder durch Verdünnung über riesige Wassermassen – das dauert viele Jahrhunderte bis Zehntausende von Jahren. Dann die berüchtigten POPs – Persistente Organische Schadstoffe. Klingt fast harmlos, wie eine neue Popband, sind aber fiese, langlebige Chemikalien (DDT, PCBs, Dioxine, Furane, per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, kurz PFAS, etc.), die wir für alles Mögliche designt haben, von Insektiziden über Flammschutzmittel bis hin zu Teflonpfannen. Das Problem: Sie sind oft fettlöslich (lipophil), reichern sich daher im Fettgewebe von Lebewesen an, und sind extrem stabil, also schwer abbaubar. Und sie reisen um die Welt wie unliebsame Touristen, die niemand eingeladen hat, durch atmosphärischen Transport und Meeresströmungen, und konzentrieren sich oft in kalten Regionen wie der Arktis ("global distillation"). Der Abbau dieser Substanzen, besonders in der kalten, lichtlosen Tiefsee, wo die mikrobielle Aktivität gering ist, dauert ewig. Wir reden hier von Halbwertszeiten, die von Jahren bis zu vielen Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten reichen können. Bis die Konzentrationen auf ein unbedenkliches Niveau gesunken sind, können wieder Jahrhunderte bis viele Jahrtausende vergehen. Das ist der chemische Kater, der einfach nicht verschwinden will, egal wie viele grüne Smoothies Mutter Natur trinkt. Und natürlich: Plastik! Unser glorioser Exportschlager des 20. und 21. Jahrhunderts, den wir in die Ozeane verfrachtet haben, als gäbe es kein Morgen. Schätzungen zufolge landen jedes Jahr zwischen 4,8 und 12,7 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Meeren (eine Zahl von Jambeck et al. aus 2015, die immer noch oft zitiert wird, obwohl aktuellere Schätzungen eher von noch mehr ausgehen). Der unkaputtbare Müll. Große Teile wie Flaschen, Tüten und Fischernetze zerfallen zwar über Jahrzehnte durch UV-Strahlung und mechanische Einwirkung (Wellen, Abrieb) zu immer kleineren Teilchen – dem berüchtigten Mikroplastik (kleiner als 5 mm) und schließlich Nanoplastik (kleiner als 100 nm). Das ist quasi Umwelt-Glitter, der überall ist, von der Wasseroberfläche bis in die tiefsten Tiefseegräben, und der von Plankton bis zu Walen aufgenommen wird. Aber das Mikro- und Nanoplastik selbst? Dessen vollständiger Abbau zu CO2 und Wasser dauert ... tja, da streiten sich die Gelehrten noch, denn das hängt stark von der Art des Polymers, den Umweltbedingungen und den beteiligten Mikroorganismen ab. Für eine PET-Flasche werden Abbauzeiten von etwa 450 Jahren genannt, für Fischernetze aus Nylon bis zu 600 Jahre. Aber das sind Schätzungen für den Zerfall in kleinere Stücke, nicht für die komplette Mineralisierung. Plastik ist der ungeladene, besoffene Gast auf der Erholungsparty des Ozeans, der einfach nicht gehen will, sich überall breitmacht und die Playlist kapert, von der sonnendurchfluteten Oberfläche bis in die exklusive Marianengraben-VIP-Lounge. Bis der letzte Joghurtbecher und die letzte Mikroplastikfaser zerfallen sind, sind wahrscheinlich schon neue Kontinente durch Plattentektonik entstanden und wieder erodiert. Mindestens 500 bis 10.000+ Jahre Plastik-Party-Reste. Prost Mahlzeit! Und das ist nur das sichtbare Problem; die chemischen Additive, die aus dem Plastik auslaugen (Weichmacher, Flammschutzmittel etc.), sind ein weiteres langlebiges Gift-Kapitel für sich. Phase 4: Die Jahrhundert-Wunde (Zehntausende bis Hunderttausende von Jahren – Der Kater, der Generationen überdauert und eine komplette Lebenumstellung und Entgiftungskur des Planeten erfordert) Okay, festhalten, mein Freund des feuchten Elements, jetzt wird's wirklich absurd langsam und wir verlassen den Bereich menschlicher Vorstellungskraft. Selbst wenn all der physische Müll und der meiste chemische Dreck irgendwann weg ist oder tief im Sediment vergraben schlummert, bleibt das größte, fundamentalste Problem: Wir haben am globalen Thermostat gedreht und die grundlegende Chemie der Ozeane über den Haufen geworfen wie ein trotziges Kind sein Spielzeug. Stichworte: Klimawandel und Ozeanversauerung. Das sind die Langzeitfolgen unserer CO2-Party. Die Ozeane haben bisher, wie ein riesiger, gutmütiger Schwamm, brav einen Großteil unserer überschüssigen Wärme geschluckt – über 90% der zusätzlichen Wärmeenergie, die durch den von Menschen verursachten Treibhauseffekt im Erdsystem gefangen ist, wurde von den Ozeanen aufgenommen. Das ist eine unvorstellbare Energiemenge, die das Wasser erwärmt hat, besonders in den oberen Schichten. Aber diese Wärme ist jetzt drin. Und die Ozeane sind thermisch träge wie ein Beamter kurz vor der wohlverdienten Pensionierung. Es dauert Jahrtausende, bis diese zusätzliche Wärme durch komplexe Austauschprozesse mit der Atmosphäre und dem Weltraum wieder abgestrahlt ist. Selbst wenn wir morgen aufhören würden, CO2 zu emittieren (oder eben, weil wir puff weg sind), würde sich der Ozean noch für Jahrhunderte bis Jahrtausende weiter erwärmen, da die Tiefsee nur sehr langsam auf die Erwärmung der Oberfläche reagiert. In der Zwischenzeit? Steigender Meeresspiegel allein durch thermische Ausdehnung (warmes Wasser braucht mehr Platz), veränderte Meeresströmungen (der Golfstrom könnte husten oder sich verschlucken), intensivere Wirbelstürme, gestresste Korallen, wandernde Fischbestände – das volle Programm, auch ohne uns als direkte Verursacher neuer Emissionen. Und die Versauerung! Wir haben seit der industriellen Revolution so viel Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre gepustet (aktuell über 420 ppm, vorindustriell waren es ca. 280 ppm), dass die Ozeane etwa ein Viertel bis ein Drittel davon absorbiert haben. Das hat zwar den Klimawandel an Land etwas gebremst, aber im Wasser hat es zu einer chemischen Reaktion geführt: CO2 löst sich in Wasser zu Kohlensäure, die dann zerfällt und Protonen (H+-Ionen) freisetzt. Mehr Protonen bedeuten einen niedrigeren pH-Wert, das Wasser wird saurer. Der durchschnittliche pH-Wert der Meeresoberfläche ist bereits von ca. 8,2 auf 8,1 gesunken. Das klingt nach wenig, ist aber auf der logarithmischen pH-Skala ein Anstieg der Protonenkonzentration um etwa 30%. Die Ozeane sind also sauer geworden wie eine Zitrone auf Speed, oder zumindest wie ein Mineralwasser mit zu viel Kohlensäure. Das ist extrem schlecht für alles, was Kalkschalen oder -skelette aus Kalziumkarbonat baut – Korallen, Muscheln, Schnecken, Seeigel, aber auch winzige Plankton-Organismen wie Foraminiferen und Pteropoden (Meeresschmetterlinge), die eine entscheidende Basis für viele marine Nahrungsnetze sind. Die kriegen quasi Sodbrennen im großen Stil, ihre Schalen lösen sich leichter auf oder können gar nicht erst richtig gebildet werden. Und wie lange dauert es, bis der Ozean seinen pH-Wert wieder im Griff hat und das überschüssige CO2 aus dem Ozean-Atmosphären-System entfernt ist? Jetzt kommen die wirklich großen Zahlen ins Spiel, die Zahlen, bei denen selbst Geologen anfangen, unruhig auf ihren Stühlen hin und her zu rutschen. Die Natur hat dafür im Wesentlichen zwei Hauptmethoden, beide quälend langsam und auf geologischen Zeitskalen operierend: Ozeanische Rennie-Tabletten (Karbonat-Kompensation): Über Tausende von Jahren (man rechnet hier mit Zeiträumen von ca. 1.000 bis 10.000 Jahren) löst das saurer gewordene Wasser Kalk (Kalziumkarbonat, CaCO3) vom Meeresboden auf, insbesondere in größeren Tiefen. Dieser Prozess neutralisiert einen Teil der Säure und hilft, CO2 zu binden. Das ist aber quasi nur eine Symptombekämpfung und kann nur einen Teil des Problems lösen, bevor das leicht lösliche Karbonat aufgebraucht ist. Geologische Gesteinswäsche (Silikat-Verwitterung): Der ultimative und langsamste Weg, um CO2 langfristig aus dem Atmosphären-Ozean-System zu entfernen, ist die Verwitterung von Silikatgestein an Land. Regen, der CO2 aus der Atmosphäre aufgenommen hat und dadurch leicht sauer ist (Kohlensäure), wäscht Mineralien (wie Kalzium- und Magnesiumsilikate) aus den Gesteinen. Diese gelösten Mineralien werden über Flüsse ins Meer transportiert. Dort reagieren sie letztendlich so, dass das CO2 als Karbonat-Ionen gebunden und schließlich als Kalziumkarbonat (z.B. in den Schalen von Meeresorganismen) ausgefällt und im Sediment eingelagert wird. Dieser Prozess ist unglaublich langsam und hängt von vielen Faktoren ab (Temperatur, Niederschlag, Art des Gesteins, Vegetation). Wie lange dauert das? Zehntausende bis Hunderttausende von Jahren. Hier kommen wir zurück zu unserer aberwitzig präzisen Zahl, die wir dir am Anfang genannt haben: Die Wissenschaft, die sich mit diesen ultralangsamen Kohlenstoffzyklen beschäftigt – Koryphäen wie der Ozeanograph David Archer von der University of Chicago oder die umfangreichen Berichte des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) – legt nahe, dass es mindestens 100.000 Jahre, vielleicht sogar 200.000 bis 400.000 Jahre dauert, bis der allergrößte Teil eines massiven CO2-Pulses, wie wir ihn gerade verursachen, durch diese natürlichen Prozesse wieder aus dem System entfernt ist und die Ozeanchemie sich normalisiert hat. Unsere Zahl, die 286.411 Jahre , ist eine Art humorvolle, aber gleichzeitig erschreckend konkrete Veranschaulichung dieser unvorstellbaren Zeitspanne. Stell dir das mal vor: Die Menschheit ist längst zu Staub zerfallen, neue Eiszeiten sind gekommen und wieder gegangen, die Kontinente haben sich merklich verschoben (Afrika könnte schon ordentlich an Europa geknabbert haben), vielleicht haben sich sogar neue intelligente Spezies entwickelt – und der Ozean ist immer noch dabei, unseren CO2-Rausch auszugleichen und die letzten Reste unserer globalen Party-Kohlensäure aufzustoßen. Das ist der ultimative planetare Kater, der so lange andauert, dass selbst die Sterne am Himmel eine andere Konstellation haben werden. Phase 5: Die ewigen Narben (Für immer und drei Tage – Der Schaden, den selbst die geologische Zeit nicht oder nur extrem langsam heilt) Man sollte meinen, nach ein paar hunderttausend Jahren wäre der Spuk dann aber wirklich vorbei. Aber selbst diese unfassbar langen Zeiträume sind nicht das Ende der Geschichte für einige unserer Hinterlassenschaften. Da wären zum Beispiel noch die Fässer mit radioaktivem Müll, die wir, in unserer unendlichen Weisheit, irgendwo in den Tiefen der Ozeane versenkt haben (z.B. im Nordostatlantik). Auch wenn die Behälter irgendwann korrodieren und undicht werden, die radioaktiven Isotope darin haben teilweise extrem lange Halbwertszeiten. Plutonium-239 zum Beispiel, ein Bestandteil von Atombomben und Brennstäben, hat eine Halbwertszeit von 24.110 Jahren. Iod-129, ein Spaltprodukt aus Kernreaktoren, hat eine Halbwertszeit von 15,7 Millionen Jahren! Und Technetium-99 211.100 Jahre. Diese strahlenden Hotspots bleiben als unsere leuchtenden, wenn auch unsichtbaren Visitenkarten für geologische Ewigkeiten bestehen, und könnten lokale Ökosysteme für Zeiträume belasten, die jede menschliche Vorstellungskraft sprengen. Und dann ist da noch das vielleicht traurigste Kapitel unserer Party-Exzesse: Aussterben. Die Arten, die wir direkt oder indirekt auf dem Gewissen haben – durch Überjagung (wie den Beutelwolf oder die Stellersche Seekuh), Lebensraumzerstörung (unzählige Amphibien-, Insekten- und Korallenarten) oder die rasanten Veränderungen durch den Klimawandel, an die sich viele Arten nicht schnell genug anpassen können – die kommen nicht zurück. Nie wieder. Das ist, als würde man ein unersetzliches Kunstwerk von Leonardo da Vinci oder eine Originalpartitur von Mozart nicht nur verbrennen, sondern atomisieren. Die Evolution wird weitergehen, ja. Neue Nischen werden frei, und im Laufe von Millionen von Jahren werden sich neue Arten entwickeln, die diese Nischen füllen. Aber die spezifischen Arten, die wir ausgelöscht haben, mit ihrer einzigartigen genetischen Ausstattung und ihrer eigenen Evolutionsgeschichte, sind für immer verloren. Das ist die eine Party-Sauerei, die niemand jemals wieder aufräumen kann, nicht einmal Mutter Natur mit all ihrer unendlichen Geduld. Die aktuelle Aussterberate, angetrieben durch menschliche Aktivitäten, wird auf das 100- bis 1000-fache der natürlichen Hintergrund-Aussterberate geschätzt. Das hinterlässt Lücken im Gewebe des Lebens, die für immer klaffen werden. Fazit: Lachen, um nicht zu weinen, oder wie war das mit der Polonaise? Unser kleiner, zugegebenermaßen etwas makaber-humoristischer Ausflug in eine hypothetische Zukunft ohne uns zeigt eines ganz deutlich: Die Ozeane sind unglaublich zäh und widerstandsfähig, aber wir haben ihnen Wunden zugefügt, die auf Zeitskalen heilen, die jeden menschlichen Horizont und jede Netflix-Serienmarathon-Länge bei weitem sprengen. Der Lärm ist schnell weg? Ja, ein paar Tage bis Monate, und die Wale können wieder ungestört plaudern. Die Fischbestände erholen sich? Dauert schon ein paar Generationen (von Fischen, also Jahrzehnte bis Jahrhunderte für viele Arten), wenn die Bedingungen denn stimmen. Der Plastikmüll ist weg? Vielleicht in ein paar Jahrtausenden, wenn wir Glück haben und die Bakterien einen Zahn zulegen, aber die chemischen Zusätze geistern noch länger herum. Aber der CO2-Kater und die Ozeanversauerung? Der dauert Hunderttausende von Jahren, symbolisiert durch unsere fast schon dadaistisch anmutende, aber wissenschaftlich nicht ganz aus der Luft gegriffene Zahl von 286.411 Jahren. Was lernen wir daraus, außer dass die Zahl 286.411 eine merkwürdige Faszination ausübt? Vielleicht, dass wir die Party nicht ganz so exzessiv hätten feiern sollen, dass wir vielleicht nicht jeden Drink hätten exen und nicht jede Kippe auf den Teppich hätten schnippen sollen. Und dass es, wenn wir schon nicht puff machen und verschwinden wollen (was ja auch irgendwie schade wäre, trotz allem), höchste Zeit ist, mit dem Aufräumen anzufangen, BEVOR wir endgültig den Abgang machen oder der Planet uns vor die Tür setzt. Denn ganz ehrlich: Wer will schon eine Viertelmillion Jahre oder länger warten, bis der Planet und seine Ozeane wieder klarkommen und der letzte Rest unserer Sünden getilgt ist? Also, lieber Meeresfreund, packen wir's an – Emissionen runter, als gäbe es kein Morgen (denn sonst gibt es vielleicht wirklich keinen, der lebenswert ist), Müll raus aus den Meeren und vor allem gar nicht erst rein, Riffe schützen und wiederaufbauen, nachhaltige Fischerei etablieren, und generell ein bisschen mehr Demut vor dem blauen Wunder zeigen, das mehr als zwei Drittel unseres Planeten bedeckt. Es ist zwar nicht ganz so lustig und abgedreht wie unser Gedankenexperiment heute, aber definitiv besser für alle Beteiligten – für uns, für die, die nach uns kommen (sofern es welche gibt), und ganz besonders für die Fische. Die können dann nämlich wirklich ungestört und ohne Sorgenfalten auf der Stirn ihre Polonaise durch saubere, gesunde und nicht übersäuerte Ozeane tanzen. Und das wäre doch ein Happy End, das selbst Hollywood nicht besser schreiben könnte, oder? Bleib sauber! Bitte bedenke, dass dieser Artikel zwar rein fiktiv ist und nur hypothetische Annahmen darstellt, aber dennoch reale Tatsachen beinhalten und/oder von solchen inspiriert sein kann. Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!
- Stativ der Anklage: Ein Tiefseefisch spricht Klartext
Von Brenda Beachbum Hier bei „The Ocean Tribune“ sind wir ja bekannt dafür, uns für eine gute Story auch mal nass zu machen – und zwar richtig. Wir haben schon die Gesänge von Buckelwalen in der Arktis aufgenommen, bis uns fast die Mikrofone eingefroren sind, und sind durch Mangrovenwälder gewatet, die als unersetzliche Kinderstube für Meeresleben dienen und doch so bedroht sind. Aber unser heutiges Unterfangen stellt das alles in den Schatten. Wir sind tiefer getaucht als je zuvor, in eine Welt ohne Sonnenlicht, regiert von unvorstellbarem Druck und eisiger Kälte. Dank unserer brandneuen Tiefsee-Sonde „Plauderfisch 1“ und eines bahnbrechenden Bio-Akustik-Übersetzers (der erstaunlich gut Sarkasmus erkennt), haben wir ein exklusives Interview mit einem Bewohner dieser fremden Welt arrangiert. Unser Gesprächspartner gehört zu einer Spezies, die die meisten Menschen wohl noch nie bewusst wahrgenommen haben: Bathypterois grallator, der Stativfisch. Ein elegantes, fast zerbrechlich wirkendes Wesen, das auf seinen verlängerten Flossenstrahlen wie auf Stelzen über den Meeresboden „steht“ und auf vorbeischwimmende Beute lauert. Normalerweise. Denn unser Interviewpartner, der auf den leicht aristokratisch klingenden Namen Bartholomew hört, ist alles andere als in Lauerstellung. Er ist aufgebracht. Zornig. Und zutiefst betrübt. Zur seiner eigenen Sicherheit, zeigen wir sein Gesicht nicht. Er hat uns – The Ocean Tribune – kontaktiert (fragt nicht wie, die Technik ist kompliziert und involviert vermutlich Quanten-Flatulenz), um der Welt da oben seine Sicht der Dinge mitzuteilen. Schnall dich an, es wird ... tiefgründig. Bartholomew, vielen herzlichen Dank, dass Sie sich bereit erklärt haben, mit uns zu sprechen. Wir wissen, dass die Umstände für Sie ... schwierig sind. (Seine Stimme klingt im Übersetzer erstaunlich klar, aber mit einem unterschwelligen Zittern, wie eine gestimmte Saite kurz vor dem Reißen. Er steht stocksteif auf seinen langen Flossen vor unserer Kamera, nur die Kiemendeckel bewegen sich leicht.) „Schwierig“ ist eine Untertreibung von geradezu abyssalen Ausmaßen, meine Damen und Herren von der Oberfläche. „Katastrophal“ träfe es eher. Und sparen Sie sich das „Sie“. Nennen Sie mich Bartholomew. In Anbetracht der Verwüstung, die Ihresgleichen hier anrichtet, erscheinen mir Förmlichkeiten geradezu absurd. Äh, gut. Bartholomew. Wir sind hier, um über die massiven Veränderungen zu sprechen, die Ihre Heimat derzeit erfährt ... wir meinen den Tiefseebergbau. (Seine langen Brustflossen, die er normalerweise ruhig neben seinem Körper hält, zucken unmerklich. Ein feiner Sandwirbel löst sich von einer seiner „Stelzen“.) Veränderungen? Sie nennen es „Veränderungen“, wenn gigantische, lärmende Monstrositäten über den seit Äonen unberührten Boden pflügen? Wenn das Fundament unserer Existenz buchstäblich unter unseren Flossen weggerissen wird? Das ist keine „Veränderung“, das ist ein Pogrom! Ein mechanisierter Vandalismus sondergleichen! Stellen Sie sich vor, man würde Ihre Parks, Ihre Bibliotheken, Ihre Friedhöfe mit riesigen Rasenmähern einebnen, um Kieselsteine für Ziergärten zu sammeln! Das sind sehr drastische Vergleiche ... Drastisch? DRAS...? Meine Existenz hier unten basiert auf Stille! Auf feinsten Vibrationen im Wasser, die mir Beute verraten! Auf einem stabilen Untergrund! Und was habt ihr gebracht? Ohrenbetäubenden Lärm, der jeden Sinn betäubt! Erschütterungen, die einem die Knochen – äh, Gräten – im Leib erzittern lassen! Und diese ... diese Schürfmaschinen! Sie haben meine Nachbarn geholt! Meine Bekannten! Lebewesen, mit denen ich diesen stillen Winkel des Universums geteilt habe! Wir möchten unser tiefstes Mitgefühl ausdrücken. Können Sie uns erzählen, wie das Leben hier war, bevor diese Aktivitäten begannen? (Er verlagert sein Gewicht leicht, seine langen Bauchflossen-Stelzen sinken etwas tiefer in den Schlamm. Seine Stimme wird brüchig.) Es war ... geordnet. In seiner eigenen, langsamen Art. Eine Welt der Geduld. Man steht. Man wartet. Man lauscht den unsichtbaren Strömungen. Man spürt das Leben um sich herum. Die kleinen Krebstierchen, die wie winzige Geister über den Grund huschten. Die Borstenwürmer, die ihre filigranen Muster in den Schlick zeichneten. Und meine Gemeinschaft ... da war Barnaby, der Blobfisch. Sah immer etwas melancholisch aus, ich gebe es zu, aber er hatte eine Seele von unendlicher Sanftmut. Konnte die subtilsten Veränderungen im chemischen Milieu erspüren. Verschwunden. Vermutlich aufgesogen und zermahlen von diesen ... Dingern. Das ist schrecklich zu hören. (Ein bitteres Geräusch, das der Übersetzer als eine Art trockenes Schlucken interpretiert.) Schrecklich? Es ist eine Auslöschung! Dann war da Esmeralda, die Vampirtintenfischdame. Zugegeben, etwas theatralisch mit ihrem Umhang und den Leuchtorganen, aber sie kannte die alten Geschichten. Legenden von Kreaturen, die schon hier lebten, bevor die Kontinente ihre heutige Form hatten. Wir trafen uns manchmal an den Hängen der Tiefseerinnen. Jetzt ... Funkstille. Ihr bevorzugter Ruheplatz ist nun eine Schlammwüste, durchzogen von tiefen Furchen. Und Günther, der Pelikanaal! Ein Grobian, gewiss, aber mit einem Herzen – oder was auch immer Aale da haben – am rechten Fleck. Immer für einen derben Witz zu haben, wenn er nicht gerade versuchte, alles zu verschlingen, was kleiner war als er selbst. Er wurde zuletzt gesehen, als er neugierig auf eines dieser blendenden Lichter zuschwamm, die von den Schiffen da oben herabbaumeln. Seither fehlt jede Spur. Wir sind ... dezimiert. Wie hat das alles angefangen? Wie haben Sie es wahrgenommen? Zuerst war es nur ein fernes Dröhnen. Ein niederfrequentes Vibrieren, das durch den Meeresboden kroch. Unnatürlich. Persistent. Anders als die gelegentlichen seismischen Aktivitäten oder die tiefen Rufe der Wale. Dann kamen Lichter. Nicht die sanfte Biolumineszenz, an die wir gewöhnt sind. Nein, harte, kalte Strahlenbündel, die die Dunkelheit zerschnitten und Panik verbreiteten. Und schließlich der Lärm. Unbeschreiblich. Ein permanentes Mahlen, Schaben, Krachen. Stellen Sie sich vor, ein Gebirge würde bei lebendigem Leib zermalmt – und das Geräusch würde direkt in Ihr Gehirn übertragen. Die Druckwellen allein sind tödlich für kleinere, empfindlichere Organismen. Und dann sah ich sie zum ersten Mal ... diese Kolosse aus Metall. Langsam, unaufhaltsam, alles verschlingend. Sie hinterlassen nichts als Zerstörung und eine trübe Wolke aus aufgewirbeltem Sediment, die alles erstickt, was nicht schnell genug fliehen kann. Und wir Stativfische ... wir sind nicht für die Flucht gebaut. Wir sind für das Ausharren. Das war bisher unsere Stärke. Jetzt ist es unser Verhängnis. Es gibt Argumente, dass die Metalle, die hier gewonnen werden, für Technologien benötigt werden, die der Umwelt an Land helfen sollen – für Batterien, erneuerbare Energien ... (Seine Stimme wird schneidend scharf. Er hebt eine seiner Brustflossen leicht an, wie ein Professor, der einen besonders dummen Schüler zurechtweist.) Ach, die Mär von der grünen Lüge! Sie wollen also Ihre Atmosphäre retten, indem Sie das Fundament des größten Ökosystems dieses Planeten zerstören? Das ist, mit Verlaub, an Zynismus kaum zu überbieten! Sie sprechen von Nachhaltigkeit und schicken gleichzeitig Flotten von Schweröl verbrennenden Schiffen hierher, um mit energieintensiven Robotern den Meeresboden umzupflügen? Für Metalle, die Sie zum Großteil bereits an der Oberfläche besitzen, aber zu faul oder zu geizig sind, sie effizient zu recyceln? Ist Ihnen der Begriff „geschlossener Kreislauf“ gänzlich unbekannt? Sie opfern eine Jahrmillionen alte, unersetzliche Welt für den kurzfristigen Komfort Ihrer Spezies und nennen das „Fortschritt“? Ich nenne es Barbarei! Ökologische Idiotie! Die wissenschaftliche Gemeinschaft ist ja ebenfalls tief besorgt über die Langzeitfolgen und die Zerstörung von Biodiversität ... Ah, die Wissenschaftler! Einige von Ihnen scheinen tatsächlich zu verstehen, was hier auf dem Spiel steht. Aber wer hört schon auf die Warner in Ihren Reihen, wenn der Ruf des Profits lockt? Es ist doch evident: Dies ist ein komplexes, fragiles System. Der Schlamm, den Sie verächtlich „Dreck“ nennen mögen, ist ein lebendiges Archiv und ein Habitat! Die Manganknollen, auf die Sie so scharf sind, sind nicht nur Metallaggregate; sie sind Inseln des Lebens, Substrat für Schwämme, Korallen, Mikroorganismen, die wiederum Nahrung für andere sind. Entfernen Sie sie, und Sie entfernen nicht nur die Knollen, sondern ganze Lebensgemeinschaften! Das ist, als würden Sie aus einem Wald nicht nur die Bäume fällen, sondern auch gleich den gesamten Mutterboden abtragen und sich dann wundern, warum nichts mehr wächst! Und es wächst eben nicht einfach nach. Nicht in menschlichen Zeitmaßstäben. Vielleicht niemals. Neben der Wut spüren wir auch eine tiefe Trauer in Ihrer Stimme ... (Er senkt den Kopf, soweit es seine Anatomie zulässt. Seine Flossen zittern nun deutlich.) Wut ist die Rüstung. Darunter ... ist Verlust. Ein Ozean davon. Stellen Sie sich Ihre Welt vor, und plötzlich fehlen ganze Städte. Nicht durch Krieg oder Naturkatastrophen, sondern weil ein fremder Riese beschlossen hat, den Asphalt aufzurollen, weil er die Kiesel darunter hübsch fand. Man ... steht hier. An seinem angestammten Platz. Und wo gestern noch Barnaby in seiner stoischen Art existierte, ist heute ein Krater. Wo Esmeralda ihre eleganten Bahnen zog, ist nun eine monotone Schlammwüste. Man lauscht in die Stille, aber es ist nicht mehr die lebendige Stille von einst. Es ist die Stille eines Friedhofs. Ja, ich trauere. Um meine Freunde. Um die Zerstörung der Harmonie. Um die Dummheit derer, die nicht sehen wollen, was sie tun. Was möchten Sie den Menschen an der Oberfläche mit auf den Weg geben? Haben Sie eine Botschaft? (Er richtet sich wieder auf, seine Haltung wirkt nun fast herausfordernd. Die Stimme ist fest, jeder Anflug von Zittern ist verschwunden.) Ja. Eine dringende Bitte, die gleichzeitig eine Warnung ist: Halten Sie inne! Denken Sie nach! Ist der Preis wirklich gerechtfertigt? Sie suchen im All nach Spuren von Leben, während Sie dabei sind, eine einzigartige Biosphäre auf Ihrem eigenen Planeten auszuradieren – eine Welt, die Sie kaum zu verstehen begonnen haben. Diese Tiefsee ist kein unerschlossener Rohstofflagerplatz. Sie ist ein integraler Bestandteil des planetaren Systems. Ihre Zerstörung wird Konsequenzen haben, die Sie heute noch nicht absehen können, die aber unweigerlich kommen werden. Vielleicht nicht morgen, aber übermorgen. Lassen Sie diesen Ort in Frieden! Konzentrieren Sie Ihre Ingenieurskunst auf das Recycling dessen, was Sie bereits haben, auf echte Nachhaltigkeit, statt neue Wunden in die Erde zu reißen. Erinnern Sie sich an Barnaby! An Esmeralda! An Günther! Möge ihr unnötiger Verlust Sie zu klügeren Entscheidungen bewegen! Bartholomew, das sind Worte, die nachdenklich stimmen sollten. Wir danken Ihnen für Ihre Offenheit. (Wieder das trockene, schluckende Geräusch.) Schreiben Sie Ihre Geschichte. Vielleicht öffnet sie ja ein paar Augen da oben, bevor es endgültig zu spät ist. Aber erwarten Sie keinen Dank von uns. Sie dokumentieren gerade die Zerstörung unserer Welt durch Ihre eigene Spezies. Eine zweifelhafte Ehre. Und nun, wenn Sie gestatten, ich benötige Ruhe. Das ständige Vibrieren Ihrer Sonde und das grelle Licht sind ... unerträglich. Ich muss einen neuen Standplatz finden. Falls es noch einen unberührten Flecken gibt. Gehen Sie. Und richten Sie Ihren Leuten aus: Wir beobachten Sie. Auch wenn Sie uns nicht sehen. (Bartholomew verharrt noch einen Moment regungslos, dann löst er sich mit einer überraschend geschmeidigen Bewegung vom Boden und gleitet langsam, fast gespenstisch, aus dem Lichtkegel unserer Kamera in die undurchdringliche Schwärze der Tiefsee.) Herzlichen Dank! Das Gespräch mit Bartholomew, dem Stativfisch, lässt uns betroffen und nachdenklich zurück. Seine präzise formulierte Wut und seine stille Trauer verleihen der abstrakten Bedrohung des Tiefseebergbaus ein Gesicht – oder vielmehr eine Gestalt, die auf fragilen Flossen am Abgrund steht. Seine Schilderungen sind keine Übertreibungen eines verärgerten Meeresbewohners; sie spiegeln die ernsten Warnungen von Wissenschaftlern weltweit wider, die vor den irreversiblen Schäden an einem der letzten weitgehend unberührten Ökosysteme unseres Planeten warnen. Bartholomew hat uns daran erinnert, dass die Tiefsee kein lebloser Schlammplatz ist, sondern eine komplexe Welt voller einzigartiger Lebensformen und ökologischer Prozesse, deren Bedeutung wir erst zu erahnen beginnen. Die „Rohstoffe“, die wir begehren, sind Teil eines lebendigen Systems. Ihre Entnahme ist kein chirurgischer Eingriff, sondern eine Amputation ohne Betäubung. „The Ocean Tribune“ wird die Entwicklungen im Tiefseebergbau weiterhin kritisch begleiten. Bartholomews Stimme, stellvertretend für die schweigende Mehrheit der Tiefseebewohner, muss gehört werden. Sein Appell ist klar: Die Jagd nach kurzfristigem Gewinn darf nicht zur Zerstörung eines unersetzlichen Naturerbes führen. Wir müssen lernen, die Grenzen unseres Handelns zu erkennen und zu respektieren – besonders dort, wo die Folgen so weitreichend und endgültig sein könnten. Die Frage ist nicht länger, was wir aus der Tiefe holen können, sondern was wir bereit sind, dafür für immer zu verlieren. Bartholomew hat uns die Antwort aus seiner Sicht gegeben. Es liegt an uns, zuzuhören. Ahoi. Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!
- Was wäre, wenn wir die Rettung der Ozeane kaufen könnten - und was würde der Spaß kosten?
Von Barry Birdbrain Okay, schnall dich an, lieber Leser der Ocean Tribune, denn heute gehen wir auf eine Shoppingtour der etwas anderen Art. Vergiss den neuesten Technik-Schnickschnack oder die Designer-Handtasche, von der du schon immer geträumt hast (obwohl, seien wir ehrlich, wer träumt nicht manchmal davon?). Wir reden hier vom ultimativen Luxusgut, dem Must-Have der Saison und aller kommenden Saisons: einem gesunden, blauen Planeten. Stell dir vor, wir könnten die Rettung unserer geliebten Ozeane einfach in den Warenkorb legen, vielleicht noch einen Rabattcode von Mutter Natur persönlich ergattern und dann bequem zur Kasse gehen. Kreditkarte gezückt, PIN eingegeben, und zack – Problem gelöst! Die Korallenriffe erstrahlen in neuer Farbenpracht, die Fische machen eine La-Ola-Welle, und die Plastiktüten packen freiwillig ihre Koffer und ziehen auf eine einsame Mülldeponie-Insel (natürlich eine, die ethisch korrekt und umweltneutral betrieben wird). Aber was, wenn ich dir sage, dass diese absurde Vorstellung vielleicht gar nicht so absurd ist, wie sie klingt? Und vor allem: Was würde der Spaß kosten? Setz dich, hol dir einen (nachhaltig gefangenen und fair gehandelten) Fisch-Snack und vielleicht ein Glas Algen-Smoothie, und lass uns das mal durchrechnen. Es wird wild, es wird teuer, und es wird hoffentlich ein bisschen lustig. The Ocean Tribune proudly presents: Die ultimative Shopping-Liste für einen geretteten Ozean! (Stell dir hier eine dramatische Fanfare vor, vielleicht mit Delfingesang unterlegt, während ein imaginärer Vorhang aus Seetang sich hebt.) Artikel 1: Das "Nie-wieder-Plastikmüll"-Zauberpaket (Deluxe Edition mit Selbstreinigungsfunktion) Du kennst das Problem, es starrt uns von jedem zweiten Naturdoku-Plakat entgegen: Unsere Ozeane ersticken im Plastik. Jedes Jahr landen geschätzt zwischen 8 und 12 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Meeren. Das ist, als würdest du jede Minute einen vollen Müllwagen ins Wasser kippen. Stell dir das mal bildlich vor. Jede. Verdammte. Minute. Igitt! Was bräuchten wir also, um diesen Albtraum zu beenden und den Ozean wieder in ein Spa für seine Bewohner zu verwandeln? Die "Plastik-Adieu-Filter XL" und die "Flussmündungs-Bodyguards": Hochentwickelte Technologien zur Müllsammlung sind ein Muss. Denk an riesige, solarbetriebene Sammelschiffe, die wie Staubsaugerroboter über die Meeresoberfläche gleiten, und an intelligente Barrieren an Flussmündungen, die den Plastikmüll abfangen, bevor er überhaupt die Chance hat, Seeluft zu schnuppern. Projekte wie "The Ocean Cleanup" sind ein guter Anfang, aber wir bräuchten das Ganze im globalen Maßstab, quasi die "Avengers-Version" der Müllsammler. Die Entwicklung, der Bau und der weltweite Einsatz solcher Systeme wären nicht billig, vergleichbar mit dem Budget eines mittelgroßen Science-Fiction-Blockbusters – nur eben mit realem Happy End. Kostenschätzung für Entwicklung und Implementierung globaler Sammelsysteme: Sagen wir mal, sehr optimistisch, 50 - 100 Milliarden Euro über die nächsten 10 - 20 Jahre. Das klingt viel, aber hey, manche Leute geben das für eine einzige Raumfahrtmission aus, die nur ein paar Minuten dauert. (Quelle: Eigene Schätzung basierend auf Kosten bestehender Projekte und dem globalen Ausmaß des Problems – es ist wirklich schwer, hier genaue Zahlen zu finden, die nicht sofort veraltet sind.) Die "Kreislaufwirtschaft-Starter-Box (Premium)" mit lebenslangem Update-Service: Wir müssen den verdammten Hahn zudrehen! Es nützt ja nichts, wenn wir vorn den Müll rausfischen und hinten kippen die Industrien und wir Konsumenten fröhlich neuen rein. Das bedeutet: massive Investitionen in eine echte Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe. Das ist nicht nur ein bisschen Mülltrennung, oh nein. Wir reden von einer kompletten Neugestaltung von Produktdesign, Herstellung, Nutzung und Entsorgung. Bessere Recycling-Infrastruktur weltweit (nicht nur in Deutschland, wo wir uns gerne auf die Schulter klopfen), Förderung von wiederverwendbaren Alternativen (die auch wirklich praktisch sind und nicht nach dem dritten Mal auseinanderfallen) und intensive Forschung an biologisch abbaubaren Materialien, die diesen Namen auch verdienen und nicht nur in industriellen Kompostieranlagen unter Laborbedingungen zerfallen. Kostenschätzung für globale Umstellung auf Kreislaufwirtschaft (Kunststoffsektor): Das ist ein Monster-Projekt, ein echter Endgegner! Die OECD schätzt, dass die Finanzierungslücke zur Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs), wozu auch saubere Ozeane und verantwortungsvoller Konsum gehören, bei etwa 2,5 Billionen US-Dollar jährlich liegt. Ein signifikanter Teil davon müsste in die Kreislaufwirtschaft für alle Materialien fließen. Sagen wir, für den Plastik-Teil allein, wenn wir es ernst meinen, landen wir bei 200 - 500 Milliarden Euro über die nächsten Jahrzehnte. Das ist der Preis für jahrzehntelange Bequemlichkeit. Das "Verboten-ist-Verboten"-Dekret (mit Goldrand und Unterschrift aller Staatschefs): Ein weltweites, wirklich durchsetzbares Verbot von Einwegplastikprodukten, die einfach unnötig sind oder leicht ersetzt werden können. Strohhalme, Besteck, Wattestäbchen mit Plastikschaft, diese nervigen kleinen Shampoo-Fläschchen im Hotel – die Liste ist lang. Das kostet erstmal "nur" politischen Willen und vielleicht ein paar hitzige Debatten im Parlament. Aber die Umstellung für die betroffenen Industrien hat natürlich ihren Preis, der sich aber langfristig durch vermiedene Umweltschäden und Gesundheitskosten mehr als rechnet. Zwischensumme Plastik: Hui, da sind wir schon bei konservativ geschätzten 250 - 600 Milliarden Euro. Und das ist nur der sichtbare Müllberg an der Oberfläche! Artikel 2: Das "Fisch-Bleibt-im-Wasser"-Abo (mit Zufriedenheitsgarantie für Fische und Fischer der Zukunft) Unsere Meere werden leergefischt. Es ist, als hätten wir eine Party mit einem riesigen Buffet veranstaltet und vergessen, Nachschub zu bestellen. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) berichtet, dass rund 35,4% der weltweiten Fischbestände überfischt sind (Stand 2019, The State of World Fisheries and Aquaculture 2022). Und weitere 57,3% sind bis an ihre biologischen Grenzen befischt. Da ist nicht mehr viel Puffer! Das ist nicht nur schlecht für die Fische (stell dir vor, du bist ständig auf der Flucht), sondern auch für die Millionen Menschen, deren Lebensgrundlage von einer gesunden Fischerei abhängt. Was können wir also "kaufen", um den Fischen eine Verschnaufpause und uns eine Zukunft mit Fisch auf dem Teller zu sichern? Die "Schlaue-Netze-und-weniger-Boote"-Lizenz (inklusive Umschulung zum Algenfarmer): Förderung nachhaltiger Fischereipraktiken ist das A und O. Das bedeutet Umstellung von riesigen, rücksichtslosen Fangflotten auf selektivere Fangmethoden, die Beifang minimieren (niemand will einen Delfin im Thunfischnetz). Reduktion der Überkapazitäten – wir haben einfach zu viele Boote, die zu viele Fische jagen. Das bedeutet aber auch, dass wir den betroffenen Fischern alternative Einkommensquellen anbieten müssen: Umschulungsprogramme, Förderung von Aquakultur (aber bitte die nachhaltige Variante, nicht die, die Küstenökosysteme zerstört), vielleicht sogar Jobs im Meeresschutz-Tourismus. Kostenschätzung für die Umstellung auf nachhaltige Fischerei global: Schwer zu beziffern, aber die schädlichen Subventionen für die Fischerei belaufen sich jährlich auf etwa 22 Milliarden US-Dollar (Quelle: Our World in Data, basierend auf einer Studie von Sumaila et al., 2019). Diese einfach umzulenken und in nachhaltige Praktiken zu investieren, wäre ein grandioser erster Schritt. Zusätzliche Investitionen für Umrüstung, Forschung und soziale Abfederung: vielleicht 100 - 200 Milliarden Euro über 10 Jahre. Das "Meeresschutzgebiet-Deluxe-Paket (30x30 Edition)": Wissenschaftler sind sich ziemlich einig: Wir müssen deutlich mehr Fläche unserer Ozeane unter strengen Schutz stellen. Das Ziel "30x30" – also 30% der Ozeane bis 2030 als Schutzgebiete auszuweisen – ist ambitioniert, aber notwendig. Das bedeutet mehr und vor allem besser gemanagte Meeresschutzgebiete (MPAs). Ein Schild aufstellen reicht nicht; die müssen überwacht und die Regeln durchgesetzt werden. Das ist wie ein Nationalpark, nur eben nass. Kostenschätzung für 30x30: Eine Studie in "Nature" (Waldron et al., 2020) schätzte die Kosten für den Schutz von 30% der weltweiten Land- und Meeresflächen auf jährlich etwa 103 bis 178 Milliarden US-Dollar. Nehmen wir für den reinen Meeresanteil mal optimistisch 50 - 90 Milliarden Euro jährlich . Das ist weniger als manche Länder für ihre Verteidigung ausgeben, um Grenzen zu schützen, die im Angesicht globaler Umweltkrisen immer relativer werden. Das "Sheriff-der-Meere"-Upgrade (mit Satelliten und schnellen Booten): Effektive Bekämpfung der illegalen, unregulierten und undokumentierten (IUU) Fischerei ist ein Muss. Das sind die Piraten der Neuzeit, die sich nicht an Quoten halten und Ökosysteme plündern. Das braucht Satellitenüberwachung (Big Brother is watching you, Fischdieb!), Patrouillenboote (nicht nur die kleinen Nussschalen), Drohnen und vor allem eine knallharte internationale Kooperation und Strafverfolgung. IUU-Fischerei hat einen geschätzten jährlichen "Umsatz" von 10 - 23 Milliarden US-Dollar – Geld, das ehrlichen Fischern und den Staatskassen entgeht. Kostenschätzung für globale IUU-Bekämpfung: Hier könnten wir mit 10 - 20 Milliarden Euro jährlich schon viel erreichen, wenn das Geld klug eingesetzt wird. Zwischensumme Fisch & Schutzgebiete: Puh, da kommen nochmal locker 70 - 130 Milliarden Euro jährlich dazu, plus einmalige Umstellungskosten von 100 - 200 Milliarden. Aber hey, dafür gibt's dann wieder Fischstäbchen mit gutem Gewissen! Artikel 3: Das "Anti-Sauer-Bad"-Paket für Korallen und das "Klimaanlage-Deluxe"-Set für den Ozean (mit extra Kühlfunktion) Der Klimawandel ist der Elefant im Raum, oder besser gesagt, der Blauwal im viel zu warmen Planschbecken. Unsere Ozeane sind die heimlichen Helden im Klimasystem. Sie haben bisher rund 90% der zusätzlichen Wärme, die durch unsere Treibhausgasemissionen entstanden ist, aufgenommen und dazu noch etwa ein Viertel des vom Menschen verursachten CO2 geschluckt (Quelle: IPCC). Das ist einerseits super, denn sonst wäre es an Land schon viel ungemütlicher. Andererseits führt diese Doppelbelastung zur Ozeanversauerung (das CO2 löst sich und bildet Kohlensäure – schlecht für alles, was Kalkschalen hat) und zur Erwärmung. Beides zusammen ist ein Todesurteil für viele Korallenriffe, die Kinderstube unzähliger Meeresbewohner, und bringt ganze marine Ökosysteme aus dem Gleichgewicht. Die "CO2-Diät Extreme (Globale Edition)": Das ist der größte, fetteste und teuerste Brocken auf unserer Shopping-Liste. Wir müssen die globalen Treibhausgasemissionen drastisch, und zwar gestern, senken. Das bedeutet eine massive, beispiellose Transformation unserer Energiesysteme (weg von Kohle, Öl und Gas, hin zu Sonne, Wind und Co.), unserer Verkehrsmittel (mehr Züge, weniger SUVs, vielleicht sogar Segel-Frachtschiffe?), unserer Landwirtschaft (weniger Methan-rülpsende Kühe, mehr pflanzliche Ernährung) und unserer Industrie (effizienter, ressourcenschonender). Das ist kein "Ozean-Produkt" per se, sondern ein "Planet-Erde-Rettungspaket", aber ohne das sind alle anderen Bemühungen für die Ozeane nur ein Tropfen auf den heißen Stein – oder besser gesagt, ein Eiswürfel im kochenden Wasser. Kostenschätzung für die globale Energiewende: Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt, dass jährliche Investitionen in saubere Energien bis 2030 auf rund 4 Billionen US-Dollar (das sind etwa 3,7 Billionen Euro) steigen müssen, um das Ziel Netto-Null-Emissionen bis 2050 zu erreichen. Das sind keine reinen "Kosten", sondern Investitionen, die auch unzählige Jobs schaffen, neue Industrien befeuern und uns unabhängiger von geopolitisch heiklen fossilen Brennstoffen machen. Nennen wir es mal "die Mutter aller Rechnungen", aber auch die Mutter aller Chancen. Ein erheblicher Teil dieser Anstrengungen kommt den Ozeanen direkt zugute, indem Erwärmung und Versauerung gebremst werden. Die "Korallen-Wellness-Farm" und "Super-Korallen-Zuchtprogramm": Die Zeit drängt für die bunten Städte unter Wasser. Investitionen in die Forschung und Umsetzung von Korallenrestaurationsprojekten sind dringend nötig. Das beinhaltet "Korallengärtnerei", bei der abgebrochene Korallenstücke aufgezogen und wieder ausgepflanzt werden, aber auch die Züchtung und Ansiedlung von hitzeresistenteren Korallenstämmen – quasi Super-Korallen, die mit den wärmeren Temperaturen besser klarkommen. Kostenschätzung für globale Korallenriff-Rettung: Während die vollständige Wiederherstellung aller Riffe angesichts der fortschreitenden Erwärmung utopisch ist, könnten signifikante und gezielte Bemühungen zum Erhalt wichtiger Schlüsselriffe und zur Förderung der Resilienz einige Milliarden Euro jährlich kosten. Australien investiert beispielsweise schon Hunderte Millionen in den Schutz und die Wiederherstellung des Great Barrier Reef. Global gesehen ist das ein Klacks im Vergleich zum Wert, den diese Ökosysteme bieten (Tourismus, Küstenschutz, Fischerei). Das "Mangroven-und-Seegraswiesen-Aufforstungs-Kit (Blue Carbon Spezial)": Diese oft übersehenen Küstenökosysteme sind wahre Superhelden. Mangrovenwälder und Seegraswiesen sind nicht nur wichtige Kinderstuben für viele Fischarten und schützen Küsten vor Erosion und Stürmen, sie sind auch Kohlenstoffsenken par excellence – sogenannter "Blue Carbon". Sie können CO2 deutlich effektiver und langfristiger binden als Wälder an Land. Ihre Wiederherstellung und ihr konsequenter Schutz sind also Gold wert, oder besser gesagt, Kohlenstoff-Zertifikate wert. Kostenschätzung für globale Wiederherstellung von Küstenökosystemen: Eine Studie schätzt, dass die Wiederherstellung von Mangroven weltweit zwischen 6 und 44 Milliarden US-Dollar kosten könnte, aber einen vielfachen Nutzen in Form von Ökosystemdienstleistungen bringt (Quelle: The Global Mangrove Alliance). Rechnen wir für Mangroven, Seegraswiesen und auch Salzwiesen mal mit 10 - 50 Milliarden Euro über die nächsten 20 Jahre für großangelegte Restaurationsprogramme. Zwischensumme Klima & Co.: Die CO2-Diät ist der unkalkulierbare Gigant, der aber unumgänglich ist. Die direkten marinen Anpassungs- und Schutzmaßnahmen für Korallen und Küstenökosysteme schlagen mit weiteren zig Milliarden zu Buche. Aber hey, wer will schon in einer Welt ohne Nemo und mit überfluteten Küstenstädten leben? Artikel 4: Das "Schluss-mit-Lärm-und-Schadstoffen"-Abo (mit Ohropax für Wale) Man denkt immer nur an Plastik und Klimawandel, aber unsere Ozeane haben noch mehr Stressfaktoren. Neben dem sichtbaren Müll und der unsichtbaren Erwärmung gibt es noch andere Störenfriede: Chemische Verschmutzung durch ungeklärte Abwässer, Landwirtschaft (Hallo, Düngemittel und Pestizide!) und Industrie, sowie die oft unterschätzte Lärmbelästigung durch den immer dichter werdenden Schiffsverkehr, seismische Untersuchungen für Öl- und Gasvorkommen und den Bau von Offshore-Anlagen. Für Wale und Delfine, die sich über Schall orientieren und kommunizieren, ist das wie ein Dauer-Rockkonzert direkt neben dem Schlafzimmer. Der "Leise-Sohlen-Antrieb" für Schiffe und die "Unterwasser-Flüsterzonen": Entwicklung und Implementierung leiserer Schiffsmotoren und -propeller. Das ist technisch machbar, kostet aber natürlich bei der Umrüstung. Eine einfachere und oft effektivere Maßnahme: Geschwindigkeitsbegrenzungen für Schiffe in sensiblen Gebieten. Langsamere Fahrt reduziert nicht nur den Lärmpegel erheblich, sondern senkt auch das Risiko von Kollisionen mit Walen und spart sogar Treibstoff. Zudem die Ausweisung von "Flüsterzonen", also Gebieten, in denen besonders laute Aktivitäten wie seismische Tests stark eingeschränkt oder verboten sind. Kostenschätzung: Die technologische Umrüstung der globalen Handelsflotte wäre ein Langzeitprojekt und würde einige Dutzend Milliarden Euro über die Jahre verschlingen. Die Einrichtung und Überwachung von Geschwindigkeitszonen und Flüsterzonen ist vergleichsweise günstiger, erfordert aber internationale Abkommen und Koordination. Die "Sauber-Abfluss-Garantie (Weltweit-Standard)": Wir müssen aufhören, die Ozeane als globale Klärgrube zu benutzen. Das bedeutet strengere Regulierungen und vor allem den Bau und die Modernisierung von Kläranlagen weltweit, um den Eintrag von Nährstoffen (die zu Algenblüten und Todeszonen führen), Pestiziden, Industriechemikalien, Medikamentenrückständen und Schwermetallen drastisch zu reduzieren. Auch hier gilt: Was an Land passiert, landet oft im Meer. Kostenschätzung für globale Wasseraufbereitung und Schadstoffreduktion (landbasiert): Wieder ein riesiger Posten, der global gesehen in die Billionen gehen kann, wenn man es ernst meint und wirklich alle relevanten Quellen angeht. Die Vermeidungskosten durch saubere Produktion und ordentliche Abwasserbehandlung sind aber oft geringer als die späteren Kosten für die Beseitigung der Umweltschäden und die Behandlung von Gesundheitsproblemen. Die Kasse klingelt – oder die Kreditkarte glüht so stark, dass man damit Marshmallows rösten könnte? Okay, lieber Ocean Tribune-Fan, es ist Zeit für einen vorläufigen Kassensturz. Wenn wir nur die direkten "Ozean-Rettungs-Produkte" und die dringendsten Anpassungsmaßnahmen zusammenzählen – und dabei die alles entscheidende globale Dekarbonisierung, die ja ein eigenes, gigantisches Preisschild hat, nur am Rande streifen – sprechen wir von: Plastikbekämpfung: 250 - 600 Milliarden Euro (einmalig/langfristig für Infrastruktur und Umstellung) Nachhaltige Fischerei & Schutzgebiete: 70 - 130 Milliarden Euro jährlich für Management und Überwachung, plus einmalige Umstellungskosten von 100 - 200 Milliarden Euro. Korallen, Mangroven, Seegraswiesen: ca. 10 - 50 Milliarden Euro (langfristige Investition in Restauration), plus einige Milliarden Euro jährlich für intensive Korallenpflege und -forschung. Lärm & andere Schadstoffe: Einige Dutzend Milliarden Euro (langfristig für technologische Umrüstung), plus massive, aber schwer quantifizierbare Kosten für die globale Verbesserung der landbasierten Abwasserbehandlung und Reduktion von Schadstoffeinträgen. "Das ist ja eine Stange Geld! Mehr als mein gesamtes Netflix-Abo für die nächsten tausend Jahre!", wirst du jetzt vielleicht sagen. Und du hast absolut recht. Es ist eine gewaltige Summe. Aber lass uns das mal in Relation setzen, bevor du in Ohnmacht fällst. Die weltweiten Militärausgaben beliefen sich allein im Jahr 2023 auf fast 2,44 Billionen US-Dollar (Quelle: SIPRI). Jährlich! Das ist eine Zahl mit zwölf Nullen! Die globalen Subventionen für fossile Brennstoffe – also Geld, das wir aktiv dafür ausgeben, unser Klima- und Ozeanproblem zu verschärfen – lagen 2022 laut Internationalem Währungsfonds (IWF) bei aberwitzigen 7 Billionen US-Dollar. Sieben. Billionen. Jedes Jahr. Siehst du, worauf ich hinauswill? Das Geld ist da. Es wird nur gerade für Dinge ausgegeben, die uns eher schaden als nützen. Es ist nicht so sehr eine Frage, ob wir es uns leisten können, unsere Ozeane zu retten, sondern ob wir es uns leisten wollen und ob wir bereit sind, unsere Prioritäten radikal zu ändern. Die Kosten für Nichtstun sind übrigens um ein Vielfaches höher, ein echtes "Schuldenpaket" für zukünftige Generationen. Denk an den Verlust von Fischereierträgen, der Millionen Menschen die Existenzgrundlage raubt. Denk an die Schäden an Küsteninfrastruktur durch den Anstieg des Meeresspiegels und immer stärkere Stürme, die ohne den Schutz von Korallenriffen, Mangroven und Seegraswiesen noch verheerender wüten. Denk an den Verlust von Tourismuseinnahmen, wenn Strände vermüllt und Riffe tot sind. Denk an die Kosten für das Gesundheitswesen durch verschmutztes Wasser und den Verzehr von kontaminiertem Fisch. Eine Studie der Boston Consulting Group im Auftrag des WWF ("The Price of Inaction: The Global Economic Cost of Marine Plastic Pollution") schätzt allein die jährlichen globalen wirtschaftlichen Kosten der Meeresplastikverschmutzung auf bis zu 2,5 Billionen US-Dollar. Und das ist nur das Plastik! Die Gesamtkosten des Nichtstuns für alle Ozeanprobleme sind kaum zu ermessen, aber sie wären katastrophal. Wir könnten die Rettung der Ozeane also locker kaufen, wenn wir das Geld, das wir derzeit für die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen oder für weniger konstruktive Dinge ausgeben, einfach umschichten würden. Ja, das ist die ernüchternde und gleichzeitig unglaublich hoffnungsvolle Wahrheit. Es ist wie beim Hausputz: Man kann ewig drüber jammern, wie viel Arbeit es ist, oder man krempelt die Ärmel hoch und fängt an. Der ultimative Preis: Mehr als nur Geld – es geht um unsere Haltung Aber halt, bevor du jetzt deinen Sparstrumpf plünderst und versuchst, bei Jeff Bezos Anteile an einem "Ocean-Prime-Abo" zu kaufen: Der Preis für die Rettung der Ozeane lässt sich nicht allein in Euro, Dollar oder Bitcoin ausdrücken. Was es wirklich kostet, ist eine Währung, die in keiner Bank gehandelt wird: Politischer Wille (und Rückgrat): Regierungen müssen endlich mutige, oft unbequeme Entscheidungen treffen. Sie müssen langfristig denken, statt nur bis zur nächsten Wahl. Sie müssen internationale Abkommen nicht nur unterzeichnen, sondern auch mit Leben füllen und deren Einhaltung konsequent durchsetzen. Das erfordert Leadership, nicht nur Management des Status quo. Gesellschaftlicher Wandel (und ein bisschen Verzicht): Wir alle sind Teil des Problems und damit auch Teil der Lösung. Das bedeutet, wir müssen unser Verhalten ändern. Weniger und bewusster konsumieren (brauche ich wirklich das zehnte T-Shirt oder die in Plastik verpackte Ananas aus Übersee?), nachhaltige Produkte wählen, unseren ökologischen Fußabdruck reduzieren und vor allem: Druck auf die Politik und Unternehmen ausüben. Ja, das kann auch mal Verzicht bedeuten, aber vielleicht gewinnen wir ja Lebensqualität durch weniger Stress und mehr Natur. Innovation und Technologie (und ganz viele kluge Köpfe): Wir brauchen die besten und klügsten Köpfe, die neue, bahnbrechende Lösungen entwickeln – von wirklich biologisch abbaubaren Kunststoffen über effiziente CO2-Speichertechnologien bis hin zu KI-gestützten Überwachungssystemen für Meeresschutzgebiete. Die gute Nachricht: Viele dieser Technologien sind schon da oder in Entwicklung. Sie brauchen nur Finanzierung und den Willen, sie einzusetzen. Internationale Zusammenarbeit (und weniger Egoismus): Der Ozean kennt keine nationalen Grenzen. Plastikmüll aus einem Land landet an den Stränden eines anderen. Überfischung in einem Gebiet hat Auswirkungen auf die Fischbestände anderswo. Kein Land, keine Organisation, keine Einzelperson kann ihn allein retten. Es braucht eine globale Allianz, eine echte "United Oceans Task Force". Der wahre Preis für die Rettung der Ozeane ist eine globale Kraftanstrengung, die auf Wissen, unerschütterlichem Willen und einer tief empfundenen gemeinsamen Verantwortung beruht. Fazit: Zur Kasse, bitte – aber gemeinsam und mit einem Lächeln! Also, liebe Butterblume, was wäre, wenn wir die Rettung der Ozeane kaufen könnten? Die Antwort ist: In gewisser Weise können wir das. Nicht mit einem einzelnen, gigantischen Scheck von einem philanthropischen Milliardär (obwohl, wenn einer mitliest: Melde dich!). Nicht mit einem simplen Klick im globalen Online-Shop " SaveOurSeas.com ". Sondern durch massive, gezielte und vor allem nachhaltige Investitionen in den Schutz, die Wiederherstellung und – ganz entscheidend – in die grundlegende Transformation unserer Wirtschafts- und Lebensweise. Die "Produkte" auf unserer imaginären Shopping-Liste gibt es tatsächlich oder sie sind zumindest in greifbarer Nähe – es sind die Maßnahmen, Technologien und Strategien, die Wissenschaftler, Umweltschützer und vorausschauende Ökonomen seit Jahren fordern. Der "Preis" dafür ist hoch, keine Frage. Aber er ist keine Ausgabe, sondern die wichtigste Investition in unsere gemeinsame Zukunft, in die Gesundheit unseres blauen Planeten und letztlich in unser eigenes Wohlergehen und Überleben. Im Vergleich zu dem, was wir für Rüstung, fossile Subventionen oder die Beseitigung der Schäden durch unser Nichtstun ausgeben oder ausgeben müssten, ist es fast schon ein Schnäppchen mit Mengenrabatt. Vielleicht sollten wir aufhören, von "Kosten" zu sprechen, die uns abschrecken, und anfangen, es als das größte und wichtigste "Investment-Portfolio" der Menschheit zu betrachten. Ein Portfolio, dessen Rendite nicht primär in schnödem Geld, sondern in lebendigen, atmenden Ozeanen, sauberer Luft, reicher Artenvielfalt, stabiler Nahrungsmittelversorgung und einer sicheren, lebenswerten Zukunft für alle gemessen wird. Das sind Renditen, die keine Bank bieten kann. Und wer zahlt diese "Investition"? Wir alle. Durch gerecht gestaltete Steuersysteme, die Umweltzerstörung teurer und Umweltschutz günstiger machen. Durch unseren bewussten Konsum, der nachhaltige Unternehmen belohnt. Durch unser zivilgesellschaftliches Engagement, das den Druck auf die Entscheider erhöht. Durch unsere Innovationskraft, die neue Wege aufzeigt. Es ist wie eine riesige, weltumspannende Crowdfunding-Kampagne für den Planeten Erde, bei der jeder Beitrag zählt – vom Verzicht auf die Plastiktüte bis zur Entwicklung einer neuen Recyclingtechnologie. Die Rettung der Ozeane ist kein sündhaft teurer Luxusartikel, den sich nur die Reichen leisten können; es ist eine fundamentale Notwendigkeit, die wir uns gemeinsam leisten müssen, um nicht alles andere zu verlieren. Also, mein Freund, vielleicht ist die Idee, die Rettung der Ozeane zu "kaufen", gar nicht so humoristisch und absurd, wie sie anfangs klang. Es ist im Grunde eine knallharte kaufmännische Entscheidung, eine Frage der Prioritäten und des gesunden Menschenverstandes. Und ich glaube, wir sind uns alle einig: Ein gesunder, lebendiger Ozean ist für uns alle unbezahlbar wertvoll. Aber die Maßnahmen, um ihn zu schützen und zu heilen, haben einen konkreten Preis. Und es ist höchste Zeit, dass wir als Weltgemeinschaft bereit sind, diesen Preis zu zahlen. Mit allem, was wir haben – nicht nur mit Geld, sondern mit Verstand, mit Herz, mit Kreativität und mit vereinten Kräften. Was meinst du? Ist dein mentaler Warenkorb schon gefüllt mit guten Vorsätzen und Ideen? Und bist du bereit, mit zur Kasse zu gehen? Bitte bedenke, dass dieser Artikel zwar rein fiktiv ist und nur hypothetische Annahmen darstellt, aber dennoch reale Tatsachen beinhalten und/oder von solchen inspiriert sein kann. Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!
- Die Palau-Blaupause: Warum dieses Inselparadies die Hausaufgaben für den Rest der Welt macht
Von Gary Gullson Okay, schnall dich an, Meeres-Enthusiast! Wir tauchen heute ab in ein wahres Unterwasser-Wunderland, das nicht nur mit quietschbunten Fischen und Korallen protzt, sondern auch mit einer ordentlichen Portion Hirnschmalz und Mut, wenn es um den Schutz seiner nassen Schätze geht. Die Rede ist von Palau , einer Inselnation im Pazifik, die so klein ist, dass du sie auf der Weltkarte fast mit der Lupe suchen musst, aber in Sachen Meeresschutz so riesig, dass sie locker als Blauwal unter den Goldfischen durchgeht. Für uns bei The Ocean Tribune ist Palau wie der coole große Bruder, zu dem alle aufschauen. Stell dir vor, du hättest einen Garten so groß wie Spanien – und würdest 80% davon den Schmetterlingen überlassen! Genau das, nur eben mit Fischen und Korallen statt Kohlrabi und Rosen, hat Palau gemacht. Im Jahr 2015 riefen sie das Palau National Marine Sanctuary (PNMS) ins Leben. Und jetzt halt dich fest: Dieses Schutzgebiet umfasst sage und schreibe 80% der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Palaus . Das sind rund 500.000 Quadratkilometer ! Um dir das mal bildlich vorzustellen: Das ist eine Fläche, vergleichbar mit der Größe von Spanien oder Kalifornien. Und was passiert in diesem gigantischen Areal? Nichts. Also, nichts Schädliches. Jegliche extraktiven Aktivitäten wie Fischerei und Bergbau sind dort strengstens verboten. Tabula rasa für industrielle Ausbeutung, aber ein Fest für die Meeresbewohner! Aber was bedeutet das konkret für die Meeresbewohner? Stell dir vor, du bist ein Thunfisch, ein ziemlich gestresster Thunfisch, immer auf der Hut vor Netzen und Haken. Und plötzlich schwimmst du in ein Gebiet, so groß wie Spanien, in dem dir niemand an die Schuppen will. Du kannst in Ruhe Hochzeit feiern, deine Kinder großziehen und alt und weise werden. Klingt gut, oder? Genau das ist das PNMS für unzählige Meeresarten. Es ist eine riesige Regenerationszone, eine Art Wellness-Resort für die maritime Fauna. Der Clou ist aber, wie wir schon andeuteten, dieser "Spill-over-Effekt" . Das ist nicht nur eine nette Theorie, sondern ein wissenschaftlich untersuchtes Phänomen. Die Fische vermehren sich im Schutzgebiet wie die Karnickel (nur eben unter Wasser), und die Populationen wachsen. Irgendwann wird es selbst im größten Schutzgebiet eng, und die Fische, insbesondere die Jungfische und die abenteuerlustigen Erwachsenen, expandieren in die umliegenden Gebiete. Und genau da, in den verbleibenden 20% der AWZ Palaus, warten die lokalen Fischer mit ihren traditionellen und nachhaltigen Fangmethoden. Sie ernten quasi die Früchte des Schutzes, ohne den Baum zu fällen. Das ist ein Paradebeispiel dafür, wie Naturschutz und menschliche Nutzung Hand in Hand gehen können, wenn man es klug anstellt. Es sichert nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch die Lebensgrundlage der Menschen, die seit Generationen vom Meer leben. Das PNMS ist somit auch ein Bollwerk gegen die industrielle Überfischung durch große, internationale Flotten, die oft wenig Rücksicht auf lokale Bedürfnisse und ökologische Grenzen nehmen. Stell dir vor, das PNMS ist wie eine riesige Sparkasse für die Natur. Palau zahlt konsequent ein, indem es dieses riesige Gebiet schützt. Und die "Zinsen"? Das sind die Fische und andere Meereslebewesen, die in die umliegenden, befischbaren Zonen "überschwappen". Die lokalen Fischer heben dann quasi nur die Zinsen ab, während das Kapital – die gesunden Populationen im Schutzgebiet – unangetastet bleibt und weiter wächst. Dieser Mechanismus ist nicht nur ökologisch genial, sondern auch ökonomisch nachhaltig für die Menschen Palaus, die stark vom Fischfang abhängig sind. Es ist ein lebendiges Beispiel dafür, dass Naturschutz nicht Verzicht bedeuten muss, sondern eine Investition in die Zukunft ist. Größe und Ausdehnung des PNMS Palau Hai-Schutz – Eine Herzensangelegenheit mit Biss Als Palau 2009 seine Gewässer zum Hai-Schutzgebiet erklärte, war das eine Revolution. Damals war das Image von Haien noch stark von "Der weiße Hai" geprägt – blutrünstige Monster, die man besser ausrottet. Doch Palau erkannte schon früh den unschätzbaren ökologischen Wert dieser Top-Prädatoren. Haie stehen an der Spitze der Nahrungskette und spielen eine entscheidende Rolle für die Gesundheit der marinen Ökosysteme. Sie halten die Populationen anderer Fischarten gesund, indem sie kranke und schwache Tiere fressen. Ein Meer ohne Haie ist wie ein Wald ohne Wölfe – es gerät aus dem Gleichgewicht, und die Artenvielfalt leidet. Palaus Entscheidung war also nicht nur tierlieb, sondern auch ökologisch extrem weitsichtig. Heute sind die Gewässer Palaus ein Hotspot für Haitourismus. Taucher aus aller Welt kommen und zahlen gutes Geld, um diese faszinierenden Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben, wie sie majestätisch durch die Riffe patrouillieren. Und das spült deutlich mehr Geld in die Kassen, als der Verkauf von Haifischflossen je könnte. Man schätzt, dass ein lebender Riffhai in Palau über seine Lebenszeit durch Tourismus einen Wert von mehreren hunderttausend Dollar generieren kann. Ein toter Hai bringt einmalig ein paar Dollar für seine Flossen. Die Rechnung ist einfach. Ein lebender Hai ist in Palau ein Star, kein Suppengrün! Dieser Ansatz hat Schule gemacht und gezeigt, dass Artenschutz auch ökonomisch sinnvoll sein kann. Palau hat damit bewiesen, dass man Haie nicht fürchten, sondern feiern sollte – als wichtige Indikatoren für ein gesundes Meer. Palaus Unterwasserwelt Der Palau Pledge – Mehr als nur ein Stempel im Pass Der "Palau Pledge" ist so viel mehr als eine nette Geste. Er ist ein pädagogisches Meisterwerk. Indem Kinder diesen Eid formuliert haben, wird eine emotionale Brücke zu den Besuchern gebaut. Wer kann schon Nein sagen, wenn ein Kind dich bittet, auf sein Zuhause aufzupassen? Der Pledge ist in den Pass gestempelt, ein ständiger Begleiter während des Aufenthalts. Er wird in den Sicherheitsvideos der Fluggesellschaften gezeigt, die Palau anfliegen. Er ist präsent. Und er wirkt. Er verändert das Bewusstsein der Touristen. Man kommt nicht mehr nur als Konsument, der sich bedient, sondern als Gast, der eine gewisse Verantwortung trägt und Teil einer größeren Gemeinschaft wird. Es ist ein sanfter, aber unglaublich wirkungsvoller Schubs in Richtung nachhaltiges Verhalten. Stell dir vor, jede Touristen-Destination würde so etwas einführen! Bevor du den Eiffelturm besteigst, unterschreibst du, keinen Kaugummi dranzukleben. Bevor du Venedig besuchst, versprichst du, deinen Müll nicht in die Kanäle zu werfen. Vielleicht gäbe es dann weniger zertrampelte Korallen, weniger Plastikmüll an den Stränden und mehr Respekt vor der lokalen Kultur und Natur. Der Palau Pledge ist ein Exportschlager der besonderen Art – eine Idee, die die Welt braucht, um Tourismus zu einer Kraft des Guten zu machen, statt zu einer zerstörerischen Welle. https://palaupledge.com/ Riffschutz – Mit Sonnencreme-Verstand und Weitblick Das Verbot riffschädigender Sonnencremes im Jahr 2020 war nur ein Baustein in Palaus umfassender Strategie zum Schutz seiner Korallenriffe. Diese filigranen Ökosysteme sind die Kinderstuben unzähliger Meeresarten, natürliche Wellenbrecher, die die Küsten schützen, und natürlich ein Magnet für Taucher und Schnorchler. Palau weiß um ihre unschätzbare Bedeutung. Deshalb setzen sie auch auf die Reduzierung von Landabflüssen, die Sedimente und Schadstoffe wie Düngemittel oder Pestizide ins Meer tragen könnten. Sie fördern nachhaltige Tauchpraktiken, bei denen nichts angefasst oder beschädigt wird – "Take only pictures, leave only bubbles" ist hier nicht nur ein Spruch, sondern gelebte Realität. Und sie investieren in Forschung, um die Widerstandsfähigkeit der Riffe gegenüber dem Klimawandel zu verstehen und zu stärken. Denn Palau weiß: Gehen die Riffe, geht ein Teil ihrer Seele – und ihrer Lebensgrundlage, sowohl ökologisch als auch ökonomisch. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn globale Erwärmung und Ozeanversauerung machen auch vor den Toren Palaus nicht halt. Aber sie tun alles, was in ihrer Macht steht, um ihren Korallen die bestmöglichen Überlebenschancen zu geben, wie ein guter Gärtner, der seine wertvollsten Pflanzen hegt und pflegt. Anemonenfische in einer Anemone Die "Green Fee" – Naturschutz, der sich rechnet Die "Pristine Paradise Environmental Fee" (PPEF), eingeführt 2018 und derzeit bei 100 US-Dollar pro Besucher liegend, ist ein geniales Instrument. Sie internalisiert die externen Kosten des Tourismus. Jeder Besucher hinterlässt einen ökologischen Fußabdruck, sei es durch den Flug, den Wasserverbrauch, die Abfallproduktion oder einfach die pure Anwesenheit in einem sensiblen Ökosystem. Die Green Fee ist ein Weg, diesen Fußabdruck zumindest teilweise zu kompensieren und die Mittel direkt in den Schutz der Ressourcen zu lenken, die die Touristen überhaupt erst anziehen. Es ist, als würdest du im Restaurant nicht nur für dein Essen bezahlen, sondern auch einen kleinen Obolus für den Bauern geben, der die Kartoffeln nachhaltig angebaut hat, und für den Koch, der sie so lecker zubereitet hat. Dieses Modell schafft Transparenz und sorgt dafür, dass der Naturschutz nicht am Tropf staatlicher Haushalte hängt, die oft anderen Prioritäten unterliegen oder von politischen Wechseln betroffen sind. Ein Teil der PPEF fließt in den Protected Areas Network (PAN) Fund, der die Verwaltung der Schutzgebiete finanziert, und ein anderer Teil in den Fisheries Protection Trust Fund. Es ist eine direkte Investition der Nutzer in das genutzte Gut, eine Art Eintrittskarte ins Paradies, die gleichzeitig hilft, dieses Paradies zu erhalten. Traditionelles "Bul" – Nachhaltigkeit seit Jahrhunderten Die Praxis des "Bul" zeigt, dass Nachhaltigkeit keine moderne Erfindung von Greenpeace-Aktivisten oder hippen Öko-Bloggern ist. Indigene Völker auf der ganzen Welt haben oft über Jahrhunderte hinweg komplexe und effektive Systeme entwickelt, um im Einklang mit ihrer Umwelt zu leben und ihre Ressourcen weise zu nutzen. Das "Bul" ist ein solches System. Es basiert auf genauer Beobachtung der Natur, dem Verständnis ökologischer Zusammenhänge (z.B. Laichzeiten von Fischen, Regenerationszyklen von Pflanzen) und einem tiefen Respekt vor den natürlichen Ressourcen, die als Geschenk und nicht als unerschöpfliches Gut betrachtet werden. Wenn die Ältesten oder Chiefs ein "Bul" verhängen – also ein temporäres Verbot der Entnahme bestimmter Ressourcen aus einem bestimmten Gebiet – ist das keine willkürliche Entscheidung, sondern oft das Ergebnis langer gemeinschaftlicher Diskussionen und Beobachtungen. Es ist gelebte Demokratie im Einklang mit den Rhythmen der Natur, eine Art traditionelles Ökosystem-Management. Dieses traditionelle Wissen ist ein unschätzbarer Schatz, der in Palau nicht in Vergessenheit gerät, sondern aktiv in moderne Managementpläne und Gesetzgebungen integriert wird. Es zeigt, dass wir von alten Kulturen oft mehr lernen können, als wir in unserer schnelllebigen, technologiegläubigen Welt wahrhaben wollen, besonders wenn es um langfristiges Denken geht. Kampf gegen IUU-Fischerei – Klein, aber wehrhaft Der Kampf gegen die illegale, unregulierte und undokumentierte (IUU) Fischerei ist für Palau eine Daueraufgabe und eine riesige Herausforderung. Diese illegalen Flotten, oft aus fernen Ländern, plündern die Meere, zerstören Ökosysteme durch nicht-selektive Fangmethoden, missachten Fangquoten und stehlen den lokalen Fischern ihre Lebensgrundlage. Palau, mit seiner relativ kleinen Küstenwache und einem riesigen Seegebiet, könnte da eigentlich auf verlorenem Posten stehen. Aber sie sind findig und entschlossen. Sie nutzen Satellitentechnologie (wie Vessel Monitoring Systems – VMS), um "Dark Ships" (Schiffe, die ihr automatisches Identifikationssystem AIS ausschalten, um illegal zu fischen) aufzuspüren. Sie arbeiten eng mit internationalen Organisationen und sogar mit dem Militär befreundeter Nationen (wie den USA oder Australien) zusammen, die Überwachungsflüge oder Patrouillen durchführen, um ihr riesiges Seegebiet zu überwachen. Sie sind die Sheriffs im Wilden Westen des Pazifiks und zeigen den Fisch-Mafiosi, wo der Hammer hängt. Manchmal werden beschlagnahmte illegale Fischereifahrzeuge öffentlichkeitswirksam versenkt – natürlich nachdem alle Schadstoffe entfernt wurden, um als künstliche Riffe zu dienen – um ein klares und unmissverständliches Zeichen zu setzen: Mit uns nicht! Diese Entschlossenheit ist beeindruckend und ein wichtiges Signal an die internationale Gemeinschaft, dass auch kleine Nationen nicht wehrlos sind. Was andere Nationen von Palau lernen können – Mehr als nur eine Checkliste Die Lektionen aus Palau sind vielfältig und tiefgreifend. Es geht nicht nur darum, ein paar Gesetze zu erlassen oder ein Schutzgebiet auszuweisen. Es geht um eine grundlegende Haltung, eine Philosophie, die zeigt, wie Mensch und Natur koexistieren können. Vision und Mut sind wichtiger als Größe: Palau beweist, dass es nicht auf die Quadratkilometer Landmasse oder das Bruttoinlandsprodukt ankommt, sondern auf den politischen Willen und den Mut, auch mal unpopuläre, aber visionäre Entscheidungen zu treffen, die langfristig dem Wohl von Mensch und Natur dienen. Manchmal muss man kurzfristige Gewinne opfern, um langfristige Schätze zu bewahren und eine nachhaltige Zukunft zu sichern. Ganzheitlicher Ansatz – Meer ist Leben: In Palau ist Meeresschutz kein isoliertes Projekt, das von einer kleinen Abteilung im Umweltministerium betreut wird. Es ist tief verwoben mit der nationalen Identität, der Wirtschaft (Tourismus, Fischerei), der Kultur und dem Bildungssystem. Die Gesundheit der Ozeane ist die Grundlage für das Wohlergehen der Menschen. Diese Einsicht muss globaler Standard werden! Alle ins Boot holen – vom Kind bis zum Touri: Der Palau Pledge ist das perfekte Beispiel dafür, wie man die gesamte Gesellschaft und sogar die Besucher in die Verantwortung nimmt und zu aktiven Teilnehmern macht. Naturschutz ist keine Aufgabe für wenige Experten, sondern ein Gemeinschaftsprojekt, bei dem jeder Beitrag zählt. Nachhaltige Finanzierung – Geld stinkt nicht, wenn es Gutes tut: Die Green Fee zeigt, wie man Naturschutz finanzieren kann, indem man diejenigen beteiligt, die davon profitieren und die Ressourcen nutzen. Ein cleveres Modell, das Abhängigkeiten von schwankenden Staatshaushalten reduziert und Verantwortung schafft. Respekt vor Tradition und Wissenschaft – Das Beste aus beiden Welten: Die Kombination aus althergebrachtem indigenem Wissen (wie dem "Bul") und modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen kann zu besonders effektiven, kulturell verankerten und von der Bevölkerung akzeptierten Lösungen führen. Internationale Solidarität und Vorbildfunktion: Die Ozeane kennen keine Grenzen. Ihr Schutz ist eine globale Aufgabe, die nur gemeinsam bewältigt werden kann. Palau geht mit gutem Beispiel voran, sucht aktiv nach Partnern und scheut sich nicht, auf der internationalen Bühne seine Stimme für den Meeresschutz zu erheben. Palau ist ein funkelndes Beispiel dafür, wie ein kleines Land mit großem Herzen und klarem Verstand einen riesigen Unterschied machen kann. Sie sind nicht nur Hüter ihrer eigenen Gewässer, sondern auch eine Inspiration und ein Lehrmeister für die ganze Welt. Sie zeigen uns, dass Hoffnung kein passives Gefühl ist, das man hat oder nicht hat, sondern das Ergebnis mutigen Handelns und unerschütterlicher Entschlossenheit. Also, wenn du das nächste Mal hörst, dass alles schlecht ist, die Meere verloren sind und wir den Planeten sowieso nicht mehr retten können, dann erzähl von Palau. Erzähl von den Kindern, die den Pledge geschrieben haben, von den Haien, die dort sicher sind, und von den Menschen, die ihr Meer lieben und schützen, als wäre es ihr wertvollster Schatz – was es ja auch ist. Denn Palau ist der lebende Beweis: Es geht! Man muss es nur wollen – und dann verdammt nochmal auch tun. Mit ozeanischen Grüßen Klartext braucht eine starke Crew. The Ocean Tribune ist zu 100% unabhängig, werbefrei und für alle frei zugänglich. Wir lassen uns von keiner Lobby kaufen, weil wir nur einer Sache verpflichtet sind: dem Ozean. Das ist nur möglich, weil eine Crew von unerschrockenen Unterstützern hinter uns steht, die diesen Kurs finanziert. Wenn du unsere Arbeit wertvoll findest, dann werde jetzt Teil dieser Bewegung. Jeder Beitrag ist Treibstoff für unsere Mission und sorgt dafür, dass wir weiter die unbequemen Wahrheiten aussprechen können. Aus der Werkstatt: Vom Problem zur Lösung Aufklärung ist der erste Schritt. Die Umsetzung der zweite. Wir bei Vita Loom Labs entwickeln die professionellen Werkzeuge und strategischen Prozesse, die Impact-Organisationen dabei helfen, ihre Missionen wirkungsvoller zu machen. Sie wollen sehen, wie unser strategischer Prozess in der Praxis aussieht? Unsere 'Blueprint Case Study' demonstriert Schritt für Schritt, wie wir aus einer guten Idee einen unwiderstehlichen, förderfähigen Antrag schmieden. The Ocean Tribune Wir wissen, was die Ozeane zu sagen haben!












